Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
«Ich hoffe, Sie behalten Ihren Humor auch dann noch, wenn einer vor Ihnen steht und Ihnen die Kehle durchschneidet, Commander«, sagte Indiana ernst.
Bentley musterte ihn mit unverhohlener Herablassung. Dann lächelte er dünn, drehte sich um und deutete auf einen der gewaltigen Geschütztürme des Schiffes.»Sehen Sie das, Dr. Jones?«
Indiana nickte.
«Das ist eine Dreißig-Zentimeter-Kanone«, fuhr Bentley mit unüberhörbarem Stolz in der Stimme fort.»Wir haben allein davon sechs Stück. Außerdem noch sechsundzwanzig andere Kanonen, vierzig Maschinengewehre und fünfhundert ausgebildete Marineinfanteristen, von denen jeder ein ausgezeichneter Schütze ist. Eine einzige Breitseite dieses Schiffes könnte Ihr ganzes sagenhafte Mayareich quer über den Ozean pusten.«
«Da wäre ich nicht so sicher«, murmelte Indiana halblaut.
Bentley wollte auffahren, aber Norten brachte ihn mit einer besänftigenden Geste zum Schweigen.»Ich glaube nicht, daß dieser Streit zu irgend etwas führt«, sagte er.»Laßt uns lieber überlegen, was wir mit José machen.«
«Wenn es José war«, sagte Indiana.
Norten überging die Bemerkung.»Haben Sie sich entschieden, Dr. Jones?«
«Noch nicht«, antwortete Indy.»Warum?«
«Weil dann alles sehr viel leichter wäre«, antwortete Norten.»Wir könnten José in eine Arrestzelle sperren und uns in aller Ruhe überlegen, wie wir mit ihm verfahren wollen.«
«Was haben Sie denn vor?«erkundigte sich Indiana.
«Nichts«, antwortete Norten; eine Spur zu hastig, als daß Indiana ihm wirklich geglaubt hätte.»Sobald wir diesen Tempel gefunden und die Gefahr beseitigt haben, gilt für ihn dasselbe, was auch für Sie gilt: Er ist ein freier Mann und kann gehen, wohin er will.«
«Ich lasse ihn auf der Stelle verhaften und in Ketten legen«, sagte Bentley.
Diesmal war es Indiana, der ihn zurückhielt.»Ich glaube, das wäre ein Fehler«, sagte er.»Wenigstens im Moment. Geben Sie mir Zeit bis morgen abend, über Ihre Geschichte nachzudenken.«
«Und dieser Verrückte läuft inzwischen frei auf meinem Schiff herum?«fragte Bentley empört.»Niemals!«
«Vielleicht hat er recht«, mischte sich sein Bruder ein.»Natürlich werden wir ihn im Auge behalten. Aber eine Gefahr, die man kennt, ist eigentlich keine mehr. Vielleicht erfahren wir von ihm noch etwas über den Verbleib des letzten Anhängers.«
«Er hat ihn nicht«, sagte Bentley.
«Woher wissen Sie das?«erkundigte sich Indiana.
«Ich habe seine Kabine durchsuchen lassen«, antwortete Bent-ley freimütig.»Ihre übrigens auch, Dr. Jones. Und auch die von Joana, und … meinem Bruder, wenn Sie das beruhigt.«
Das beruhigte Indiana keineswegs. Aber er zog es vor, darauf zu schweigen und sich ohne ein weiteres Wort umzudrehen und wieder unter Deck zurückzugehen. Er fühlte sich sehr verwirrt. Auf einmal hatte er furchtbare Angst. Und er wußte nicht einmal genau, wovor.
Natürlich verlangte sein Körper schließlich doch sein Recht. Trotz allem fiel Indiana in einen tiefen, traumlosen Schlaf, kaum daß er in seine Kabine gegangen und sich angezogen auf dem Bett ausgestreckt hatte, aus dem er erst spät am Vormittag erwachte.
Er blieb noch eine ganze Weile auf dem Bett liegen, starrte die unverkleidete, eiserne Decke hoch über seinem Kopf an und versuchte, die Geschehnisse der vergangenen Tage Revue passieren zu lassen. Nicht zum ersten Mal hatte er das Gefühl, irgend etwas übersehen zu haben; irgend etwas nicht genug Bedeutung zugemessen, irgendein Detail nicht beachtet zu haben. Vielleicht war es nur eine Kleinigkeit, etwas auf den ersten Blick völlig Unwichtiges, Nebensächliches — aber Indiana wußte einfach, daß all diese scheinbar völlig zusammenhanglosen Teile sich zu einem Bild ordnen würden, sobald er nur den passenden Schlüssel gefunden hätte. Aber solange er auch überlegte — er kam einfach nicht darauf.
Schließlich resignierte er und stand auf. Jemand mußte in seiner Kabine gewesen sein, während er schlief, denn auf dem Hocker neben seinem Bett fand er eine sauber gefaltete Marine-Hose und ein dazu passendes Hemd, von dem die Rangabzeichen entfernt worden waren. In Anbetracht des desolaten Zustandes seiner eigenen Kleidung — seine Hose und sein Hemd zeigten immer noch die Spuren seiner verzweifelten Flucht durch den Aufzugschacht, der unfreiwilligen Schwimmpartie im Hafen von New Orleans und des Feuersturms auf Nortens Hacienda —, war die Verlok-kung im ersten Moment groß, sich ihrer zu entledigen und die bereitgelegten Sachen überzuziehen. Aber Indiana tat es nicht. Statt dessen blieb er fast eine Minute lang völlig reglos auf der Bettkante hocken und sah auf sein rechtes Hosenbein hinunter. Der Stoff war nicht nur zerrissen und völlig verdreckt, er zeigte auch deutliche Brandspuren, die Berührung der glühenden Feuerschlange, die aus dem Abgrund unter Nortens Haus herausgegriffen und sein Bein umklammert hatte. Und plötzlich hatte er erneut das Gefühl, der Lösung ganz, ganz nahe zu sein. Der Gedanke war da — so deutlich, daß er quasi nur die Hand auszustrecken und ihn zu ergreifen brauchte. Aber bevor es ihm gelang, entschlüpfte er ihm wieder, und hinter seiner Stirn herrschte nichts als das gewohnte Durcheinander.
Indiana war nicht einmal sonderlich enttäuscht. Es wäre beinahe zu einfach gewesen. Aber immerhin wußte er, daß er auf der richtigen Spur war. Und er kannte sich selbst gut genug, um auch zu wissen, daß es nicht mehr allzulange dauern würde, bis er von selbst auf die Lösung kam. Und dann würde irgend jemand hier an Bord eine unangenehme Überraschung erleben — entweder Gregs undurchsichtige Freunde oder sein vermeintlicher Freund José. Vielleicht alle drei.
Er wusch sich, reinigte seine Kleidung, so gut es ging, und verließ seine Kajüte.
Als er halb auf den Gang hinausgetreten war, hörte er neben sich eine Tür ins Schloß fallen. Automatisch wandte er den Kopf und sah José, der ebenfalls auf den Korridor hinausgetreten war und sich mit schnellen Schritten entfernte. Offensichtlich hatte er Indiana gar nicht bemerkt.
Im ersten Moment — fast ohne daß er selbst wußte, warum — wich Indiana mit einer lautlosen Bewegung in seine Kabine zurück und zog die Tür bis auf einen fingerbreiten Spalt wieder zu. Aufmerksam beobachtete er José, wie er den Korridor hinunterging und schließlich seinen Blicken entschwand. Dann trat er ein zweites Mal auf den Gang, sah sich sichernd nach rechts und links um — und huschte zu der Tür, aus der José gerade herausgekommen war. Eine Sekunde zögerte er noch, dann streckte er die Hand nach der Klinke aus — und die Tür war tatsächlich nicht abgeschlossen.
Die Kajüte hatte kein Fenster, genau wie seine eigene. Indiana tastete einen Moment im Dunkel nach dem Lichtschalter, fand ihn und blinzelte einen Herzschlag lang in das plötzlich aufflammende, grellgelbe Licht. Dann schob er die Tür hinter sich hastig wieder zu und sah sich um.
Einen Moment lang überlegte er, was um alles in der Welt er José erzählen sollte, falls dieser unverhofft zurückkäme und ihn beim Durchsuchen seiner Kabine entdecken würde. Dann verscheuchte er den Gedanken. Nach allem, was in den letzten zweiundsiebzig Stunden passiert war, gab es im Grunde nichts mehr, weswegen er sich über ihre ohnehin eher lockere Freundschaft noch Gedanken machen sollte.
Schnell, aber sehr gründlich durchsuchte er Josés Kajüte — was nun wirklich leicht war, denn sie war so gut wie leer. In den Schubladen und auf den Regalbrettern des eingebauten Wandschrankes fand er nichts; natürlich nicht, schließlich war José mit ebenso leichtem Gepäck wie Joana und er und die beiden anderen hier angekommen. Was hatte er zu finden gehofft?
Indy wollte schon aufgeben, aber dann drehte er sich doch noch einmal herum, ließ sich auf die Knie sinken und sah unter das Bett.
Es war eines der ältesten und lächerlichsten Verstecke, die man sich nur denken konnte — und genau dort wurde er fündig.
Unter dem Bett lag ein großes, in graues Segeltuch eingeschlagenes Bündel. Indiana zog es hervor — angesichts seines enormen Umfanges war es überraschend leicht —, legte es aufs Bett und warf einen letzten, sichernden Blick zur Tür, ehe er mit vor Aufregung zitternden Fingern den Knoten des einfachen Stricks löste, mit dem es zusammengehalten war.