Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
«Entschuldige«, murmelte er.»Ich war ungerecht. Es tut mir leid.«
«Schon gut. «Joanas Hand kroch über seinen Arm und berührte seine eigene Hand, und für einen Moment verschränkten sich ihre Finger, und diesmal ließ Indiana die Berührung zu, denn es war einfach die Berührung eines zitternden, verängstigten Kindes, das an der Schulter eines Erwachsenen Schutz suchte.
«Keine Sorge«, murmelte er.»Es wird schon alles gut werden.«
Joana antwortete nicht, und eine Weile saßen sie einfach in vertrautem Schweigen da. Aber es war ein sehr unangenehmes, niedergeschlagenes Schweigen, und so wenig, wie Indiana selbst von der Wahrheit seiner Worte überzeugt war, so sehr mußte sie fühlen, daß er sie nur gesprochen hatte, um sie und sich selbst zu beruhigen.
Dabei gab es eigentlich keinen Grund, vor irgend etwas Angst zu haben. Sie befanden sich nicht mehr auf einer belagerten Ha-cienda, sondern an Bord eines amerikanischen Schlachtkreuzers, dessen Kanonen und Maschinengewehre es mit allen Indianerarmeen der Welt zugleich aufnehmen konnten, sie befanden sich nicht in der Gewalt mordlüsterner Indianer, sondern in der Obhut einer US-Marineinfanterieeinheit, und sie hatten es nicht einmal mehr mit einem verrückten Halbindianer zu tun, der glaubte, dazu ausersehen zu sein, den alten Mayagott wieder zum Leben zu erwecken, sondern mit zwei sehr vernünftigen Männern, die zwar aus völlig unterschiedlichen Beweggründen, aber doch sehr vorsichtig handelten.
Wenn die beiden ihm die Wahrheit erzählt hatten. Und aus einem Grund, der Indiana selbst nicht ganz klar war, glaubte er das immer noch nicht. Vielleicht klang die Geschichte einfach ein bißchen zu glatt. Da war zwar nichts, was ihn wirklich störte, nichts, worauf er den Finger legen konnte — aber möglicherweise war es gerade das: daß ihre Geschichte keinerlei Haken und Ösen hatte. Sie klang einfach nicht echt, sondern — zugegeben perfekt — konstruiert.
Nach einer Weile löste Indiana behutsam seine Finger aus Joa-nas Hand und stand auf.
«Wo gehst du hin?«erkundigte sie sich. Ihre Stimme klang beinahe erschrocken.
Indiana deutete mit einer Kopfbewegung zur Decke.»Nach oben«, sagte er.»Ich möchte einfach ein bißchen frische Luft schnappen. Ein paar Schritte machen und überlegen.«
Zu seiner Überraschung verzichtete Joana darauf, ihn begleiten zu wollen. Dafür war Indiana eine Sekunde lang versucht, sie dazu aufzufordern. Er fühlte sich einfach nicht wohl bei der Vorstellung, sie ganz allein hier zurückzulassen — obwohl das eigentlich absurd war. Sie war nicht allein, sondern an einem der vermutlich sichersten Orte, den es auf der ganzen Welt gab; zumindest aber im Umkreis etlicher tausend Meilen. Mit dem neuerlichen Versprechen, bald wiederzukommen, drehte er sich um, verließ die Kabine und trat auf den von schwachem elektrischem Licht beleuchteten Korridor hinaus. Unter seinen Füßen konnte er das sanfte Vibrieren der Planken spüren, und tief unten im Rumpf des Schiffes hörte er das beruhigende Wummern der gewaltigen Dieselmotoren. Weit vor sich, am Ende des Ganges und kaum mehr als ein Schatten im schwachen Licht, sah er einen Soldaten, der an der Wand lehnte und so zu tun versuchte, als wäre er gar nicht da. Das alles — die fast unzerstörbaren, stählernen Wände ringsum, das beruhigende Geräusch der gewaltigen Maschinen, die Wache, die Bentley zu ihrem Schutz abkommandiert hatte — hätte ihn beruhigen müssen. Aber das genaue Gegenteil war der Fall. Aus irgendeinem Grund wuchs seine Nervosität mit jeder Sekunde.
Als er sich dem Wachsoldaten genähert hatte und an ihm vorbeigehen wollte, hob der Mann fast verlegen die Hand und vertrat ihm den Weg.»Sir?«
«Ja?«Indiana sah den Soldaten fragend an.
«Darf ich fragen, wohin Sie …«Er brach ab. Seine Verlegenheit war ihm deutlich anzusehen.
Indiana lächelte.»Nach oben«, sagte er mit einer entsprechenden Geste.»Ich möchte an Deck. Ein wenig frische Luft schnappen.«
Wieder zögerte der Soldat einen Herzschlag, ehe er mit einem bedauernden Achselzucken den Kopf schüttelte.»Das geht nicht, Sir. Es tut mir leid.«
«Wieso nicht?«erkundigte sich Indiana.
«Befehl des Captains«, antwortete der Mann.»Niemand darf nach Dunkelwerden das Deck betreten.«
Indiana wollte auffahren, aber er fühlte sich gleichzeitig auch viel zu müde dazu. Und dieser Soldat konnte schließlich nichts dafür — er führte nur Befehle aus. Trotzdem sagte er:»Bezieht sich dieser Befehl auch auf eventuelle Zivilpersonen an Bord — oder nur auf Marineangehörige?«erkundigte er sich.
Der Ausdruck auf dem Gesicht des Soldaten wurde regelrecht gequält.»Ich … bin nicht sicher, Sir«, antwortete er.
«Aber ich«, sagte Indiana.»Ich komme gerade von einer Besprechung mit Ihrem Kapitän. Ich bin sicher, er hätte mir gesagt, wenn ich meine Kabine nicht verlassen dürfte.«
Der Posten war sichtlich zwischen Pflichtbewußtsein und der Angst, einen Fehler zu begehen, hin- und hergerissen.
Indiana betrachtete ihn etwas aufmerksamer. Er war nicht ganz sicher — aber er glaubte, daß vorhin ein anderer Mann an seiner Stelle gestanden hatte.
«Wie lange tun Sie hier schon Dienst?«fragte er.
«Noch nicht lange, Sir. Wenige Minuten.«
«Dann behaupten Sie einfach, Sie hätten mich nicht gesehen«, riet ihm Indiana. Er lächelte, aber sein Blick fügte etwas ganz anderes hinzu: Oder laß es darauf ankommen, mein Freund, daß ich zu Commander Bentley gehe und mich über dich beschwere.
Einen Moment lang zögerte der Mann noch, dann nickte er unentschlossen und gab den Weg frei; alles andere als ‘überzeugt davon, das richtige zu tun, aber auch sichtbar erleichtert, daß Indiana ihm eine solche Brücke gebaut hatte.
Indiana ging schnell weiter und erreichte nach wenigen Minuten den Aufgang zum Deck. Auf dem Weg herunter hatte er sich den Weg sorgsam eingeprägt; schon aus Sorge, sich im Inneren des riesigen Schiffes zu verirren. Der Kreuzer war ein schwimmendes Labyrinth aus Räumen, Sälen, Treppen und Gängen, aber ihre Quartiere lagen nur ein Stockwerk unter der Brücke.
Es war fast unheimlich still, als er auf das Deck hinaustrat. Der Wind wehte und trug Kälte und Salzwassergeruch heran, aus dem Rumpf des Schiffes drang noch immer das Dröhnen der Dieselgeneratoren, das hier oben beinahe deutlicher zu hören war als in seinem Inneren, und er hörte das machtvolle Rauschen, mit dem sich der gewaltige Schiffskörper seinen Weg durch die Wellen bahnte. Und trotzdem war die Stille da. Sie überfiel ihn wie ein Orkan, traf ihn mit solcher Macht, daß er mitten im Schritt erstarrte und einen Moment lang nahe daran war, in Panik zu geraten, denn es war die gleiche, unheilschwangere Stille, die er auch auf Nortens Hacienda gespürt hatte. Das gleiche schwarze Schweigen, in dem etwas Unsichtbares, Gewaltiges heranzukriechen schien und das zwar nicht seine normalen Sinne, wohl aber etwas Uraltes, tief in ihm Schlummerndes aufschreien ließ.
Unsinn! dachte er. Du fängst an, Gespenster zu sehen, alter Junge.
Aber die Nervosität blieb. Mit klopfendem Herzen trat Indiana aus dem Schatten der stählernen Tür auf das Deck hinaus und sah sich um. Der Bug des Schiffes lag wie ein stählernes Fußballfeld vor ihm, und nirgends regte sich etwas. Trotzdem gaukelten ihm seine überreizten Nerven für einen Moment Bewegung vor: ein Gleiten und Huschen in den Schatten, ein zuckendes SichWinden und Kriechen, das ihm einen eisigen Schauer über den Rücken jagte. Und auch das Licht war falsch. Der Mond stand noch immer völlig gerundet am Himmel, obwohl die Nacht sich bereits dem Ende neigte, aber er schien noch immer keine Helligkeit zu spenden; der mattgestrichene, graue Stahl des Schiffes saugte das bißchen Licht auf wie ein Schwamm einen Wassertropfen, und so, wie irgend etwas alle Geräusche fraß und sie zwar nicht auslöschte, ihnen aber ihre Realität nahm, vernichtete irgend etwas anderes das Licht. Für einen Moment wurde dieses Gefühl plötzlich übermächtig: das Gefühl, sich in der Nähe von etwas ungeheuer Altem, ungeheuer Mächtigem und ungeheuer Gnadenlosem zu befinden.