Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
Mit einem erschöpften Keuchen taumelte Indiana zurück und schloß die Augen. Und plötzlich, von einem Sekundenbruchteil auf den anderen, schlug die Angst mit aller Macht zu. Heiße und kalte Schauer rasten abwechselnd über seinen Rücken, und seine Hände und Knie begannen so heftig zu zittern, daß er an einem der Decksaufbauten Halt suchen mußte. Für einen Moment begannen sich das Schiff und der Himmel um ihn herum zu drehen, und es hätte nicht viel gefehlt, und Indiana Jones wäre schlichtweg in Ohnmacht gefallen.
«Alles in Ordnung mit Ihnen, Dr. Jones?«
Indiana nickte schwach und murmelte eine Antwort, die er nicht einmal selbst verstand, ehe er sich zu seinem Retter herumdrehte.
Es war Norten. Er stand zwei Schritte hinter ihm, das Gewehr noch immer auf die tote Schlange gerichtet, und einen Ausdruck im Gesicht, der zwischen Entsetzen und Zorn lag. Seine Finger umklammerten die Waffe so fest, daß alles Blut daraus gewichen war. Und auch seine Hände zitterten; so heftig, daß sich Indiana für einen Moment fragte, wie er das Tier überhaupt hatte treffen können.
Aber er hatte es getroffen, und das allein zählte.
«Vielen Dank«, murmelte Indiana.»Das war verdammt knapp.«
Norten musterte ihn besorgt.»Hat sie Sie gebissen?«fragte er.
Indiana schüttelte den Kopf.
«Sind Sie verletzt?«
«Nein«, antwortete Indiana.»Mir ist … nichts passiert. «Er versuchte zu lachen, aber es mißlang.»Ich bin mit dem Schrek-ken davongekommen, wie man so schön sagt.«
Nortens Blick wurde noch eine Spur ernster.»Aber einem gewaltigen Schrecken, wie ich sehe«, sagte er.
Indiana machte eine verlegene Geste.»Ja«, gestand er.»Ich … ich muß Ihnen das erklären. Ich habe …«
«… panische Angst vor Schlangen. Ich weiß«, unterbrach ihn Norten mit einem flüchtigen, nicht ganz echten Lächeln.»Greg hat mir davon erzählt. Aber ich wußte nicht, daß es so schlimm ist.«
«Ich auch nicht«, sagte Indiana leise. Schaudernd drehte er sich um und blickte noch einmal auf den toten Schlangenkörper hinab. Selbst jetzt noch wirkte das Tier furchteinflößend und gewaltig, und selbst jetzt war seine Wirkung auf Indiana hundertmal stärker als die jeder anderen Schlange, der er jemals begegnet war.
Nicht weit von ihnen entfernt flog eine Tür auf, und zwei Soldaten kamen herausgestürmt, die Gewehre schußbereit in den Händen. Fast gleichzeitig flammte über ihnen an der Brücke ein starker Scheinwerfer auf, dessen Strahl einen Moment ziellos über das Deck tastete, ehe er Norten und Indiana erfaßte und festhielt. Offensichtlich war Nortens Schuß gehört worden. Indiana begriff, daß seither kaum mehr als fünf oder sechs Sekunden vergangen sein konnten. Ihm war es vorgekommen wie Ewigkeiten.
Norten drehte sich zu den beiden Soldaten herum und machte eine beruhigende Geste.»Alles in Ordnung«, sagte er.»Es war meine Schuld. Ein Schuß hat sich gelöst. «Er lächelte in perfekt geschauspielerter Verlegenheit.»Seien Sie so nett und sagen Sie Ihren Kollegen oben auf der Brücke Bescheid — bevor sie das ganze Schiff in Alarmbereitschaft versetzen.«
Die beiden Soldaten zögerten. Selbst in der schwachen Beleuchtung und geblendet durch das grelle Licht des Scheinwerfers konnte Indiana den verwirrten Ausdruck auf ihren Gesichtern erkennen. Aber dann wandten sie sich doch gehorsam um und gingen wieder. Und wenige Augenblicke später erlosch auch der Scheinwerferkegel.
Trotzdem blieben sie nur wenige Sekunden allein, denn die Tür wurde ein zweites Mal geöffnet, und Bentley stürmte hinaus.»Was ist passiert?«fragte er knapp, als er Norten mit dem Gewehr in der Hand neben Indiana stehen sah.
Norten deutete auf den Kadaver der riesigen Klapperschlange neben Indiana.»Um ein Haar hätten wir unseren zukünftigen Führer verloren«, sagte er.
Bentley sah ihn irritiert an, kam einen Schritt näher — und stockte mit einem erstaunten Laut mitten im Schritt, als sein Blick auf den gewaltigen, im Tode zusammengerollten Schlangenkörper fiel.
«Was …?«
«Ich glaube, ich muß mich bei passender Gelegenheit beim Kapitän dieses Schiffes beschweren«, sagte Indiana in dem ebenso schwachen wie vergeblichen Versuch, einen Scherz zu machen.»Hier wimmelt es von Ungeziefer. Ich hoffe nur, die Kakerlaken in Ihrer Küche sind nicht genauso groß.«
Bentley blieb völlig ernst.»Das ist doch völlig unmöglich!«sagte er überzeugt.
«Was ist passiert, Dr. Jones?«fragte plötzlich Norten.»Was tun Sie überhaupt hier oben?«
«Ich habe Befehl erlassen, daß niemand nach Dunkelwerden an Deck darf«, fügte Bentley hinzu.
Indiana ignorierte diese Bemerkung und deutete in die Richtung, in der er den Mayapriester gesehen hatte.»Ich bin heraufgekommen, um frische Luft zu schnappen«, sagte er.»Ich wollte über unser Gespräch nachdenken. Dort drüben stand eine Gestalt.«
«Vermutlich eine Deckswache«, sagte Bentley.
Indiana schüttelte überzeugt den Kopf.»Es war keiner Ihrer Männer, Commander«, sagte er.»Es war ein Maya.«
Bentleys Augen wurden groß.»Ein Maya? Sie sind verrückt!«
«Sicher«, erwiderte Indiana trocken und deutete auf die tote Schlange.»Und das da bilde ich mir auch nur ein.«
«Wie kommen Sie darauf, daß es ein Maya war?«erkundigte sich Norten.
«Zumindest war er wie ein Mayapriester gekleidet«, schränkte Indiana ein.»Ich konnte sein Gesicht nicht erkennen. Es war zu weit entfernt, und es war zu dunkel. Aber er trug einen Zeremonienmantel und einen Kopfschmuck aus Paradiesvogelfedern.«
«José!«murmelte Norten halblaut.
Indiana sah ihn mißtrauisch an.»Wie kommen Sie darauf?«
«Wer sollte es sonst gewesen sein? Die Auswahl ist nicht besonders groß.«
«Und diese Schlange?«
Norten antwortete gar nicht, und sein Bruder Bentley sagte nach sekundenlangem Überlegen und mit einer Stimme, die deutlich verriet, daß er nicht einmal selbst an diese Erklärung glaubte:»Vielleicht ist sie im letzten Hafen an Bord gekrochen. Das Schiff ist riesig. Selbst ein so großes Tier kann sich wochenlang darauf verstecken, ohne entdeckt zu werden.«
Indiana würdigte ihn nicht einmal einer Antwort.
«Es muß José gewesen sein«, sagte Norten.»Wir hätten ihn sofort in Ketten legen sollen.«
«Oder ihn gleich über Bord werfen«, murmelte Indiana mit einem neuerlichen Blick auf die tote Schlange. Die Worte waren nicht ernst gemeint, und er bedauerte sie fast im selben Moment schon wieder, in dem er sie ausgesprochen hatte. Denn der Ausdruck in Bentleys Augen machte klar, daß der diesen Vorschlag für einen Moment ganz ernsthaft erwog.
«Konnten Sie erkennen, was er getan hat?«erkundigte sich Norten.
Indiana schüttelte automatisch den Kopf, aber dann überlegte er einen Moment und deutete schließlich aufs Meer hinaus; in die gleiche Richtung, in die der Mann in der Priesterkleidung geblickt hatte.»Ich bin nicht sicher«, sagte er,»aber ich hatte das Gefühl, daß er irgend jemandem Zeichen gibt.«
«Zeichen? Wem um alles in der Welt sollte er Zeichen geben?«erkundigte sich Bentley verblüfft.
«Vielleicht den Indios«, sagte Norten nachdenklich.
Bentley sah ihn fragend an, und Norten fügte erklärend hinzu:»Die Männer, die meine Hacienda angegriffen haben.«
«Wir sind hier auf hoher See«, erinnerte ihn Bentley.»Und das hier ist kein Kriegskanu, Norten, sondern ein Schlachtkreuzer.«
«Ich weiß«, antwortete Norten.»Aber wir sollten trotzdem vorsichtig sein. Laß die Wache verdoppeln.«
«Das ist doch lächerlich!«protestierte Bentley.