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Indiana Jones Die Gefiederte Schlange

Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:

Als Indiana Jones einen verschollenen Freund in einem Andendorf endlich findet, ist dieser dem Tod nahe und übergibt ihm ein mysteriöses goldenes Amulett. Bald stellt sich heraus, daß dieser Anhänger zum rituellen Schmuck des Oberpriesters der Maya gehört und seinem Träger gewaltige magische Kräfte verleihen kann. Doch das Geschenk bringt Indiana Jones kein Glück: Einige Indios heften sich an seine Fersen, die zu allem entschlossen scheinen …
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Was unter der Plane zum Vorschein kam, überraschte ihn nicht mehr im mindesten. Trotzdem fuhr er so heftig zurück, als hätte er eine giftige Spinne berührt, und blickte den gewaltigen grünen Federmantel sekundenlang aus erschrocken geweiteten Augen an. Und es kostete ihn enorme Überwindung, schließlich noch einmal die Hände auszustrecken und den Mantel auf dem Bett auszubreiten.

Es war ein wirklich prachtvolles Stück. Es war nicht der erste Federmantel, den Indiana zu Gesicht bekam, aber der mit Abstand am besten erhaltene. Die grünen Federn bildeten eine dichte, flauschige Decke, die fast nichts wog, den Körper ihres Trägers aber vollkommen einhüllen konnten. Dazu passend, in der gleichen kunstfertigen Art gemacht, und vom gleichen Grundton, aber mit gelben und roten und blauen Schwanzfedern des Paradiesvogels durchsetzt, enthielt das Bündel einen gewaltigen Kopfschmuck, der mit einem Band aus feinem Leder an der Stirn des Trägers befestigt werden konnte. Ein lederner Lendenschutz, ein fast zierliches Messer mit goldenem Griff und einer Klinge, die nicht aus Metall, sondern aus rasiermesserscharf geschliffenem Obsidian bestand, und ein Bündel bunter, mit zahllosen Knoten versehener Stricke vervollständigten die Ausrüstung.

Indiana legte bis auf das kleine Fädenbündel alles zurück auf das Bett. Er wußte, was er da in Händen hielt. Die scheinbar sinnlosen Knoten und Bindungen in den gut fünf Dutzend fingerlangen Stricken ergaben sehr wohl einen Sinn — aber nur für den, der sie zu lesen verstand. Was er hier las, war das aztekische Äquivalent des geschriebenen Wortes. Sowohl die Anzahl als auch der Abstand der einzelnen Knoten und auch die Farben der Stricke erzählten jedem, der ihre Anordnung zu deuten wußte, eine Geschichte.

Zutiefst verwirrt legte Indiana die Knotenstricke auf das Bett zurück. Es war nicht nur so, daß diese Schrift eigentlich nicht zu den Mayas, sondern zu ihren Vorfahren, den Azteken, gehörte — Indiana war bisher (wie auch der Rest der wissenschaftlichen Welt) der Überzeugung gewesen, daß diese Schrift zusammen mit dem Volk, das sie benutzt hatte, ausgestorben war und es niemanden mehr auf der Welt gab, der sie lesen konnte. Nun — einen schien es auf jeden Fall noch zu geben. Er glaubte nicht, daß José das Fadenbündel aus purer Langeweile mit sich herumschleppte.

Hinter seinem Rücken wurde die Tür geöffnet, und Indiana fuhr erschrocken herum und blickte in Nortens Gesicht.

«Dr. Jones!«sagte Norten überrascht. Dann fiel sein Blick auf das Bett und das, was Indiana darauf ausgebreitet hatte, und sein Gesicht verfinsterte sich.

«Was tun Sie hier?«fragte er mit einer Stimme, die beinahe drohend klang.

Indiana deutete auf das Bett.»Sie hatten recht, Norten«, sagte er.»Es ist Perez. Das sind die Kleider, die der Mann gestern abend getragen hat.«

Norten wirkte sehr verwirrt. Ein paar Sekunden lang wanderte sein Blick unstet zwischen Indiana und dem Federmantel auf dem Bett hin und her, und der Ausdruck darin verwandelte sich von Überraschung zu Erstaunen und Schrecken und dann purer Wut.

«Es tut mir leid, daß ich Ihnen nicht geglaubt habe«, sagte Indiana hastig.»Aber ich dachte, ich kenne José. Ich mußte mich einfach mit eigenen Augen überzeugen.«

Norten sagte noch immer nichts, sondern schloß die Tür, trat mit zwei raschen Schritten an Indiana vorbei ans Bett und blickte auf die darauf ausgebreiteten Stücke herab.

«Das ist die Kleidung eines Mayapriesters«, sagte er nachdenklich.»Eines sehr hohen Mayapriesters.«

«Sie kennen sie?«erkundigte sich Indiana.

«Die präkolumbianischen Kulturen Südamerikas sind mein Spezialgebiet«, antwortete Norten in leicht beleidigtem Tonfall. Er deutete auf den winzigen Dolch und das Bündel mit Knotenstricken.»Das da durfte nur der Hohepriester Quetzalcoatls selbst tragen. Jeder andere wäre getötet worden, hätte er es auch nur berührt.«

Indiana schauderte.»Dann ist José noch verrückter, als Sie geglaubt haben«, sagte er.

«Ich fürchte«, pflichtete ihm Norten bei.»Anscheinend hält er sich wirklich für die Reinkarnation Mossaderas.«

Indiana sah ihn fragend an, und Norten fügte mit einer erklärenden Geste auf den Dolch hinzu:»Mossadera war der berühmteste Priester. Angeblich soll er über hundert Jahre gelebt haben, und selbst die drei Könige, die das Mayareich in dieser Zeit hatte, fürchteten seine Macht. Es hieß, er wäre ein gewaltiger Zauberer.«

Plötzlich hatte Indiana das Gefühl, von einem eisigen Lufthauch gestreift zu werden. Er mußte wieder an die unheimliche Stille gestern nacht auf Deck denken und die gewaltige Schlange, die buchstäblich aus dem Nichts erschienen war, nachdem José die Hände gehoben und etwas gemurmelt hatte.

«Ich weiß, was Sie jetzt denken«, sagte Norten ernst.»Aber glauben Sie mir, er ist nichts als ein Verrückter.«

Indiana machte eine Kopfbewegung auf den Federmantel.»Und diese Sachen? Wie hat er sie an Bord gebracht? Er hatte so wenig Zeit wie Sie oder ich, Gepäck mitzunehmen. Von der Schlange ganz zu schweigen.«

Norten zuckte mit den Achseln.»Ich weiß das so wenig wie Sie, Dr. Jones«, antwortete er.»Aber ich weiß, daß sich eine Erklärung finden wird, früher oder später.«

«Früher wäre mir lieber«, murmelte Indiana. Etwas lauter fügte er hinzu:»Warum fragen wir ihn nicht einfach?«

Norten überlegte einen Moment, schüttelte dann aber den Kopf.»Das wäre nicht klug«, sagte er.»Jedenfalls jetzt noch nicht.«

«Wieso?«erkundigte sich Indiana.»Wie viele Beweise brauchen Sie noch?«

«Keine«, erwiderte Norten.»Aber solange er nicht weiß, daß wir ihn durchschaut haben, sind wir im Vorteil. Er hat immer noch diesen einen Anhänger, Dr. Jones. Und ohne ihn sind die übrigen völlig wertlos.«

Indiana gefiel das nicht. Die Vorstellung, in Begleitung eines völlig Verrückten, der sich für die Wiedergeburt eines Mayazau-berers hielt, ins Herz des Mayareiches und möglicherweise an einen verbotenen magischen Ort voller unbekannter Gefahren vorzudringen, sträubte ihm alle Haare.

«Lassen Sie uns diese Sachen wieder wegtun, Dr. Jones«, sagte Norten.»Und von hier verschwinden — bevor José zurückkommt.«

Die Sonne schien, und das Meer lag ruhig wie ein gewaltiger Spiegel aus gehämmertem Silber vor ihnen, als Indiana und Joana eine Stunde später nebeneinander aufs Deck hinaustraten. Als Indiana hinter dem Mädchen aus der Tür trat, konnte er sich eines raschen Schauderns nicht erwehren, und er konnte auch nicht verhindern, daß er einen kurzen, nervösen Blick auf die Stelle warf, an der am Abend zuvor die Schlange gelegen hatte. Natürlich bemerkte Joana das und stellte eine entsprechende Frage.

«Nichts«, sagte Indiana ausweichend.»Ich bin ein bißchen nervös, das ist alles.«

Zwischen ihren Brauen entstand eine senkrechte Falte.»Nichts?«wiederholte sie spöttisch.»Hör auf. Ich kenne dich mittlerweile gut genug, um zu wissen, daß du nicht wegen nichts leichenblaß wirst und dich umsiehst, als würdest du hinter der nächsten Ecke ein Gespenst erwarten. Was ist los?«

Indiana zögerte noch einen Moment, aber dann erzählte er Joa-na, was in der vergangenen Nacht geschehen war. Das Mädchen hörte schweigend zu, aber die Bestürzung in ihrem Blick wuchs mit jedem Wort.

«José?«fragte sie schließlich zweifelnd.»Bist du sicher?«

«Wer soll es sonst gewesen sein. Außerdem — der Mantel und der Kopfschmuck waren in seiner Kabine.«

«Aber er hatte überhaupt keine Möglichkeit, sie mitzubringen«, protestierte Joana.

«Ich weiß«, sagte Indiana.»Das ist es ja gerade, was mich so erschreckt.«

Es dauerte einige Sekunden, bis Joana begriff. Dann weiteten sich ihre Augen abermals vor Schrecken.»Du meinst, daß er … daß er wirklich ein Zauberer ist?«

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