Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
Ein kaum hörbares Geräusch ließ Indiana zusammen- und herumfahren.
Im ersten Moment sah er weiter nichts außer sonderbar rechteckigen Schatten und unterschiedlicher Flächen voller absoluter und nicht so vollkommener Dunkelheit. Aber das Geräusch war dagewesen. Ganz leise, aber in dieser unheimlichen Stille von einer fast aggressiven Realität. Indianas Nerven waren bis zum Zerreißen gespannt, während er sich in die Richtung bewegte, aus der er den Laut zu hören geglaubt hatte. Obwohl er sich bemühte, selbst nicht das mindeste Geräusch zu verursachen, und fast auf Zehenspitzen ging, hatte er fast das Gefühl, daß seine eigenen Schritte wie das Dröhnen von Pferdehufen über das stählerne Deck hallten. Ja selbst seine Atemzüge und das Klopfen seines Herzens erschienen ihm mit einem Male laut und verräterisch. Wer immer dort in der Dunkelheit vor ihm lauerte — er mußte es einfach hören.
Er schlich weiter, hörte das Geräusch ein zweites Mal — wieder, ohne es identifizieren zu können — und erreichte einen der gewaltigen, stählernen Deckaufbauten. Mit klopfendem Herzen und schweißfeuchten Händen preßte er sich gegen das kalte Metall und spähte vorsichtig um die Ecke.
Fast auf der anderen Seite des Schiffes vor der Reling, nur als Umriß vor dem helleren, glitzernden Hintergrund des Ozeans, aber fast überdeutlich zu erkennen, stand eine Gestalt. Und etwas an ihr war falsch.
Es gelang Indiana nicht sofort, das Gefühl in Worte zu kleiden — und als es ihm gelang, da war er nicht sehr sicher, ob er sich darüber freuen sollte. Der Mann war zu groß. Seine Schultern waren zu breit, und auf seinem Kopf saß etwas, das nicht dort hingehörte.
Es war schwer, in der Nacht und über die große Entfernung seine wirkliche Größe zu schätzen, aber Indiana glaubte nicht, daß er kleiner als zwei Meter war; selbst ohne den barbarischen Kopfputz. Das sonderbar eckige Aussehen seiner Schultern aber kam von einem bodenlangen Mantel aus Federn, in den er gehüllt war, und ein gewaltiger Kopfschmuck aus den gleichen, mehr als meterlangen Federn thronte auf seinem Haupt.
Soviel zu Bentleys Behauptung, dachte Indiana düster, daß sie an Bord dieses Schiffes sicher seien.
Der Mayapriester schien bisher nichts von seiner Anwesenheit bemerkt zu haben. Hoch aufgerichtet und völlig reglos stand er da und starrte auf das Meer hinaus, als erwarte er etwas — oder beschwöre etwas. Der Wind spielte mit den Federn seines Mantels und des gewaltigen Kopfschmuckes, und dann bewegte er sich, und durch die unheimliche Stille an Deck des Schiffes drang das leise Klimpern von Metall an Indianas Ohr. Langsam, in einer zeremoniellen, beschwörenden Geste hob der Mayapriester die Arme und spreizte alle zehn Finger.
Und unmittelbar hinter Indiana erklang ein drohendes Rasseln.
Indianas Herz schien zu stocken. Sein Magen zog sich zu einem eiskalten Klumpen aus Glas zusammen, der schmerzhaft in seine Eingeweide zu schneiden schien, und er spürte ein Kribbeln wie von tausend winzigen Spinnenbeinen, die seinen Rücken hinunterliefen. Er kannte diesen Laut!
Schlagartig hatte er den Mayapriester, das Schweigen und das unheimliche Licht vergessen. Er wußte nicht einmal wirklich, wo er sich befand, geschweige denn, weshalb er hierhergekommen war. Alles, was zählte, war dieses rasselnde Klappern und das Geräusch winziger, harter Schuppen, die über das stählerne Deck glitten.
Langsam, unendlich langsam, mit Bewegungen, die so sacht und vorsichtig waren, daß ein Beobachter sie kaum wahrgenommen hätte, drehte sich Indiana Jones um und blickte das Geschöpf an, das hinter ihm herangekrochen war.
Es war die größte Klapperschlange, die er jemals zu Gesicht bekommen hatte.
Auch ohne daß seine Angst sie noch größer machte, mußte sie der Urvater aller Klapperschlangen sein; allein die Rassel an ihrem Schwanzende war fast so lang wie Indianas Unterarm, und der dreieckige Schädel, der sich angriffslustig aufgerichtet hatte und aus dem ihn zwei winzige, bösartig glitzernde Knopfaugen heraus anfunkelten, hatte beinahe die Größe seines Handtellers.
Indiana starrte die Schlange wie hypnotisiert an, und die Schlange wiederum starrte ihn an, als wolle sie die Behauptung, daß Schlangen entgegen der landläufigen Meinung ihre Opfer nicht hypnotisieren, verspotten. Ihre gespaltene Zunge bewegte sich mit flinken, kleinen Rucken hin und her und nahm Indianas Geruch auf. Sie witterte seine Angst und den kalten Schweiß, der ihm am ganzen Körper ausgebrochen war, und ihr lippenloses Maul öffnete sich einen winzigen Spaltbreit, so daß er die gebogenen, nadelspitzen Giftzähne erkennen konnte. Die Rassel an ihrem Schwanz klapperte wie das Instrument eines höllischen Castagnettenspielers, und ihr Schädel pendelte langsam von links nach rechts und wieder zurück, als suche sie eine günstige Stelle, um blitzschnell zuzupacken und ihre Zähne in ihr Opfer zu graben.
Indiana spürte, wie die Lähmung allmählich von ihm abfiel und einem Zittern Platz machte, gegen das er machtlos war. Schlangen! Er haßte Schlangen! Schon seine Attacke auf das an sich winzige Tier in Nortens Museum in Havanna hatte ihn alle Kraft und Überwindung gekostet, die er aufbringen konnte. Und dieses Monster hier war gut zehnmal so groß. Und nicht sehr viel weniger giftig.
Indianas Hand kroch millimeterweise zu seinem Gürtel hinab und tastete nach einer Waffe, bis ihm einfiel, daß sie ja alle beim Betreten des Schiffes gründlich durchsucht worden waren. Zwar trug er die Peitsche noch immer bei sich, aber die Schlange war viel zu nahe, als daß er sie einsetzen könnte. Und selbst wenn — ungeachtet aller Einwände, die der logische Teil seines Denkens gegen dieses Gefühl vorbrachte, wußte er einfach, daß dies keine normale Schlange war. Normale Klapperschlangen werden nicht so groß. Sie starren ihre Opfer nicht auf diese ganz bestimmte Art und Weise an, und sie finden sich normalerweise auch nicht an Bord amerikanischer Schlachtkreuzer, die auf hoher See fahren.
Die Schlange senkte den Kopf ein wenig, ohne Indiana dabei aus den Augen zu lassen, und kroch langsam auf ihn zu. Sie befand sich jetzt noch allerhöchstens zwei Meter von ihm entfernt; bei der Schnelligkeit, zu der diese Reptilien fähig sind, würde sie nicht einmal eine Zehntelsekunde brauchen, um zuzustoßen und ihre Giftzähne tief in sein Fleisch zu graben. Und außerdem würde er einfach den Verstand verlieren, wenn dieses Monster ihn berührte, das wußte er einfach. Das war keine normale Schlange. Das war die Essenz all seiner Ängste, Indiana Jones’ eigener, ganz persönlicher Alptraum, der wahr geworden war.
Zitternd machte er einen Schritt nach hinten und erstarrte mitten in der Bewegung, als die Schlange den Kopf hob und drohend ihre Rassel hören ließ. Er wußte, daß es ein sicheres Todesurteil war, wenn er jetzt eine unbedachte Bewegung machte; oder auch nur irgendeine Bewegung. Und trotzdem würde er gleich herumfahren und davonstürzen, ungeachtet der Gewißheit, die Schlange damit zum Zubeißen zu provozieren. Die Angst war einfach stärker als sein logisches Denken. Noch ein paar Sekunden, und …
«Bewegen Sie sich nicht!«
Indiana hätte sich nicht einmal bewegen können, wenn er es gewollt hätte. Sein Herz hämmerte wie eine außer Kontrolle geratene kleine Maschine in seiner Brust, und die einzige Bewegung, zu der er überhaupt noch fähig war, war das immer heftiger werdende Zittern seiner Hände und Knie.
Ein Schatten legte sich neben den seinen auf das Deck des Schiffes, und er hörte das Geräusch sehr langsamer, vorsichtiger Schritte.»Keine Bewegung, Dr. Jones«, wiederholte die Stimme.»Ganz egal, was passiert.«
Die Zeit schien stehenzubleiben. Indiana hörte, wie sich die Gestalt hinter ihm bewegte, und gleichzeitig wandte sich die Aufmerksamkeit der kalten Schlangenaugen von ihm ab und einem Punkt hinter ihm zu. Der riesige Schlangenkopf hob sich, zitterte — und dann zerriß der peitschende Knall eines Gewehrschusses die Nacht, und der Kopf des Tieres explodierte förmlich, keinen Meter mehr von Indiana Jones entfernt.