Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
Der Ruck war so hart, daß seine linke Hand sofort wieder von ihrem Halt abrutschte und er für einen Moment hilflos an nur einer Hand über dem Nichts schwebte. Indiana biß die Zähne zusammen, ignorierte den entsetzlichen Schmerz in seinem rechten Handgelenk und der Schulter und griff hastig ein zweites Mal mit der Linken zu. Er bekam die Reling zu fassen und klammerte sich daran fest.
Für eine Sekunde.
Dann erschien der Maya wieder über ihm, starrte einen Herzschlag lang ohne eine Spur von Zorn oder gar Haß — aber auch ohne eine Spur von Mitleid — auf ihn herab und schwang seine Axt dann ein zweites Mal. Indiana fand gerade noch Zeit, seine Hand hastig zurückzuziehen, als die Schneide funkensprühend gegen die Reling prallte. Abermals hing er keuchend vor Schmerz und Anstrengung an nur einer Hand über dem Nichts, und seine Augen weiteten sich entsetzt, als er sah, wie der Indio zu einem Hieb nach seiner anderen Hand ausholte. Die Schneide zischte herab, Indiana ließ auch mit der linken Hand los und griff im gleichen Moment wieder mit der anderen zu. Er büßte auch diesmal seine Finger nicht ein, aber er hatte das Gefühl, der Arm würde ihm aus dem Gelenk gerissen. Und der Maya holte schon wieder zu einem Axthieb gegen seine Hand aus.
Indiana setzte alles auf eine Karte. Nur an einer Hand hängend, löste er mit der anderen die Peitsche vom Gürtel und schlug zu. In der unglücklichen Lage, in der er sich befand, konnte er nicht richtig ausholen, geschweige denn zielen. Trotzdem wickelte sich die Peitschenschnur knallend um das Handgelenk des Mayas, so daß dieser mit einem Schmerzensschrei sein Beil losließ, das im hohen Bogen über Indiana hinwegsegelte und im Meer verschwand. Aber er griff auch gleichzeitig mit der anderen Hand zu, packte die Peitsche und zerrte mit aller Kraft daran.
Indiana wurde plötzlich schneller in die Höhe gezogen, als ihm recht war. Sein Gesicht, seine Brust und dann seine Knie schrammten unsanft über die Reling, dann stürzte er der Länge nach auf das Deck und kam endlich auf die Idee, den Peitschenstiel loszulassen.
Der Maya trat nach ihm. Indiana krümmte sich blitzschnell und nahm dem Tritt so die ärgste Wucht; trotzdem reichte er, ihm die Luft aus den Lugen zu treiben und sekundenlang bunte Sterne vor seinen Augen tanzen zu lassen. Keuchend wälzte er sich herum, stemmte sich auf Hände und Knie hoch und fühlte sich plötzlich von einer gewaltigen Hand im Nacken gepackt und in die Höhe gerissen. Eine zweite, ebenso starke Hand krallte sich in seinen Hosenbund und riß ihn vollends vom Deck hoch. Scheinbar mühelos stemmte der riesige Maya ihn in die Höhe, drehte sich herum und trug ihn an ausgestreckten Armen und hoch über dem Kopf zur Reling zurück, um ihn ins Meer zu schleudern.
«Halt!«
Die Stimme kam aus dem Nebel, und obwohl sie nicht einmal sonderlich laut war, war ihr Klang doch so scharf und befehlend, daß der Mayakrieger mitten in der Bewegung erstarrte. Erst einer, dann zwei und schließlich drei Schatten traten aus den Nebelschwaden heraus. Zwei von ihnen waren Mayakrieger, die Zwillingsbrüder des Riesen hätten sein können, der Indiana immer noch an ausgestreckten Armen hoch über den Kopf hielt; der dritte war José.
«José!«brüllte Indiana und begann heftig mit den Beinen zu strampeln.»Sag diesem Riesenbaby, daß es mich absetzen soll!«
José sagte nichts, sondern musterte Indiana nur eine Sekunde lang kalt, machte aber dann eine knappe Handbewegung, und der Indio setzte Indiana sehr unsanft auf die Füße zurück. Der riß sich los, stolperte einen Schritt zur Seite und durchbohrte abwechselnd den halbnackten Riesen und José mit Blicken.
«Das war knapp, nicht wahr?«fragte José. Er lächelte, aber es wirkte so kalt wie das scheinbare Grinsen einer Schlange, die ihr Opfer betrachtet.
«Vielleicht nicht knapp genug«, sagte Indiana böse.»Wenn ich das hier überlebe, dann drehe ich dir höchstpersönlich den Hals um, mein Freund. Aber ich schätze«, fügte er nach einer winzigen Pause und mit einem Blick auf den bunt bemalten Giganten neben sich hinzu,»ich werde es nicht überleben. Wolltest du dir das Vergnügen nicht entgehen lassen, mich selbst umzubringen, oder warum hast du ihn zurückgehalten?«
José hielt seinem Blick ruhig stand.»Ich will dich nicht umbringen, Indiana«, sagte er. Er streckte die Hand aus.»Gib mir die Kette, und dir passiert nichts.«
«Welche Kette?«erkundigte sich Indiana.
Josés Gesicht verdüsterte sich.»Spiel nicht den Narren, Indiana! Du weißt genau, wovon ich rede. Den Anhänger! Er gehört mir!«
«Das wäre eine interessante Frage für den Rechtsanwalt«, erwiderte Indiana.»Genaugenommen gehört er Joana. Ich habe ihn von ihrem Vater bekommen …«
«Nachdem er ihn unserem Volk gestohlen hat!«unterbrach ihn José zornig und streckte abermals und in einer herrischen, fordernden Geste die Hand aus. Gleichzeitig traten die beiden Mayakrieger hinter ihm drohend einen Schritt näher.
«Dein Volk?«Indiana versuchte zu lachen, aber es gelang nicht richtig.»Du bist wirklich so verrückt, wie Bentley glaubt. Hältst du dich tatsächlich für die Reinkarnation eines alten Mayaprie-sters — oder bist du einfach nur größenwahnsinnig?«
«Wer oder was ich bin, steht hier nicht zur Debatte«, antwortete José wütend.»Gib mir den Anhänger, oder er wird zu Ende bringen, was er begonnen hat. «Er deutete auf den Krieger neben Indiana.
«Und mich über Bord werfen?«Indiana lachte, und diesmal klang es wirklich spöttisch.»Davon abgesehen, daß ich die Kette nicht bei mir habe, wäre es ziemlich dumm, so etwas zu tun. Dann würdest du sie nämlich gar nicht mehr bekommen, mein Freund.«
In Josés Augen blitzte es zornig auf. Er ballte die Hände zu Fäusten, und für eine Sekunde rechnete Indiana fast damit, daß er sich auf ihn stürzen oder seinen Begleitern einen entsprechenden Befehl geben würde, aber er tat weder das eine noch das andere, sondern trat im Gegenteil plötzlich einen Schritt zurück und maß Indiana mit einem langen, verächtlichen Blick.»Du kommst dir sehr schlau vor, wie?«fragte er.
«Ja«, antwortete Indiana.
«Vielleicht bist du es sogar«, sagte José.»Aber ich schwöre dir, ich bekomme die Kette. Du wirst sie mir sogar freiwillig bringen.«
«Warum sollte ich das tun?«erkundigte sich Indiana.
José lachte böse.»Das wirst du schon sehen«, sagte er.»Warte nur ab. «Er trat einen weiteren Schritt zurück, wodurch seine Gestalt schon fast wieder im Nebel verschwand.»Du weißt, wo du mich findest«, sagte er.»Mich — und deine kleine Freundin. «Und damit trat er einen weiteren Schritt in den Nebel zurück und schien sich aufzulösen wie ein Gespenst, das so lautlos wieder verschwand, wie es aufgetaucht war.
Es dauerte einen Sekundenbruchteil, bis Indiana überhaupt begriff, was José gemeint hatte. Dann fuhr er wie elektrisiert zusammen, schrie mit vollem Stimmenaufwand:»Joana!«und stürzte mit einem gewaltigen Satz hinter José und den drei Mayas her.
Das letzte, was er für die nächsten zwei oder auch drei Stunden wahrnahm, war das stumpfe Ende einer Axt, das plötzlich aus dem Nebel auftauchte und gegen seine Stirn prallte.
Er erwachte mit den schlimmsten Kopfschmerzen seines Lebens und auf dem Rücken liegend auf dem Bett in seiner Kajüte. Die Maschinen des Schiffes liefen wieder — das war das erste, was er bewußt registrierte. Das Licht brannte, und jemand saß auf der Kante seines Bettes und preßte ihm ein angefeuchtetes, eiskaltes Tuch über Stirn und Augen.