Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Torian blinzelte, hob die Hand und spürte warmes Blut unter seinen Fingern. Kaum eine Armeslänge von sich entfernt sah er das Schwert liegen, aber seine Finger gehorchten ihm nicht mehr, als er danach greifen wollte. Ein Hauch unheimlicher Hitze streifte sein Gesicht. Torian sah auf.
Und schrie.
In einer blitzartigen Vision zerriß der Schleier aus lebenden Schatten, der das Baarl bislang vor seinen Augen verborgen hatte. Für den Bruchteil einer Sekunde sah er das entsetzliche Ding so, wie es wirklich war. Er sah einen mehr als doppelt mannsgroßen, aufgedunsenen Balg von einer Finsternis, die mehr war als nur die abwesenheit von Licht, eine gräßliche Steigerung der färbe schwarz, für die es in der menschlichen Sprache kein Wort gab; bedeckt mit handtellergroßen, hornigen Panzerschuppen und schwärenden grünen geschworen, fingerlange Reißzähne bleckten aus einem dreieckigen, entsetzlich verzerrten insektenmaul. darüber eine unzahl kleiner, von böser mörderischer Intelligenz erfüllter äugen, in denen der Tod schimmerte; zwischen denen klebrige Stränge einer undefinierbaren Masse pulsierten und sich wie ein Nest ineinandergewobener Schlangen wanden, bis sie in einen schwarzen Brei aus zahllosen, tentakelartigen schattenarmen übergingen, die die Luft peitschten; die Luft einer Umgebung, die nicht mehr Kalaars gemach war, sondern wie eine bösartig verzerrte Karikatur des Raumes wirkte, mit winkeln und kanten, die auf Absurde, sinnverwirrende Art in sich gekrümmt waren, geraden, die sich spiralförmig wanden und in sich selbst anfang und ende bildeten; Linien, die es nicht gab, und eine Geometrie, die geschaffen war, den menschlichen geist durch ihr bloßes dasein zu zerstören; alles getaucht in ein Feuer, das nicht von dieser Welt war und trotzdem —
Die Vision währte nicht einmal eine Sekunde, und sie verging ebenso plötzlich, wie sie gekommen war. Das Zimmer schien wieder leer wie zuvor. Aber was Torian gesehen hatte, war fast mehr als er verkraften konnte.
Und es war noch nicht vorbei. Torian vernahm einen gellenden Schrei, glaubte, ein schwarzes Etwas zu sehen, das in seine Richtung peitschte, und warf sich blindlings zur Seite. Seine Finger bekamen den Schwertknauf zu fassen.
Ein peitschender Knall ertönte, hallte von den Wänden wider und erschütterte das ganze Haus. Hinter ihm schien die Wand zu explodieren. Verputz, Gesteinssplitter und Holz flogen wie kleine gefährliche Geschosse durch die Luft. Ein armlanger, zentimeterbreiter Riß zog sich durch die Wand und den Boden, ein Riß, dessen Ränder schwarz verkohlt waren, als wäre die Mauer von etwas Glühendheißem getroffen und gespalten worden; etwas, das heißer war als ein Blitz.
Wieder sah Torian einen der gigantischen Schattenarme auf sich zujagen. Er riß das Schwert hoch und schlug mit aller Gewalt zu. Um ihn treffen zu können, mußte das Baarl für den Bruchteil einer Sekunde in seine Welt wechseln, und damit wurde es verwundbar.
Und diesen Augenblick nutzte er.
Das Schwert traf den Schattenarm, schnitt tief hinein und brach ab. Ein furchtbarer Ruck fuhr durch seinen Arm und prellte ihm das nutzlose Heft aus der Hand. Torian taumelte zurück, umklammerte seinen schmerzenden Arm und fiel auf die Knie. Für einen Moment war er vollkommen hilflos.
Aber auch sein Gegner war getroffen. Ein fürchterlicher, unmenschlicher Laut erscholl, der Schrei einer Kreatur, die vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben den Schmerz kennenlernte; ein Schrei, in dem sich Pein und abgrundtiefe Wut mischten.
Hastig kroch er von der Wand fort und zu Garth hinüber, der mit seinem Schwert auf die Tür einschlug. Das kaum fingerdicke Holz hätte schon unter einem einzigen dieser mit verheerender Wucht geführten Schläge zersplittern müssen wie Papier – aber Garth’ Streiche hinterließen nicht einmal eine Schramme, während seine Klinge bereits mit Scharten übersät war.
Torian stemmte sich in die Höhe und taumelte auf den Dieb zu. Garth schrie irgend etwas, das er nicht verstand. Hinter ihm erklang immer noch das Brüllen des Baarl. Schmerz und Wut schienen es fast zur Raserei zu treiben. Aber der Schmerz würde nicht lange halten; Torian hatte den titanischen Körper zu gut gesehen und wußte, daß er ihm nur einen, wenn auch schmerzhaften Kratzer verpaßt hatte, keine wirkliche Wunde.
Und irgendwann würde dem Baarl wieder einfallen, wer ihm so weh getan hatte...
Wieder ließ Garth seine Klinge mit aller Gewalt gegen die Tür sausen, und wieder prallte sie ab. Torian stolperte, krachte ungeschickt gegen die Tür und fühlte das harte Holz. Es war eiskalt und unnachgiebig wie Stahl. Das Baarl hatte den einzigen Ausgang magisch versiegelt.
Dann sah er den Schatten.
Es war sein eigener Schatten, und der von Garth, von den letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf die Wand gezaubert, aber da war auch noch ein dritter Umriß, ein gigantisches, verkrüppeltes Etwas, dessen Körper unsichtbar blieb, und das sich langsam, einen Wust peitschender Tentakel wie graues lebendes Haar um das Gorgonenhaupt schwingend, auf ihn und Garth zu bewegte; grotesk langsam, und doch ungeheuer kraftvoll.
»Weg hier!« brüllte Torian mit überschnappender Stimme.
Gleichzeitig warf er sich herum und zurück und versetzte Garth einen Stoß, der ihn zur Seite taumeln ließ, fort von der Tür und dem näher kommenden Schatten. Das Baarl mußte sich nun genau hinter ihm befinden. Alles in ihm schrie danach, herumzufahren und zu fliehen, aber er wußte, daß es sein Todesurteil wäre, täte er es. Mit der letzten Selbstbeherrschung zwang er sich, reglos stehenzubleiben und den Schatten zu beobachten; die einzige Möglichkeit, die Bewegungen der Kreatur zu verfolgen. Er sah das Tentakel, der sich wie eine Schlange zusammenrollte und vorzuckte, aber er blieb immer noch stehen.
Erst im allerletzten Moment, in der Sekunde, in der er bereits den Luftzug des Fangarmes spüren konnte – oder es sich wenigstens einbildete –, ließ er sich zur Seite fallen. Das Tentakel verfehlte seinen Kopf um kaum eine Handbreit und hämmerte mit unbeschreiblicher Wucht gegen die verschlossene Tür.
Für einen Moment schien selbst die Zeit den Atem anzuhalten. Dann zerbarst die Tür mit einem peitschenden Knall in drei ungleiche Stücke und eine Million Splitter. Der Hieb war so wuchtig, daß die Reste mitsamt dem Rahmen aus der Wand gebrochen wurden, als hätte sie der Tritt eines wütenden Drachen getroffen. Die Erschütterung ließ das ganze Haus in seinen Grundfesten erbeben. Irgendwo, weit entfernt, zerbrach klirrend ein Fenster.
Aber gleichzeitig hörte Torian auch, wie das Baarl vor Wut und Schmerz aufheulte. Kleine blaue knisternde Flammen hüllten das zurückschwellende Tentakel ein, griffen blitzartig auf den unsichtbaren Gigantenkörper über und zeichneten seine Konturen mit lodernder Glut nach. Eine entsetzliche Hitzewelle fauchte über Torian hinweg, zu schnell, um ihn zu verbrennen, aber heftig genug, ihn gegen die Wand zu schleudern und ihm Haare und Augenbrauen zu versengen.
Mit einem krächzenden Laut ließ er sich zur Seite fallen, kroch über die Schwelle und richtete sich erst auf, als er auf dem Korridor war. Blindlings taumelte er weiter, mit angehaltenem Atem und zusammengebissenen Zähnen, prallte gegen eine Wand und torkelte den Gang hinab. Erst, als er die Treppe erreicht hatte, wagte er es, stehenzubleiben und zurückzublicken.
Die Tür glich dem geschwärzten Schlund eines Vulkanes. Mauerwerk und Holz waren verkohlt, überall züngelten Flammen und kleine Brände, und die Luft kochte vor Hitze. Vom Baarl war nichts zu sehen, aber Torian hatte ja am eigenen Leibe erfahren, wie wenig das besagte. Es war hier, immer noch ganz in seiner Nähe – und es kam näher!
Er spürte eine Berührung am Arm, fuhr herum und hob ganz instinktiv die Fäuste, ehe er Shyleen erkannte. Aller Hochmut war aus ihrem Gesicht gewichen. Sie war blaß, ihre Lippen zitterten, und die Angst ließ ihre Augen noch größer und dunkler erscheinen, als sie ohnehin waren. In diesem Moment kam sie Torian mehr wie ein Kind vor als wie die Frau, die ihn am Vormittag haßerfüllt unter ihren Willen zu zwingen versucht hatte. Und im Grunde, dachte er hysterisch, waren sie das beide auch. Zwei Kinder, die dem finsteren Dämonengott einer längst vergangenen Zeit trotzten.