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Die Saga von Garth und Torian

Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:

Die Saga von Garth und Torian - Ungeahnte Kräfte wurden frei, als der Magier der Tremonen starb. Torian aus Scrooth, verwantwortlich für den Tod des Zauberers, entgeht mit seinem ehemaligen Gegner Garth dem Inferno – aber nur, um noch gefahrvollere Abenteuer bestehen zu müssen. Denn in der Ruinenstadt Rador wartet die Vergangenheit und ersinnt einen teuflischen Plan...
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»Komm!« stieß sie gehetzt hervor und zog ihn mit sich. Sie hasteten die breite Holztreppe hinab, taumelten den kurzen Flur entlang und standen urplötzlich Shyleens Vater gegenüber. Sein Gesicht war so bleich wie das seiner Tochter.

»Was ist geschehen?« stammelte er.

»Das Baarl!« schrie Torian zurück. Hinter ihnen begann die Treppe zu beben. Das Ächzen von überlastetem Holz erklang, und irgendwo zersplitterte ein Balken. Das ganze Haus schien sich wie in Krämpfen zu winden. »Ist das die Hilfe, die du uns versprochen hast?« brüllte Torian.

»Deine Hand!« schrie Shyleen. »Schnell!«

Sie packte seinen Arm. Plötzlich hielt sie einen zierlichen Dolch in der Hand und brachte ihm einen tiefen Schnitt am Handballen bei. Instinktiv wollte Torian den Arm zurückreißen, aber sie hielt ihn mit einer Kraft fest, die er ihr nicht zugetraut hätte. Blut quoll aus der Wunde, das sie in einer flachen Schale auffing. Irgendwo in der Mitte der Treppe, nicht mehr sehr weit entfernt, zersplitterte eine Stufe, dann eine zweite – und plötzlich brach ein gut vier Meter langes Stück der Treppe aus seiner Verankerung und stürzte in die Tiefe. Der Boden zitterte. Das ganze Haus erbebte wie unter dem Faustschlag eines Giganten, als das Baarl – unsichtbar, aber durchaus real – auf dem Boden aufschlug und Trümmer und brennendes Holz nach allen Seiten davonspritzten. Flammen und Staub zeichneten die Konturen eines unsichtbaren, gigantischen Körpers nach. »Jetzt!« schrie Shyleen. Sie sprang geschmeidig über ein geborstenes Stück des Geländers, das sich wie ein Speer in die Erde gebohrt hatte, und leerte die Schale mit Torians Blut über das Baarl. Gleichzeitig hob der Magier in einer beschwörenden Geste die Hände. Funken lösten sich aus seinen zu Klauen gekrümmten Fingern und rasten auf die Kreatur zu.

Und irgend etwas war falsch. Torians Gedanken überschlugen sich viel zu sehr, als daß er sagen konnte, was – aber irgend etwas war nicht so, wie es sein sollte.

Ein gequälter Aufschrei, hundertmal lauter und schmerzerfüllter, als Torian ihn in Kalaars Gemach vernommen hatte, gellte durch das Haus. Eine winzige, loderndheiße Sonne verschlang den Umriß der Kreatur.

Torian warf sich instinktiv zu Boden. Ein ungeheuer grelles Licht flammte vor ihnen auf, wuchs zu einem weißglühenden lodernden Feuerball heran und berührte die Wände. Das Licht fraß sich sogar durch seine geschlossenen Augenlider und jagte grelle Schmerzpfeile in seinen Schädel. Er schrie, riß die Hände vor das Gesicht, um seine Augen zu schützen, ohne die unerträgliche Helligkeit dadurch mildern zu können, und krümmte sich vor Schmerz. Inmitten der wabernden Lichtflut sah er das sich vor Schmerz windende Baarl.

Die peitschenden Tentakel verkohlten und zerfielen zu Staub. Noch ein letztes Mal bäumte sich die Kreatur auf und zerbarst mit einem gewaltigen Donnerschlag.

Die unerträgliche grelle Helligkeit erlosch.

Torian glaubte, die plötzliche Stille mit fast schmerzhafter Intensität zu spüren. Zitternd blieb er liegen und lauschte seinem rasenden Pulsschlag. Alles drehte sich um ihn herum.

Gerettet!

Das war alles, was er in diesem Moment denken konnte. Er war gerettet.

Aber für wie lange?

Sie hatten die klaffende Wunde im hölzernen Skelett der Treppe notdürftig mit einigen Balken geflickt und die zahllosen Brände gelöscht, die den Weg des unsichtbaren Dämons markierten wie eine Spur aus Feuer. Jetzt saßen sie in einem der wenigen nicht zerstörten Zimmer des Hauses zusammen. Der Schein mehrerer Petroleumlampen erfüllte den Raum, und im Kamin flackerte ein Feuer. Kalaars Männer waren bereits emsig damit beschäftigt, die Schäden zu beheben, die das Baarl angerichtet hatte.

Doch obwohl es warm und hell war, und obwohl er instinktiv spürte, daß ihnen zumindest im Moment keine Gefahr mehr drohte, fröstelte Torian. Er hatte das Gefühl, daß sich die Schatten nur wie lauernde Raubtiere in ihre Ecken und Winkel zurückgezogen hätten, noch immer von bösem Leben erfüllt und auf eine Gelegenheit wartend, erneut über ihn herzufallen. Langsam, fast unmerklich, aber sehr beharrlich, schienen sie aus ihren Verstecken hervor- und auf ihn zuzukriechen. Immer wieder sah er sich unbehaglich um, und immer wieder versuchte er sich einzureden, daß es nur Einbildung und er übernervös war, aber die Kälte und das Gefühl der Bedrohung ließen sich weder durch das Licht noch durch die Wärme verscheuchen. Und schon gar nicht durch Logik. In der Welt, in die es ihn jählings verschlagen hatte, klang dieses Wort lächerlich. Torian fragte sich allen Ernstes, ob er vielleicht dabei war, den Verstand zu verlieren. Möglicherweise war die Bedrohung, die das Baarl darstellte, nicht nur körperlicher Natur. Er hatte einen Blick in seine Welt geworfen; eine Welt, die seiner eigenen entfernt ähnelte und ihr doch zugleich unendlich fremd war. Schon der Versuch, diese Welt wirklich wahrzunehmen oder gar zu verstehen, war Wahnsinn. Das Baarl entstammte einer anderen Welt, einem anderen Begreifen. Die Kreatur der Vorzeit war die Gestalt gewordene Verneinung jeglichen Lebens; ihre Gegenwart schloß die von Leben aus, so wie das Wasser kein Feuer duldete.

Er spürte, wie sich seine Gedanken schon wieder zu verwirren begannen, und verscheuchte die Bilder hastig, die aus seiner Erinnerung auftauchen wollten. Es gab Wichtigeres, über das er nachzudenken hatte.

Garth zum Beispiel.

Er sah auf, und für einen Moment glaubte er Garth so deutlich vor sich zu sehen, als wäre er noch da: Das breitflächige, markante Gesicht des Diebes war bar jeden Ausdruckes, aber er hielt Torians Blick ruhig stand. Dann zerplatzte die Illusion, und zurück blieb ein bitterer Geschmack in seinem Mund. Aber sonst nichts. Torian versuchte, Zorn oder wenigstens Enttäuschung zu empfinden, aber es gelang ihm nicht. Er konnte Garth viel zu gut verstehen; vielleicht hätte er an seiner Stelle nicht anders gehandelt. Ein einziger Blick in das schreckensbleiche, eingefallene Gesicht des Diebes hatte ihm gezeigt, wie sinnlos jeder Versuch gewesen wäre, ihn umzustimmen. Und er hatte es im Grunde auch nicht gewollt, nicht wirklich. Er hatte kein Recht dazu.

Es war eine Stunde her, daß Garth Wasser und Proviant für einige Tage in seine Satteltaschen gepackt hatte und davongeritten war. Er hatte Torian geradezu angefleht, ihn zu begleiten, obwohl auch er gewußt haben mußte, daß es unmöglich war. Sie hatten sich umarmt und verabredet, sich später in einer bestimmten Gaststätte in Armar zu treffen, falls es für sie beide ein Später geben sollte. Für Torian ganz besonders.

Erst nachdem Garth aufgebrochen war, wurde Torian wirklich bewußt, wie sehr er sich an den Dieb gewöhnt hatte, obwohl sie sich erst kurze Zeit kannten. Die gemeinsam erlebten Gefahren hatten sie zusammengeschweißt, viel mehr, als ihnen beiden bis zu diesem Moment klargeworden war. Der gutmütige Hüne war zu seinem Freund geworden; ja, beinahe so etwas wie einem Bruder. Sein Weggehen tat weh, beinahe körperlich weh. Torian hatte oft gespürt, was es hieß, einsam zu sein – aber noch niemals so deutlich wie in der vergangenen Stunde. Tief in ihm schien eine Wunde zu klaffen, tiefer und schmerzhafter, als jedes Schwert sie zu schlagen vermochte.

Sie hatten sich verabredet, aber sie hatten beide gewußt, daß es nur eine fromme Lüge war. Torian spürte, wie ihm Tränen in die Augen stiegen. Wütend kämpfte er dagegen an. Er war zu stolz, seine Trauer auf diese Art zu zeigen, und es war auch nicht die rechte Zeit für sentimentale Anwandlungen.

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