Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Huma bewegte sich auf das Schwert zu. Wyrmvaters Riesenkopf drehte sich zu dem Geräusch hin.
»Ein Angebot, Ritter von Solamnia? Einen kleinen Gefallen gegen etwas aus meinem Schatz? Bestimmt habe ich ein paar Dinge, die deinen Brüdern im Laufe der Jahre verlorengegangen sind.«
Huma kamen die Überreste der alten Rüstung in den Sinn, die das geschundene Abzeichen eines Ritters der Rose trugen. Hatte Wyrmvater ihm dasselbe Angebot gemacht? Hatte er seinen Preis ausgewählt, als der Drache ihn überwältigte?
Unter Humas Fuß rutschten lose Münzen weg. Plötzlich versperrte ihm der Drachenkopf den Weg. Huma zückte sein Schwert, wobei er sehnsüchtig zu dem anderen schielte, das so nah lag. So dicht dran!
Wyrmvater schnüffelte. »Wirklich, ein solamnischer Ritter! Das Versteckspiel ist zu Ende, Menschlein! Nimmst du mein Angebot an – «, die massiven Kiefer verzerrten sich wieder zu einem Lächeln, » – oder wollen wir sehen, ob wir andere Übereinkünfte treffen können?«
»Was willst du?«
Das Ungeheuer spitzte die Ohren. »Ahhh! Er spricht! Es ist schätzungsweise dreihundert Jahre her, seit ein Eindringling es gewagt hat, mich anzusprechen, ohne gleich um Gnade zu flehen! Nach all dieser Zeit erfreut mich sogar deine Stimme!«
»Wie schön«, sagte Huma, weil ihm nichts anderes einfiel.
Bei dem darauffolgenden Gelächter mußte er sich die Ohren zuhalten. »Mutig, das Menschlein! Ich mag dich. Was sagst du zu meinem Angebot?«
»Ich will es mal anhören.«
»Wirklich mutig! Dann hör zu, Menschlein!« Das Monstrum erhob stolz sein Haupt. »Ich bin Wyrmvater, Erstgeborener und Größter unter den Kindern meiner erhabenen Herrin, der erste, der ihrem Ruf Folge leistete! Siegreich kämpfte ich für sie gegen die lächerlichen Götter des Lichts und ihre lahmen Kröten, und immer bin ich im Triumph davongezogen! Meine Macht war so groß und schrecklich, daß schließlich Kiri-Jolit selbst gegen mich antreten mußte – und zwar voller Furcht, das kann ich dir sagen!
Wir kämpften über ein Jahr lang. Berge entstanden, verschwanden, entstanden von neuem. Unser Kampf ließ das Land erbeben, die Meere schäumen. Zuletzt machte ich einen Fehler, und Kiri-Jolit bezwang mich. Der Sieg war ihm jedoch nicht genug! Aus zermalmter Erde türmte er diesen Berg über mir auf, um mich vom herrlichen Himmel fernzuhalten! Er sagte, ich würde Teil dieses Berges bleiben. Nicht der leiseste Windhauch sollte mich erreichen. Nur einer seiner eigenen Brüder könnte mich befreien, spottete er! Nur einer wie er könnte mich freilassen!«
Die blinden Augen starrten Huma bedeutsam an, welcher allmählich begriff, worauf der Drache hinaus wollte.
»Lange glaubte ich, daß er einen seiner Mitgötter meinte. Ich tobte und wütete. Dann begann ich die List in seinen Worten zu verstehen. Er meinte keinen Gott. Ein aufrechter, treuer Krieger konnte tun, was ich nicht konnte, und sind die Ritter von Solamnia nicht die Söhne Paladins? Sind sie nicht im Geiste Brüder von Kiri-Jolit?«
Huma starrte das glänzende Schwert an, das tief in einem Hügel aus Gold und Edelsteinen steckte. Die Begierde in ihm war so groß, daß er sich fast darauf stürzte. Doch dann hing plötzlich wieder das grausige Gesicht von Wyrmvater vor ihm. Der heiße, schweflige Atem biß dem Ritter in die Augen.
»Befreit mich, Ritter von Solamnia, und alles, was ich habe, gehört dir! Sogar der Spiegel, der mir so gute Dienste geleistet hat, bevor die Dunkelheit kam!«
Der Spiegel. Huma schaute ihn an. Wenn er seine Geheimnisse erfahren konnte… seine eigene Kühnheit erstaunte ihn: »Wie funktioniert er? Vielleicht überlege ich es mir.«
»Du mußt an einen Ort denken, wo du hin willst, und dann bitten – Nein! Laß mich erst frei!«
Der Berg selbst erzitterte, als Wyrmvater wieder wie besessen zu toben begann.
Das Hämmern hatte wieder eingesetzt – noch lauter, sofern das überhaupt möglich war.
Wyrmvater erhob seinen gewaltigen Kopf und kreischte: »Ich laß mich nicht noch einmal reinlegen!«
Huma rannte zu dem Schwert. Der gequälte Drache holte zornig aus und sperrte weit seine riesigen Kiefer auf, aus denen die lange, bewegliche, gespaltene Zunge herausfuhr. Wyrmvater wollte den winzigen Menschen in einem Haps verschlingen.
Humas Hand umfaßte das Heft des Schwertes. Selbst durch die Handschuhe verursachte der Griff ihm brennende Schmerzen. Trotzdem riß er es heraus und hielt es hoch, wobei seine Bewegungen von Instinkt und Meisterschaft geführt wurden.
Wyrmvaters Kiefer schlossen sich um Huma, dabei verschlang der Drache unzählige Schätze. Einen Augenblick lang verschwand Huma im Maul des Giganten.
Mit einem markerschütternden Schmerzensschrei krümmte sich das Ungeheuer. Gold, Silber, Statuen, Edelsteine und ein schlimm zugerichteter Huma purzelten aus seinem Schlund. Als der Ritter auf einen Schatzhaufen stürzte, raste der Schmerz durch seinen rechten Arm.
Über ihm warf Wyrmvater seinen Kopf hin und her, um das Schwert zu entfernen, das Huma in seinen Schädel getrieben hatte. Die Anstrengung war umsonst; sein Körper reagierte schon nur noch reflexartig. Das Gehirn des Drachen war tot, nachdem die grüne Klinge alle schützenden Schichten durchbohrt hatte. Der Todeskampf des Drachen trieb die Klinge nur immer tiefer hinein.
Huma rappelte sich gerade auf, als der Riesenkopf endgültig herunterzusinken begann. Selbst sterbend konnte Wyrmvater noch Humas Ende bedeuten. Der Ritter machte, daß er fort kam.
Haarscharf neben Huma knallte der gewaltige Schädel auf den Boden. Zusammen mit einem wahrhaft königlichen Schatz wurde der Ritter nach vorn geworfen. Seine letzten Gedanken galten Solamnia. Sein Körper traf den Spiegel –
– und landete im Matsch einer regennassen Einöde.
Sein erster panischer Gedanke galt dem Schwert. Es war im Maul des sterbenden Drachen zurückgeblieben. Huma mußte es zurückbekommen.
Aber wie? Er sah sich um – und fuhr überrascht hoch. Er war in Solamnia! Ganz in der Nähe von Burg Vingaard. Huma setzte sich hin und bedeckte mit den Händen sein Gesicht. Er hatte das Geheimnis des Spiegels entdeckt. Jetzt war er weit fort von den Bergen – und von seinen Gefährten!
Sein rechter Arm war taub und praktisch nutzlos, doch er ertastete keinen Bruch. Die momentane Lähmung würde in einigen Stunden vergehen. Sowohl er als auch seine Rüstung waren dreckverkrustet. Rasch faßte er an seinen Gürtel, woraufhin er einen kleinen Seufzer der Erleichterung ausstieß. Er hatte immer noch ein eigenes Schwert, wie mickrig es auch im Vergleich zu der wunderbaren Waffe erschien. Wenn er doch…
Ihm kam ein Gedanke.
Es war schwierig, die Richtung zu bestimmen, doch aus den wenigen Anhaltspunkten der Landschaft schloß er ziemlich sicher darauf, daß er südlich von Burg Vingaard war. Wäre es ein strahlend schöner Tag, so hätte er die mächtige Zitadelle von hier aus sehen können.
Nachdem er vergeblich versucht hatte, sich den Schmutz aus dem Gesicht zu wischen, brach Huma nach Norden auf.
Die Behausungen, an denen Huma vorbeikam, boten kaum einem wilden Tier Schutz, viel weniger noch einem Menschen. Das verrottete Fachwerk war am Vermodern. Die Strohdächer hatten den Namen Dach eigentlich nicht mehr verdient, so viele Löcher waren darin. Es gab auch kein Material mehr zum Abdichten. Der Lehm, der die Steine zusammenhielt, war an vielen Stellen so feucht, daß die Wände gänzlich auseinandergebrochen waren.
Der gehetzte Ausdruck in den Gesichtern der ausgemergelten Überlebenden in dieser armseligen Siedlung jagte ihm kalte Schauer über den Rücken. Was tat die Burg gegen diesen Zustand, fragte er sich. Die Menschen vegetierten nur noch dahin. Ihre Häuser waren höchstens Unterstände, und manche hatten noch nicht einmal das. Statt dessen saßen sie im Dreck, auf der zertrampelten Erde, und starrten auf die Verwüstungen um sie herum.