Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Детские и приключения » Die seltsamen Abenteuer des Marko Polo
Die seltsamen Abenteuer des Marko Polo - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Die seltsamen Abenteuer des Marko Polo

Электронная книга - «Die seltsamen Abenteuer des Marko Polo». Краткое содержание книги:

Die seltsamen Abenteuer des Marko Polo
1 ... 47 48 49 50 51 52 53 54 55 ... 80
Перейти на страницу:

«So, mein Freundchen», sagte er, «gleich wirst du wieder munter werden. Bei Angiolino sollst du nicht hungern, der weiß, was es heißt, wenn man nichts zu beißen hat.»

Wohlgemut drehte er sich um und wollte dem Esel das Futter bringen. Was er sah, jagte ihm einen solchen Schrecken ein, daß er mit offenem Munde stehenblieb. Das Gras fiel ihm aus der Hand. Der Esel nämlich lag neben dem lustig über die Steine sprudelnden Wasser, streckte alle viere von sich und ließ seine Zunge heraushängen.

Nachdem Angiolino sich von seinem Schrecken erholt hatte, sprang er auf das Tier zu und versuchte es wieder auf die Beine zu bringen.

«Steh doch auf, mein Guter», klagte er verzweifelt, «kriegst das feinste Gras, auf Händen will ich dich tragen, wenn du nur aufstehst, damit ich dich zum Herrn zurückführen kann… Oh, du störrisches Vieh», er stieß mit dem Fuß nach dem bewegungslos vor ihm liegenden Körper, «willst du mich um mein letztes Hab und Gut bringen? Du Teufelstier! Hundesohn, steh auf, sonst sollst du Angiolinos Fäuste spüren… Ach, mein Guter, was machst du da für Sachen. Verstell dich doch nicht, steh auf…» Doch weder Bitten noch Drohen half; Schwärme von Fliegen ließen sich auf Zunge, Augen und Nüstern nieder. Das Eselchen rührte sich nicht mehr, lag stocksteif auf der Erde und grinste, so schien es Angiolino, höhnisch mit den großen gelben Zähnen.

Als es dem Bauern zur Gewißheit geworden war, daß der Esel durch nichts mehr zum Leben erweckt werden konnte, ging er einige Schritte abseits, setzte sich auf die Böschung und hängte die Füße in das Wasser. Mit finsterem Gesicht starrte er auf die Wellen, die unbeschwert ihres Weges zogen.

Angiolino war jetzt dreißig Jahre alt, von Kindesbeinen an diente er dem Grafen, so wie es seine Großeltern und seine Eltern getan hatten. Er verdiente immer gerade so viel, um die Pacht für den schmalen Streifen Land aufbringen zu können. Vier Tage in der Woche arbeitete er für den Herrn, und oft wurden es auch fünf Tage. In den wenigen freien Stunden hatte er sich aus Felssteinen ein armseliges Haus gebaut; in einem Bretterschuppen standen zwei Ziegen und drei Schafe. Im nächsten Jahr hatte er heiraten wollen. Da passierte ihm nun die Geschichte mit dem Esel.

In Angiolino, der bis jetzt alles geduldig ertragen hatte, begann es zu gären. War er denn schuld am Tode des Esels? Jetzt verstand er, warum der Verwalter ihm das Tier so bereitwillig überlassen hatte. Hätte er ihn nur zurückgewiesen und das Heu auf seinem Rücken nach Hause geschleppt.

Aber jetzt half kein Lamentieren. Der Bauer stand in plötzlichem Entschluß auf; eine stille Hoffnung begann sich in ihm zu regen. Sie konnten ihn doch nicht für den Tod des Esels verantwortlich machen. Angiolino legte sich eine Rede zurecht und gab sich selbst die Antworten, die er von dem Herrn zu erwarten hatte. «Er taumelte ja schon, als der Knecht ihn mir gab, Herr.» — «Du hast ihn zu Tode geschunden, du mußt ihn bezahlen!» — «Holt doch den Knecht, Herr. Er kann bezeugen, daß der Esel krank war.» — «Werde nicht frech, Angiolino, schon einmal mußte ich dich auspeitschen lassen.»

Die Hoffnung starb in seinem Herzen. Er kannte die Herren, sein ganzes Leben lang hatte er sich gebeugt. Aber diesmal… Er hob die Fäuste zum Himmeclass="underline" «Herrgott, wenn du mir dieses Mal nicht hilfst!»

Es kam so, wie Angiolino vorausgesehen hatte. Es kam sogar noch schlimmer. Er durfte die hohe Summe, die der Herr für den Esel verlangte, nicht einmal an den zwei freien Tagen der Woche abarbeiten, sondern sollte sie sogleich bezahlen. Da er das natürlich nicht konnte, befahl der Herr, ihm das Land zu nehmen und sein Vieh — zwei Ziegen und drei Schafe — aus dem Stall zu treiben. Angiolino sei noch einmal billig davongekommen, ließ er bestellen.

Angiolino ging in der Nacht zu seiner Braut und verabschiedete sich von ihr.

Er würde bald wiederkommen, sagte er, sie solle sich keine Sorgen um ihn machen.

Sie weinte, als er ging; denn sie fürchtete sich vor dem fremden, wilden Ausdruck in seinem Gesicht. Was hatten die Herren nur mit dem gutmütigen Angiolino gemacht?

Angiolino hielt sein Versprechen. Er kam bald wieder. Kaum hatte der Mond zweimal gewechselt, da war Angiolino wieder da. Zu Pferde kam er geritten, mit einer Schar von Straßenräubern, denen er sich zugesellt hatte. Ein heruntergekommener Adliger mit einem zarten, kindlichen Gesicht führte das Kommando. «Milchgesicht» hieß er bei den anderen, und Milchgesicht war berüchtigt wegen seiner Grausamkeit. Er machte nicht viel Federlesens. «Aufhängen!» war seine ständige Redensart. Für ihn ging es nur darum, große Beute zu machen. Doch Angiolino, der sich durch große Tapferkeit auszeichnete, begann den Räubereien bald einen anderen Sinn zu geben.

Zunächst aber wollte er die Rechnung mit dem Herrn begleichen, der ihm sein kümmerliches Pachtland und sein Vieh genommen hatte. Er widersprach nicht, als Milchgesicht befahl, den Herrn aufzuhängen. En wurde an jener Stelle gehenkt, wo Angiolino einst auf seinen Befehl wegen einer Geringfügigkeit ausgepeitscht worden war. Das Schloß des Herrn wurde niedergebrannt.

Ein Jahr später war die Schar der Straßenräuber schon auf 120 Mann angewachsen, und ihr Ruf drang weit über die Grenzen des Königreiches Neapel hinaus. Angiolino hatte in kurzer Zeit lesen und schreiben gelernt und war zum Anführer der Schar geworden. Milchgesicht redete noch sein Wort mit, wenn über ein neues Unternehmen beraten wurde, und fügte sich widerwillig den Anordnungen Angiolinos.

Sie durchstreiften Städte und Provinzen. Angiolino hielt Gericht, wenn er erfuhr, daß einem armen Bauern oder Handwerker durch seinen Herrn Unrecht geschehen war. Und er sprach besser Recht, als es die gewöhnlich bestochenen Richter getan hätten.

Einem reichen Benediktiner Abt, der mit seinem Gefolge von Neapel nach Rom reiste, nahm er die Hälfte des Geldes, 1250 Unzen ab, wovon ein Teil dazu diente, um ein armes Mädchen auszustatten, der andere Teil, um Familien armer Landleute zu unterstützen und der Rest zum Unterhalt seiner Truppe. Angiolino war zur Plage der adligen Herren geworden, die alles mögliche versuchten, um seiner habhaft zu werden. Vom Volke aber wurde er geliebt und geachtet, und keiner dachte daran, ihn zu verraten. Man nannte ihn den König der Felder.

Als Paolo in jener stürmischen Nacht von Bord der Schmugglerbarke gesprungen war und seine Arme und Beine zu regen begann, um nicht unterzugehen, hatte er zuerst einen furchtbaren Schmerz verspürt, der ihm fast die Besinnung raubte. Er hörte auf, sich zu bewegen, und sank wie ein Stein nach unten. Die Wellen schlugen über ihm zusammen; er öffnete den Mund, um zu atmen, und schluckte Wasser; ringsumher war es dunkel, er schwebte durch einen von brausenden Geräuschen erfüllten Raum, vergaß seine Schmerzen und empfand ein wohliges Gefühl des Geborgenseins in einer geheimnisvollen Welt abseits von allem irdischen Geschehen. Er wußte genau, wo er sich befand, seine Gedanken arbeiteten ganz klar, aber sein Lebenswille war gelähmt.

Wasser strömte durch Mund und Nase ein; in seinen Ohren sauste es; seine Beine berührten den Grund. In diesem Augenblick aber, als habe ein Zauberstab ihn berührt, kehrte sein Lebenswille zurück. Er kauerte sich nieder und stieß sich mit einem Ruck vom Grund der Lagune ab. Endlos lange schwebte er durch das tosende Dunkel, das Wasser schien durch alle Poren in ihn einzudringen, es klopfte in rasendem Wirbel gegen sein Trommelfell, in schneller Folge zogen Erinnerungen aus seiner Kindheit, die verschüttet in seinem Unterbewußtsein geschlummert hatten, an seinen Augen vorüber; wahnsinnige Furcht packte ihn, er glaubte, wieder auf den Grund des Wassers hinabzusinken. Ein kühles nasses Grab umfing ihn.

1 ... 47 48 49 50 51 52 53 54 55 ... 80
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)