Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
Er lächelte flüchtig und tauschte einen vielsagenden Blick mit Bentley.»Wir hätten uns natürlich lieber an Sie als an eine Kreatur wie Perez gewandt«, fuhr er fort.»Aber nach Gregs Tod waren die Dinge … ein wenig kompliziert geworden. Sie kannten Greg — er war kein Mann, der präzise Aufzeichnungen hinterlassen hätte. «Er tippte sich an die Stirn.»Das meiste, was er wußte, hatte er hier aufgeschrieben. Und wir haben leider den Großteil der vergangenen drei Jahre gebraucht, uns aus dem wenigen, was er uns zuvor verraten hat, den Rest der Geschichte zusammenzureimen.«
Indiana deutete mit einer Kopfbewegung auf die neun goldenen Anhänger auf dem Tisch.»Und diese neun Anhänger zusammen-zustehlen, vermute ich.«
Bentleys Lächeln wurde noch eine Spur kälter.»Ich hätte ein anderes Wort vorgezogen, Dr. Jones«, sagte er.»Genaugenommen sind diese Anhänger unser Eigentum. Besser gesagt — Gregs und unser gemeinsames Eigentum.«
«Und da Sie sich als seine Erben verstehen …«, sagte Indiana zynisch.
Bentley lächelte.»Ich sehe, Sie verstehen, was wir meinen.«
«Zum Teil«, erwiderte Indiana.»Was ich nicht verstehe, ist, was es mit diesen Anhängern auf sich hat.«
«Mit diesen Anhängern«, antwortete Bentley,»nichts. «Er fuhr mit der Handfläche über den Tisch und warf seine mühsam zurechtgelegte Ordnung durcheinander.»Sie sind vollkommen wertlos — sieht man von dem geringen Goldwert ab. Das heißt — alle, bis auf einen.«
«Und welcher ist es?«
Bentley zuckte mit den Schultern.»Das weiß ich so wenig wie Sie, Dr. Jones«, gestand er freimütig.»Und wir werden es auch kaum herausfinden, bevor wir alle zwölf zusammenhaben und in Piedras Negras sind.«
«Genauer gesagt, an einem Ort in der Nähe dieser Stadt«, fügte Norten hinzu.
Indianas Blick wanderte immer irritierter zwischen den Gesichtern der beiden und den kleinen, goldenen Anhängern hin und her.»Ich verstehe überhaupt nichts mehr«, gestand er.
Bentley lachte leise.»So ging es uns auch eine ganze Weile, Dr. Jones«, sagte er.»Dabei ist die Erklärung ganz simpel. Nur einer dieser Anhänger ist echt. Die elf anderen sind Kopien, die Greg kurz vor seinem Tod anfertigen ließ und ziemlich wahllos verteilt hat. Es hat uns eine ganze Menge Mühe gekostet, sie aufzuspüren.«
«Aber warum?«
«Weil dieser eine echte Anhänger etwas ganz Besonderes ist«, antwortete Norten. Etwas … veränderte sich in seiner Stimme, als er sprach; plötzlich hatte sie jenen fast ehrfürchtigen, gedämpften Klang, den Indiana nur zu gut kannte. Er hatte ihn zahllose Male in Gregs Stimme gehört, und in seiner eigenen Stimme war er zahllose Male gewesen, wenn er von den großen Geheimnissen und Rätseln alter Kulturen sprach.
«Sie sind Archäologe wie ich, Dr. Jones«, fuhr Norten fort.»Und ich weiß von Greg, daß Sie fast soviel von den versunkenen südamerikanischen Kulturen verstehen wie er — und er wiederum verstand beinahe soviel davon wie ich. Sie wissen, wen dieses Amulett darstellt.«
Indiana nickte automatisch.»Quetzalcoatl«, antwortete er.»Den Gefiederten Schlangengott der Mayas. Ihre höchste Gottheit.«
«Ja«, antwortete Norton.»Aber es ist nicht nur ein Abbild Quetzalcoatls. Es ist auch nicht nur irgendein Kultgegenstand. Es ist …«Er zögerte, schwieg einige Sekunden lang und blickte Indiana dann auf sehr sonderbare Art und Weise an.
«Glauben Sie an Magie, Dr. Jones?«fragte er.
«Das … kommt darauf an, wie man das Wort definiert«, erwiderte Indiana zögernd.
«Ich vermute«, sagte Norton,»Sie definieren es auf die gleiche Art und Weise wie ich. Wir haben ja schon über dieses Thema gesprochen. Aber ich gebe zu, daß ich Ihnen auf der Hacienda nicht die ganze Wahrheit erzählt habe. Dieser eine Anhänger, um den es sich handelt, wurde kurz vor dem Untergang des Mayarei-ches von einem ihrer mächtigsten Medizinmänner hergestellt. Sehen Sie, Dr. Jones, die meisten Menschen heutzutage halten die Mayas für Barbaren; Wilde, die Menschenopfer vollzogen und niemals wirklich über ein steinzeitliches Niveau hinauskamen, ungeachtet ihrer gewaltigen Bauwerke. Aber das stimmt nicht. Sie halten eine erstaunliche Kultur; und sie waren in manchen Dingen soweit wie wir, in einigen sogar weiter. Ihre Astrologie zum Beispiel …«
«Ich weiß das alles, Dr. Norten«, unterbrach ihn Indiana.
Norten lächelte verlegen.»Natürlich — Sie sind ja auch Fachmann. Entschuldigen Sie, Dr. Jones, aber ich glaube, da ist der Wissenschaftler mit mir durchgegangen.«
«Das macht nichts«, erwiderte Indiana ungeduldig.»Mir geht es manchmal genauso.«
«Dieser eine Anhänger also«, sagte Norten und kam damit wieder zum Thema zurück,»wurde vom mächtigsten Zauberer des Mayareiches hergestellt. Die Maya gingen nicht von einem Tag auf den anderen unter. Dem einfachen Volk mag es wie eine Katastrophe vorgekommen sein, aber die weisen Männer dieses Volkes ahnten den Niedergang lange voraus. Und sie ahnten auch, daß sie ihn nicht würden aufhalten können. Also beschlossen sie, auf die Zukunft zu setzen. Ihre astronomischen Kenntnisse waren erstaunlich. Sie konnten den Lauf der Gestirne auf Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende im voraus mit einer Präzision berechnen, die selbst wir noch nicht erreichen. Also verglichen sie die Konstellation der Sterne während der Blütezeit ihrer Kultur mit der der Zukunft und kamen zu dem Schluß, daß sie für die nächsten Jahrhunderte ungünstig für die Mayas standen, — sehr vorsichtig ausgedrückt. So ungünstig, daß nicht einmal die Macht der Götter ausreichen würde, den Niedergang des Volkes aufzuhalten. Daher schufen sie dieses Schmuckstück. Ihre begnadetsten Künstler arbeiteten ein Jahr an seiner Erschaffung, und das Gold wurde in Menschenblut gehärtet. Und sie legten all ihren Glauben und all ihre Magie in dieses winzige Stückchen Metall.«
Seine Stimme wurde leiser, sank zu einem Flüstern voller Ehrfurcht herab.»Was Ihnen und allen anderen Menschen wie ein wertloses Schmuckstück vorkommen mag, Dr. Jones, das ist mehr, unendlich viel mehr. Es ist die Magie eines ganzen Volkes. Es ist der Schlüssel, um Quetzalcoatl wieder zum Leben zu erwecken.«
Indiana starrte sein grauhaariges Gegenüber sekundenlang völlig fassungslos an. Er hatte begriffen, was Norten meinte, aber alles in ihm weigerte sich, es zu glauben. Und gleichzeitig fühlte er, daß es die Wahrheit war. Irgendwie hatte er es die ganze Zeit über gespürt.
«Sie meinen, daß … daß …«
«Quetzalcoatl wieder zum Leben erwachen wird, wenn dieser Anhänger an einem bestimmten Tag in einen bestimmten Raum im geheimen Mayatempel am Fuße des Vulkans zurückgebracht wird, ja«, sagte Norten.»Und dieser Tag ist bald, Dr. Jones. Sehr bald.«
«Aber das … das ist lächerlich«, protestierte Indiana. Seine Worte klangen selbst in seinen eigenen Ohren nicht überzeugend. Und Norten machte sich nicht einmal die Mühe, darauf zu antworten.
«Das Volk der Maya kann zu neuer Größe und Macht auferstehen, Dr. Jones«, sagte er.»Oder wieder untergehen, und diesmal vielleicht endgültig.«
«Oder«, fügte Bentley hinzu,»und das ist die dritte und im Moment wahrscheinlichste Möglichkeit, die Gewalten, die dieser eine Anhänger entfesseln könnte, könnten in die falschen Hände geraten.«
Indiana blickte ihn durchdringend an.»In Ihre zum Beispiel?«
Bentley blieb ruhig.»Ich habe mit dieser Antwort gerechnet, Dr. Jones«, sagte er.»Aber glauben Sie mir — Professor Norten und mir liegt nichts ferner, als uns persönliche Vorteile zu verschaffen.«
«Was wollen Sie dann?«fragte Indiana.»Und sagen Sie nicht, es geht Ihnen nur darum, das Rätsel einer untergegangenen Kultur zu lösen. Das würde ich Ihnen nämlich nicht glauben.«