Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
Torian schwang die Beine aus dem Bett, reckte sich ausgiebig und trat ans Fenster. Auch jetzt war kein Mensch auf dem Hof zu sehen. Die Sonne hing bereits wie ein riesiger Feuerball tief am Horizont und schien fast mit der Wüste zu verschmelzen, und die Dämmerung streckte sich mit rauchigen Schattenfingern nach dem Land aus. Nein – er hatte wahrlich nicht lange geschlafen: fünf oder sechs Stunden allenfalls, und das war nicht sehr viel, nach drei Tagen und Nächten praktisch ohne Ruhe. Er fühlte sich nicht sonderlich erfrischt. Die Verlockung des Bettes hinter ihm war groß. Und trotzdem hatten sie viel zuviel Zeit verloren. Er dachte an das Baarl. Salamir hatte gesagt, es wäre langsam – aber ein schlafender Mann war sicherlich noch langsamer.
Er seufzte. Wäre es nur nach ihm gegangen, so hätten sie keine Minute mehr verschwendet, aber Salamir hatte darauf bestanden, daß sie sich wenigstens ein Minimum an Ruhe gönnten, denn noch hilfloser als ein schlafender Mann, so hatte er argumentiert, war einer, der vor Erschöpfung zusammenbrach. Ungeachtet ihres schwachen Protestes hatte Salamir ihnen Kalaars Gemach herrichten lassen.
Torian hätte sich auch mit einem einfachen Strohlager zufriedengegeben – vielleicht wäre es sogar besser gewesen. Sein Rücken schmerzte, und sein Nacken hatte sich vom Liegen auf der ungewohnt weichen Matratze verspannt. Er wandte sich vom Fenster ab und massierte seine Muskeln. Abgesehen von Garth’ Atemzügen war es totenstill. Selbst die Tiere in den Ställen schienen zu schlafen.
In diesem Moment nahm Torian erneut das Geräusch wahr, das ihn geweckt hatte. Es war ein leiser, kaum hörbarer Laut, der dem Summen einer Mücke glich, aber sehr viel drohender war. Das Geräusch währte nur wenige Sekunden, dann mischte sich ein anderer Laut hinein, ein Geräusch wie das leise Scharren von Hörn. Dann so etwas wie Atemzüge...
Eine eisige Hand griff nach Torians Herz. Es gab sicherlich Dutzende harmloser Erklärungen für diese Laute, aber er spürte ganz instinktiv, daß sie alle falsch waren.
Und es waren nicht nur die Geräusche.
Voller Entsetzen registrierte Torian, wie sich auch Licht und Schatten zu verändern begannen, sehr viel schneller und unheimlicher, als es die Dämmerung draußen hätte verursachen können. Binnen weniger Sekunden schienen sich die Schatten im Zimmer verdichtet und an Gestalt gewonnen zu haben, bildeten Umrisse, faserige Formen wie Nebel, der von unheimlichem Leben erfüllt war, und trieben wieder auseinander. Die Schwärze blieb körperlos, aber sie quoll plötzlich wie Rauch aus den Winkeln und Schatten. Ein widerlich süßer Geruch drang an seine Nase. Gleichzeitig veränderte sich das Geräusch erneut. Es erinnerte nun an das Tappen leiser Schritte, kam ihm aber zugleich unsagbar falsch und furchteinflößend vor.
Und es kam näher...
»Garth?« flüsterte er.
Der Dieb reagierte nicht, sondern schnarchte nur noch lauter. Torian sah sich mit klopfendem Herzen um. Er war allein, wie zuvor, und doch spürte er einfach, daß etwas hier im Zimmer war. Das Baarl?
»Garth«, sagte er noch einmal. »Verdammt noch mal, wach endlich auf!«
Garth drehte sich mit einem unwilligen Grunzen im Bett herum, wurde aber nicht wach.
Torian kam nicht mehr dazu, ihn einfach aus dem Bett zu zerren, wie er eigentlich vorgehabt hatte. Der Vorhang am Fenster flatterte plötzlich heftiger. Für den Bruchteil einer Sekunde zeichnete sich ein monströses, unförmiges Etwas von geradezu absurder Größe hinter dem grauen Stoff ab, dann wurde der Vorhang herabgezerrt und einfach in Fetzen gerissen. Funken stoben auf, und die Fetzen verbrannten, noch bevor sie zu Boden sanken und zu Asche zerfielen.
Das Baarl hatte ihn gefunden.
Es war hier! Mit einem Schrei prallte Torian zurück, rollte rücklings über das Bett und packte das Schwert, das griffbereit am Pfosten lehnte. Blitzschnell riß er die Waffe aus der Scheide, ließ die metallene Hülle achtlos fallen und fuhr mit erhobener Klinge herum.
Aber es gab nichts, wogegen er sie führen konnte.
Das Zimmer war so leer wie zuvor!
Für einen Augenblick.
Dann hörte er wieder das entsetzliche Summen und die anderen Geräusche und sah die Schatten aus allen Richtungen zusammenfließen wie kleine rauchige Tierchen. Etwas Mächtiges, Formloses setzte seinen Fuß auf das Bett. Krachend brach das Holzgestell unter der Belastung zusammen, und eine Woge körperloser Hitze traf Torian wie eine glühende Hand im Gesicht und ließ ihn zurücktaumeln. Sein Bettzeug begann zu schwelen, und plötzlich flammte der Boden vor ihm auf, ein verbrannter Fleck von der Form eines monströsen Fußes, der nicht ganz menschlich war.
Die Hitze raubte Torian schier den Atem. Er führte mit dem Schwert einige wuchtige Streiche, doch er zerteilte nur Luft. »Garth!« schrie er noch einmal, und endlich hörte ihn der Dieb. Schlaftrunken richtete er sich auf. »Was’n los...«
Er verstummte, riß erschrocken die Augen auf, schleuderte die Decke zur Seite und sprang aus dem Bett. Gleichzeitig packte er sein eigenes Schwert.
Torian hieb noch einmal erfolglos in die leere Luft und taumelte weiter zurück. Er hatte das Gefühl, Flammen zu atmen. Aber vor ihm war nichts!
»Raus!« brüllte er mit überschnappender Stimme. »Wir müssen hier raus!«
Garth war bereits an der Tür und versuchte sie zu öffnen. Aber nur einmal. Er schrie auf, riß die Hand von der Klinke zurück und schlenkerte sie wild hin und her. Das Eisen der Klinke verfärbte sich, wurde binnen weniger Sekunden rot und dann weißglühend. Das Holz begann zu schwelen; beißender Rauch erfüllte die Luft. Gleichzeitig verformte sich das Schloß, schmolz zu einem unförmigen, wabernden Klumpen zusammen und tropfte zähflüssig zu Boden. Knisternd fraß sich die Glut in das Holz des Fußbodens. Die Dielenbretter begannen zu rauchen, wo das flüssige Metall sie traf.
Torian spürte einen Luftzug an der Wange und warf sich zur Seite. Etwas Geschmeidiges, Weiches und doch ungeheuer Starkes traf ihn mit fürchterlicher Wucht an der linken Schulter und schleuderte ihn durch das Zimmer. Sein Arm war taub und gefühllos. Er ließ das Schwert fallen, um seinen Sturz mit der unverletzten Hand abzufangen, nahm dem Aufprall durch eine Drehung die ärgste Wucht und krachte mit immer noch verheerendem Schwung mit dem Kopf gegen eine Wand. Ein betäubender Schmerz explodierte zwischen seinen Schläfen. Für Sekunden war er blind.
Halb besinnungslos blieb er liegen. Ein blutiger Nebel senkte sich über sein Bewußtsein, breitete sich wie lähmendes Gift in seinen Adern aus und versuchte ihn einzuhüllen. Aber er würde sterben, wenn er jetzt das Bewußtsein verlor. Mit aller Verbissenheit kämpfte Torian gegen die drohende Ohnmacht an.
Garth brüllte etwas, das er nicht verstand. Der Dieb warf sich mit seinem ganzen Gewicht gegen die Tür. Das Holz erbebte unter dem Aufprall seiner mehr als zwei Zentner, aber allen Naturgesetzen zum Trotz weigerte es sich zu zerbrechen. Im Gegenteil – Garth wurde zurückgeschleudert, als wäre er gegen eine Wand aus Gummi gerannt. Sein Gesicht und seine Schulter bluteten, als er ich stöhnend aufrichtete.