Die Saga von Garth und Torian
- Автор: Хольбайн Вольфганг, Winkler Dieter
- Год: 1985
- Язык: немецкий
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Saga von Garth und Torian». Краткое содержание книги:
»Verzeiht ihren jugendlichen Übermut«, brach der alte Magier nach einer Weile das Schweigen. »Sie ist im Tempel aufgewachsen und besaß fast unumschränkte Macht. Sie ist das Befehlen gewöhnt, nicht das Gehorchen. Es fällt ihr nicht leicht, diese Rolle abzuschütteln. Sie ist verzweifelt, und ihr dürft sie nicht deshalb...«
»Das geht uns nichts an«, unterbrach Garth ihn barsch. »Ich will mit euren Angelegenheiten nichts zu tun haben. Es ist blanker Selbstmord, sich gegen die Schwarzen zu stellen. Ich für meinen Teil verschwinde jedenfalls. Was ist mit dir, Torian?«
Torian erhob sich schwerfällig, griff nach seinem Helm und klemmte ihn sich unter den Arm. Er nickte.
»Es tut mir leid, Salamir«, sagte er, und das war in diesem Moment noch nicht einmal gelogen. »Aber ich glaube, Garth hat recht. Gegen Magie ist jedes Schwert machtlos. Ich würde dir vielleicht helfen, Salamir, wenn ich auch nur den Hauch einer Chance sähe, aber so...«
»Dann geht!« zischte der Alte. »Vielleicht bleibt ihr auf diese Art noch ein paar Tage am Leben, bis euch der Fluch von Rador einholt. Einmal hätte das Baarl euch ja schon fast erwischt.«
Torian blieb abrupt stehen. Der Helm entglitt seinen plötzlich kraftlos gewordenen Fingern und polterte zu Boden, aber er beachtete ihn nicht. Ein eisiger, lähmender Schrecken breitete sich in ihm aus.
»Was... hast du gesagt?« flüsterte er.
»Ich hatte nicht vor, euch zu erpressen, und will es auch jetzt nicht tun«, antwortete Salamir. »Aber ich hatte auch nicht vor, euch mit Gold zu bezahlen, sondern durch meine Hilfe. Wir befinden uns alle in einer Notlage und können uns gegenseitig helfen.«
»Woher weißt du...?« stammelte Garth.
Salamir lachte humorlos. »Ich weiß alles über euch. Vergeßt nicht, daß ich ein Magier bin, wenn ich auch nicht über dieselbe Macht gebiete wie die Schwarzen. Hat es euch nicht gewundert, daß ich eure Namen kenne? Nachrichten verbreiten sich rasch. Torian, du hast zwei der Schwarzen umgebracht, was noch keinem Sterblichen gelungen ist – jedenfalls keinem, der es überlebt hätte. Ich weiß nicht, ob es nur Glück war oder etwas anderes, aber du hast es jedenfalls getan, und deshalb brauche ich deine Hilfe. Es war kein Zufall, daß ihr ausgerechnet hierher gekommen seid, auch wenn es euch so erscheinen mag. Es stimmt, daß Shyleens Flucht die Rache der Schwarzen herausfordert, aber sie sind längst auch hinter dir her. Ihr habt Rador verlassen, doch noch vor seinem Tod hat der Wächter der Schwarzen einen Fluch über dich ausgesprochen. Das Baarl ist eine der schrecklichsten Kreaturen der Alten, die früher über Caracon geherrscht haben. Es bewegt sich nur langsam, doch wenn es einmal die Spur eines Opfers aufgenommen hat, läßt es nicht mehr von ihm ab, bis es seinen Auftrag erfüllt hat.« Er lächelte so kalt wie eine Schlange. »Du kannst bis ans Ende der Welt vor ihm fliehen, Torian. Es wird dich finden.«
Torian hatte das Gefühl, der Raum um ihn herum beginne sich zu drehen. Ein Schrecken von nie gekannter Tiefe griff nach seinen Gedanken. Das Bild der dräuenden, viel zu massiven Finsternis, die sich unten am Bach in seinen Schatten eingenistet hatte, tauchte wieder vor seinem inneren Auge auf, und noch einmal spürte er einen Hauch dieser abgrundtiefen Furcht, die ihn bei dem Anblick gepackt hatte. Nur noch mit letzter Kraft gelang es ihm, die Erinnerung zurückzudrängen.
Er fing einen verwirrten Blick von Garth auf, aber er ignorierte ihn. Mit schweren Schritten kehrte er an den Tisch zurück und ließ sich wieder auf seinen Stuhl sinken. Garth tat es ihm gleich. Von seiner gerade noch wilden Entschlossenheit war nichts geblieben. Er wirkte nur noch verwirrt.
»Ein Fluch«, murmelte Torian. Er hatte gewußt, daß es sich bei dem geheimnisvollen Etwas keineswegs um ein Tier gehandelt hatte, und er hatte auch gespürt, daß es etwas mit Rador zu tun hatte – dem Rador, wie es vor tausend Jahren gewesen war, nicht der toten Ruinenstadt –, aber er hatte den Gedanken verdrängt und so getan, als könnte er die Wahrheit durch bloßes Leugnen aus der Welt schaffen. Eine Zeitlang hatte es sogar funktioniert, dachte er benommen. Die Wahrheit war nicht sehr schnell. Man konnte eine Weile vor ihr davonlaufen, aber irgendwann holte sie einen ein. Wie das Baarl.
»Ein Fluch«, bekräftigte Salamir. »Der schlimmste Fluch, den ich mir vorstellen kann.« Er grinste. »Und ich kann mir eine Menge vorstellen.
»Kannst du ihn... ich meine...«
»Nein, das kann ich nicht«, fiel ihm der Magier ins Wort. »Es wäre zu einfach, jetzt zu lügen. Das Baarl stammt aus einer schrecklichen Epoche der Vergangenheit. Meine Macht reicht bei weitem nicht aus, es zu vernichten. Höchstens ein Schwarzer könnte es.« Er seufzte. »Aber ich fürchte, du wirst keinen finden, der es täte.«
»Was hast du uns denn außer leeren Worten sonst zu bieten?« fuhr Garth auf. »Wir könnten längst meilenweit weg sein.«
»Bei dieser Hitze?« Salamir lächelte nachsichtig. »Eine Stunde dort draußen, und euer Blut würde kochen. Ich kann das Baarl nicht vernichten, aber ich kann gemeinsam mit Shyleen versuchen, es zumindest für eine Weile von eurer Spur abzubringen. Auch ihr könnt nicht garantieren, daß ihr uns schützen könnt.«
»Gibt es überhaupt eine Rettung vor diesem... diesem Ding?« fragte Torian beklommen. Er sprach ganz automatisch; es war nur der Krieger in ihm, der diese Frage stellte. Er selbst hatte noch gar nicht ganz begriffen, was Salamirs Worte wirklich bedeuteten. Er wollte es auch nicht.
»Ich weiß es nicht, aber wenn uns genug Zeit bleibt, kann ich versuchen, es herauszufinden. Shyleen besitzt bei weitem nicht meine Macht, aber sie weiß mehr über die Magie der Schwarzen als viele andere. Eine Hand wäscht die andere. Entscheide dich, Torian.«
»Bleibt mir eine andere Wahl, als dein Angebot anzunehmen?«
»Nein«, erwiderte Salamir, ohne daß es spöttisch klang. »Auch wenn ich mir wünschte, du würdest mir aus freien Stücken helfen. Was ist mit dir, Garth?«
»Am liebsten würde ich dir den Hals umdrehen«, knurrte der Dieb. »Du kannst es nennen, wie du willst, für mich ist es Erpressung, nichts weiter.«
»Vielleicht, soweit es Torian betrifft. Womit sollte ich dich erpressen?«
Garth, Augen weiteten sich. Er schluckte die scharfe Bemerkung hinunter, die ihm auf der Zunge lag, als er begriff, was der Magier meinte.
»Soll das heißen...?«
»Genau das. Der Fluch gilt nur ihm. Er hat den Schwarzen getötet. Hätte es das Baarl auch auf dich abgesehen, wärst du bereits nicht mehr am Leben. Du kannst ungehindert gehen. Es sei denn, du bliebest aus Freundschaft zu Torian hier.«
Garth ballte die Fäuste und donnerte sie mit aller Wucht auf die Tischplatte. Einige Sekunden lang starrte er Torian fast haßerfüllt an, dann sprang er auf, trat an die Wand und schlug noch einmal zu. Verputz rieselte herab.
»Wären wir uns bloß niemals begegnet!« brüllte er. »Ich muß verrückt sein, wenn ich hierbleibe. Kannst du mir einen vernünftigen Grund nennen, warum ich deinetwegen Selbstmord begehen sollte?«
Er drehte sich herum, starrte Torian an – und grinste über das ganze Gesicht.
»Aber soll ich dir was sagen, Torian Carr Conn, du schrecklichster aller Mörder? Es scheint ganz so, als ob ich wirklich verrückt wäre.«
Zwielichtiges Halbdunkel erfüllte das Zimmer, als er erwachte. Torian erinnerte sich schwach, geträumt zu haben, ohne daß er sich auf Einzelheiten besann, aber er wußte zumindest, daß es ein wenig angenehmer Traum gewesen war. Er war ganz froh, daß ihn irgend etwas geweckt hatte.
Benommen richtete er sich auf und rieb sich mit dem Handrücken den Schlaf aus den Augen. Das Zimmer war still. Die schweren Vorhänge vor dem Fenster wurden spielerisch vom Wind bewegt wie von einer unsichtbaren Hand, und der typische, nicht unbedingt unangenehme Geruch eines Bauernhofes drang von draußen herein. Aus der anderen Ecke des Raumes drangen Garth’ schwere, regelmäßige Atemzüge an sein Ohr und bewiesen ihm, daß der Dieb noch schlief. Salamir hatte sich seine Wunde angesehen und einen heilenden Kräuterverband aufgelegt. Garth hatte sich auf der Matratze zusammengekauert, leise darüber fluchend, daß es die Leute wohl nie lernen würden, vernünftig große Betten zu bauen, und war binnen weniger Sekunden in tiefen Schlaf gesunken. Torian beneidete ihn ein wenig um diese Fähigkeit. Er selbst hatte sich eine Stunde oder länger auf dem Bett herumgewälzt, ehe er endlich in einen unruhigen Schlummer gefallen war. Und er hatte nicht lange geschlafen. Draußen war es noch hell.