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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Lewko ist kein Zauberer. Er ist ein Heiliger oder wenigstens ein kleinerer Heiliger. Und er kannte Ingrey und diente anscheinend der Kirche hier schon seit Jahren, wenn man den Zustand seines Arbeitszimmers in Betracht zog. Doch Ingrey hatte ihn nie zuvor gesehen — oder sollte man besser sagen, bemerkt? Ganz gewiss nicht in Gesellschaft eines der hohen Geistlichen, die den Siegelbewahrer aufsuchten oder am Hofe des Königs vorsprachen — all jene, die Ingrey sich so pflichtbewusst eingeprägt hatte.

Lewko blickte auf. Die Heiterkeit war aus seinen Augen gewichen. »Ihr seid ein Gefolgsmann des Siegelbewahrers Hetwar, nicht wahr?«, fragte er sanft.

Ingrey nickte.

»Dieser Brief ist geöffnet worden.«

»Nicht von mir, Hochwürden.«

»Von wem dann?«

Ingrey dachte über diese Frage nach. Von Hallana zu Ijada zu ihm … Ijada? Bestimmt nicht. Hatte sie ihn jemals aus den Händen gegeben, unter ihrem Gewand hervorgeholt? Der Brief hatte in der Innentasche ihres Reitkleides gesteckt, das sie die ganze Zeit getragen hatte … außer beim Abendessen mit dem Grafen von Rossfluten! Und Wenzel hatte die Tafel verlassen, um eine eilige Botschaft entgegenzunehmen … Es war leicht für den Grafen, die Zofe einzuschüchtern und sie dazu zu bringen, Ijadas Gepäck zu durchwühlen. Aber hatte Wenzel auf einen Schamanenkniff zurückgegriffen, um seine Schnüffelei vor einem Zauberer zu verbergen? Aber Lewko ist kein Zauberer, oder? Eigentlich nicht. Ingrey wich der Frage aus: »Ohne Beweise wäre jede Vermutung, die ich äußere, nur eine Unterstellung, Hochwürden.«

Lewkos Blick wurde bohrend, doch zu Ingreys Erleichterung wandte er seine Aufmerksamkeit wieder dem Brief zu. »Nun, lasst uns sehen«, murmelte er, riss ihn auf und verstreute dabei winzige Bröckchen vom Siegelwachs.

Aufmerksam las er ein paar Minuten lang; dann schüttelte er den Kopf und stand auf, um sich dichter ans Fenster zu beugen. Zweimal drehte er das eng beschriebene Papier zur Seite. Einmal schaute er Ingrey an und fragte in anklagendem Tonfalclass="underline" »Könnt Ihr etwas mit den Worten brach seine Bünde anfangen?«

»Äh … könnte es vielleicht Bande heißen?«, wagte Ingrey zu raten.

Lewkos Miene hellte sich auf. »Ja, in der Tat! Das ergibt sehr viel mehr Sinn.« Er las weiter. »Oder vielleicht auch nicht …«

Lewko kam zum Ende, runzelte die Stirn und fing von vorne an. Dann wies er vage in Richtung einer Wand. »Ich glaube, da unter dem Haufen liegt ein Klapphocker. Bedient Euch, Lord Ingrey.«

Bis Ingrey den Hocker aufgeklappt und sich auf dem ledernen Sitz niedergelassen hatte, schaute Lewko auch schon wieder auf.

»Der Spion, der das entziffern musste, kann einem Leid tun«, sagte er gelassen.

»Ist der Brief verschlüsselt?«

»Nein. Es ist Hallanas Handschrift. In Eile geschrieben, nehme ich an. Es bedarf einiger Übung, sie zu enträtseln. Nun, ich habe schon Schlimmeres erduldet und weniger dafür bekommen … wenn auch nicht bei Hallana. Sie gibt sich nie mit Kleinigkeiten ab. Eine ihrer unangenehmeren Eigenschaften. Ihr zurückhaltendes Lächeln verbirgt einen gesegneten Leichtsinn. Und Schonungslosigkeit. Dem Vater sei Dank, dass Oswin einen mäßigenden Einfluss auf sie hat. So weit das möglich ist.«

»Ihr kennt sie gut?«, erkundigte sich Ingrey. Warum sonst schreibt diese vorbildliche Geistliche an Euch, unter all den Vertretern der Kirche in Ostheim?

Lewko rollte den Brief zusammen und klopfte damit sacht gegen die Tischkante. »Ich war vor vielen Jahren ihr zugewiesener Mentor, als sie auf so unerwartete Weise eine Zauberin wurde.«

Bestimmt war doch ein Zauberer nötig, um einen anderen Zauberer auszubilden …? Deshalb, und deshalb — wie ein flacher Stein auf dem Wasser übersprang Ingreys Geist zwei nahe liegende Fragen, um zu einer dritten zu gelangen: »Wie wird ein Mann zu einem ehemaligen Zauberer? Unbeschadet?« Es war die Aufgabe jenes darthacischen Heiligen gewesen, abtrünnige Zauberer unschädlich zu machen. Wie es hieß, setzten diese sich heftig gegen die Beschneidung ihrer Macht zur Wehr. Aber der Gelehrte Lewko war sicher nie ein solcher Abtrünniger gewesen.

»Es ist möglich, die Gabe aufzugeben.« Lewkos Miene verweilte zwischen leiser Belustigung und leisem Bedauern. »Wenn man sich rechtzeitig dazu entschließt.«

»Ist das nicht schmerzhaft?«

»Einfach ist es jedenfalls nicht. Tatsächlich«, seine Stimme wurde noch leiser, »braucht es ein Wunder.«

Was war das für ein Mann? »Ich diene schon seit vier Jahren hier in Ostheim. Erstaunlich, dass wir uns noch nicht über den Weg gelaufen sind.«

»Aber das sind wir! In gewisser Weise jedenfalls. Ich bin bestens mit Eurem Fall vertraut, Lord Ingrey.«

Fall? Angesichts der Wortwahl Lewkos spannte sich Ingreys Körper. »Wart Ihr etwa der Tempelzauberer, der für die Ermittlungen nach Birkenhain geschickt wurde und mich befragt hat?« Er runzelte die Stirn. »Meine Erinnerungen an diese Zeit sind getrübt und verwirrt, aber an Euch erinnere ich mich nicht.«

»Nein, das war ein anderer. Meine Beteiligung zu dieser Zeit war nicht so offensichtlich. Der Ermittler brachte mir einen Beutel mit Asche aus der Burg, damit ich daraus wieder einen Brief mit einem Geständnis zusammenfüge.«

»Chaos, das zurück in eine Ordnung gezwungen wird? Würde die Gelehrte Hallana dazu nicht sagen, dass man dafür die Tempelmagie schon ziemlich gegen den Strom lenken muss?«

»Das ist wahr, und es war auch ungeheuer anstrengend. Es hat mich einen Monat Arbeit und vermutlich ein Jahr meiner Berufung gekostet. Dabei kam letztendlich nicht einmal viel dabei heraus, sehr zu meinem Ärger. An was erinnert Ihr Euch noch, wenn Ihr an den Gelehrten Cumril denkt? Den jungen Tempelzauberer, den Euer Vater angestiftet hat?«

Ingrey fühlte sich noch unbehaglicher. »Nicht viel — nach einer Bekanntschaft, die sich auf den Zeitraum einer einstündigen Mahlzeit und einen viertelstündigen Ritus beschränkte. Seine ganze Aufmerksamkeit galt meinem Vater. Ich war Nebensache.« Trotzig fügte er hinzu: »Woher wollt Ihr überhaupt wissen, wer wen angestiftet hat?«

»Das war offensichtlich. Sehr viel weniger offensichtlich jedoch war das Wie. Nicht für Geld, nehme ich an. Und nicht mit Drohungen. Da muss es einen Grund gegeben haben — Cumril glaubte selbst, dass er etwas Gutes tat oder zumindest etwas Heldenhaftes, das auf schreckliche Weise fehlschlug.«

»Wie wollt Ihr erraten, was er empfand, wenn Ihr nicht einmal wisst, was er dachte?«

»Oh, was das betrifft, muss ich nicht raten. Es stand in seinem Brief. Nachdem ich ihn wieder zusammengefügt hatte. Ein dreiseitiger Sermon über sein Unglück, seine Schuld und seine Reue. Und kaum eine brauchbare Tatsache dabei, die wir nicht bereits kannten.« Lewko verzog das Gesicht.

»Wenn Cumril das Geständnis niederschrieb, wer hat es dann verbrannt?«, wollte Ingrey wissen.

»Nun, da muss ich raten.« Lewko lehnte sich im Stuhl zurück und musterte Ingrey aufmerksam. »Und doch bin ich mir in dieser Sache sicherer als mit manch anderer Behauptung, für die ich greifbarere Beweise habe. Kennt Ihr den Unterschied zwischen einem Zauberer, der seinen Dämon beherrscht, und einem, der beherrscht wird?«

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