Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 978-3-404-20547-9
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:
»Bis Wenzel gestern Abend diese Worte sprach: Bannerträger«, fuhr sie dann fort. »Ich hatte den Traum schon halb vergessen, unter der Last meiner sehr viel drängenderen Sorgen. Aber diese Worte ließen meine Erinnerung wieder aufleben, so eindringlich, dass es sich anfühlte wie ein Schlag. Ich glaube, du hast gar nicht gemerkt, wie nahe daran ich war, in Ohnmacht zu fallen.«
»Ich … nein.«
Sie nickte erleichtert. »Gut.«
»Und wie verstehst du deinen Traum jetzt, nach gestern Abend?«
»Ich dachte … ich glaube jetzt, dass die toten Krieger mich zu ihrem Bannerträger gemacht haben, in jener Nacht.« Sie führte die Rechte vom Zügel zu ihrer linken Brust und legte sie mit weit ausgebreiteten Fingern in der heiligen Geste darauf. Er glaubte zu erkennen, wie die Finger sich in einem kurzen Zucken verkrampften. »Und ich erinnerte mich plötzlich daran, dass das Herz für den Herbstsohn steht. Das Herz für Mut. Und Treue. Und Liebe.«
Ingrey hatte versucht, ihre Gedanken auf politische Winkelzüge und nutzbringende, vernünftige Pläne zu lenken. Wie war er jetzt schon wieder so tief in einem Morast des Übernatürlichen geraten? »Es war bloß ein Traum. Wie lange ist es her?«
»Ein paar Monate. Die anderen konnten es am nächsten Morgen gar nicht erwarten, das Lager abzubrechen und heimwärts zu galoppieren. Aber ich ritt langsam und schaute immer wieder zurück.«
»Und was hast du gesehen?«
»Nichts.« Sie runzelte die Stirn wie in der Erinnerung an großes Leid. »Nichts als Bäume. Die anderen hatten Angst vor diesem Landstrich, doch ich hatte dort mein Herz verloren. Ich wollte in den Wald zurück, allein, wenn niemand mich begleiten wollte, und noch einmal versuchen, alles zu verstehen. Aber noch bevor ich die Gelegenheit dazu fand, wurde ich zum Haus des Grafen von Rossfluten geschickt.« Ihr Blick, der auf Ingrey ruhte, wurde eindringlicher. »Aber der Wehe Wald kann nicht verkauft werden.«
»Gewiss lässt sich jemand finden, der seinen Ruf nicht kennt.«
Sie schüttelte den Kopf. »Du verstehst nicht.«
»Sind diese Ländereien vielleicht ein unveräußerliches Erblehen?«
»Nein.«
»Bereits verpfändet?«
»Nein! Und das werden sie auch nicht. Wie sollte ich sie je wieder auslösen?« Sie lachte freudlos. »Mir steht jetzt keine einträgliche Heirat mehr in Aussicht, vermutlich überhaupt keine Heirat — und ich habe keine weiteren Einkünfte.«
»Aber es könnte dir das Leben retten, Ijada …«
»Du verstehst nicht! Die fünf Götter mögen mir beistehen, ich verstehe es ja selbst nicht. Aber … sie haben diesen Wald in meine Obhut gegeben, diese Toten. Ich kann mich dieser Verantwortung nicht entziehen, solange meine Männer nicht bezahlt wurden.«
»Bezahlt? Welche Währung können Geister erstreben? Oder Hirngespinste?«, fügte er gereizt hinzu.
Sie verzog verärgert das Gesicht, und mit einer knappen Handbewegung schlug sie seine Zweifel beiseite. »Ich weiß es nicht. Aber irgendetwas wollen sie!«
»Dann muss ich einen anderen Weg finden«, murmelte Ingrey. Oder es später noch einmal zur Sprache bringen.
Nun musterte sie ihn nachdenklich. »Und hast du dir auch überlegt, wie du den Ursprung des Banns ausfindig machen willst?«
»Noch nicht«, räumte er ein. »Auch wenn ich nach Rottwall nicht annehme, dass man mir noch einmal so etwas auferlegen könnte, ohne dass ich es merke. Ohne dass ich ihm widerstehe. Außerdem werde ich wachsam sein.«
»Ich habe mich gefragt … bist du dir wirklich sicher, dass dieser Bann mir galt? Vielleicht sollte er auch dich vernichten, und nicht mich. Wen hast du gekränkt?«
Bei diesem unerfreulichen Gedanken blickte Ingrey düster drein. »Viele Männer. Eben das ist meine Aufgabe. Aber ich habe stets angenommen, dass ein Feind gedungene Halunken nach mir ausschickt.«
»Glaubst du denn, der durchschnittliche Halunke möchte sich mit dir anlegen?«
Bei diesem Gedanken musste er grinsen. »Es mag sein, dass der Auftraggeber dafür noch ein paar Münzen drauflegen muss.«
Auch ihre Mundwinkel zuckten. »Vielleicht ist dein unbekannter Feind ja ein Geizhals, und das Kopfgeld für einen wilden Wolfskrieger war ihm zu hoch.«
Ingrey lachte in sich hinein. »Mein Ruf verspricht mehr, als mein Schwertarm halten kann, fürchte ich. Ein Feind muss einfach nur genug Männer ausschicken. Es reicht auch ein hinterhältiger Schuss aus der Dunkelheit. Das ist leicht zu bewerkstelligen. Einzelne Männer sind nicht schwer zu töten, so gerne wir auch mit dem Gegenteil prahlen.«
»Allerdings«, murmelte sie düster, und Ingrey verfluchte seine leichtfertigen Worte. Nach einer Weile fügte sie hinzu: »Doch es ist immer noch eine gute Frage. Was wäre mit dir geschehen, wenn dieser Bann bewirkt hätte, was er anscheinend bewirken sollte?«
Ingrey zuckte die Achseln. »Ich wäre in Ungnade gefallen.
Aus Hetwars Diensten entlassen. Vielleicht sogar gehängt. Unser Ertrinken wäre wohl als Unfall betrachtet worden. Und einige Männer wären froh gewesen, hätte ich ihnen weitere Unannehmlichkeiten erspart. Aber ich hätte nicht erwarten dürfen, dass sie ihre Dankbarkeit offen zeigen.«
»Aber dein Einfluss in der Hauptstadt wäre zunichte gemacht worden.«
»Ich war in der Hauptstadt nie einflussreich. Ich bin bloß einer von Hetwars eher zweifelhaften Handlangern.«
»Dann muss Hetwar ja ein mildtätiger Mann sein, wenn er dich unterhält.«
Ingrey öffnete den Mund und schloss ihn wieder. »Hm.«
»Als ich Wenzels Tier zum ersten Mal sah, habe ich mich gleich gefragt, ob der Bann wohl von ihm ausging. Und mehr noch, als er sein Geheimnis enthüllte. Immerhin hat er angedeutet, dass er sich für einen Schamanen hält.«
Du hast das auch so gesehen? Ijada, so rief Ingrey sich ins Gedächtnis, hatte Wenzel nie als kleinen und eher trägen Jungen gekannt. Aber führte das dazu, dass sie ihn überschätzte oder dass Ingrey ihn unterschätzte?
Ijada fuhr fort: »Doch in dem Falle verstehe ich nicht, warum er uns beide heute lebend hat ziehen lassen.«
»Alles andere wäre zu auffällig gewesen«, sagte Ingrey. »Ein gedungener Mörder ist stets auch ein Zeuge, aber für den Bann hätte es keine Zeugen gegeben. Wer immer diesen Zauber gewirkt hat, ob Wenzel oder ein anderer, er legte Wert auf Verstohlenheit. Vermutlich.« In neuerlichem Zweifel runzelte er die Stirn.
»Dieser neue Wenzel flößt mir eine Heidenangst ein.«
»Mir nicht.« Doch Ingreys Mund und sein Geist erstarrten, als er sich plötzlich daran erinnerte, wie er sich vor nicht einmal zwölf Stunden um ein Haar selbst getötet hätte. Wäre dieser Tod unauffällig genug gewesen, um selbst unter Wenzels Dach keine weiteren Fragen nach sich zu ziehen? Doch diesmal war es kein Bann. Ich habe es selbst getan.
Nachdem Wenzel mich in Aufruhr versetzt hat …
»Was blickst du plötzlich so ernst?«, wollte Ijada wissen.
»Es ist nichts.«
Verärgert verzog sie das Gesicht. »Ganz bestimmt.«