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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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Nachdem sie eine Weile schweigend nebeneinander hergeritten waren, sagte sie: »Wenn Wenzel über das Alte Weald wirklich so viel weiß, wie er behauptet, würde ich doch zu gerne erfahren, was er sonst noch über das Blutfeld erzählen kann. Oder über Am Heiligen Baum, wie er es genannt hat. Frag ihn danach, sobald du wieder mit ihm sprichst. Aber erzähle nichts von meinem Traum.«

Ingrey nickte. »Hast du mit ihm jemals über dein Erbe gesprochen?«

»Nie.«

»Mit Prinzessin Fara?«

Ijada zögerte. »Nur im Hinblick auf den materiellen Wert als Mitgift, oder besser gesagt: dessen Nichtvorhandensein.«

Ingrey trommelte mit den Fingern auf seine Ledergamaschen. »Es ist bestimmt nur ein Traum gewesen. Die meisten Seelen wären in der Stunde ihres Todes von den Göttern aufgenommen worden, ob deine Wälder nun das Blutfeld sind oder ein minderes Schlachtfeld aus der Zeit des Alten Weald. Jede verlorene Seele, die sich den Göttern verweigert hat, muss schon seit Jahrhunderten dahingeschwunden sein — so haben die Geistlichen es mir zumindest beigebracht. Vierhundert Jahre sind eine viel zu lange Zeit, als dass Geister in so deutlicher Gestalt überleben könnten.«

»Ich habe gesehen, was ich gesehen habe.« Ihr Tonfall legte nahe, dass sie kein Interesse hatte, groß über das Für und Wider zu diskutieren.

»Vielleicht ist es auch das, was die Hinzufügung von Tiergeistern zu menschlichen Seelen bewirkt«, fuhr Ingrey fort, einem plötzlichen Einfall folgend. »Anstatt zu vergehen, wird ihre Verdammnis zu einer ewigen, eisigen und schweigenden Qual. Gefangen zwischen der Materie und der spirituellen Welt. Die Schrecken des Todes dauern fort, die Freuden des Lebens sind verloren …« In plötzlicher Sorge musste er schlucken.

Ijada blickte abwesend die gewundene Straße entlang. »Ich hoffe nicht. Diese Krieger waren erschöpft, und sie litten, aber ihr Dasein war nicht gänzlich freudlos, denn sie zeigten Freude an meiner Gegenwart. Zumindest gewann ich diesen Eindruck.« Kleine Fältchen zeigten sich in ihren Augenwinkeln, als sie sich ihm wieder zuwandte. »Gerade eben hast du noch gesagt, es wäre nur ein Traum gewesen. Aber jetzt glaubst du daran und hältst es für einen Hinweis auf dein eigenes Verhängnis. Beides zusammen geht nicht, wie gern du auch in düsteren Vorahnungen schwelgen magst.«

Ingrey war so überrascht, dass er schnaubte. »Was hältst du denn davon?«

»Ich glaube …«, erklärte sie langsam, »dass ich es wüsste, wenn ich jetzt zurückkehren könnte.« Kurz schlug sie die Augen nieder, und ihr nächster Blick wirkte prüfend. »Du vielleicht auch, nehme ich an.«

Unvermittelt wurden sie von einer großen Reisegruppe unterbrochen, die ihnen auf der Straße entgegenkam. Es war das Gefolge eines Sippenführers aus Ostheim, der pflichtgemäß zum Leichenzug nach Ochsauen reiste. Ingrey ließ seine Männer beiseite reiten und hielt in der Menge nach bekannten Gesichtern Ausschau, von denen er einige erblickte, worauf er knappe Grüße mit den jeweiligen Leuten tauschte. Es waren die Männer derer von Keilerstritt, also mussten es auch die beiden gräflichen Brüder und ihre Frauen sein, die in dem Wagen, der mit dicken Teppichen verhangen war, über den unebenen Boden holperten.

Unmittelbar darauf musste Ingreys Trupp erneut ausweichen, diesmal einer kirchlichen Prozession, die sich aus Äbten und hochrangigen Geistlichen in prunkvoller Kleidung und auf edlen Reittieren zusammensetzte.

Als sie sich wieder formiert hatten, stellte Ingrey fest, dass Gescas Pferd sich direkt neben dem seinen befand und dass der Offizier ihn mit argwöhnischen Blicken bedachte. Ingrey trieb sein Reittier an und legte ein rascheres Tempo vor.

Kapitel Zehn

Am späten Nachmittag überquerten sie die niedrigen Hügel nordöstlich der Hauptstadt. Die Stadt und die weitläufigen südlichen Ebenen dahinter lagen zu ihren Füßen. Der Storchenfluss strebte in einer silbern funkelnden Linie von der Stadt fort und verlor sich in immer engeren Windungen in der dunstigen Ferne. Einige Boote, Handelsschiffe, ruderten mühsam stromauf oder trieben stromab, auf dem Weg von oder zu der kalten See, die ungefähr achtzig Meilen entfernt lag. Als Ingrey sich an ihre Seite zurückfallen ließ, erhob Ijada sich in den Steigbügeln und schaute nach vorn.

Er musterte ihre Miene, die gleichermaßen Faszination und Unruhe ausdrückte. Ostheim mochte die größte Stadt sein, die sie in ihrem Leben gesehen hatte, auch wenn etwa ein Dutzend Residenzstädte in Darthaca es an Größe übertrafen und die darthacische königliche Metropole sogar um das Sechsfache.

»Die Stadt ist in zwei Hälften geteilt, in die Tempelstadt und die Königsstadt«, erklärte Ingrey. »Die höher gelegenen Stadtteile auf diesem aufragenden Hang dort beherbergen den Tempel und den Palast des Erzprälaten sowie die Sitze der heiligen Orden. In den unteren Stadtteilen befinden sich die Lagerhäuser und Kaufmannsviertel. Jenseits der Stadtmauern kannst du die Anlegestellen erkennen, wo die Kanalisation in den Storchenfluss mündet. Die Halle des Geheiligten Königs und die Stadtresidenzen der meisten Sippenführer liegen am anderen Ende des Hafens.« Mit der Hand maß er die einzelnen Stadtteile aus.

»Vor langer Zeit standen an der Stelle von Ostheim zwei Dörfer«, fuhr er fort. »Sie gehörten zu zwei unterschiedlichen Stämmen. Sie befehdeten sich über den kleinen Bergfluss hinweg, der sie trennte, bis das Wasser rot war von ihrem Blut, so heißt es. Dies währte noch bis in die Zeit hinein, als Audars Enkel den Ort als westliche Hauptstadt auserkor und jede Unterteilung mit steinernen Bauten zupflastern ließ. Heute kann man diesen Bergfluss kaum noch erkennen, so überbaut ist er. Und niemand möchte für einen Abwasserkanal sterben. Hetwar hat mir diese Geschichte erzählt. Er hält sie für eine Art Gleichnis, aber ich bin mir nicht sicher, wo er die Moral darin sieht.«

Die Reiterschar folgte der Straße zum östlichsten Tor in die Königsstadt. Die Bauten waren beeindruckend, und die verwinkelten Straßen waren gesäumt von hohen Häusern aus braunem Stein oder mit weißem Putz und Glasfenstern, die aus tiefen Maueröffnungen hervorfunkelten. Anstelle leicht entflammbarer Strohdächer gab es solche aus rotem Ziegel; zu Zeiten der alten Schwesterstädte waren vermutlich mehr Verwüstungen durch Brände als durch Krieg entstanden. Die Außenmauern waren sogar noch beeindruckender, auch wenn sie von neuen Häusern gleichsam bedrängt wurden, die ganz dicht heranreichten oder sogar außerhalb der Wälle standen und deren Wirksamkeit beeinträchtigten.

Schließlich gelangten sie zu einer engen Gasse im Kaufmannsviertel und stiegen vor einem schmalen Steingebäude ab, das in einer Reihe mit verschiedenen, ähnlich errichteten Häusern stand, die aber offenbar alle aus unterschiedlichen Zeiten stammten und von unterschiedlichen Steinmetzen gefertigt worden waren. Ingrey fragte sich, ob der gesamte Block den Rossflutens gehörte und ob der reiche Besitz über Prinzessin Fara in die Hände des Grafen gelangt war. Das Haus war weder so groß noch so prächtig wie ihre Unterkunft der letzten Nacht, doch es wirkte angemessen, ruhig und günstig gelegen.

Ingrey stieg ab und überließ sein Pferd und das von Ijada der Obhut Gescas.

»Lass Lord Hetwar wissen, dass ich bei ihm vorspreche, sobald ich unsere Gefangene sicher untergebracht habe. Und schick mir meinen Burschen Tesko, wenn du ihn nüchtern vorfindest. Lass ihn alles mitbringen, was ich voraussichtlich während der nächsten Tage gebrauche. Vor allem saubere Kleidung.« Ingrey verzog das Gesicht und lockerte das schmerzende Rückgrat. Seine Hose stank nach Pferd und Straßendreck, und die Naht in seiner Kopfhaut juckte wieder. Ijada legte die Reithandschuhe ab, reckte den Hals und schaffte es irgendwie, fast so frisch zu wirken wie am Morgen.

Der Pförtner ließ sie ein. Von einem Dienstmädchen geführt, geleitete die neue Zofe Ijada sogleich nach oben. Der Pförtnerjunge trug ihr die von Lederriemen gehaltene Reisetruhe nach. Ingrey stellte die Satteltaschen ab und blickte sich in der schmalen Diele um.

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