Wladimir - die ganze Wahrheit
- Автор: Belkowski Stanislaw
- Год: 2013
- Язык: немецкий
- Год: mvg verlag
- ISBN: 978-3-86414-439-4
- Жанр: Биографии и мемуары
Электронная книга - «Wladimir - die ganze Wahrheit». Краткое содержание книги:
Wer ist Putin wirklich? Er inszeniert sich als Angler mit gestähltem Oberkörper, als Taucher, Pilot, Macho und Frauenheld – doch obwohl es mittlerweile Dutzende Bücher und Tausende Artikel über den Staatschef Wladimir Putin gibt, bleibt die Person hinter dem Amt seltsam unklar. Ist er tatsächlich der russische »Übervater«? Der Staatserneuerer, der das Tor zu einer leuchtenden Zukunft aufgestoßen hat? Oder doch eher der »Kremltyrann«, der im Begriff ist, die junge russische Demokratie zu zerstören? Stanislaw Belkowski, Insider des Moskauer Politbetriebes, widerlegt in seinem Buch die hartnäckigsten Mythen über Wladimir Putin und beleuchtet dessen persönliche Motive für sein.
Oder gibt es ein rein ästhetisches Interesse an einem Objekt des gleichen Geschlechts, ohne jeglichen sexuellen Hintersinn, etwa wie bei dem Protagonisten von Marcel Proust, Charles Swann, der sich in eine Frau verliebt, die ihn an Botticellis Madonna erinnert, die er seit seiner Kindheit nicht vergessen konnte? Eine klare Antwort gibt es nicht.
Kommen wir auf die berüchtigte Erledigungsblockade zurück. Wir haben ja schon erörtert, wie und warum Putin sich immer verspätet. Zu Wettkämpfen der Mixed Martial Arts oder den Bikern im Club Notschnye wolki (Wölfe der Nacht) kommt er geradezu auf die Minute genau. Bei Treffen mit anderen Staatsoberhäuptern, einschließlich des befreundeten Viktor Janukowitsch, sowie zur eigenen Braut kommt er Stunden zu spät. Auf diese Weise schiebt Putin das vor sich her, womit er sich nicht befassen möchte. Oder womit er sich befasst, weil man ihn dazu zwingt. Wer ihn dazu zwingt – ein Chef, das böse Schicksal, der Herrgott –, ist eine andere Frage.
Wie wir uns erinnern, hatte die Familie Putin 1996 drei schreckliche Schicksalsschläge auf einmal zu verkraften. Der erste war die Niederlage von Anatoli Sobtschak bei den Bürgermeisterwahlen in der nördlichen Hauptstadt Russlands und das nicht ganz ehrenvolle Ende der Petersburger Etappe in der Karriere unseres Helden. Dann brannte seine Datscha. Erinnern Sie sich – der nackte Putin mit einem Koffer, in dem 15 Millionen lagen? Schließlich der schreckliche Verkehrsunfall von Ljudmila Alexandrowna.
An jenem schicksalhaften Tag wollte Ljudmila Putina zusammen mit ihrer jüngeren Tochter Jekaterina zu einem Schulfest der älteren Tochter Maria fahren. In ihrem Buch Ot pervogo liza behauptet Wladimir Putins Gattin, sie sei bei Grün gefahren, als ihr Auto mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern einen Pkw rammte.
Nach diesem Zusammenstoß verlor Ljudmila Putina für eine halbe Stunde das Bewusstsein, und als sie wieder zu sich kam, merkte sie, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Unter größter Anstrengung gab sie einer zufälligen Unfallzeugin die Telefonnummer des Empfangszimmers ihres Mannes und bat die Frau, die verschreckte Jekaterina, die während des Unfalls auf dem Rücksitz geschlafen hatte, zu Wladimir Wladimirowitsch zu bringen.
Und dann kam das Schrecklichste. Da Ljudmila Putina nun keine Kraft mehr hatte, den Ärzten des Notfallwagens zu sagen, wer sie ist, kam sie in das schlimmste Krankenhaus von Sankt Petersburg, wo Menschen vor allem starben – auf den Fluren standen fahrbare Liegen mit Toten oder Sterbenden. Die Ärzte dieser medizinischen Einrichtung beschränkten sich darauf, der künftigen First Lady das Ohr anzunähen, wobei sie nicht bemerkten, dass sie eine Rückgratfraktur und einen Schädelbasisbruch hatte.
Wäre Ljudmila Putina in diesem Krankenhaus geblieben, dann wäre sie einfach verstorben, zum Beispiel an einer posttraumatischen Meningitis. Doch davon erfuhr sie erst später, als ihr alarmierter Mann Doktor Juri Schewtschenko anrief, den Chefarzt der Militärmedizinischen Akademie. Schewtschenko sandte augenblicklich den besten Chirurgen seiner Akademie, Waleri Parfenow, zu Ljudmila Putina. Der Chirurg untersuchte das Unfallopfer, nahm sie mit und führte einige virtuose Operationen an ihrem Rückgrat und ihrem Schädel durch. Soweit man es beurteilen kann, fuhr WWP selbst nicht ins Krankenhaus zu seiner Frau. Ihn hielten wichtige Staatsgeschäfte ab.
Juri Schewtschenko, der Ljudmila Putinas Leben gerettet hatte, wurde später Gesundheitsminister Russlands – von 1999 bis 2004. Vermutlich hat sich das Verhältnis zwischen dem Arzt und seinen kaiserlichen Patienten erst 2011 verändert. Der Patriarch von Moskau und ganz Russland, Kirill Gundjaew, ein Nachbar von Doktor Schewtschenko, reichte bei Gericht eine Klage gegen den Arzt ein. Er wollte beweisen, dass aufgrund von Renovierungsarbeiten seines Nachbarn seiner Privatbibliothek ein Schaden von 666 000 Dollar (sic!) zugefügt wurde. Der Patriarch gewann den Prozess. Die endgültige Entscheidung fällte das Gericht im November 2011. Putin half dem Arzt nicht, obwohl der an einer onkologischen Erkrankung zugrunde gehende Juri Schewtschenko versucht hatte, ihn telefonisch zu erreichen.
Nun ja, WWP war offenbar der Meinung gewesen, er habe seine Pflicht und Schuldigkeit bereits getan, indem er Schewtschenko für fünf fette Jahre zum föderalen Minister gemacht und ihm erlaubt hatte, das große private medizinische Zentrum im gepflegten Moskauer Nordwesten unter seine Kontrolle zu nehmen.
Es kann auch sein, dass der Präsident sich doch eingemischt hat, aber zugunsten der Gegenseite. Die Interessen des Patriarchen Gundjaew vertrat bei Gericht niemand anderes als Jelena Sabralowa, Putins persönliche Rechtsanwältin. Sie hatte kurz zuvor, im Februar 2011, beim Sawelowski-Gericht von Moskau die persönliche Ehre und Würde des russischen Präsidenten gegen einigermaßen bekannte russische Oppositionelle wie Boris Nemzow, Wladimir Milow und Wladimir Ryschkow verteidigt, die Autoren des für WWP nicht sonderlich schmeichelhaften Vortrags »Putin. Ergebnisse«.
Darin ging es um die aus Sicht der Oppositionellen trostlosen Resultate von Putins langjähriger Regierungszeit. Rechtsanwältin Sabralowa ist dafür bekannt, dass sie fast nie einen Prozess verliert. Vielleicht liegt es an ihrer Nähe zum ersten Mann im Staat. Juri Schewtschenko kommentierte den Ausgang des Prozesses folgendermaßen: »Ich bin schwer krank, nach dem Essen stehe ich selten aus dem Bett auf. Ich hätte kaum auf irgendetwas Einfluss nehmen können. Im Gegenteil, ich möchte meine weltlichen Dinge abschließen. Meine Wohnung hatte ich auf meine Tochter Xenija und ihre vier Kinder überschrieben, von denen zwei adoptiert sind. Und nun ist die Schenkung annulliert.«
Als Putin gerade Präsident geworden war, versuchte die Mannschaft von Jelzin, die mit der Kreml-Administration identisch ist, aus Ljudmila Alexandrowna eine Figur des öffentlichen Lebens zu machen. Auf Rat alter Bekannter der Putins aus Petersburg wurden Ljudmila zwei bekannte Imageberater zur Seite gestellt. Aber das war vergebliche Liebesmüh. Im Jahr 2000, während des Staatsbesuchs des russischen Präsidenten in Kanada, überschüttete Ljudmila Putina ihren Mann mit lautstarken Vorwürfen, und zwar im Zimmer des Fünf-Sterne-Hotels, wo das Paar abgestiegen war. Der Lärm drang bis zur Gastgeberseite, so dass man die Teilnahme von Ljudmila Alexandrowna an den Veranstaltungen innerhalb des Staatsbesuchs absagte.
Von diesem Zeitpunkt an tauchte die offizielle Ehefrau Putins immer seltener in der Gesellschaft ihres rechtmäßigen Gatten auf, im Wesentlichen nur noch bei religiösen Festen und »nationalen Zeremonien« wie der Volkszählung. Und auch allein war Ljudmila nur noch selten zu sehen. Es gab unbestätigte Gerüchte, sie sei in ein Kloster gegangen.
Die tatsächliche Lage der Dinge trat mehr oder weniger am 6. Juni 2013 zutage. An diesem Tag erschienen der Präsident und seine offizielle Ehefrau unerwartet zusammen im Kreml-Palast, um eine Ballettvorstellung von Esmeralda zu besuchen. In der Pause traten sie vor eine angeblich zufällig aufgestellte Fernsehkamera des staatlichen Nachrichtensenders Rossija 24 und teilten einer erstaunten jungen Korrespondentin mit: »Wir lassen uns scheiden. Unser offizielles Familienleben ist beendet.«
Die 55-jährige Ljudmila erklärte die Scheidung ganz einfach: »Mein Mann ist so beansprucht von den Staatsgeschäften, dass er selten zu Hause ist, und das kann einer treuen Hausfrau und Gattin, die sich nur hin und wieder mit den Problemen der Entwicklung der russischen Sprache im Land befasst, überhaupt nicht gefallen.« Der 60-jährige Wladimir Wladimirowitsch hatte gegen die Argumente seiner Frau nichts einzuwenden und fügte nur hinzu, dass die Scheidung ein gemeinsam gefasster Beschluss sei. Also ohne Überredung oder gar Gewaltanwendung.
Für die Mehrheit der Vertreter der russischen Elite, ganz zu schweigen von den breiten Volksmassen, kam die Nachricht über die Veränderung des Familienstands des unabsetzbaren russischen Anführers gelinde gesagt unerwartet. Der treu ergebene Pressesprecher des Präsidenten, Dmitri Peskow, beeilte sich zu erklären, man solle keine Phantasien bezüglich Putins Privatleben hegen, das Staatsoberhaupt habe dafür einfach keine Zeit, und um einen Ausspruch der englischen Königin Elizabeth I. zu paraphrasieren: Er sei mit Russland verheiratet.