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Wladimir - die ganze Wahrheit

Электронная книга - «Wladimir - die ganze Wahrheit». Краткое содержание книги:

Wenn Paranoia als Sinn für die Realität gelten muss: Der Moskauer Kremlkundler Stanislaw Belkowski analysiert Wladimir Putins Verhältnis zur Macht und zu seinen russischen Landsleuten.
Wer ist Putin wirklich? Er inszeniert sich als Angler mit gestähltem Oberkörper, als Taucher, Pilot, Macho und Frauenheld – doch obwohl es mittlerweile Dutzende Bücher und Tausende Artikel über den Staatschef Wladimir Putin gibt, bleibt die Person hinter dem Amt seltsam unklar. Ist er tatsächlich der russische »Übervater«? Der Staatserneuerer, der das Tor zu einer leuchtenden Zukunft aufgestoßen hat? Oder doch eher der »Kremltyrann«, der im Begriff ist, die junge russische Demokratie zu zerstören? Stanislaw Belkowski, Insider des Moskauer Politbetriebes, widerlegt in seinem Buch die hartnäckigsten Mythen über Wladimir Putin und beleuchtet dessen persönliche Motive für sein.
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Soweit es sich den Erinnerungen von Irene Pietsch und einigen unveröffentlichten Materialien anderer ehemaliger Freunde und Bekannte des Ehepaars Putin entnehmen lässt, hörte die sexuelle Beziehung zwischen den Eheleuten bereits Ende der 1980er-Jahre in Dresden auf, als WWP sich emotional auf »echte Männerfreundschaften« einstellte – mit Klaus Zuchold und Matthias Warnig. (Heute ist Warnig eine der Schlüsselfiguren des Energiesektors in Putins Russland, Mitglied von Aufsichtsräten einiger großer Energiekonzerne, einschließlich Transneft und der Nord Stream AG. Im Unterschied zu vielen seiner Mitstreiter und Opponenten weiß unser Held, wie man sich erkenntlich zeigt.)

Nach Rückkehr der Familie nach Leningrad kümmerte sich Ljudmila im Wesentlichen um die Erziehung und Ausbildung der Töchter Maria und Jekaterina, und Wladimir wurde vollständig von seiner Arbeit vereinnahmt, zuerst bei Sobtschak, dann bei Jelzin. Auch wenn ihre Ehe in Auflösung begriffen war, gab es keinerlei Gerüchte über Verbindungen oder gar anhaltende Affären von Putin – selbst die bunteste Regenbogenpresse der beiden russischen Hauptstädte kann nicht mit diesbezüglichen Erinnerungen aufwarten, und seien sie noch so unwahrscheinlich.

In ihrem Buch Heikle Freundschaften behauptet Irene Pietsch, Ljudmila habe Wladimir als Energieräuber charakterisiert, der ihr alle Kräfte aussauge, darunter auch den wichtigsten Lebenssaft – die sexuelle Energie. WWP seinerseits äußerte gegenüber Irene, mit seiner Frau auch nur zwei Wochen unter einem Dach zu leben sei eine Heldentat, die einen Orden verdiene.

Übrigens sind die Erinnerungen von Ljudmila Putina-Schkrebnjowa über das Erblühen und die Entwicklung ihrer Beziehung und die Ehe mit dem künftigen Präsidenten um einiges beredter. 2002 erschien kurz vor dem 50. Geburtstag des zweiten russischen Präsidenten das Buch des Journalisten Oleg Blozki Wladimir Putin: Der Weg zur Macht. Es war als absolut putinfreundliches Jubiläumsbuch konzipiert und geschrieben worden.

Am Vorabend des 7. Oktober 2002, als Russland mit nicht unerheblicher Begeisterung sein noch junges Oberhaupt feierte (zu seinem 60. Geburtstag war von dieser Begeisterung keine Spur geblieben, der Jahrestag verlief in einer seltsamen Atmosphäre verärgerter Gleichgültigkeit mit einer Duftnote von offenem Hass), trat Blozki in vielen russischen Fernsehsendungen auf, wo er in Debatten und Talkshows seinen Helden und Götzen in Schutz nahm: vor dem boshaften Stimmengewirr in Person anerkannter Liberaler sowie vor den von Putin enttäuschten, selbst ernannten Nationalpatrioten wie zum Beispiel dem Schriftsteller Alexander Prochanow, der zum Geburtstag noch schnell den putinfeindlichen Politthriller Herr Hexogen veröffentlicht hatte.

Dennoch verschwand Blozkis Apologie des Präsidenten recht bald aus den Buchläden. Die einzige Erklärung: Der Autor hatte unvorsichtigerweise ein Exklusivinterview mit Ljudmila Putina in das Buch aufgenommen, das dem Gatten überhaupt nicht gefiel. Es folgen einige Fragmente, die wahrscheinlich dafür verantwortlich sind, dass Blozkis Buch aus dem Verkauf genommen wurde.

»… Verabredungen – das war ein besonderes Thema. Ich kam nie zu spät, Wladimir Wladimirowitsch jedoch ständig. Eine halbe Stunde – das war vollkommen normal. Ich wusste das zwar, brachte es aber selbst nicht fertig, später zu kommen. Und wenn er nun heute plötzlich pünktlich ist, dachte ich. (Nebenbei bemerkt, kann ich mich mit Wladimir Wladimirowitschs Unpünktlichkeit bis heute nicht abfinden.)

Ich erinnere mich daran, wie ich einmal in der Metro stand. Die ersten fünfzehn Minuten, die er sich verspätete, ertrug ich mit Fassung, die erste halbe Stunde auch. Aber nachdem eine Stunde vergangen und er immer noch nicht da war, kamen mir die Tränen vor Gekränktheit. Nach anderthalb Stunden fühlte ich dann überhaupt nichts mehr …«

Wladimir Putin – weniger als Mann denn als Bürokrat und Staatsmann – verspätet sich nicht nur leicht, er kommt zu allen Zusammenkünften und Veranstaltungen, die ihm in seinem tiefsten Inneren unangenehm sind, stets deutlich zu spät. In der Psychologie nennt man das Erledigungsblockade: eine betonte Unlust, rechtzeitig eine Sache zu erledigen, die man nicht machen will, aber unbedingt machen muss.

Ganz ähnlich verhält sich Putin zu Staatsangelegenheiten. Eine Stunde Verspätung zu einer wichtigen Besprechung ist wahrscheinlich noch das Günstigste, worauf Beamte und Geschäftsleute hoffen können, die mit erstorbenen Herzen auf ihren Patron warten. Zu Wirtschaftsforen kommt der Präsident gewöhnlich um zwei bis drei Stunden zu spät. Wie die in Russland bekannte Society-Journalistin Boschena Rynska es zutreffend formuliert hat, »entschuldigt er sich dabei nicht einmal übermäßig«, sondern gibt dem Auditorium zu verstehen, dass seine Verspätung ganz in Ordnung sei, und wenn jemand trotzdem endlos warten will und kann, dann solle er das tun. Offensichtlich hat er auch zu seinen formalen Pflichten als Familienoberhaupt schon länger eine derartige Einstellung.

»Einmal gingen wir auf eine Party, wo ich mich wohl etwas ungezwungen benahm: Ich tanzte, hatte Spaß und lachte. Wladimir Wladimirowitsch gefiel das gar nicht, und er sagte mir klipp und klar, dass wir nicht länger zusammenbleiben können. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich ausziehen sollte. Ich ging weg. Das war sehr schwer, das will ich nicht verhehlen. Als ich zwei Wochen später einmal nach Hause kam, hing an der Tür ein kleiner Zetteclass="underline" »Ja, Herzchen, ich bin es.« Daneben stand eine Telefonnummer … .«

Was kann man über einen Menschen sagen, dem es nicht gefällt, wenn die geliebte Frau in guter Stimmung ist und Spaß hat? Besonders, wenn es sich nicht um einen fernöstlichen Menschen handelt, sondern um jemanden, der mehr oder weniger im europäischen Geist erzogen wurde? Ganz zu schweigen von dem Satz »Ja, Herzchen, ich bin es«, der in Russland schon lang ein Aphorismus ist. Er wird oft zitiert, wenn Rechtsorgane in staatliche oder kommerzielle Strukturen eindringen und das von Putin zwar gebilligt wird, aber aus Sicht der erbärmlichen russischen Gesetzgebung der Verdacht einer unkorrekten Amtsführung besteht.

»Dreieinhalb Jahre nach unserem Kennenlernen heirateten wir am 28. Juli 1983. Nebenbei bemerkt haben wir seither nie unseren Hochzeitstag gefeiert …

Obwohl ich nie auf eine Heirat angespielt habe, wussten wir genau, dass wir das früher oder später klären müssen …

Aber Wladimir Wladimirowitsch konnte es nicht ertragen, wenn ihn eine Frau unter Druck setzte, Andeutungen machte oder in Gesprächen das Thema Ehe berührte. Selbst wenn das Thema völlig zufällig aufkam, schnitt Wladimir Wladimirowitsch dem anderen augenblicklich das Wort ab. Er hatte zu solchen Themen ein ironisches Verhältnis und meinte, eine solche Entscheidung müsse vom Mann getroffen werden … Wladimir Wladimirowitsch machte mir nach allen Regeln einen Heiratsantrag, auf ganz klassische Weise: Er erklärte mir seine Liebe und schlug vor, das Hochzeitsdatum auf Juli zu legen. Alles lief in der entsprechenden Form ab, es war sogar ein wenig künstlich.«

Jeder, der weiß, wie Putin seine Entscheidungen als Präsident trifft, kann bestätigen: Er zweifelt bis zum Letzten, aber wenn die Entscheidung nicht mehr aufschiebbar ist, dann fackelt er nicht länger und lässt sich selbst, der von Zweifeln zerfressen ist, auch kein Hintertürchen offen. Außerdem mag er es ganz und gar nicht, wenn man ihn unter Druck setzt oder antreibt. Eine Entscheidung soll erst dann gefällt werden, wenn es nicht anders geht – das ist Putins Prinzip. Und im Privaten hält er es offenbar genauso.

»Ich erinnere mich noch, wie das alles war. Ich saß bei Wladimir, und auf einmal sagt er zu mir: »Also, Herzchen, du kennst ja meinen Charakter. Mit mir hat man es nicht leicht. Und du musst jetzt im Prinzip entscheiden, was du willst.« Mir wurde eiskalt ums Herz. Als Wladimir Wladimirowitsch so das Gespräch anfing, war mir klar, dass er beschlossen hatte, unsere Verbindung zu lösen. Aber selbst in diesem Moment antwortete ich so, wie ich dachte: »Du weißt, dass ich mich entschieden habe. Ich brauche dich.«

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