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Wladimir - die ganze Wahrheit

Электронная книга - «Wladimir - die ganze Wahrheit». Краткое содержание книги:

Wenn Paranoia als Sinn für die Realität gelten muss: Der Moskauer Kremlkundler Stanislaw Belkowski analysiert Wladimir Putins Verhältnis zur Macht und zu seinen russischen Landsleuten.
Wer ist Putin wirklich? Er inszeniert sich als Angler mit gestähltem Oberkörper, als Taucher, Pilot, Macho und Frauenheld – doch obwohl es mittlerweile Dutzende Bücher und Tausende Artikel über den Staatschef Wladimir Putin gibt, bleibt die Person hinter dem Amt seltsam unklar. Ist er tatsächlich der russische »Übervater«? Der Staatserneuerer, der das Tor zu einer leuchtenden Zukunft aufgestoßen hat? Oder doch eher der »Kremltyrann«, der im Begriff ist, die junge russische Demokratie zu zerstören? Stanislaw Belkowski, Insider des Moskauer Politbetriebes, widerlegt in seinem Buch die hartnäckigsten Mythen über Wladimir Putin und beleuchtet dessen persönliche Motive für sein.
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Daraufhin sagte Wladimir: »Wenn das so ist, dann bitte ich dich, mich zu heiraten. Ich liebe dich. Bis du einverstanden?«

»Ja«, antwortete ich.

»Wenn du nichts dagegen hast«, schloss Wladimir Wladimirowitsch, »findet unsere Hochzeit am 28. Juli statt, in drei Monaten.« So machten wir uns Ende April eine Liebeserklärung …

Ich weiß wirklich nicht mehr, ob auf unserer Hochzeit »Küssen, küssen!« gerufen wurde. Wahrscheinlich schon, warum auch nicht … Aber ich erinnere mich nicht daran, wie wir uns geküsst haben.«

Warum auch nicht! Das ist der ganze Putin. Etwas zu tun, weil man selbst es will – das ist nichts für ihn.

»Eigentlich habe ich mich immer den Wünschen von Wladimir Wladimirowitsch untergeordnet. Er war es, der mir riet, nach der Arbeiterfakultät Spanisch zu belegen … Dann sagte er: »Gleichzeitig solltest du noch Maschineschreiben lernen.« Die Hand an den Mützenschirm und ab zum Kurs für Maschineschreiben. Und das war im vierten Studienjahr, als ich mit Maria schwanger war … Als Maria geboren wurde, rief ich ihn am zweiten oder dritten Tag an, um mich mit ihm wegen eines Namens zu beraten. Ich wollte immer, dass wir ein Mädchen Natascha nennen. Ich hatte eine Freundin Natascha, und überhaupt gefiel mir dieser Name sehr. Wladimir Wladimirowitsch sagte: »Nein, sie soll Maria heißen.« Ich brach in Tränen aus. Ich wollte, dass sie Natascha heißt. Doch dann wurde mir klar, dass ich keine Wahl hatte und unser Töchterlein auf jeden Fall Maria heißen würde. Und ich dachte: ›Na gut, meine Lieblingstante hieß auch Maria …‹«

Übrigens behauptet die offizielle Putin-Geschichtsschreibung, dass die ältere Tochter nach der Großmutter väterlicherseits – Maria Petrowna – benannt wurde. »Kompensation« für Ljudmila wurde der Name der jüngeren Tochter Jekaterina, sie wurde nach der Großmutter mütterlicherseits benannt.

»Als ich nach Dresden kam, war ich im siebten Monat schwanger. ­Dabei war ich noch gar nicht beim Arzt gewesen, immer hatte die Zeit dafür gefehlt. Ich erinnere mich, wie ich dann beim Arzt war und er mit mir schimpfte. Wie sich herausstellte, war mein Hämoglobinspiegel sehr niedrig. Wie hätte es auch anders sein können? Das müssen Sie sich mal vorstellen: Ich bin mit Jekaterina im siebten Monat schwanger, trage Maria auf einem Arm und in der anderen Hand eine Tasche mit Lebensmitteln, und so steige ich zum fünften Stock hoch. Und da kommen im Treppenhaus im ersten Stock ein Mann und seine Frau aus der Tür, und sie sehen, wie ich mich die Treppe hinaufquäle. Eine stumme Szene. Der Mann macht ganz große Augen und kann nur seufzen: »Ljudmila, das geht doch nicht!« Dann nimmt er Maria und die Tasche und bringt sie zum fünften Stock hinauf. Aber das war ja nur einmal so. Ich hatte jeden Tag mindestens drei solcher Gänge zu machen. Wie ich später erfuhr, hat sogar unser Nachbar mehrmals zu meinem Mann gesagt: »Wladimir, du musst ihr helfen!« Das änderte aber nichts, weil Wladimir Wladimirowitsch seine Prinzipien hatte: Eine Frau muss im Haushalt alles allein machen. Deswegen nahm er nie irgendwelchen Anteil an der Hauswirtschaft.«

Das ist ein allgemeines Prinzip, das sich auf den Staat, die Wirtschaft und die Familie erstreckt: Putin mischt sich nie in das ein, was ihn nicht direkt und unmittelbar betrifft. Deswegen ist es einigermaßen komisch, wenn man sich die Ausführungen der Analytiker und Beobachter durchliest, wonach Putin allen großen Geschäftsabschlüssen im Lande oder den Verläufen der großen Strafsachen nachspüre. Sein Prinzip ist es, sich nicht in irgendwelche Abläufe einzumischen. Alles muss seinen eigenen Gang gehen. Wenn man seine Finger einer Werkbank zu nahe bringt, können sowohl die Finger als auch die Werkbank verlustig gehen.

»Was das Schwarze Meer betrifft, so waren Wladimir Wladimirowitsch und ich 1981 das erste Mal in Sudak … Ich erinnere mich daran, dass ich dort gekocht habe, weil Wladimir Wladimirowitsch partout nicht in den Kantinen essen wollte. Zu dieser Zeit gab es in den Läden nichts zu kaufen, und man musste sich die Lebensmittel auf dem Markt besorgen, wo die Preise ziemlich hoch waren. Ich musste es schlau anstellen, um dort etwas zu kaufen und dafür nicht zu viel Geld auszugeben.

Ich kochte für zwei, aber von Zeit zu Zeit kamen seine Jungs vorbei [Wladik und Viktor, die Freunde von Wladimir Wladimirowitsch – Anm. d. Verf.]. Unsere Wirtin war verstimmt, denn normalerweise wurden die Zimmer in den Wohnungen ohne das Recht vermietet, sich in der Küche etwas zu brutzeln …

Auf die Reise nahm Wladimir Wladimirowitsch ein Unterwassergewehr, Schwimmflossen, eine Tauchermaske und eine Matratze mit. Das Meer war weit von unserem Haus entfernt, ungefähr eine halbe Stunde Fußweg. Wie ich mich erinnere, gab es dort eine kleine Halbinsel. Es war schwer, vom Ufer aus dorthin zu gelangen, besonders mit dem Gewehr. Leichter konnte man schwimmend dorthin gelangen. Ich konnte mich zu diesem Zeitpunkt gerade so über Wasser halten, und auch das nur mit großer Mühe. Schwimmen habe ich erst später gelernt. Eigentlich riskierte ich mein Leben, als ich auf dieser Matratze zur Insel hinübergelangte. Wladimir schwamm neben mir her.

Tagsüber brannte die Sonne unbarmherzig, und man konnte sich nirgendwo verstecken – ringsum waren nur Steine. Ich bekam damals einen starken Sonnenbrand, dann ist mir die Haut auf den Schultern geradezu abgeblättert. Wladimir Wladimirowitsch blieb mit dem Gewehr länger als eine Stunde unter Wasser, bis er vor Kälte fast erfroren war. Die ganze Zeit versuchte er, einen Fisch zu schießen.

Auf einmal sah ich, wie er völlig glücklich aus dem Wasser kam und in den Händen einen Pfeil hielt, an dem ein kleiner Fisch von etwa zwanzig Zentimetern zappelte. Sein Gesichtsausdruck war geradezu triumphierend. Aber unter Wasser scheint ein Fisch ja immer fast zweimal so groß, als er in Wirklichkeit ist. Ich habe dann aus diesem Fisch eine Suppe gemacht. Das war also unsere Beute.

Ich weiß nicht mehr, wie es dazu gekommen war, aber ich schwamm allein zurück. Am ehesten war es wohl so, dass Wladimir Wladimirowitsch am Ufer entlangging, ich aber Angst hatte, weil es dort nur einen sehr engen Durchgang im Felsen gab. Offenbar habe ich gesagt, ich schwimme zurück. Da gab mir Wladimir das Gewehr und fragte: »Schaffst du das?« Im Wasser schien mir das Gewehr recht leicht zu sein. »Ja«, sagte ich. Aber als ich dann so ungeschickt schwamm, mit dem Gewehr über dem Kopf, merkte ich erschrocken, dass es für mich sehr schwer ist und ich es wahrscheinlich nicht schaffe. Mir ist völlig unklar, wie ich trotzdem am anderen Ufer angekommen bin.«

Nun ja, das sagt vieles! Gleichzeitig ist anzumerken, dass Putins Leidenschaft für riskante Sportarten schon sehr viel früher geweckt wurde und seine heutigen Experimente zu diesem Thema durchaus kein PR-Gag für das russische Volk sind, wie viele Beobachter meinen, sondern ein echtes Bedürfnis. Umso mehr, als der konservative Teil des russischen Volkes, an den sich der russische Präsident als öffentliche Person vor allem wendet, derartigen Eskapaden völlig gleichgültig gegenübersteht. (Ja wirklich, es steigen die Preise für Strom und Gas, für Lebensmittel und Benzin, und der Präsident, schaut her, kümmert sich um wichtige Angelegenheiten unter Wasser und in der Luft.)

Putin taucht am Meeresgrund und fliegt mit den Kranichen durch die Luft, weil er unter einem katastrophalen Adrenalinmangel leidet. Und der kommt daher, weil er sich sein Leben lang mit ungeliebten Dingen befassen muss und psychologisch in der Klemme steckt. Aber er kann den Teufelskreis nicht durchbrechen. Das ist wohl sein Schicksal.

Doch kehren wir zurück zu den Themen Liebe und Sex. Allem Anschein nach ist WWPs Desinteresse an seiner Gattin sogar ein wenig demonstrativ. Doch gleichzeitig bemerkten die nach Gerüchten süchtigen Gesellschaftskreisen der zwei Hauptstädte nichts von einem Interesse an anderen Frauen. Was ist los mit ihm? Liegt da eine Sublimierung vor?

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