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Wladimir - die ganze Wahrheit

Электронная книга - «Wladimir - die ganze Wahrheit». Краткое содержание книги:

Wenn Paranoia als Sinn für die Realität gelten muss: Der Moskauer Kremlkundler Stanislaw Belkowski analysiert Wladimir Putins Verhältnis zur Macht und zu seinen russischen Landsleuten.
Wer ist Putin wirklich? Er inszeniert sich als Angler mit gestähltem Oberkörper, als Taucher, Pilot, Macho und Frauenheld – doch obwohl es mittlerweile Dutzende Bücher und Tausende Artikel über den Staatschef Wladimir Putin gibt, bleibt die Person hinter dem Amt seltsam unklar. Ist er tatsächlich der russische »Übervater«? Der Staatserneuerer, der das Tor zu einer leuchtenden Zukunft aufgestoßen hat? Oder doch eher der »Kremltyrann«, der im Begriff ist, die junge russische Demokratie zu zerstören? Stanislaw Belkowski, Insider des Moskauer Politbetriebes, widerlegt in seinem Buch die hartnäckigsten Mythen über Wladimir Putin und beleuchtet dessen persönliche Motive für sein.
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Auch wenn aus Wladimir Putin kein Politiker wurde, wie es seine KGB-Prägung erwarten ließe, hat er doch über viele Jahre gelernt, in den Kategorien großer Geschäfte zu denken. Hier geht es nicht mehr um einen Furniertisch für 1 Million Dollar. Der Einsatz liegt nun dreimal so hoch.

Doch letztlich sind nicht die absoluten Zahlen der Beteiligung des langjährigen russischen Staatsoberhaupts an den Kapitalerträgen des einen oder anderen Unternehmens wichtig. Wichtig ist in erster Linie das Format des Putin’schen Denkens selbst, die Frage, wie sein Gehirn funktioniert. Wer würde das strategische Verhältnis zur Ukraine und Belarus für den Gaspreis und die Kapitalisierung von Gazprom für alle Zeiten aufs Spiel setzen? Er hat es getan. Wer würde zulassen, dass die noch gestern brüderliche Ukraine durch den Mund des Moskau scheinbar freundschaftlich gesinnten (und es eigentlich abgrundtief hassenden) Präsidenten Viktor Janukowitsch das Projekt der Gaspipeline White Stream aus dem Iran und Zentralasien unter Umgehung des russischen Territoriums ausrufen lässt? Und dass das noch gestern freundschaftliche Aserbaidschan eine ähnliche Strecke über türkisches Territorium legen möchte, um sich mit der Russischen Föderation nicht bezüglich der Fragen seines Exports vom Ölfeld Schah Denis verständigen zu müssen? Wer konnte vermuten, dass die politischen Positionen im Baltikum aufgegeben werden im Tausch gegen Transit und ausgedehnte Möglichkeiten der Verwahrung russischen Kapitals bei Banken der ehemaligen »sowjetischen Republiken des Baltikums«, also de facto im Offshore? Und so weiter, siehe oben und unten.

Putin hat es mit internationalen Partnern leicht, in deren Denkweise die Business-Komponente gewichtig, wenn nicht gar dominant ist. Also mit Silvio Berlusconi und Gerhard Schröder. Und diese Berlusconis und Schröders haben das immer ausgenutzt, indem sie »Freund Wladimir« richtig zu motivieren wussten.

Gerüchteweise hört man, dass Schröder jetzt als Vermittler zwischen Präsident Putin und dem berühmten Häftling Chodorkowski auftritt. Der ehemalige Bundeskanzler soll angeblich garantieren, dass der in Ungnade gefallene Oligarch im Falle seiner Freilassung im Jahr 2014 aus dem Gefängnis nicht gegen seine Peiniger Krieg führen wird, sondern sich in einen langfristigen Urlaub und zu einer intensiven Kur außerhalb Russlands aufmacht.

Die anderen jedoch, die Putin als Tschekisten, Imperialisten und Falken eines neuen Kalten Krieges sehen, sind nicht in der Lage, ihn durch Motivationen zu lenken. Damit reizen sie seinen wachsenden Zorn und verstärken in sich die wachsende Angst vor dem »Tyrannen«. Statt sich WWP genauer anzuschauen und zu lernen, ihn zu friedlichen Zwecken zu gebrauchen, verbreiten sie Mythen, die mit der Putin’schen Realität rein gar nichts zu tun haben.

Das vor Kurzem vom Kreml angekündigte Programm der »Nationalisierung der Eliten« ist, wenn man die Rhetorik Putins und seiner Helfershelfer außer Acht lässt und den eigentlichen Kern des Geschehens erfasst, faktisch ein Programm zum Schutz der russischen Aktiva außerhalb der Grenzen der Russischen Föderation. Der wichtigste Geschäftsmann Russlands spricht mit den Angehörigen seiner Klasse, ob sie nun über die Insignien von Beamten verfügen oder nicht: Seid vorsichtig, ordnet euch den Gegebenheiten der modernen Welt unter, stellt keine Rechnungen und Immobilien auf eure Namen oder die eurer nächsten Verwandten aus, sondern nur auf Trusts im Offshore mit einem komplizierten System Besitzbegünstigter – und das Glück ist auf eurer Seite. Dann seid ihr für die westlichen Staatsorgane um einiges unverwundbarer, denn sie verstärken mit jedem Jahr ihren Kampf gegen Geldwäsche und überhaupt gegen die Vermehrung von Kapital zweifelhafter Herkunft im Wirtschaftsraum der euroatlantischen Länder.

Also: Who is Mr. Putin? Wer lernt, ihn richtig zu verstehen, dem wird sein vertrauensvolles Verständnis zuteil.

Putins größtes Problem besteht darin, wie er irgendwann dieses viele Geld ausgeben will. Innerhalb der Legalität im Westen ist das heute praktisch unmöglich. Das bedeutet, man muss über exotischere Möglichkeiten nachdenken, zum Beispiel über den Aufkauf eigener Rechtshoheiten im Offshore, insbesondere in der Karibik und im Stillen Ozean. Doch niemand kann dafür garantieren, dass Putins Schätze einmal seinen Kindern oder gar Enkeln zukommen. Und solange er den Präsidentenposten nicht verlässt, wird er ewig der Sklave des einfachen Kutters Kawkas sein, neben dem sich Roman Abramowitschs Jacht Eclipse ausnimmt wie Versailles neben dem Kulturhaus einer Kolchose.

Wieder ist es das Hauptproblem des Autoritarismus: gehen nicht bleiben – wo setzt man das Komma? In einer entwickelten, institutionalisierten Demokratie gibt es ein solches Problem nicht, wie es dort auch (zum Glück!) nicht das Problem einer Legalisierung von Milliarden gibt, von denen man nicht weiß, mit wem und auf welche Weise sie »erarbeitet« wurden.

Geld kann man nicht mit ins Grab nehmen, sagt ein Sprichwort. Und die alte schwarze Hexe in Les Voleurs de Diamants von Louis Boussenard schrie die Diamantensucher an: »Da habt ihr eure Brillanten! Esst sie! Trinkt sie!« – wobei völlig klar ist, was sie meinte.

Kapitel 16: Wladimir Putins Familie – »Ja, Herzchen, ich bin es!«

Vom ersten Tag seiner Regierungszeit an tat der Kreml alles, um das Image des neuen Präsidenten Putin gegen das seines Vorgängers abzusetzen. Während Jelzin ein alter Trümmerhaufen gewesen war, der jederzeit den Löffel abgeben konnte, wurde Putin zu einem Macho und geradezu zu einer Sexbombe stilisiert. Die Frage war umso aktueller, als die Ideologen im Kreml eine Lektion besonders gut gelernt hatten: Noch im September 1999 war der 70-jährige Jewgeni Primakow ungeachtet des Altersunterschieds von 23 Jahren um einiges beliebter gewesen als Putin. Als dann jedoch in einer bekannten Fernsehsendung gezeigt wurde, wie man Senioren die Hüftgelenke operiert, sanken Primakows Umfrageergebnisse dramatisch.

Die Sendung war gut gemacht und überzeugte Millionen von Zuschauern, dass auch Primakow schon recht alt war und krank wie Jelzin, es also sinnlos wäre, ein Übel gegen ein anderes zu tauschen. Mit Putin im Hintergrund, der den Tschetschenien-Krieg geradezu höchstpersönlich zu kommandieren schien (diesen Eindruck vermittelten unzählige Reportagen der wichtigsten Fernsehkanäle, auch wenn Putin in Wirklichkeit nur einige Male an der Front war, und auch das in vollkommener Sicherheit und ohne mit den Aufständischen in irgendeiner Form zusammenzukommen), wollte das Volk keinen Mann mehr an der Spitze sehen, der wie Jelzin seine Tage mit »Aktenstudium« in einem Sanatorium zubringt.

Man wollte etwas Junges, Frisches, man wollte Muskeln sehen. Man wollte, dass der Mann an der Spitze andere mit einem festen Händedruck begrüßt. Selbstverständlich kam die Vorstellung vom schönen, jungen, gesunden Mann nicht ohne eine gewisse sexuelle Mythologie aus. Aber mit Putins Ehefrau Ljudmila Alexandrowna eine solche Mythologie aufzubauen und am Leben zu halten war, gelinde gesagt, schon recht schwierig.

Ljudmila ist sechs Jahre jünger als ihr Gatte (sie wurde 1958 geboren), und die offizielle Legende besagt, dass die beiden sich Anfang der 1980er-Jahre kennenlernten, als die junge Dame Stewardess bei einer Kaliningrader Fliegerabteilung war. Archivfotos bezeugen, dass Ljudmila in der Anfangsphase ihrer Ehe mit dem künftigen Herrscher über ein Siebtel der Erde gut gebaut und attraktiv war. Doch zum Jahr 2000 hin war sie ziemlich füllig und welk geworden. Es ist überaus wahrscheinlich, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits ernsthafte Alkoholprobleme hatte. Sie sah nun älter aus als ihr Mann, manchmal hätte man sie fast für seine Mutter halten können. Dafür gibt es viele Ursachen.

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