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Wladimir - die ganze Wahrheit

Электронная книга - «Wladimir - die ganze Wahrheit». Краткое содержание книги:

Wenn Paranoia als Sinn für die Realität gelten muss: Der Moskauer Kremlkundler Stanislaw Belkowski analysiert Wladimir Putins Verhältnis zur Macht und zu seinen russischen Landsleuten.
Wer ist Putin wirklich? Er inszeniert sich als Angler mit gestähltem Oberkörper, als Taucher, Pilot, Macho und Frauenheld – doch obwohl es mittlerweile Dutzende Bücher und Tausende Artikel über den Staatschef Wladimir Putin gibt, bleibt die Person hinter dem Amt seltsam unklar. Ist er tatsächlich der russische »Übervater«? Der Staatserneuerer, der das Tor zu einer leuchtenden Zukunft aufgestoßen hat? Oder doch eher der »Kremltyrann«, der im Begriff ist, die junge russische Demokratie zu zerstören? Stanislaw Belkowski, Insider des Moskauer Politbetriebes, widerlegt in seinem Buch die hartnäckigsten Mythen über Wladimir Putin und beleuchtet dessen persönliche Motive für sein.
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Doch wenn man von den Mächtigen gebeten wird, sich bei einem derart delikaten Thema keine Phantasien zu erlauben, wird damit der gegenteilige Effekt erreicht: Die Phantasie bricht von allein in den ungehörigen russischen Kopf hinein. Sofort entstanden unzählige Theorien, was mit Wladimir und Ljudmila gleich nach der Scheidung passieren würde. Heute können wir folgende Ansichten für einigermaßen überzeugend und nachgeprüft gelten lassen:

•Die Scheidung ging von Ljudmila Putina aus, die den formalen Stand der Dinge mit dem faktischen in Übereinstimmung bringen wollte – nachdem das Paar seit fünfzehn Jahren praktisch getrennt lebte.

•Möglicherweise gibt es in Ljudmilas Leben einen neuen Mann, einen älteren Geheimdienstgeneral, worüber sich der Präsident von Russland nur freuen könnte; denn die beste Methode, um sich von den Ansprüchen seiner Frau freizuhalten, ist es, sie mit einem neuen Objekt der Aufmerksamkeit zu beschäftigen.

•Die Töchter der Putins haben mittlerweile ein eigenes Familienleben, sie brauchen keine tägliche elterliche Fürsorge mehr.

Putin hatte keine Angst vor den Folgen der Scheidung in der Öffentlichkeit, weil er einen psychologischen Wendepunkt durchschritten hat; in einer bestimmten Lebensphase in unmittelbarer Nähe der sechzig Jahre hatte er klar erfühlt, dass niemand mehr zwischen ihm und dem Herrgott steht, und »nach dem Tod von Mahatma Gandhi gibt es niemanden mehr zum Reden«. Ihm ist es egal, was die Eliten sagen, für die er sowieso der (noch) unauswechselbare Moderator bleibt, und erst recht, was das Volk meint, das entgegen aller slawophilen Bodenständigkeit und Einfachheit stets ein recht kühles Verhältnis zu den wahrhaften familiären Werten hatte.

Für einen Russen ist die wirkliche Härte des Lebens, der Grundstein des sozialen Lebens nach wie vor der Staat mit allen seinen Instrumentarien und Attributen, nicht die Familie. Der unserem Volk fehlende Familiensinn – der eher den Deutschen und Angelsachsen zu Eigen ist – ist vielen russischen Denkern aufgefallen, vor allem dem bekannten Philosophen Konstantin Leontjew in seinem Essay Byzantismus und Slawentum; wobei dieser fehlende Familiensinn nicht nur für Männer typisch ist, die a priori etwas leichtfüßiger sind, sondern auch für die Frauen. Leontjew sagte auch, dass bei einer Legalisierung der Freudenhäuser sich die deutsche Frau empören und versuchen würde, sie zu schließen, während die russische Frau sich diese Auswüchse wohl eher von innen und mit eigenen Augen würde anschauen wollen. Und schließlich: Warum sollte man eine Verurteilung einer Scheidung auf höchster Ebene in einem Land erwarten, in dem Anna Karenina von Lew Tolstoi der wichtigste Familienroman ist – die Erzählung vom Ehebruch der Protagonistin.

Die russischen Zaren waren daran gewöhnt, ihre Frauen auf Biegen und Brechen zu betrügen (zum Beispiel Alexander I., Nikolai I., Alexander II.) oder sogar zu töten (Iwan der Schreckliche, Stalin). Dasselbe gilt für die weiblichen Monarchen. Man erinnere sich nur daran, welche Rolle die Zarin Katharina die Große bei der Entthronung und dem Mord an ihrem rechtmäßigen Ehemann Pjotr III. gespielt hat, in dessen Adern eigentlich das Blut der Romanows floss.

Das alles hatte jedoch kaum Auswirkungen auf die Autorität der Herrscher. Putin musste also am Tag seiner Scheidung weder sinkende Umfragewerte noch einen tiefen Seufzer eines enttäuschten Volkes befürchten.

So ist Putin also allein geblieben, in der Stille seiner Residenz Nowo-Ogarjowo bei Moskau, wo einst Ende der 1980er-Jahre der letzte Regierungschef der UdSSR, Michail Gorbatschow, als Herrscher des untergehenden Imperiums wohnte.

Übrigens reagierten einige Truppenteile und Scharen der Elite im Unterschied zum Präsidenten auf das Ende der langjährigen Ehe der Putins nervös. Und auch das ist erklärlich.

Die Ballettvorstellung Esmeralda und die Ankündigung der Scheidung ergaben sich ausgerechnet am Vortag der schicksalhaften verfassungsgebenden Sitzung der Gesamtrussischen Nationalen Front – der großen Schirmorganisation, die dazu berufen ist, alle oder fast alle Mitstreiter Putins zu vereinigen, ob sie nun zur Partei »Einiges Russland« gehören oder nicht. Die Gesamtrussische Nationale Front hatte von Anfang an erklärt, dass sie fest beabsichtige, auf traditionelle familiäre Werte zu setzen, weil sie zu den wichtigsten geistig-materiellen Grundfesten der Russischen Föderation gehörten. (»Grundfesten« ist ein Wort, das die Kreml-Politikmacher aus der Mottenkiste geholt haben, um damit die Nation zusammenzuschweißen. Damit soll dem russischen Volk, das in der postsowjetischen Zeit durch eine in seiner Geschichte einzigartige Periode der Individualisierung und Atomisierung gegangen ist, eine gewisse einheitliche mental-inhaltliche Form gegeben werden.)

Ganz offen litt auch die legendäre Abgeordnete der Staatsduma Jelena Misulina, die in den 1990er-Jahren ihre Karriere in der linksliberalen Partei »Jabloko« begann (deren Chef und Gesicht Grigori Jawlinski ist) und mittlerweile der kremlnahen, wenn auch nominell oppositionellen sozialdemokratischen Partei »Gerechtes Russland« angehört. Mit ihrem eigenwilligen Verständnis der Vorbildfunktion von Wladimir Putin sowie der Aufgaben, die ein Anführer seinem Land bei einer weiteren Etappe seiner öden Entwicklung vorstellen soll und kann, erarbeitete Frau Misulina 2012/13 ein in aller Welt bekannt gewordenes Gesetz gegen die Propaganda von Homosexualität. Außerdem ist die Abgeordnete Misulina Urheberin des Programms zur Stärkung familiärer Werte in Russland, zu dessen Schlüsselpunkten die Bekämpfung von Scheidungen zählt. Und nun dieser Affront!

Ja, und der Vorsteher der Russisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats Kirill (Gundjaew) hatte sich auch ziemlich aus dem Fenster gelehnt. Viele Monate vor dem schicksalhaften Kreml-Ballett hatte Patriarch Kirill in Predigten, in den Zeitungen und im Fernsehen, im Internet und in privaten Gesprächen auf alle eingeredet, dass ein ordentlicher russisch-orthodoxer Mensch nicht das Recht habe, sich von seiner gesetzmäßigen Gattin zu trennen. Denn Mann und Frau müssten bis zum Ende ihrer Erdentage Freud und Leid miteinander teilen.

Nach dem 6. Juni 2013 muss der Kirchenfürst nun Wladimir Putin als unordentlich und unorthodox bezeichnen (schrecklich auszusprechen, noch schrecklicher zu denken!) oder seine früheren Ansichten über das Übel einer Scheidung desavouieren. Er zog einen normalen Kompromiss vor, wofür die russisch-orthodoxe Kirche in schwierigen Situationen schon immer gerühmt wurde – er schwieg. Als hätte es keine Putin-Scheidung gegeben. Der Patriarch war im entscheidenden Moment zu beschäftigt, um sich mit derartigen Kleinigkeiten abzugeben.

Mit seiner radikalen Geste hatte der Präsident natürlich einmal mehr bewiesen, wie sehr er seine formalen Mitstreiter und Wegbegleiter schätzt und welcher Preis für seine Gala-Rhetorik zu zahlen ist. Was soll’s, jeder, der in den Genuss der Kreml-Vorzüge unter den Bedingungen des modernen Russland kommen will, sollte rechtzeitig die Kunst der Selbsterniedrigung lernen.

Diejenigen, denen aufgetragen ist, sich um Putins Image als Macho und Sexbombe zu sorgen, versuchen dennoch, dem Bewusstsein der Welt ein ganz anderes Bild einzupflanzen.

Kapitel 17: Sex mit Wladimir Putin – Geheimnisse aus allerhöchstem Bett

Im Jahr 2002 tauchte die Legende von Alina Kabajewa auf, der Olympiasiegerin in der Disziplin Rhythmische Sportgymnastik. Ich erinnere mich noch gut daran, wer mir wann und unter welchen Umständen das erste Mal von der angeblichen Affäre Putins mit der 19-jährigen Kabajewa erzählte. Ort der Handlung war eines der seinerzeit entstehenden »elitären« Cafés im Stadtzentrum Moskaus und die Informationsquelle ein (damals) offizieller Mitarbeiter von Präsident Putin, wobei anzumerken ist, dass er in keinerlei freundschaftlicher oder kameradschaftlicher Verbindung zum Autor dieser Zeilen steht.

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