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Wladimir - die ganze Wahrheit

Электронная книга - «Wladimir - die ganze Wahrheit». Краткое содержание книги:

Wenn Paranoia als Sinn für die Realität gelten muss: Der Moskauer Kremlkundler Stanislaw Belkowski analysiert Wladimir Putins Verhältnis zur Macht und zu seinen russischen Landsleuten.
Wer ist Putin wirklich? Er inszeniert sich als Angler mit gestähltem Oberkörper, als Taucher, Pilot, Macho und Frauenheld – doch obwohl es mittlerweile Dutzende Bücher und Tausende Artikel über den Staatschef Wladimir Putin gibt, bleibt die Person hinter dem Amt seltsam unklar. Ist er tatsächlich der russische »Übervater«? Der Staatserneuerer, der das Tor zu einer leuchtenden Zukunft aufgestoßen hat? Oder doch eher der »Kremltyrann«, der im Begriff ist, die junge russische Demokratie zu zerstören? Stanislaw Belkowski, Insider des Moskauer Politbetriebes, widerlegt in seinem Buch die hartnäckigsten Mythen über Wladimir Putin und beleuchtet dessen persönliche Motive für sein.
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In diesem Brief an Medwedew sowie später in einem Fernsehinterview mit dem Sender RTVi (im Februar 2011) und anderen Medien legte Kolessnikow auch den Finanzierungsplan für die Bauarbeiten der Residenz offen. Nach seinen Angaben wurde unter Beteiligung von Putin im Jahr 1992 die Firma Petromed gegründet, die Projekte im Bereich Gesundheitsfürsorge realisiert und an der der Autor des Briefes Aktien hält. Als Putin im Jahr 2000 Präsident wurde, trat eben jener Nikolai Schamalow der Firma bei. Die Firma schaffte mit Spendengeldern von Oligarchen medizinische Geräte in Höhe von Dutzenden Millionen Dollar für russische Gesundheitseinrichtungen an. Dabei wurden 35 Prozent der Einnahmen auf ausländische Konten überwiesen. Schließlich hatte sich auf den von Schamalow kontrollierten Konten eine Summe von mehr als 148 Millionen Dollar angesammelt.

Nach Angaben des Autors der skandalösen Enthüllungen beauftragte Schalamow Kolessnikow 2005, die Firma Rosinwest zur Realisierung von Schiffbauprojekten, Bauvorhaben und Holzverarbeitung zu gründen. Die Eigentumsverhältnisse wurden hinter anonymen Inhaberaktien verborgen, wenngleich der grundlegende Teil der Aktien dieser Firma im Interesse von Putin verwaltet wurde.

Eines der Projekte von Rosinwest, das von Nikolai Schamalow persönlich geleitet wurde, war die Planung eines kleinen Komplexes in der Umgebung der Siedlung Praskowejewka. Das ursprüngliche Budget lag bei 400 Millionen Rubeln (14 Millionen Dollar). Für den Bau des Komplexes stellte die russische Regierung 73,96 Hektar eines Naturschutzparks zur Verfügung. Anfang 2007 wurde dann ein zweites Projekt gestartet – die Schaffung eines Weinbergs zur Herstellung von Spitzenweinen im Gebiet von Praskowejewka.

Mitte 2009 verfügte Putin nach Angaben von Herrn Kolessnikow den Stopp der Arbeiten an all diesen Projekten, um sich ausschließlich mit dem »Projekt Süden« zu befassen, für das er alle vorhandenen Mittel einsetzte. Im Oktober 2009, als Kolessnikow die Papiere zum letzten Mal sah, lagen die veranschlagten Kosten bereits bei 1 Milliarde Dollar.

2009 wurden alle Objekte und der Grund und Boden des »Projektes Süden« in das Eigentum der Privatfirma Indokopas GmbH überführt, die wiederum Nikolai Schamalow gehört. Den Unterlagen zufolge wurde der Komplex als seine Privatresidenz gebaut, der Name Putin taucht hier nirgends auf. Von hochrangigen Beamten ist nur der Name des Leiters des Präsidialamts Wladimir Koschin genannt, dessen Unterschrift unter den Papieren steht. Obwohl das Projekt einen privaten Charakter hat, werden die Bauarbeiten des Palasts von Spezstroy Rossija realisiert, und die Überwachung und Leitung hat der Föderale Dienst für Bewachung (FSO) übernommen.

Zwischen 2005 und 2010 wurden Mittel aus dem Staatshaushalt zur Finanzierung des Baus von Bergstraßen, Einrichtung von Überlandleitungen und einer speziellen Gaszufuhr zur Residenz verwendet. Um die Kosten, die Menge und das Sortiment der gelieferten Materialien geheim zu halten, habe Schamalow nach Worten von Kolessnikow beschlossen, sie unter Umgehung der üblichen Verzollung zu importieren, und sie mit Bargeld oder mit Geld von ausländischen Konten bezahlt.

Der Pressesprecher des Kreml wollte den Brief von Sergei Kolessnikow nach seiner Veröffentlichung Ende Dezember 2010 nicht kommentieren, und der Pressesprecher des Ministerpräsidenten Dmitri Peskow erklärte, Putin habe nichts mit diesem Palast am Schwarzen Meer zu tun. Nikolai Schamalow und sein Partner Dmitri Gorelow gaben auf die Anfrage der Zeitung Wedomosti keine Antwort, und auch die Firma Petromed lehnte es ab, Kolessnikows Brief zu kommentieren.

Der Leiter des Präsidialamts Wladimir Koschin dementierte entschieden die Nachrichten vom Bau neuer Residenzen für das Staatsoberhaupt Dmitri Medwedew und den Ministerpräsidenten Wladimir Putin: »Ich habe verschiedene Veröffentlichungen über irgendwelche Paläste gelesen, die gerade am Ufer des Schwarzen Meeres im Bezirk Gelendshika gebaut werden oder bereits gebaut wurden. Das alles hat nichts mit dem Präsidialamt oder dem Staatsoberhaupt zu tun. Wir haben derartige Baumaßnahmen nicht geführt, führen sie auch jetzt nicht und haben dies auch nicht vor«, erklärte Koschin, dessen Unterschrift unter den Baudokumenten steht. Am 18. Oktober 2012 erklärte Wladimir Koschin erneut, dass die Eine-Milliarden-Dollar-Residenz Putin nicht gehöre, und wem sonst, das wisse er nicht.

Informell bekräftigen die der Familie von Schamalow nahestehenden Quellen Folgendes: Sergei Kolessnikow hat höchstwahrscheinlich keine reine Weste. Seine Auseinandersetzung mit seinem Geschäftspartner entzündete sich durchaus nicht daran, dass Herr Kolessnikow sich auf einmal als kompromissloser Kämpfer gegen die Korruption zeigte, sondern weil beim Bau der Residenz »Idokopas« 120 Millionen Dollar verschwunden sind. Nikolai Schamalow verdächtigte – und beschuldigte offenbar auch inoffiziell – seinen jüngeren Partner.

Daraufhin begriff Kolessnikow, dass es für ihn brenzlig geworden war, und er wollte Russland verlassen. Gleichzeitig sorgte er für die Voraussetzungen, um im Westen politisches Asyl zu erhalten. Um als Opfer realer oder potenzieller Verfolgungen von Seiten der russischen Macht dazustehen, veröffentlichte er den berüchtigten Brief an Dmitri Medwedew. Gleichzeitig beteiligte er sich 2011/2012 verstärkt an der Finanzierung russischer oppositioneller Projekte, zum Beispiel des Systems für die Internetabstimmung »Demokratie-2«, dessen Initiator Putins unversöhnlicher Feind, der Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow war. (Die Programmierer wurden von dem IT-Manager Leonid Wolkow gestellt, der daraufhin Leiter des politischen Stabs des neuen Stars der russischen Opposition Alexei Nawalny wurde). Außerdem hatte er das öffentlich-rechtliche Netzfernsehen SoTV initiiert, dessen Chef der vormals als liberaler Journalist in Russland bekannte Igor Jakowenko wurde, der früher den Posten des Sekretärs des Russischen Journalistenverbands innehatte. Damit kam also ein Teil der sakramentalen 120 Millionen Dollar den Kreml-Kritikern zugute – klar und in bar.

Allerdings stellte Kolessnikow 2012 fest, dass Schamalow & Co. dem Skandal keinen internationalen oder darüber hinaus politischen Charakter zuerkennen wollten. Schon allein deswegen nicht, weil auch dem höchsten Boss Wladimir Putin eine solche Entwicklung der Ereignisse überhaupt nicht gefallen hätte. Er musste also bei den mitleidigen Ländern des Westens nicht um politisches Asyl bitten. Deswegen stellte er sowohl die Finanzierung von SoTV (geschlossen Herbst 2012) als auch von »Demokratie-2« (existiert noch, aber ohne Kolessnikow, vor allem dank Herrn Nawalny) ein.

Der Palast in Praskowejewka ist nicht für Putin selbst bestimmt, der auch so genügend staatliche Residenzen besitzt, einschließlich »Botscharow rutschej« direkt in Sotschi. Er ist für seine jüngste Tochter gedacht. Damit ist auch das gesteigerte Interesse von Nikolai Schamalow an diesem Projekt zu erklären.

Schließlich die angenehmste, wenn auch offiziell unbestätigte Neuigkeit: Wladimir Putin ist Großvater geworden. Letztes Jahr hat Maria Putina ein Kind zur Welt gebracht. Die Geburt fand am Morgen des 15. August 2012 in Bulgarien statt (nein, nicht in Russland, wo es um die Geburtshilfe mittlerweile schlecht bestellt ist!). Die Mitteilung mit dem Vermerk »fast geheim« stammt aus den bulgarischen Massenmedien. Bis heute gibt es keine offizielle Bestätigung oder ein Dementi dieser Information.

Das Kind kam per Kaiserschnitt zur Welt. Wie die russische Nachrichtenagentur Ura.ru mit Verweis auf die bulgarische Internetseite btvnews.bg mitteilte, wurde den russischen Massenmedien geraten, keine Details über die Geburt des Kindes in Umlauf zu bringen. Die bulgarischen Journalisten behaupten, Wladimir Putin sei kurz entschlossen nach Bulgarien aufgebrochen, habe die Geburtsklinik aufgesucht und seiner Tochter gratuliert. Der Enkel wurde angeblich Wladimir genannt – Wladimir Jorritowitsch Faassen. Das klingt gut, vor allem für russische Ohren, die alles Ausländische verzaubert.

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