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Wladimir - die ganze Wahrheit

Электронная книга - «Wladimir - die ganze Wahrheit». Краткое содержание книги:

Wenn Paranoia als Sinn für die Realität gelten muss: Der Moskauer Kremlkundler Stanislaw Belkowski analysiert Wladimir Putins Verhältnis zur Macht und zu seinen russischen Landsleuten.
Wer ist Putin wirklich? Er inszeniert sich als Angler mit gestähltem Oberkörper, als Taucher, Pilot, Macho und Frauenheld – doch obwohl es mittlerweile Dutzende Bücher und Tausende Artikel über den Staatschef Wladimir Putin gibt, bleibt die Person hinter dem Amt seltsam unklar. Ist er tatsächlich der russische »Übervater«? Der Staatserneuerer, der das Tor zu einer leuchtenden Zukunft aufgestoßen hat? Oder doch eher der »Kremltyrann«, der im Begriff ist, die junge russische Demokratie zu zerstören? Stanislaw Belkowski, Insider des Moskauer Politbetriebes, widerlegt in seinem Buch die hartnäckigsten Mythen über Wladimir Putin und beleuchtet dessen persönliche Motive für sein.
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Allerdings ist alles, was wir hier über die Sprösslinge und Erben des russischen Oberhaupts erzählen, Klatsch und Tratsch. Nicht mehr und nicht weniger.

Putin vermeidet nicht nur alles, was die allgemeine öffentliche Aufmerksamkeit auf das Leben seiner Angehörigen lenken könnte, er bemüht sich auch, sie von jeder aufdringlichen Beachtung abzuschirmen. Die Mitglieder der allerhöchsten Familie haben keinerlei offizielle Verpflichtungen, die es ermöglichen würden, ihr öffentliches oder privates Leben unter die Lupe zu nehmen. Man kann ihnen auch keine unbequemen Fragen stellen, wie sie gewöhnlich an Figuren des öffentlichen Lebens gerichtet werden.

Die bereits erwähnte Alina Kabajewa hingegen lebt wie auf dem Silbertablett. Sie ist Abgeordnete der Staatsduma (die zweite Legislaturperiode hintereinander), Stammgast bei Prominentenpartys und Wohltätigkeitsauktionen, ihr Gesicht ist ständig auf den Titelseiten von Hochglanzzeitschriften zu sehen. Wie konnte der zurückhaltende und verschlossene Putin etwas Derartiges zulassen? Warum reißen die Gerüchte über seine Zweitfamilie und seine unehelichen Kinder nicht ab, die dem Präsidenten eines derart konservativen Landes wie Russland offensichtlich schaden? Russland ist schließlich nicht Frankreich, wo Präsident François Mitterrand im Élysée-Palast vierzehn Jahre lang nicht nur seine Ehefrau Danielle, sondern auch seine uneheliche Tochter Mazarine und deren Mutter beherbergte. Ganz offensichtlich stimmt an der Geschichte von Putin und Kabajewa etwas nicht.

Ähnlich wie ich gestimmte Kritiker erinnern gern an die Geschichte der im Jahr 2008 geschlossenen Zeitung Moskowski korrespondent. Es gab eine solche Wochenzeitung, die der Bankier, Politiker und Eigentümer der Nationalen Reservebank (NRB), Alexander Lebedew, im Herbst 2007 gegründet hatte. Die Moskor genannte Zeitung verdankte ihre Existenz einem einzigen Grund: Lebedew wollte bei den Wahlen zur Staatsduma die Liste der Oppositionspartei »Gerechtes Russland« in der Hauptstadt Moskau anführen, und er brauchte ganz dringend ein Presseorgan, das absolut unabhängig war von dem damals übermächtigen Bürgermeister der Stadt, Juri Luschkow. Letztlich kandidierte Lebedew dann doch nicht: Der Kreml hatte ihm davon abgeraten, angeblich auf Bitte von Luschkow.

Und dann veröffentlichte Moskowski korrespondent im Frühjahr 2008 einen Leitartikel über die bevorstehende Hochzeit von Wladimir Putin und Alina Kabajewa. Man nannte sogar den Namen der Event-Agentur: das Art-Management-Center Karnawal-stil, dem die Heiratswilligen die feierliche Zeremonie anvertraut hatten. (Heute möchte ich nicht ausschließen, dass diese Firma an einer skandalösen Publikation interessiert war, um für sich lautstarke und gleichzeitig preisgünstige Werbung zu machen.) Sofort nach der Publikation wurde der Bankier Lebedew offenbar in die Lubjanka vorgeladen und in aller Härte auf die Unzulässigkeit derartiger Veröffentlichungen hingewiesen. Moskowski korrespondent wurde auf der Stelle geschlossen. Nach der offiziellen Version (von Lebedew) wegen des »Durchsickerns von Informationen, die im Widerspruch stehen zu Putins persönlichen wichtigen Interessen«.

Meine Nachforschungen hingegen brachten mich auf einen völlig anderen Ablauf der Ereignisse. Nachdem Alexander Lebedew davon Abstand genommen hatte, für Moskau zu kandidieren, verwandelte sich die Zeitung für ihn in einen Koffer ohne Griff. Das heißt, er brauchte sie einfach nicht mehr. Dennoch konnte der Bankier das nicht offen zugeben und die glücklose Zeitung auf ehrliche Weise schließen. Das macht man eben nicht in der Welt der russischen Oligarchen. Daher wurde die Intrige mit dem Scheinskandal um Kabajewa erdacht – nach dem Motto: Wir wollten den Moskowski korrespondent ja nicht schließen, wurden aber dazu gezwungen. Der Urheber und Vollstrecker dieser Intrige war der stellvertretende Chefredakteur dieser Zeitung und Veteran der russisch-sowjetischen Regenbogenpresse Igor Dudinski. Es ist nicht auszuschließen, dass jemand sogar ein Honorar von der Event-Agentur bekommen hat, die durch diese Publikation zur Berühmtheit wurde.

Aber auch das kann nicht ganz stimmen. Die Ehegeschichte von Alina Kabajewa erinnert ohnehin sehr an ein Hollywood-Melodrama. 2004 wurde bekanntgegeben, dass sie den Hauptmann der Miliz Dawid Musseliani heiraten wolle (der aus irgendeinem Grund kurz danach schon kein Hauptmann mehr war, sondern Oberst). Und so romantisch schrieb im Oktober 2004 die zu dieser Zeit überaus einflussreiche Boulevardzeitung Shisn darüber:

»Alina Kabajewa hat das Datum für ihre Hochzeit festgelegt. Sie soll im nächsten Sommer stattfinden. Wie Alina gegenüber Shisn äußerte, hat sie schon immer davon geträumt, im Sommer zu heiraten. Kabajewa wollte eigentlich schon in diesem Jahr den Bund der Ehe eingehen. Wegen ihrer Teilnahme an der Olympiade musste die Eheschließung jedoch auf den Sommer des nächsten Jahres verschoben werden.

»Natürlich hätte ich schon im Winter oder Frühling heiraten können, aber ich wollte keine Hochzeit in aller Eile«, gestand die Olympiasiegerin gegenüber Shisn ein. »Vor meinem endgültigen Abschied vom großen Sport möchte ich noch an einigen Wettkämpfen teilnehmen, die sehr wichtig für mich sind, zum Beispiel will ich zu einem Turnier nach Japan fliegen. Und dann kann ich mich in aller Ruhe um die Festvorbereitungen kümmern. Dawid und ich freuen uns sehr auf diesen Tag!«

Ungeachtet der Proteste ihrer Eltern, die sich entschieden gegen diese Ehe ausgesprochen hatten, zog Alina in die Wohnung ihres Verlobten im Moskauer Stadtzentrum.

»Sie bekannte, sie habe sich nicht vorstellen können, zu einer so leidenschaftlichen Liebe fähig zu sein. Ihren Auserwählten nennt die junge Frau »mein Süßer« und »mein Liebster«. Wenn sie zusammen sind, kann sie ihren begeisterten Blick nicht von Dawid abwenden … Sogar ihre Trainerin Irina Winer drückte beide Augen vor den Launen und Grillen der verliebten jungen Frau zu. Als sich Alina einmal fast zum Abflug nach Athen verspätete, sagte ihre Trainerin verärgert zu ihr: »Konntet ihr euch wieder nicht aneinander sattsehen!«

Obwohl beide sehr beschäftigt sind, telefonieren sie stündlich miteinander, nur um die Stimme des anderen zu hören. Kabajewa lässt alles stehen und liegen, nur um für eine Minute ihren Liebsten zu sehen, der ein hollywoodmäßiges Aussehen und aristokratische Manieren hat. Wenn es ginge, würden die Verliebten tagelang zusammenbleiben.«

Das süße Pärchen stellt seine Beziehung nicht zur Schau, man zeigt sich zusammen nur bei nahen Freunden. Aber Alina macht keinen Hehl daraus, dass sie ihren Verlobten auf seiner Arbeitsstelle, der Abteilung der Miliz im Bezirk Presnenskoe, besucht:

»Alle merken, dass die berühmte Kunstturnerin da ist, wenn ihr luxuriöses Auto in den Hof fährt. »Unsere Alina ist da!«, scherzen die Milizionäre. Dabei hat die Mannschaft höchsten Respekt vor den Gefühlen ihres stellvertretenden Chefs Dawid Gageniewitsch Musseliani.

›Man sieht sofort: Das ist wahre Liebe«, sagte einer der Mitarbeiter aus der Miliz-Abteilung Presnenskoe gegenüber der Shisn. »Als die Olympiade stattfand, war Dawid sehr aufgeregt. Und dann ist er nach Griechenland zu seiner Verlobten geflogen. Auch hier haben alle mit Alina mitgefiebert. Wir haben uns schon an sie gewöhnt. Sie ist ein sehr gutes Mädchen.‹«

Ohne die Hochzeit abzuwarten, schenkte der Verlobte ihr ein azurblaues Mercedes-Coupé. Doch Mitte 2005 stellte sich heraus, dass die Hochzeit verschoben wurde. Die Regenbogenpresse verbreitete zwei Versionen. Entweder hatte sich Dawid Musseliani noch nicht ganz von seiner vorherigen Frau Olga getrennt und Nana, seiner Tochter aus erster Ehe, zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, was Alina verletzte. Oder die Sportlerin hatte einen neuen Verehrer, der reich und einflussreich war – den Baumagnaten Sergei Polonski, den man in Begleitung von Alina Kabajewa bei den Feierlichkeiten von »Stil-City 2005« antraf. Trotz allem bekräftigte die Olympiasiegerin im Dezember 2006 vor den Medien erneut, sie sei mit Oberst (ehemals Hauptmann) Musseliani zusammen und basta.

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