Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
Eines Tages würde sie nur fünf Stunden dauern; aber dieser Tag lag vorläufig noch zwei Jahre weit in der Zukunft. Die Spuren würden dann mit Energie beschickt und ihre Magnetfelder aktiviert werden. Die Untersuchungs- und Instandhaltungsfahrzeuge, die dieser Tage an den Wänden des Turmes entlang auf- und abwärts fuhren, bewegten sich auf altmodischen, bereiften Rädern, die im Führungsschlitz der Spur verankert waren. Solch ein System konnte mit nicht mehr als fünfhundert Kilometern pro Stunde betrieben werden.
An Bord dieses Transporters jedoch war jedermann viel zu sehr beschäftigt, als dass Langeweile hätte aufkommen können. Professor Sessui und seine drei Studenten waren dauernd entweder am Beobachten oder am Untersuchen ihrer Messgeräte. Sie wollten durch ihre Vorbereitungen erreichen, dass keine Sekunde mehr verlorenging, sobald sie das Ziel der Reise erreichten und in den Turm umstiegen. Der Fahrer der Transportkapsel, sein technischer Assistent und der eine Kabinenstewart, die zusammen die Besatzung des Transporters ausmachten, waren ebenfalls voll beschäftigt, denn dies war keine Routinefahrt. Niemand hatte »dem Keller«, fünfundzwanzigtausend Kilometer unterhalb der Station Mitte und in diesem Augenblick noch sechshundert Kilometer von der Erdoberfläche entfernt, je einen Besuch abgestattet. Es hatte keinen Anlass dazu gegeben, da von den dort installierten Monitorgeräten stets nur Anzeigen geliefert wurden, die darauf hinwiesen, dass alles in Ordnung war. Es hätte dort auch gar nichts schiefgehen können; denn der Keller war weiter nichts als eine künstlich unter Druck gesetzte Kammer von fünfzehn Metern im Geviert — eine der Dutzende von Notunterkünften, die längs des Turmes angebracht waren.
Professor Sessui hatte all seinen nicht unerheblichen Einfluss benutzt, um die Benutzung dieses einzigartigen Beobachtungsorts zugestanden zu bekommen, der sich jetzt mit einer Geschwindigkeit von zwei Kilometern pro Tag durch die Ionosphäre auf sein Rendezvous mit der Erde zubewegte. Es sei essentiell, so hatte der Professor mit Macht argumentiert, dass alles wissenschaftliche Gerät noch vor dem gegenwärtigen Sonnenfleckenmaximum installiert wurde.
Die Aktivität der Sonne war schon jetzt von nie zuvor beobachteter Intensität. Sessuis junge Assistenten hatten es mitunter schwer, sich auf ihre Instrumente zu konzentrieren; die phantastischen Nordlichterscheinungen, die sich außerhalb des Transporters abspielten, lenkten sie ab. Stunde um Stunde war der Himmel über den beiden Erdhalbkugeln von wabernden Vorhängen und Bändern bevölkert, die ein herrliches, atemberaubend schönes grünes Licht ausstrahlten — und dennoch nur ein matter Abglanz des himmlischen Feuerwerks waren, das sich unmittelbar über den Polen abspielte. Es war äußerst selten, dass die Aurora sich so weit von ihren angestammten Gefilden entfernte. Höchstens einmal alle paar Generationen drang sie in die Himmel über dem Äquator vor.
Sessui trieb seine Studenten zur Arbeit an und ermahnte sie, sie hätten zum Beobachten und Staunen während der mühseligen Rückfahrt zur Station Mitte noch genug Zeit. Man sah indes, dass mitunter der Professor selbst minutenlang am Beobachtungsfenster stand und sich vom Schauspiel des brennenden Himmels fesseln ließ.
Jemand hatte das Unternehmen eine »Expedition zur Erde« genannt. Was die Entfernung anging, so war der Name zu achtundneunzig Prozent gerechtfertigt. Während sich die Transportkapsel mit armseligen 500 km/h an der Wand des Turmes abwärtsbewegte, machte sich die Nähe des Planeten in der Tiefe immer deutlicher bemerkbar. Die Schwerkraft nahm allmählich zu — von der angenehmen, sublunaren Leichtgewichtigkeit in der Station Mitte bis fast zum vollen Erdwert.
Abgesehen von Beschwerden über den Proviant, die der überarbeitete Stewart mit stoischer Ruhe hingenommen hatte, war die Fahrt völlig ereignislos verlaufen. Einhundert Kilometer über dem Keller waren die Bremsen sanft angesetzt und die Geschwindigkeit auf die Hälfte reduziert worden. In fünfzig Kilometern Höhe wurde abermals auf halbe Fahrt gebremst — das war, nachdem einer der Studenten bemerkt hatte: »Wäre es nicht eine Blamage, wenn wir über das Ende der Strecke hinausschössen?«
Der Fahrer (er bestand auf dem Titel »Pilot«) erwiderte ärgerlich, dies sei unmöglich, da die Spur, auf der sich die Kapsel bewegte, etliche Meter vor der Unterseite des Turmes aufhörte; es gab außerdem ein mit viel Sorgfalt entworfenes Puffersystem — nur für den Fall, dass alle vier voneinander unabhängigen Bremssysteme versagten. Und jedermann stimmte mit ihm überein, dass der Witz nicht nur absolut lächerlich, sondern obendrein auch äußerst geschmacklos sei.
Der Meteor
Die riesige künstliche Wasserfläche, seit zweitausend Jahren als Paravanas Meer bekannt, lag ruhig und friedlich unter dem steinernen Blick ihres Erschaffers. Obwohl dieser Tage nur noch wenige kamen, um die einsame Statue von Kalidasas Vater zu besuchen, hatte sein Werk, wenn auch nicht sein Ruhm, das seines Sohnes überlebt. Und es hatte dem Land unvergleichlich bessere Dienste geleistet, indem es hundert Menschengenerationen mit Nahrung und Trinkwasser versorgte, und Tausende von Generationen von Vögeln, Hirschen, Büffeln, Affen und solchen Tieren, die auf sie Jagd machten, wie etwa den schlanken, aber wohlgenährten Leoparden, der am Rand des Wassers zur Tränke gekommen war. Diese großen Katzen wurden immer zahlreicher und entwickelten sich jetzt, da sie vor Jägern sicher waren, allmählich zu einer Plage. Menschen fielen sie allerdings niemals an, es sei denn, man belästigte sie oder trieb sie in die Enge.
Seiner Sicherheit bewusst, trank der Leopard langsam und genussvoll, während die Schatten rings um den See länger wurden und die Dämmerung sich vom Osten her näherte. Plötzlich richtete er die Ohren auf und wurde mit einem Schlag wachsam. Menschliches Wahrnehmungsvermögen hätte keine Veränderung wahrnehmen können. Der Abend war so ruhig wie zuvor.
Dann aber kam direkt aus dem Zenit ein dünnes Pfeifen, das stetig anschwoll und zu einem donnernden Dröhnen mit schreienden und kreischenden Untertönen wurde und gänzlich anders klang als die üblichen Geräusche eines zur Erde zurückkehrenden Raumfahrzeugs. Hoch droben im Himmel schimmerte etwas metallisch in den letzten Sonnenstrahlen, wurde immer größer und zog einen Rauchstreifen hinter sich her. Während es sich ausdehnte, zerfiel es. Stücke, manche brennend, schossen nach allen Richtungen davon. Ein paar Sekunden lang, bevor es von einer Explosion zerrissen wurde, hätte ein Auge so scharf wie das des Leoparden ein annähernd zylindrisch geformtes Objekt erkennen können. Aber der Leopard wartete das Ende der Katastrophe nicht ab; er war längst im Dschungel verschwunden.
Paravanas Meer detonierte mit krachendem Donner. Ein Geiser aus Schlamm und Wasser schoss hundert Meter in die Höhe — eine Fontäne weitaus höher als die in den Lustgärten, ja, fast so hoch wie Jakkagala selbst. Die Säule hing einen Augenblick reglos in der Luft und kämpfte einen aussichtslosen Kampf gegen die Schwerkraft, bis sie zur aufgewühlten Oberfläche des Sees hinabstürzte.
Der Himmel war voll von aufgeschreckten Wasservögeln. Fast ebenso zahlreich, lederne Schwingen schlagend wie Pterodaktylen, die irgendwie bis in die Gegenwart überlebt hatten, waren die Fledermäuse, die sich sonst nicht vor dem Dunkelwerden in die Luft wagten. Jetzt aber, beide in gleicher Weise verängstigt, teilten Vögel und Fledermäuse den Himmel friedlich miteinander.
Das letzte Echo des Aufschlags starb in den Weiten des Dschungels; die Stille kehrte geschwind an die Ufer des Sees zurück. Aber es vergingen noch etliche Minuten, bis auch die Oberfläche sich beruhigte und die letzten kleinen Wellen unter Paravanas erstarrtem Blick hin und her zu laufen aufhörten.
Tod im Weltall
Jedes große Gebäude, sagt man, fordert ein Menschenleben. Vierzehn Namen prangten auf den Pfeilern der Brücke von Gibraltar. Dank einer nahezu fanatischen Sicherheitskampagne war die Zahl der mit dem Turm verbundenen Todesfälle bisher jedoch bemerkenswert niedrig. Ein ganzes Jahr war sogar ohne tödlichen Unfall vergangen.