Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
Die Ionosphäre war also nur für kurze Zeit von Bedeutung für die Menschheit. Und doch wären wir, wenn sie nie existiert hätte, nicht hier. In diesem einen Sinn also war sie von lebenswichtiger Bedeutung selbst für den prä-technischen Menschen, bis zurück zum ersten Affenmenschen — ja, bis zurück zu den ersten Lebensmechanismen auf diesem Planeten. Denn die Ionosphäre ist ein Teil des Schildes, der uns vor der tödlichen Röntgen- und Ultraviolettstrahlung der Sonne beschützt. Wenn sie bis zum Meeresniveau hätte durchdringen können, so wäre vielleicht trotzdem Leben auf der Erde entstanden. Aber es hätte daraus nichts hervorgehen können, was uns auch nur entfernt ähnlich sähe.
Weil die Ionosphäre ebenso wie die Atmosphäre von der Sonne kontrolliert wird, besitzt auch sie ihr Wetter. Wenn auf der Sonne Störungen auftreten, dann brausen planetenumspannende Stürme aus geladenen Teilchen auf sie ein, und das Magnetfeld der Erde zerrt sie in Schleifen und Trichter. Bei solchen Gelegenheiten verliert sie ihre Unsichtbarkeit. Sie enthüllt sich uns in den leuchtenden Vorhängen des Nordlichts, eines der ehrfurchterweckendsten Schauspiele der Natur, das die kalte Polarnacht mit seinem unwirklichen Glanz erfüllt.
Selbst heute verstehen wir noch längst nicht alle Prozesse, die sich innerhalb der Ionosphäre abspielen. Unsere Studien werden dadurch erschwert, dass Forschungsraketen und -satelliten sich mit Geschwindigkeiten von Tausenden von Kilometern pro Stunde bewegen; es war uns niemals möglich, einfach stillzustehen und an einem festen Ort längerdauernde Untersuchungen durchzuführen. Jetzt, zum ersten Mal, bietet uns der Bau des geplanten Orbital-Turms die Möglichkeit, feste Observatorien in der Ionosphäre einzurichten. Es ist natürlich auch möglich, dass der Turm allein durch seine Existenz die Eigenschaften der Ionosphäre beeinflusst. Einen Kurzschluss aber, wie Dr. Bickerstaff uns einreden will, wird er mit Sicherheit nicht herbeiführen.
Man mag fragen, warum wir uns die Mühe machen, die Ionosphäre weiterhin zu erforschen, da sie doch für die Kommunikation nicht mehr von Bedeutung ist. Nun, ganz abgesehen von ihrer Schönheit, ihrer Fremdartigkeit und ihrer rein wissenschaftlichen Anziehungskraft, ist ihr Verhalten unmittelbar mit dem der Sonne, der Herrin unseres Schicksals, verbunden. Wir wissen heute, dass die Sonne nicht der stets gleichbleibende, wohlerzogene Stern ist, an den unsere Vorfahren glaubten. Die Sonne ist kurzzeitigen ebenso wie langzeitigen Schwankungen unterworfen. Gegenwärtig erholt sie sich noch immer von dem sogenannten Maunder-Minimum der Jahre 1645 bis 1715, in dessen Folge das Erdklima weitaus milder wurde, als es seit dem frühen Mittelalter je gewesen war. Aber wie lange wird diese Erwärmung andauern? Wann kommt der unvermeidliche Umkehrpunkt, und welche Folgen haben wir für das Klima, das Wetter und sämtliche anderen Aspekte der menschlichen Zivilisation zu gewärtigen? Nicht nur auf diesem Planeten, sondern ebenso auch auf den anderen! Denn sie sind allesamt Kinder der Sonne …
Einige sehr spekulative Theorien besagen, dass die Sonne im Begriff ist, in eine Periode der Instabilität einzutreten, die eine neue Eiszeit herbeiführen kann — umfassender als alle aus der Vergangenheit bekannten. Wenn diese Theorien sich als richtig erweisen, dann benötigen wir auch das letzte kleine bisschen Information, um unsere Vorbereitungen zu treffen. Selbst wenn wir ein Jahrhundert zuvor gewarnt werden, mag uns die Zeit nicht ausreichen.
Die Ionosphäre hat bei unserer Erschaffung Pate gestanden; sie schuf die weltweite Nachrichtenrevolution; es mag durchaus in ihrer Macht liegen, auch unser weiteres Schicksal zu kontrollieren. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass wir fortfahren, diesen weiten und turbulenten Bereich solarer und elektrischer Kräfte zu studieren — diesen geheimnisvollen Ort der schweigenden Stürme.
Die verwundete Sonne
Als Morgan seinen Neffen Dev zum letzten Mal gesehen hatte, war er ein kleines Kind gewesen. Inzwischen war er zu einem Jungen von über zehn Jahren herangewachsen, und beim nächsten Mal, wenn es so weiterging, würde er erwachsen sein.
Morgan empfand darob kein Schuldgefühl. Das Auflockern der Familienbande war eine Tendenz, die nun schon zweihundert Jahre lang anhielt. Mit seiner Schwester hatte er wenig mehr gemein als den genetischen Zufall der Abstammung. Mehrmals im Jahr sprachen sie miteinander über belanglose Dinge oder tauschten Grüße aus; aber er konnte sich nicht einmal daran erinnern, wann er zum letzten Mal mit ihr zusammengetroffen war.
Als er aber dem aufgeweckten, intelligenten Jungen (der von seinem berühmten Onkel keineswegs übermäßig beeindruckt zu sein schien) die Hand schüttelte, da empfand er ein eigenartiges, bittersüßes Bedauern. Er besaß keinen Sohn, der den Familiennamen hätte weitertragen können. Schon vor langer Zeit hatte er jene unwiderrufliche Wahl zwischen Arbeit und Leben getroffen, die sich auf den höchsten Ebenen menschlichen Daseins selten vermeiden lässt. Bei drei Gelegenheiten — die Verbindung mit Ingrid nicht eingerechnet — hätte er einen anderen Weg einschlagen können; Zufall oder Ehrgeiz hatten ihn jedoch stets davon abgehalten.
Er kannte die Folgen der Entscheidung, die er getroffen hatte und akzeptierte sie. Er hatte einen Vertrag mit dem Schicksal geschlossen, und jetzt war es zu spät, sich über das Kleingedruckte zu beschweren. Jedermann konnte Gene mischen, und die meisten taten es auch. Aber ob er darüber nun in die Geschichte eingehen würde oder nicht: Wenige Menschen hätten vollbringen können, was er vollbracht hatte — und noch zu vollbringen im Begriff stand.
In den vergangenen Stunden hatte Dev weitaus mehr von der Erdstation zu sehen bekommen, als den üblichen Besuchergruppen hochgestellter Persönlichkeiten gezeigt wurde. Er war vom Fuß des Berges den fast fertigen Schacht zur Südstation emporgefahren und hatte dort die Passagier- und Gepäckfertigungsanlagen, das Kontrollzentrum und die Rangierhalle besichtigt, in der die Fahrzeuge von der östlichen oder westlichen Abwärtsspur auf die nördliche oder südliche Aufwärtsspur umgesetzt wurden. Er hatte den kilometerlangen Schacht hinaufgeblickt — der nach der Art eines gigantischen Kanonenrohrs direkt auf die Sterne gerichtet war, wie etliche hundert Reporter den Anblick beschrieben hatten — durch den die Fahrzeugkapseln hinauf- und herabschweben würden. Mit seinen Fragen hatte er insgesamt drei Führer an den Rand der Erschöpfung gebracht, bis ihn der letzte schließlich dankbar und erleichtert seinem Onkel übergab.
»Hier hast du ihn, Van«, sagte Warren Kingsley, als sie per Expressaufzug den amputierten Berggipfel erreichten. »Nimm ihn mir ab, bevor er sich um meinen Posten bewirbt.«
»Ich wusste nicht, dass Technik dich so interessiert, Dev.«
Der Junge machte ein beleidigtes Gesicht und wirkte zugleich ein wenig überrascht. »Erinnerst du dich nicht an den Meccamax Baukasten Nr. 12, den du mir zu meinem zehnten Geburtstag geschenkt hast?«
»Natürlich, natürlich. Das war nicht im Ernst gemeint.« (Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Er hatte den Baukasten nicht wirklich vergessen, die Erinnerung war ihm nur zeitweise abhanden gekommen.) »Ist es dir nicht kalt hier oben?« Anders als die Erwachsenen hatte der Junge auf die übliche leichte Thermohülle verzichtet.
»Nein, mir ist nicht kalt. Was für ein Flugzeug ist das dort? Wann wirst du den Schacht öffnen? Kann ich die Bänder anfassen?«
»Weißt du jetzt, was ich meine?«, grinste Kingsley.
»Erstens: Das ist Scheich Abdullahs Sondermaschine, sein Sohn Feisal ist hier auf Besuch. Zweitens: Wir lassen den Deckel auf der Schachtöffnung, bis der Turm hier ankommt; wir brauchen ihn als eine Arbeitsplattform, außerdem hält er den Regen ab. Drittens: Du kannst die Bänder ruhig anfassen — halt, nicht rennen — das ist ungesund in dieser Höhe!«