Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
Chang hieb auf den Feuerlöscherknopf für das Batterieabteil. Wenigstens der funktionierte, wie an dem gedämpften Rumoren der Stickstoffdüsen auf der anderen Seite der Trennwand zu hören war. Zehn Sekunden später löste er den VAKUUMABWURF aus, durch den das Gas, hoffentlich mit dem größten Teil der Hitze, die es von dem Feuer aufgesammelt hatte, in den Weltraum hinausgesogen wurde. Auch dieser Vorgang verlief planmäßig. Zum ersten Mal in seinem Leben hörte Chang das schrille Geräusch, das aus einem Raumfahrzeug ausströmendes Gas verursachte, mit einem Gefühl der Erleichterung. Es würde, so hoffte er, auch das letzte Mal sein.
Er wagte es nicht, sich auf die automatische Bremsfolge zu verlassen, als das Fahrzeug sich kriechend dem Ende der Strecke näherte. Glücklicherweise hatte er dies alles ein paar Hundert Mal geübt und kannte jedes Signal, so dass es ihm gelang, Zentimeter vor der Anlegeverankerung anzuhalten. In hektischer Eile wurden die Schleusenkupplungen miteinander verbunden. Vorräte und Ausrüstung wurden einfach in die Verbindungsröhre geschleudert …
Dasselbe Schicksal widerfuhr Professor Sessui, mit Hilfe der vereinigten Anstrengungen des Piloten, des Assistenten und des Stewards, als er an Bord des Transporters zurückkehren wollte, um noch mehr von seinen kostbaren Instrumenten zu bergen. Das Schleusenschott fiel in die Verriegelung, gerade als die Trennwand des Motorabteils endgültig in sich zusammenbrach.
Danach blieb den Flüchtlingen nichts anderes mehr übrig, als zu warten. Sie befanden sich in einer quadratischen Kammer von fünfzehn Metern Seitenlänge, die weitaus weniger Einrichtung besaß als selbst eine primitive Gefängniszelle. Sie hofften, dass das Feuer von selbst ausbrennen werde. Für den Seelenfrieden der Fahrgäste war es vermutlich von Vorteil, dass nur Chang und sein Assistent sich über einen Aspekt der Katastrophe voll im Klaren waren: Die vollgeladenen Batterien enthielten die Energie einer großen chemischen Bombe, und diese Bombe tickte derzeit an der Außenwand des Turmes.
Die Explosion ereignete sich zehn Minuten nach ihrer Ankunft. Man hörte einen dumpfen Knall, begleitet von dem Geräusch zerreißenden Metalls. Der Turm wurde nur leicht erschüttert. Obwohl die Geräuschentwicklung nicht besonders imposant war, stockte den Zuhörern dennoch das Blut in den Adern; denn sie begriffen, dass ihr einziges Fortbewegungsmittel zerstört wurde und sie somit fünfundzwanzigtausend Kilometer von dem nächsten sicheren Ort entfernt gestrandet waren.
Es gab eine zweite, länger anhaltende Explosion — dann trat Stille ein. Die Flüchtlinge vermuteten, dass der Transporter von der Wand des Turmes hinab in die Tiefe gestürzt war. Noch vom Schreck gelähmt, begannen sie mit der Bestandsaufnahme des geretteten Gutes. Und erst später ging ihnen allmählich auf, dass das Wunder ihrer Rettung gänzlich umsonst gewesen sein mochte.
Eine Höhle im Himmel
Tief im Innern des Berges, umgeben von den Anzeige und Kommunikationsgeräten des Kontrollzentrums Erde, standen Morgan und sein Stab um ein Hologramm, das den untersten Abschnitt des Turmes in zehnfacher Verkleinerung darstellte. Es war vollkommen in jeder Hinsicht, selbst bis zu den vier Leitbändern, die an den Wänden des Turmes klebten und über ihn hinaus in die Tiefe ragten. In der Darstellung lösten sie sich unmittelbar über dem Fußboden zu nichts auf, und man konnte sich kaum vorstellen, dass sie selbst in diesem verkleinerten Maßstab eigentlich noch sechzig Kilometer weiter reichen sollten, glatt durch die Erdkruste hindurch.
»Ich brauche eine Durchsicht«, sagte Morgan, »und den Keller in Augenhöhe.«
Der Turm verwandelte sich in ein leuchtendes, transparentes Phantom — eine lange, dünnwandige, quadratische Schachtel, die bis auf die supraleitenden Kabelstränge der Energieversorgung leer war. Der allerunterste Abschnitt — »Keller« war eine durchaus zutreffende Bezeichnung, wenn er sich auch in der hundertfachen Höhe dieses Berggipfels befand — war gegen den Rest des Turmes versiegelt und bildete eine einzelne, quadratische Kammer mit fünfzehn Metern Seitenlänge.
»Zugänge?«, verlangte Morgan.
Zwei Abschnitte der Darstellung begannen heller zu leuchten. Deutlich zeichnete sich auf der Nord- und Südwand des Turmes, zwischen den Schlitzpaaren der Fahrspuren angebracht, die äußeren Schotte der beiden Schleusen ab, in größtmöglicher Entfernung voneinander angebracht, wie es die Sicherheitsvorschriften für im Weltraum angesiedelte Strukturen verlangten.
»Sie sind natürlich durch die Südschleuse eingedrungen«, erklärte der diensthabende Ingenieur. »Wir wissen nicht, ob sie durch die Explosion beschädigt wurde.«
Nun, es gab noch weitere drei Eingänge, dachte Morgan. Es war das untere Paar, das ihn interessierte. Es war im ursprünglichen Entwurf nicht vorgesehen und erst später hinzugefügt worden. Überhaupt beruhte der ganze Keller auf einem Gedanken, der Morgan erst unmittelbar vor Baubeginn gekommen war. Ursprünglich hatte man es nicht für nötig gehalten, in dem Teil des Turmes, der einst fest mit der Erde verbunden sein würde, einen Zufluchtsort einzurichten.
»Drehen Sie die Unterseite in meine Richtung«, verlangte Morgan.
Der Turm schien zu stürzen und schwebte schließlich horizontal in der Luft. Morgan sah jetzt alle Einzelheiten der vierhundert Quadratmeter großen Unterfläche.
In der Nähe des nördlichen und südlichen Randes, in zwei voneinander unabhängige Schleusen führend, waren die Schotte, die den Zugang von unten ermöglichten. Das einzige Problem war, an sie heranzukommen, sechshundert Kilometer weit dort droben.
»Lebenserhaltungssystem?«
Die Schleusenschotte verblassten, stattdessen leuchtete ein kleines Gehäuse im Zentrum der Kammer auf.
»Da liegt das Problem, Doktor«, sagte der Diensthabende nüchtern. »Es gibt nur eine Anlage zur Aufrechterhaltung des Drucks. Keine Luftreiniger, und selbstverständlich kein Generator. Jetzt, wo sie den Transporter verloren haben, kann ich mir nicht vorstellen, wie sie die Nacht überleben wollen. Die Temperatur sinkt rasch, zehn Grad allein seit Sonnenuntergang.«
Morgan kam sich vor, als sei er selbst der Kälte des Weltraums ausgesetzt. Die Euphorie der Entdeckung, dass die Fahrgäste des abgestürzten Transporters das Unglück überlebt hatten, verflog schnell. Selbst wenn der Sauerstoffvorrat des Kellers für mehrere Tage ausreichte, wäre das für die Menschen dort oben nur von geringer Bedeutung, da sie ohnehin vor der Morgendämmerung erfroren sein würden.
»Ich möchte mit Professor Sessui sprechen.«
»Direkt geht das nicht — der Notruf aus dem Keller geht zur Station Mitte. Aber das ist kein Problem.«
Der Optimismus erwies sich als ungerechtfertigt. Als die Verbindung hergestellt war, hörte man Pilot Chang sagen:
»Es tut mir leid, der Professor ist beschäftigt.«
Nach einer Sekunde ungläubigen Schweigens erwiderte Morgan, wobei er nach jedem Wort eine Pause machte und seinen Namen besonders betonte: »Sagen Sie ihm, Dr. Vannevar Morgan möchte mit ihm sprechen.«
»Das will ich gerne tun, Doktor, aber es wird keinerlei Unterschied machen. Er arbeitet mit seinen Studenten an einem Gerät, dem einzigen Instrument, das sie retten konnten — irgendeine Art Spektroskop. Sie bauen es vor einem der Beobachtungsfenster auf.«
Morgan wahrte seinen Gleichmut mit Mühe. Um ein Haar hätte er ausgerufen: »Sind sie verrückt?« Aber Chang kam ihm zuvor.
»Sie kennen den Professor nicht. Ich habe die letzte Woche in seiner Nähe verbracht. Er ist — nun — ein wenig einseitig. Nur zu dritt konnten wir ihn davon abhalten, noch einmal in die Kabine zurückzukehren und mehr von seiner Ausrüstung herauszuschaffen. Er hat mir soeben auseinandergesetzt, dass er sich, wenn wir schon alle sterben müssen, sich vergewissern will, dass wenigstens dieses eine Instrument richtig funktioniert.«