Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
Der Turm würde in zwei einander entgegengesetzten Richtungen zu wachsen beginnen — hinab zur Erde und gleichzeitig hinauf zu dem massiven Anker. Der Plan sah vor, den Bauvorgang so ablaufen zu lassen, dass der entstehende Turm sich stets im Gleichgewicht befand. Vom Ursprungspunkt an würde die Querschnittsfläche des Turms stetig abnehmen — zur Erde hin wie in Richtung des Ankers; denn am Ursprungspunkt war die Struktur den höchsten Spannungskräften ausgesetzt.
Wenn der Baukomplex seine Arbeiten beendet hatte, würde man ihn zum Mars schicken. Das war ein Bestandteil des Abkommens, der jetzt, da man das Potenzial des Sternenfahrstuhls endlich erkannte, unter den Politikern und Finanziers der Erde beträchtliche Seelenschmerzen auslöste.
Die Marsianer waren harte Verhandlungspartner gewesen. Sie hatten für fünf Jahre hinaus auf jeglichen Gewinn aus ihrer Investition verzichtet. Danach aber hatten sie über die Dauer von zehn Jahren so gut wie ein Baumonopol. Morgan hatte den Verdacht, dass der Pavonis-Turm nur der erste in einer Reihe von Türmen sein würde. Mars war für den Bau eines Raumfahrstuhlsystems wie geschaffen, und seine tatkräftigen Bewohner würden sich eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen. Falls sie die Absicht hatten, ihre Welt zum zukünftigen Zentrum des interplanetarischen Handels zu machen, so wünschte Morgan ihnen Glück. Er selbst hatte seine eigenen Probleme, und ein paar davon widersetzten sich noch immer allen Lösungsversuchen.
Der Turm war trotz seiner überwältigenden Größe lediglich eine Hilfskonstruktion für ein wesentlich komplexeres System. Auf seinen vier Wänden würden je sechsunddreißig Kilometer Spur verlaufen, auf der sich Fahrzeuge mit bisher unerhörten Geschwindigkeiten zu bewegen hatten. Das Ganze wurde durch supraleitende Kabel, die wiederum mit massiven Fusionskraftwerken in Verbindung standen, mit Leistung versorgt. Und dies alles — Spuren, Fahrzeuge, Kabel und Kraftwerke — stand unter der Kontrolle eines unglaublich fein gestimmten, versagesicheren Computernetzwerks.
Die Obere Station, in der Fahrgäste und Fracht vom Turm in Raumfahrzeuge umgeladen wurden, war ein Bauvorhaben für sich selbst. Dasselbe galt für die Station Mitte, und schließlich auch für die Erdstation, deren Räume soeben mit Lasern aus dem Innern des Heiligen Berges ausgehöhlt wurden. Und zu allem Überdruss gab es noch das »Unternehmen Großreinemachen« …
Zweihundert Jahre lang hatten sich Satelliten aller Größen und Formen, von verlorengegangenen Schrauben und Muttern bis zu ganzen Weltraumdörfern in der Umlaufbahn um die Erde angesammelt. Was von diesen in die Nähe des Turmes kam — jetzt oder später — musste erfasst werden, da es eine Gefahr darstellte. Drei Viertel des angesammelten Materials war nutzloser Abfall, manches davon längst vergessen. Jetzt musste es gefunden und irgendwie beiseitegeschafft werden.
Glücklicherweise waren die alten Orbitalfestungen für diese Aufgabe hervorragend ausgestattet. Ihre Radarstationen — dazu entworfen, feindliche Raketen schon auf weiteste Entfernung zu erfassen — hatten keine Mühe, die Abfälle des frühen Raumzeitalters zu lokalisieren. Ihre Lasergeschütze verdampften kleinere Gegenstände, während die größeren in höhere und daher harmlose Umlaufbahnen bugsiert wurden. Einige, die von historischem Interesse waren, fing man ein und brachte sie zur Erde zurück. Während dieses Unternehmens gab es eine Reihe von Überraschungen — zum Beispiel drei chinesische Astronauten, die auf einer Geheimmission ums Leben gekommen waren, und eine Zahl von Erkundungssatelliten, die aus einer derart komplexen Mischung von Bestandteilen zusammengebaut worden waren, dass man unmöglich erkennen konnte, welches Land sie in den Umlauf geschossen hatte. Nicht dass es jetzt noch etwas ausgemacht hätte: Sie waren allesamt mehr als ein Jahrhundert alt.
Die Umlaufbahnen der zahlreichen erdnahen Satelliten und Raumstationen, die sich noch im aktiven Dienst befanden, wurden sorgfältig analysiert. In einigen Fällen nahm man Kurskorrekturen vor. Nichts dagegen ließ sich gegen die völlig unvorhersehbaren und statistisch auftretenden Besucher aus den äußeren Regionen des Sonnensystems unternehmen. Wie alle Schöpfungen der Menschheit, so würde auch der Turm den Meteoriten ausgesetzt sein. Mehrmals pro Tag würden seine Seismometer Aufschläge von etlichen Milligramm registrieren, und ein- oder zweimal im Jahr war mit geringfügigem Strukturschaden zu rechnen. Früher oder später im Lauf der kommenden Jahrhunderte mochte der Turm mit einem Brocken zusammenstoßen, der massiv genug war, um eine oder mehr Spuren eine Zeitlang außer Betrieb zu setzen. Im schlimmsten Fall konnte es sogar geschehen, dass der Turm in zwei Stücke geschnitten wurde.
Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Ereignisses war ungefähr dieselbe wie die, dass ein großer Meteor auf London oder Tokio abstürzte — die beiden Städte boten annähernd die gleiche Zielfläche wie der Turm. Ihre Bewohner ließen sich jedoch durch diese Möglichkeit nicht um den Schlaf bringen — ebenso wenig wie Vannevar Morgan. Welches auch immer die Probleme der Zukunft sein mochten, der Fahrstuhl zu den Sternen war eine Idee, deren Zeit gekommen war.
V — Der Aufstieg
Ein Ort der schweigenden Stürme
(Auszug aus Professor Martin Sessuis Ansprache aus Anlass der Verleihung des Nobel-Preises, Stockholm, 16. Dezember 2154.)
Zwischen Himmel und Erde liegt eine unsichtbare Region, von der sich die Philosophen des Altertums nicht träumen ließen. Erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts — am 12. Dezember 1901, um genau zu sein — begann sie, auf die Geschäfte des Menschen Einfluss zu nehmen.
An diesem Tag funkte Guglielmo Marconi die drei Punkte des Morsebuchstabens »S« über den Atlantik hinweg. Viele Experten hatten dieses Vorhaben von vornherein als unmöglich bezeichnet, da sich elektromagnetische Wellen nur geradlinig bewegten und nicht in der Lage waren, der Krümmung der Erdoberfläche zu folgen. Marconis Triumph läutete nicht nur das Zeitalter der globalen Kommunikation ein, sondern bewies überdies, dass es irgendwo in der Atmosphäre einen elektrifizierten Spiegel gibt, der Radiowellen zur Erde zurück reflektiert.
Die Kennelly-Heaviside-Schicht, wie sie ursprünglich genannt wurde, entpuppte sich alsbald als eine Region komplexen Aufbaus. Sie bestand, so entdeckte man, aus mindestens drei Unterschichten, die in Höhe und Intensität starken Schwankungen unterworfen sind. An ihrer oberen Grenze verschmelzen sie mit dem Van-Allen-Strahlungsgürtel, dessen Entdeckung den ersten Triumph des frühen Raumfahrtzeitalters darstellte.
Dieser weite Gürtel, der von fünfzig Kilometern bis zu einer Höhe von mehreren Erdradien hinausreicht, wird heutzutage als Ionosphäre bezeichnet. Seine Erforschung durch Raketen, Satelliten und Radiowellen ist ein kontinuierlicher Prozess, der seit nunmehr über zweihundert Jahren anhält. Ich möchte an dieser Stelle meiner Vorgänger in der ionosphärischen Forschung gedenken — der Amerikaner Tuve und Breit, des Engländers Appleton, des Norwegers Stornier und besonders des Mannes, der 1970 denselben Preis gewann, den ich heute zu erhalten die Ehre habe, Ihres Landsmannes Hannes Alfvén …
Die Ionosphäre ist das eigenwillige Kind der Sonne. Selbst bis auf den heutigen Tag ist ihr Verhalten nicht immer vorhersehbar. In den Tagen, in denen der Langstreckenfunk auf das Wohlverhalten der Ionosphäre angewiesen war, rettete sie viele Menschenleben — aber mehr Leben, als wir je erfahren werden, wurden verloren, weil verzweifelte Hilferufe in der elektrifizierten Schicht spurlos verschwanden.
Weniger als ein Jahrhundert hindurch, bis zur Ankunft der Kommunikationssatelliten, war die Ionosphäre unser unbezahlbarer, aber nicht immer zuverlässiger Diener. Für die drei Generationen, die ihn ausbeuteten, betrug sein Wert zahllose Milliarden Dollar.