Fahrstuhl zu den Sternen
- Автор: Кларк Артур Чарльз
- Год: 2014
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne
- ISBN: 978-3-641-11624-8
- Переводчик: Klaus Mahn
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Fahrstuhl zu den Sternen». Краткое содержание книги:
Der richtige Mann
»Wir schaffen es«, erklärte Warren Kingsley mit breitem Grinsen. »Die Spinne kann den Keller erreichen.«
»Ihr habt ausreichende Batterieleistung zulegen können?«
»Ja, aber es ist eine kritische Sache. Es wird eine zweistufige Anordnung sein wie die frühen Raketen. Sobald die Zusatzbatterie erschöpft ist, muss sie abgeworfen werden, um das Gewicht zu verringern. Die Bordbatterie der Spinne liefert dann den Antrieb für den Rest der Strecke.«
»Wie viel Nutzlast haben wir?«
Kingsleys Grinsen verschwand.
»Nicht viel. Ungefähr fünfzig Kilo mit den besten Batterien, die wir auftreiben können.«
»Fünfzig! Was hilft uns das?«
»Es wird gerade hinreichen. Zwei von diesen neuen Tausend-atü-Behältern, mit je fünf Kilo Sauerstoff. Molekularfiltermasken gegen CO2. Etwas Wasser und Konzentratnahrung. Ein paar Arzneimittel. Das alles schaffen wir unter fünfundvierzig Kilo.«
»Gerechter Himmel! Und du bist sicher, dass das ausreicht?«
»Ja — bis zur Ankunft des Transporters von der 10K-Station. Wenn nötig, kann die Spinne ein zweites Mal fahren.«
»Was hält Bartok davon?«
»Er stimmt zu. Es hat ohnehin niemand eine bessere Idee.«
Morgan fühlte, dass ihm ein großes Gewicht von den Schultern genommen worden war. Es konnten immer noch Hunderte von Dingen schiefgehen, aber es gab jetzt wenigstens einen Hoffnungsschimmer. Das Gefühl ohnmächtiger Hilflosigkeit war gewichen.
»Wann seid ihr fertig?«
»Wenn alles gutgeht, in zwei Stunden, höchstens drei. Es sind allesamt Standardausrüstungsstücke, glücklicherweise. Die Spinne wird eben getestet. Es muss nur noch eine Entscheidung getroffen werden …«
Vannevar Morgan schüttelte den Kopf. »Nein, Warren«, antwortete er langsam, mit ruhiger und unerbittlich entschlossener Stimme, wie sie sein Freund an ihm noch nie gehört hatte. »Es gibt nichts mehr zu entscheiden.«
»Ich versuche nicht, meinen Rang zur Geltung zu bringen, Bartok«, sagte Morgan, »es ist ganz einfach eine Sache der Logik. Also gut, jeder kann die Spinne fahren, aber es gibt nur ein halbes Dutzend Männer, die alle technischen Einzelheiten verstehen. Es kann zu Problemen kommen, wenn wir den Turm erreichen, und ich kann sie am ehesten lösen.«
»Darf ich Sie daran erinnern, Dr. Morgan«, sagte der Sicherheitsingenieur, »dass Sie fünfundsechzig sind. Es wäre klüger, einen jüngeren Mann zu schicken.«
»Ich bin nicht fünfundsechzig, ich bin sechsundsechzig. Und überhaupt hat das Alter gar nichts damit zu tun. Es gibt keine Gefahr, und Körperkraft wird auch nicht verlangt.«
Psychologische Faktoren, hätte er hinzufügen können, spielten bei einem Unternehmen dieser Art eine weitaus größere Rolle als physische. Nahezu jedermann konnte passiv mit einer Kapsel auf- und abwärtsfahren, wie Maxine Duval es getan hatte und wie Millionen es ihr in den kommenden Jahren nachtun würden. Es war dagegen etwas ganz anderes, aktiv mit einer Notlage fertigzuwerden, wie sie sich sechshundert Kilometer hoch oben im leeren Himmel ergeben mochte.
»Ich meine immer noch«, sagte Sicherheitsingenieur Bartok mit sanfter Hartnäckigkeit, »dass es am besten wäre, einen jüngeren Mann zu schicken. Dr. Kingsley zum Beispiel.«
Hinter sich hörte Morgan (oder bildete er sich das nur ein?), wie Warren Kingsley plötzlich die Luft anhielt. Seit Jahren witzelten sie darüber, dass Warren eine solche Abneigung gegen Höhen hatte, dass er die Strukturen, die er entwarf, niemals selbst inspizierte. Seine Angst reichte nicht ganz bis an die Intensität echter Akrophobie heran; er kam darüber hinweg, wenn es unumgänglich notwendig war. Immerhin war er an Morgans Seite gewesen, als sie zu Fuß von Afrika nach Europa gingen. Das war das einzige Mal, dass man Warren Kingsley betrunken in der Öffentlichkeit gesehen hatte, und danach hatte man ihn geschlagene vierundzwanzig Stunden überhaupt nicht zu Gesicht bekommen.
Warren kam nicht in Frage, wenn Morgan auch wusste, dass er bereit war, die Aufgabe zu übernehmen. Es gab Augenblicke, in denen technisches Können und nackter Mut nicht ausreichten. Kein Mensch konnte gegen die Ängste ankämpfen, die ihm bei der Geburt oder während der frühesten Kindheit in die Seele gepflanzt worden waren.
Glücklicherweise war es nicht nötig, dem Sicherheitsingenieur all dies auseinanderzusetzen. Es gab einen wesentlich einfacheren und in gleicher Weise gültigen Grund, warum Warren nicht fahren konnte. Nur bei ganz seltenen Gelegenheiten war Vannevar Morgan froh gewesen, von kleiner Gestalt zu sein; dies war eine davon.
»Ich wiege fünfzehn Kilo weniger als Kingsley«, erklärte er Bartok. »Bei einem kritischen Vorhaben wie diesem sollte das den Ausschlag geben. Lassen Sie uns also keine Zeit mehr mit Diskussionen verlieren.«
Er spürte einen Anflug schlechten Gewissens wegen seiner Unfairness. Bartok tat nur seine Pflicht, und zwar ausgezeichnet; außerdem dauerte es noch eine Stunde, bis das Fahrzeug fertig war. Von Zeitvergeudung konnte keine Rede sein.
Ein paar Sekunden lang starrten die beiden Männer einander an, als existiere der Abstand von fünfundzwanzigtausend Kilometern gar nicht. Wenn Bartok es auf eine Kraftprobe ankommen ließ, konnte die Sache unangenehm werden. Er war für alle Sicherheitsmaßnahmen verantwortlich und konnte theoretisch selbst den Chefingenieur und Projektmanager überstimmen. Aber es wäre ihm schwergefallen, seinen Standpunkt durchzusetzen. Morgan und die Spinne befanden sich weiter unter ihm auf dem Sri Kanda, und wer das Fahrzeug hatte, der konnte seine eigene Entscheidung treffen.
Bartok hob die Schultern, und Morgan empfand Erleichterung.
»Das ist ein überzeugender Grund. Ich fühle mich noch immer nicht wohl bei dem Gedanken, aber machen Sie, was Sie wollen. Viel Glück!«
»Danke«, antwortete Morgan ruhig, als Bartoks Bild erlosch. Dann wandte er sich an den immer noch schweigsamen Kingsley und sagte: »Auf geht's!«
Erst als sie die Kontrollzentrale verlassen hatten, auf dem Weg zum Gipfel, griff Morgan mit einer automatischen Handbewegung nach der kleinen Metallscheibe unter seinem Hemd. KORA hatte ihn Monate hindurch in Ruhe gelassen, und nicht einmal Kingsley wusste, dass sie überhaupt existierte. Spielte er mit dem Leben anderer ebenso wie mit dem seinen, nur um seinen eigenen selbstsüchtigen Stolz zu befriedigen? Wenn Sicherheitsingenieur Bartok davon gewusst hätte …
Jetzt war es zu spät. Was immer seine Motive sein mochten, er war dran!
Die Spinne
Wie der Berg sich verändert hatte, dachte Morgan, seit er ihm zum ersten Mal begegnet war. Man hatte den Gipfel völlig abgetragen und ein ebenes Plateau geschaffen; in dessen Zentrum befand sich der riesige »Topfdeckel«, der den Schacht abdeckte, durch den sich in Kürze der Verkehr vieler Welten bewegen würde. Es mutete einen eigenartig an, dass der größte Weltraumhafen des Solsystems sich tief im Innern eines Berges befand.
Niemand hätte ahnen können, dass hier einst ein uraltes Kloster gestanden hatte, auf das sich mindestens dreitausend Jahre lang die Hoffnungen und Ängste von Milliarden richteten. Das einzige Überbleibsel war des Maha Theros zweideutige Hinterlassenschaft, verpackt und auf den Abtransport wartend. Bis jetzt jedoch hatten sich weder die Verwaltung von Jakkagala noch der Direktor des Museums von Ranapura für Kalidasas unglückselige Glocke begeistert. Als sie das letzte Mal geläutet hatte, da brauste ein kurzer, aber ereignisreicher Sturm über den Gipfel hinweg, ein Wind aus einer neuen Richtung. Jetzt dagegen, als Morgan und seine Begleiter sich dem Fahrzeug näherten, das im Schein der Inspektionslampen glitzerte, war die Luft reglos. Jemand hatte den Namen SPINNE MARK II auf der unteren Hälfte des Gehäuses angebracht, und darunter war WIR LIEFERN FREI HAUS gekritzelt. Hoffentlich … dachte Morgan.