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Fahrstuhl zu den Sternen

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Fahrstuhl zu den Sternen
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In einem anderen dagegen hatte man ihrer vier gezählt, zwei davon besonders grausam. Ein Bauvorarbeiter, an Null-Gravitation gewöhnt, hatte vergessen, dass er sich zwar im Raum, aber nicht auf einer Umlaufbahn befand. Sein Instinkt, auf langjähriger Erfahrung beruhend, hatte ihn verraten. Er war mehr als fünfzehntausend Kilometer tief abgestürzt und in der Atmosphäre wie ein Meteor verglüht. Unglücklicherweise war sein Helmsender während dieser letzten Minuten seines Lebens in Betrieb gewesen.

Es war ein schlimmes Jahr für den Turm; die zweite Tragödie hatte sich wesentlich länger hingezogen und ähnliches Aufsehen in der Öffentlichkeit erregt. Eine Ingenieurin am Masseanker, weit jenseits der synchronen Umlaufbahn, hatte versäumt, ihren Sicherheitsgurt auf die vorgeschriebene Weise zu befestigen — und war in den Raum hinausgeschossen worden wie ein Stein von einer Schleuder. In dieser Höhe bestand keine Gefahr, dass sie zur Erde hinabstürzen oder aus dem Bannkreis der Erde entkommen werde. Aber ihr Raumanzug besaß nur für zwei Stunden Atemluft, und in so kurzer Zeit ließ sich eine Rettung nicht durchführen. Trotz des Aufschreis der Öffentlichkeit war auch kein solcher Versuch unternommen worden. Das Opfer hatte sich heroisch verhalten. Nach der Übertragung ihrer Abschiedsworte hatte sie, mit einem Sauerstoffvorrat, der noch eine halbe Stunde gereicht hätte, den Raumanzug geöffnet. Der leblose Körper war ein paar Tage später geborgen worden, als die unerbittlichen Kräfte der Himmelsmechanik ihn wieder an das Perigäum seiner stark elliptischen Umlaufbahn zurückbrachten.

Die Erinnerung an diese Unglücksfälle war in Morgans Verstand lebendig, als er mit dem Expressaufzug hinunter zur Kontrollzentrale fuhr, gefolgt von dem düster-nüchternen Warren Kingsley und dem schon fast vergessenen Jungen Dev. Diese Katastrophe war von anderer Art. Es hatte eine Explosion am unteren Ende des Turmes gegeben. Dass der Transporter zur Erde abgestürzt war, wurde klar, noch bevor man den ersten undeutlichen Bericht bezüglich eines »riesigen Meteorschauers« irgendwo in der Mitte von Taprobane empfing.

Morgan empfand es als unnütz zu spekulieren. Er brauchte mehr Daten. In diesem Fall allerdings, in dem alle Indizien zerstört worden waren, mochte er ihrer nie habhaft werden. Er wusste, dass Unfälle im Raum selten nur eine einzige Ursache hatten; sie waren üblicherweise das Resultat einer ganzen Reihe von Ereignissen, von denen jedes einzelne in sich selbst durchaus harmlos sein mochte. Alle Umsicht der Sicherheitsingenieure war keine Garantie für absolute Zuverlässigkeit — im Gegenteil, manchmal trugen ihre übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen sogar zum Unglück bei. Es bedrückte Morgan nicht, dass er über die Zukunft des Projekts besorgter war als über den Verlust von Menschenleben. Den Toten konnte man nicht mehr helfen — höchstens dadurch, dass man Maßnahmen gegen die Wiederholung eines solchen Unfalls traf. Dass aber der fast vollendete Turm in Gefahr geraten solle, war eine zu entsetzliche Vorstellung, als dass der Verstand sie in vollem Umfang hätte begreifen können.

Der Aufzug hielt an, und Morgan trat hinaus in die Kontrollzentrale — gerade rechtzeitig, um die zweite Sensation des Abends mitzuerleben.

Das Wunder

Fünf Kilometer vom Keller entfernt hatte der Pilot Rupert Chang die Geschwindigkeit abermals gedrosselt. Zum ersten Mal seit Beginn der Fahrt sahen die Fahrgäste jetzt die Wand des Turmes in anderer Gestalt als der einer endlosen, ungegliederten Fläche, die sich nach beiden Seiten bis in die Unendlichkeit zog. Nach oben hin erstreckten sich die beiden Spuren, in denen sich ihr Fahrzeug bewegte, zwar noch immer bis an die Grenze des Sichtbereichs. Unter ihnen jedoch war das Ende in Sicht. Das abgeschnittene untere Ende des Turmes zeichnete sich als Silhouette deutlich gegen den sattgrünen Hintergrund von Taprobane ab — jenem Stück Erde, mit dem es in wenig mehr als einem Jahr Kontakt aufnehmen würde.

Über die Konsole huschten von neuem die roten Lichter der Alarmanzeige. Chang musterte sie mit ärgerlichem Stirnrunzeln. Er drückte den RESET-Knopf. Die Anzeigen leuchteten noch einmal auf und verloschen dann.

Als er, zweihundert Kilometer weiter droben, die Alarmlichter zum ersten Mal sah, hatte er sich in aller Eile mit Kontrolle-Mitte besprochen. Eine rasche Überprüfung aller Systeme ergab, dass nirgendwo eine Fehlfunktion vorlag. Der Witz war, dass, wenn die Alarmanzeigen gerechtfertigt wären, die Passagiere an Bord des Transporters schon längst hätten tot sein müssen. Sämtliche Funktionen waren angeblich außerhalb der Toleranz.

Es lag offenbar ein Fehler in den Alarmleitungen selbst vor. Diese Erklärung wurde mit allgemeiner Erleichterung aufgenommen. Das Fahrzeug befand sich nicht mehr in der absolut luftleeren Umgebung, für die es gebaut worden war. Die ionosphärische Turbulenz hatte anscheinend die empfindlichen Detektoren des Warnsystems zum Ansprechen gebracht.

»Jemand hätte an so etwas denken sollen«, grollte Chang. Aber weniger als eine Stunde vor dem Ziel machte er sich keine wirklichen Sorgen mehr. Er würde in regelmäßigen Abständen die kritischen Parameter manuell überprüfen. Von der Station Mitte aus hatte man diesem Vorschlag zugestimmt: Es gab ohnehin keine andere Wahl.

Was ihm am meisten zu denken gab, war der Zustand der Batterie. Die nächste Aufladestelle lag zweitausend Kilometer über ihnen, und wenn sie den Aufstieg nicht schafften, dann war wirklich der Teufel los. Aber es konnte eigentlich nichts schiefgehen. Während des Bremsvorgangs hatten die Motoren des Transporters als Generatoren gearbeitet, und neunzig Prozent der aufgefangenen Gravitationsenergie war in Form von Ladung den Batterien zugeführt worden. Jetzt waren sie voll aufgeladen, und die etlichen hundert Kilowatt, die von den Motoren noch immer erzeugt wurden, sollten durch die großen Kühlflächen am Heck des Fahrzeugs in den Raum abfließen. Diese Flächen, so hatten Changs Kollegen oft gesagt, verliehen dem einzigartigen Fahrzeug das Aussehen einer altmodischen Fliegerbombe. Zu diesem Zeitpunkt, gegen Ende des Bremsprozesses, mussten sie in dunklem Rot glühen. Chang wäre sehr besorgt gewesen, hätte er gewusst, dass sie in Wirklichkeit noch recht kühl waren. Denn Energie kann niemals vernichtet werden; sie muss irgendwohin fließen. Und oft fließt sie an den verkehrten Ort.

Als das Zeichen mit der Aufschrift FEUER — BATTERIEABTEIL zum dritten Mal aufleuchtete, löschte Chang es ohne Zögern. Ein echtes Feuer, das wusste er, hätte die automatischen Löschgeräte ausgelöst. Seine Hauptsorge in diesem Augenblick war eben, dass sie womöglich durch den Fehlalarm in Tätigkeit gesetzt würden. Die Konsole zeigte jetzt mehrere Unregelmäßigkeiten, besonders im Ladenetz der Batterie. Sobald die Fahrt zu Ende war, würde Chang in das Motorabteil klettern und die Lage dort einer altmodischen Direktinspektion unterziehen.

Die erste Warnung kam von seiner Nase. Um diese Zeit waren sie noch knapp einen Kilometer vom Ziel entfernt. Während Chang ungläubig auf den dünnen Rauchfaden starrte, der aus der Konsole aufstieg, ging durch den analytischen Teil seines Verstandes der Gedanke: »Welch ein Glück, dass es bis zum Ende der Fahrt gewartet hat!«

Er dachte an die Riesenmenge Energie, die durch den Bremsprozess erzeugt wurde, und hatte alsbald eine ziemlich deutliche Vorstellung vom Ablauf der Dinge. Die Abschirmkreise hatten versagt, und die Batterien waren überladen worden. Eine Ausfallsicherung nach der anderen war zusammengebrochen; unterstützt durch den ionosphärischen Sturm, hatte die Armee unbelebter Objekte, die eigentlich seine Sicherheit hätte garantieren sollen, zum Angriff auf den Menschen angesetzt.

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