Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
»Paladin«, wisperte er. Taub, blöd oder blind zu werden – oder Schlimmeres. »Gwyneth. Was ist das hier für ein Ort?«
»Nenn es eine Liebesgabe. Es wurde aus reiner Liebe zu Paladin und seinem Geschlecht erbaut. Die Erbauer wollten keine Gegenleistung dafür. Einst war es wundervoll.« Sie hatte die beunruhigende Angewohnheit, zu reden, als ob sie wirklich damals hier gewesen wäre, dachte Huma.
»Ist es das, was Magus gesucht hat?«
»In gewisser Weise. Dein Freund ist ein guter Mann, Huma, trotz seiner Besessenheit, die ihn immer noch verzehren kann. Ob er es glaubt oder nicht: Die Zukunft, die er während seiner Prüfung gesehen hat, war nicht mehr als ein geschicktes Machwerk. Die Prüfungen sollen den Prüfling mit seinen größten Schwächen konfrontieren, und ich fürchte, er hat nicht so leicht bestanden, wie die Versammlung hoffte.«
»Dann hat das alles hier nichts mit dem zu tun, was er erzählt hat.«
Gwyneth wirkte überrascht. »Doch, natürlich! Die Erinnerung an diesen Ort wurde den Menschen jahrhundertelang weitergegeben, schon seit dem ersten Krieg gegen die Drachenkönigin. Er hat sich kaum verändert. Die Versammlung wußte um das Selbst des Schülers Magus. Der größte Fehler deines Jugendfreundes ist, daß er – wie die Elfen – glaubt, daß er mächtig genug sei, um die Welt zu retten. Wie konnten sie ihn besser prüfen, als indem sie ihn bei dieser immens wichtigen Aufgabe versagen ließen?«
Huma schwieg, während er diese Neuigkeiten verdaute. Schließlich wollte er wissen: »Was ist mit mir? Magus schien zu glauben, daß ich wichtig bin, um seine Zukunft zu verändern.«
»Du bist wichtig, aber nicht auf die Art, wie er glaubt. Wonach so lange gesucht wurde, ist ein einziger Mensch, Mann oder Frau, der alles verkörpert, was Paladin die Welt zu lehren versucht hat. Einige waren nahe dran, doch am Ende sind alle gescheitert.« Als er die Augen aufriß, nickte sie betrübt. »Du bist nicht der erste, der hierher kommt, Huma. Ich bete – oh, Paladin, ich bete –, daß du der Gesuchte bist. Würde nicht Krynn selbst auf dem Spiel stehen, so würde ich dir raten, umzukehren, bevor es zu spät ist.«
Der Ritter richtete sich auf. »Selbst wenn du es mir raten würdest, würde ich das nicht tun. Ich kann es nicht. Nicht, wenn ich bleiben will, was ich bin.«
»Bedeutet dir das Rittertum so viel?«
»Nicht das Rittertum. Nein, eher das, was es mich lehrt.« Er hatte früher nie in solchen Begriffen gedacht.
Gwyneth sah ihn erfreut an, sagte jedoch nur: »Gäbe es doch nur noch andere wie dich, auch in der Ritterschaft.«
»Gwyneth, wo sind Kaz und Magus?«
»Es wird auf sie aufgepaßt, keine Sorge, Huma.« Sie hielt inne. »Ich glaube, es wird Zeit anzufangen.«
»Anzufangen?« Huma sah sich um, weil er halb erwartete, daß Kleriker und Magier in den Raum strömen würden, um irgendeine Zeremonie durchzuführen. Gwyneth kam vom Thron herunter und ging zu ihm hin. Trotz ihres einfachen Gewandes und des unbewegten Gesichts sah sie schöner aus, als er es je für möglich gehalten hatte. Buorons Nymphe verblaßte neben ihr.
Sie zögerte nur einen Augenblick bei seinem Blick. Huma versuchte vergeblich zu verstehen, was sich hinter diesem Zögern verbarg. Als sie nur noch auf Armeslänge von ihm entfernt war, zeigte sie auf die dunklen Gänge.
»Du kannst jeden beliebigen wählen.«
»Was geschieht dann?«
»Du gehst hinein. Was dann geschieht, liegt bei dir. Ich kann dir nur verraten, daß drei Prüfungen vor dir liegen. Es heißt, daß jedes Mitglied des Triumvirats einen Teil der Prüfungen erdacht hat, auch wenn keine Prüfung nur einem Gott entspricht, so wie jeder Mensch die Summe seiner Teile ist und nicht aus einzelnen Eigenschaften besteht.«
Huma betrachtete jeden einzelnen Gang lange. Wenn er weiterkommen wollte, mußte er Paladin vertrauen und hoffen, die richtige Wahl zu treffen.
Er ging einen Schritt auf den Gang seiner Wahl zu, doch Gwyneth hielt ihn am Arm zurück. »Warte.«
Sie küßte ihn sanft. »Möge Paladin über dich wachen. Ich möchte nicht, daß du versagst.«
Ihm fiel keine angemessene Erwiderung ein, darum drehte Huma sich rasch um und lief den gewählten Gang. Er wußte, wenn er sich umschauen würde und sie noch da war, konnte er versucht sein zu bleiben. Er wußte auch, wenn er bliebe, würde er nicht damit leben können.
Der Gang, den er ausgesucht hatte, war wie eine natürliche Höhle. Stellenweise verengte er sich, so daß Huma sich ducken oder abbiegen mußte. Es war stockfinster.
Dann begann der Tunnel plötzlich in einem eigentümlichen Licht zu leuchten, einem Licht, das von den Wänden selbst strahlte. Huma blieb stehen, um dieses Phänomen zu untersuchen. Er hatte von solchem Licht gehört.
Der Schein der Wände brachte Huma auf eine Idee. Er schlug mit dem Heft seines Schwertes ein Stück Felsen ab und steckte das leuchtende Stück in den Beutel an seinem Gürtel.
Ein ohrenbetäubender Schrei, der die Wände erzittern ließ, warf ihn zu Boden. Kleine Felsbrocken polterten auf ihn herab.
Es war derselbe Schrei, den Huma auf dem Paß gehört hatte. Jetzt erkannte er, woher er stammte – von genau geradeaus. Und geradeaus lag der einzige Weg, den Huma einschlagen konnte, denn wie schon beim Pfad endete der Gang hinter ihm an einer Felswand.
Schwert und Schild bereit, schlich er den Tunnel hinunter, dem Schrei entgegen.
Er trat aus diesem Gang – in einen weiteren. Dieser teilte sich in drei Richtungen; das Wesen konnte in jeder davon leben. Huma richtete sich nervös und verärgert auf. Der Schrei echote durch das Höhlensystem, so daß das Ding überall sein konnte. Es konnte Stunden entfernt in einer tieferen Höhlenkammer stecken. Oder aber genau hinter ihm.
Mit diesem Gedanken im Hinterkopf machte er einen Schritt – und fand keinen festen Boden. Unter lautem Metallgeschepper stürzte Huma zu Boden.
Er schüttelte sich, um einen klaren Kopf zu bekommen, und betrachtete die Pfütze mit dunkler Flüssigkeit, in der er ausgerutscht war. Er steckte einen Finger hinein und führte ihn an die Nase. Es stank bestialisch. Zu seinem Entsetzen stellte Huma fest, daß die Substanz seinen Metallhandschuh auffraß. Er wischte das scheußliche Zeug am Fels ab, der dieser Flüssigkeit gegenüber widerstandsfähiger zu sein schien.
»Heeeehhh.«
Es hörte sich erst wie Lachen an – wie ein böses Lachen. Huma rappelte sich auf, doch er konnte immer noch nicht feststellen, aus welchem der drei Tunnel es gekommen war. Und als es sich wiederholte, wußte er, daß es kein Gelächter war.
Es war Atmen.
Wenn die Kammern nicht den Schall vervielfachten, lauerte hier etwas unvorstellbar Großes.
Es wäre zwar vielleicht sicherer gewesen, an dieser Stelle sitzen zu bleiben, doch das kam Huma nicht in den Sinn. Er nahm den mittleren Gang und eilte weiter.
Äußerlich glich dieser Tunnel dem vorherigen. Huma fragte sich, wie sich ein offensichtlich so großes Wesen durch manche dieser schmalen Gänge zwängen konnte. Selbst Huma hatte teilweise seine Schwierigkeiten.
Dieser Tunnel führte in einen weiteren, der genauso aussah wie die beiden zuvor. Die Höhlen bildeten ein Labyrinth, in dem Huma an einem unterirdischen Wettstreit teilnahm und gleichzeitig aber auch den Preis darstellte.
Als er weiterging, bemerkte er die dunkle Flüssigkeit, die unter seinen Füßen floß, und die Hitze, die aus zahlreichen Gängen drang. Es roch nach Schwefel, was Humas Meinung nach auf eine Verbindung zum feurigen Herz des Berges hinwies. Huma hatte von solchen Bergen gehört und betete, daß dieser nicht ausbrechen würde, solange er darin war.
»Hhhhehhhhh.«
Huma drückte sich in eine Ecke. Echo oder nicht, jetzt waren er und dieses Wesen nur noch Minuten voneinander entfernt. Es wußte das offenbar auch, denn es kicherte wie verrückt – eindeutig verrückt. Als das Lachen sich legte, redete es mit einer langsamen, tiefen Stimme.
»Menschlein. Ich rieche dich, Menschlein. Ich rieche deine Körperwärme, die bittere Kälte deiner Metallrüstung. Ich rieche deine Ängste.«