Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Huma sagte nichts, sondern zog sich lautlos in den Gang zurück, aus dem er gekommen war. So etwas Großem wie diesem Tunnelbewohner wollte er nicht an einem Ort begegnen, wo er sich nicht frei bewegen konnte.
»Komm zu Wyrmvater, Menschlein. Laß mich dir meine Stärke zeigen.«
Wyrmvaters Gehör war zweifellos außergewöhnlich gut, denn bei jeder Bewegung Humas zischte das Untier laut, und der Ritter konnte hören, wie etwas an den Wänden des Tunnels entlangschabte.
Huma ging einen offenen Gang hinunter, um Wyrmvater mit etwas Glück zu umgehen. Das Zischen schien von überall her zu kommen. Die Gänge erschienen endlos.
Plötzlich hörte das Zischen auf, und Huma erstarrte. Minutenlang herrschte Stille, abgesehen von dem nervtötenden Klopfen seines eigenen Herzens. Dann hallte der schabende Laut wieder durch die Gänge, als Wyrmvater sich von Huma weg zu bewegen schien.
Er erkannte, daß die Glätte der Tunnelwände daher rührte, daß der Körper seines Verfolgers sich ständig daran rieb.
Das rauhe, schabende Geräusch erstarb, während Huma nachdachte. Leise schlich er weiter durch den Tunnel. Wenn er nur einen Weg aus diesem Labyrinth finden könnte!
Wildes Gelächter – und der Tunnel ging in Flammen auf!
Huma hatte keine andere Wahl, als zu rennen. Wyrmvater wußte, wo er war. Der Ritter ließ alle Heimlichkeit sein und floh einfach in den nächsten Gang.
Ein weiterer Feuerball jagte ihn aus diesem Tunnel. Wie konnte Wyrmvater sich so schnell bewegen? Was war Wyrmvater?
Er konnte nicht mehr zählen, durch wie viele Gänge er rannte oder wie viele Male ihn das Gelächter des Tunnelwesens gerade noch warnte, bevor weitere züngelnde Flammen seinen Schnurrbart versengten.
Auf seiner panischen Flucht bemerkte Huma die weite Öffnung zur Linken zunächst gar nicht. Erst als er daran vorbei war, erkannte der Ritter, daß er etwas anderes als einen Gang gefunden hatte. Huma hielt an und rührte sich nicht.
Das bösartige Zischen von Wyrmvater war im Moment weit entfernt, auch wenn Huma wußte, daß sich das sofort wieder ändern konnte. Vorsichtig schlich der Ritter zu dem Durchgang zurück und lehnte sich dort so weit vor, daß er hineinspähen konnte.
Es war ein sehr kurzer Gang, der in etwas mündete, was mehr eine Höhle war. Huma betrat den neuen Tunnel und durchmaß ihn vorsichtig.
Die Höhle war sehr hoch. Sie war wohl auf die gleiche Weise abgeschliffen wie die Gänge.
Doch wo war das Ungeheuer selbst? Wo war Wyrmvater? Huma schaute sich in der Höhle um. Auf verschiedenen Höhen mündeten Tunnel. Der scharfe Blick des Ritters folgte den Konturen des Bodens. Er war eben genug, um darauf zu laufen, auch wenn die Wände an manchen Stellen steil abfielen, besonders dort, wo ein Hügel plötzlich –
Im Geiste verfluchte Huma seine mißliche Lage. Er trat in den Gang zurück.
Was er gesehen hatte, was er verzweifelt ableugnen wollte, war eine riesige, schlangenartige Gestalt, die sich wie ein verkrüppelter Baum quer durch die Höhle zog und dann abrupt zur Seite abknickte, um in einem der anderen Tunnel weiterzugehen.
Hier hatte er zumindest einen Teil von Wyrmvater vor sich.
Die bösartige Kreatur pulsierte vor Leben, als sie sich von der klaffenden Schlucht in der Mitte ausstreckte. Man sah nur den Leib des Reptils, dessen Durchmesser über drei Meter betrug. Sein ansonsten schmutziggrauer Körper war mit grünen und blauen Flecken übersät, als wäre er krank.
Auf einmal verschwand der Schwanz in dem Tunnel. Aus dem anderen Gang tauchte der Kopf von Wyrmvater auf.
Wyrmvater war ein Drache.
Das Ungeheuer ließ alle Drachen, die Huma je gesehen hatte, wie Zwerge erscheinen. Wyrmvaters Schlund hätte mehrere Pferde mit zwei Bissen verspeisen können, ganz zu schweigen von einem einzelnen Menschen. Die langen, breiten Zähne waren fast so groß wie Huma, und die eifrig züngelnde, gespaltene Zunge zwischen Wyrmvaters Kiefern hätten ihn mit Leichtigkeit umschlingen können.
Überall stank es nach Schwefel. Huma wurde klar, daß der Berg nicht vulkanisch aktiv war. Der Drache verursachte den Gestank.
Als der schwere Drachenkopf in seine Richtung schaute, erstarrte Huma. Der Kopf war irgendwie merkwürdig. Im Verhältnis zum Durchmesser des Halses wirkte er sehr groß; der Hals wiederum war viel zu lang für einen Drachen.
Als er es begriff, blieb dem Ritter der Mund offen stehen. Wyrmvater war der Drache, dessen Modell er in Magus’ Zitadelle gesehen hatte. Doch jene kleine Statue mußte selbst nach Elfenbeinmaßstäben alt sein. Konnten Drachen so lange leben?
Wyrmvater zischte. Er konnte den Ritter unmöglich übersehen haben, aber dennoch suchte das Untier weiter die Höhle ab. Erst als Huma in seine Augen sah, wußte er den Grund. Beide waren von einem weißen Film überzogen. Wyrmvater war blind.
Das Wesen war jedoch nicht taub und hatte eindeutig einen ausgeprägten Geruchssinn. Es hatte den Ritter einmal übersehen. Huma bezweifelte, daß ihm das ein zweites Mal passieren würde. Jetzt schien die lange Schnauze einige der Stellen abzusuchen, wo sie schon gewesen war. Er mußte Huma jeden Moment entdecken.
Als würde er dasselbe denken, sprach Wyrmvater mit einer Stimme, die die gewaltige Kammer erzittern ließ: »Ein richtiger Fuchs. Ich bin hocherfreut. Es ist so lange her, daß ich auch nur die kleinste Herausforderung hatte. Die anderen waren so leicht zu besiegen.«
Der Kopf pendelte neben Huma. Enorme Nüstern flatterten, als der mächtige Drache nach dem Ritter schnüffelte.
»Ich rieche das Aroma von Paladin an dir. Von Habbakuk. Vom verdammtesten aller Götter des Lichts, von Kiri-Jolit, der mich eingekerkert hat!«
Huma bewegte sich nicht, atmete noch nicht einmal während dieses Ausbruchs. Das Ungeheuer hatte von einer Begegnung mit mindestens einem der Götter gesprochen, die an der Gründung der Ritterschaft beteiligt gewesen waren. Einer Begegnung, bei der der Drache offenbar den kürzeren gezogen hatte.
»Bist du wegen meiner Schätze gekommen? Es ist der größte Hort, den je ein Drache gesammelt hat. Selbst ein Gefangener wie ich hat Möglichkeiten zum Sammeln. Ah!« Die gewaltigen Kiefer verzogen sich zu einem makabren Echsengrinsen. »Vielleicht ist es der Spiegel, den du suchst! Ja, der Spiegel wäre mehr wert als alles andere, was ich habe!«
Während er redete, schnüffelte Wyrmvater die ganze Zeit auf der Suche nach Huma in der Höhle herum.
Das Geräusch von Metall auf Metall hallte durch die Kammer. Instinktiv hielt sich Huma die Ohren zu, als der Lärm auf seinen Verstand einhämmerte. Es war wieder der Amboß. Der Hammer auf dem Amboß.
Huma störte das Gehämmer, Wyrmvater trieb es allerdings zur Raserei. Der Drache reagierte mit wildem Gebrüll auf den Krach. Flüche, Kreischen, Drohungen. Die bösartigsten Wörter flossen aus seinem Mund. Geifer tropfte ihm aus dem Maul.
»Meine Königin! Warum läßt du zu, daß sie mich quälen? Habe ich nicht zahllose Jahrtausende überdauert, die alle zu Staub zerfallen sind? Und immer noch muß ich das endlose Gehämmer und Gehämmer dieses verfluchten Schmieds ertragen! Hast du mich verlassen, große Takhisis?«
Jenseits der Höhle leuchtete ein Gang heller als die anderen. Wyrmvater hatte von seinem Hort gesprochen, und daß er selbst hier seinen Schatz noch vermehrt hatte. Konnte er in einem solchen Hort vielleicht etwas Nützliches finden? Womöglich eine tödlichere Waffe als Humas eigenes, unbedeutendes Schwert? Es war natürlich ein verzweifeltes Manöver. Als das Untier wieder zu brüllen begann, rannte Huma los.
Das Klacken seiner Stiefel auf dem Felsboden machte Wyrmvater auf ihn aufmerksam, doch das Gehämmer verhinderte, daß der Drache die winzige menschliche Gestalt orten konnte. Er brüllte wütend und spie dabei ungezielt sengende Flammen.
Huma verschwand in dem Gang. Der Drache hatte einen Spiegel erwähnt. Huma erinnerte sich an den Spiegel der Nymphe, den sie benutzt hatte, um die Träume von anderen anzusehen. Hatten sie etwas miteinander zu tun? Ihrer war jedoch nur dazu da, um fremde Träume einzufangen. Dieser hatte vielleicht andere Eigenschaften.