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Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern

Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:

Noch immer wütet auf Krynn der mörderische Krieg zwischen den Heerscharen des Guten und des Bösen. Die Übermacht der tyrannischen Drachenkönigin Takhisis zwingt die Ritter von Solamnia, sich auf Burg Vingaard zurückzuziehen. Huma, einer der Ritter, erkennt in letzter Minute, daß sich sein bester Freund von Paladin, dem Gott des Lichts, abgewandt hat und auf Vingaard in dunkle Machenschaften verstrickt ist. Aber der Kampf gegen den Verräter ist nur ein weiterer Teil von Humas gefährlicher Prüfung...
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Huma bewegte sich. Ein Geräusch, das sich wie das Flattern mächtiger Schwingen anhörte, hatte ihn aus dem Schlaf gerissen. Als er aus seinem Schutzort spähte, sah er nichts als Nacht und entschied, daß es Steinschlag oder Wind gewesen sein mußte. Bald schlief er wieder weiter.

Hinter einer entfernten Felsnase starrten zwei leuchtende, blutrote Augen den nichtsahnenden Menschen blicklos an. Der Schreckenswolf war nur zum Beobachten hergeschickt, nicht zum Töten – nicht dieses Mal. Doch der ruhende Mensch gab eine befriedigende Beute ab, und die Mißgeburt begann, sich mit gefletschten Zähnen heranzupirschen. Sie setzte zum Sprung an – und eine gigantische Klaue griff blitzschnell zu, um das untote Biest derart zu zerquetschen, daß es sich nie mehr erholen würde. Kein Laut durchbrach die Stille der Nacht.

Die Dämmerung weckte Huma mit dem Gefühl, daß er nicht allein war.

Huma suchte die Umgebung ab. Alles war noch genauso wie am Vortag; es war nur etwas wärmer geworden. Der Hunger quälte ihn noch immer, doch er bekam ihn allmählich unter Kontrolle. Oder er war vielleicht über den Punkt hinaus, wo so etwas noch zählte.

Er wagte es, nach seinen Kameraden zu rufen. Der Wind war schwächer, und Huma dachte, daß man ihn diesmal vielleicht hören würde. Wenn er deswegen das Wesen, das gestern gebrüllt hatte, auf sich aufmerksam machen würde, dann sollte es eben so sein.

Es kam keine Antwort auf seine Rufe, weder von Magier und Minotaurus noch von der unbekannten Kreatur. Huma gab das Rufen auf und folgte weiter dem seltsamen Pfad. Er kümmerte sich mittlerweile nicht mehr darum, ob er seine Schritte noch zurückverfolgen konnte.

Zu seiner freudigen Überraschung wurde der Pfad ebener und leichter begehbar. Und es gab Nahrung – Beeren von einer anderen Strauchart. Als sie sich als eßbar erwiesen, begann er alle zu verschlingen, die er finden konnte. Natürlich konnte das Gift auch langsam wirken, doch Huma kannte diese Pflanzen. Er vermutete, daß das Wesen, welches den Pfad geschaffen hatte, ihn gegenwärtig am Leben erhalten wollte.

Als er irgendwann glaubte, der Pfad würde ewig so weiterführen, hörte dieser unvermittelt vor einem schimmernden Teich inmitten eines Obstgartens auf. Durstig eilte Huma zum Ufer. Wenn so viel Leben das Wasser umgab, konnte es nicht giftig sein, daher bückte Huma sich und schöpfte eine Handvoll. Das Naß lief an seinem Kinn hinunter, während er trank. Weil er damit noch nicht zufrieden war, kniete er sich hin und beugte sich vor, um direkt aus dem Teich zu trinken.

Ein Drachengesicht starrte ihm aus dem Wasser entgegen.

Er sprang vom Ufer zurück und erkannte, daß der Drachenkopf eine Spiegelung war. Als er hochsah, riß er die Augen auf. Huma hatte sein Ziel erreicht.

Ein großer Steindrache, sechsmal so groß wie Huma, saß an der Seite des Teiches. Der Ritter sah, daß er einst ein Gegenstück auf der anderen Seite gehabt hatte. Von dem zweiten Drachen waren nur noch das Podest und ein Teil des Kopfes übrig. Beide schienen aus Marmor oder einem ähnlichen Stein gehauen zu sein.

Der noch Stehende erwies sich als Silberdrache, während der Zerbrochene ein Golddrache gewesen war.

Huma trank, bis er seinen Durst gelöscht hatte. Als er fertig war, blickte er geradeaus, wo er einen von Schlingpflanzen überwucherten Eingang entdeckte, der buchstäblich in den Berg geschnitten war. Um die Öffnung herum waren kleine Zeichen gemeißelt, von denen die meisten verwittert waren. Ein paar jedoch waren noch klar und deutlich erkennbar, vielleicht weil sie von dem dichten Bewuchs geschützt gewesen waren. Huma wünschte sich verzweifelt, die Symbole entziffern zu können.

Er schob die dicken Lianen zur Seite, um hineinzusehen. Innen hätte es dunkel sein müssen, doch er konnte einen schwachen Schein sehen. Fast als hätte jemand Fackeln angezündet, um ihm den Weg zu weisen, dachte er beunruhigt.

Mit einem resignierten Seufzer trat er in den Berg ein. Der höhlenartige Eingang hätte feucht und modrig sein sollen. Statt dessen war es, als hätte er die Ratskammer von Burg Vingaard betreten. Es war warm und trocken, und Wände und Decke waren glatt.

Er brauchte eine Weile, um den gesamten Gang zu durchmessen, wobei er sich ständig auf das vor ihm flackernde Licht konzentrierte. Er brachte das letzte Stück hinter sich. Etwas spät erinnerte er sich an sein Schwert und zog die Waffe. Der Gang führte in eine große Halle, die einst der Thronsaal eines großen Königs oder Kaisers gewesen sein mußte. Sie war sehr hoch; es war eine perfekte, natürliche Höhle. Das Licht stammte wirklich von Fackeln, und Huma fragte sich, wer sie wohl angezündet hatte.

Metallstatuen von Rittern mit Rüstung säumten die Wände. Sie waren leblos – aber sehr lebensecht. Es konnten durchaus Posten sein, die bis zum Einsatz schlafen geschickt worden waren – oder Untote, die jeden Eindringling erschlagen sollten.

Huma trat mitten in den Raum und betrachtete den Boden. Jetzt konnte er das in den Stein eingelassene Bild erkennen. Mehr als alles andere machte es ihm Mut, denn es war eine riesige Darstellung von Paladin selbst: als Platindrache. Der Drache ringelte sich von einem Ende des Raums zum anderen, und wenn der Ritter seinem Urteil trauen durfte, waren die Konturen wirklich aus Platin. Huma bestaunte das kunstvolle Werk.

Sein Blick schweifte zu dem einzigen Möbelstück in der Halle, einem hohen, geschnitzten Thron aus einem Holz, das Huma noch nie gesehen hatte, Holz, das einen lebendigen Schein ausstrahlte. Die Ränder des Throns waren mit Edelsteinen besetzt, und auch diese schimmerten im Fackellicht.

Staunend wie ein kleiner Junge wanderte er in der Höhle umher. Viele verschiedene Rüstungen aus verschiedenen Zeiten waren hier versammelt. Mehrmals klappte er ein Visier hoch und sah hinein, fand jedoch nur Staub.

Schließlich stand er einfach da und dankte Paladin, daß er ihn so weit hatte kommen lassen. Er betete auch, daß das Triumvirat über seine beiden so unterschiedlichen Gefährten wachen würde. Dann kniete er ehrfürchtig vor dem Thron.

Seine Ehrenbezeugung wurde jedoch fast augenblicklich gestört. Ein Hämmern wie von Metall auf Metall hallte aus einem der dunklen Korridore. Huma sprang auf und sah sich um, um festzustellen, aus welchem Gang das Geräusch kam.

Das Hämmern erstarb, noch während er so dastand, so daß Huma seinen Ursprung nicht herausfinden konnte.

Huma fiel ein, wo er ein solches Geräusch früher bereits gehört hatte – daheim in Burg Vingaard.

Es war der Klang eines schweren Hammers, der auf einem Amboß glühendes Metall bearbeitete.

16

Ein Amboß. Alles Erdenkliche hatte er hier erwartet, aber keine Schmiede. Und überhaupt – wer schwang den Hammer? Geister aus vergangenen Zeitaltern? Oder vielleicht hatten die Zwerge diesen Ort doch nicht verlassen.

Sein Blick kehrte zu dem Thron zurück, und er bemerkte, daß er nicht mehr allein war. Humas erster Gedanke war, daß es wieder der graue Mann war, denn Robe und Kapuze, die alles verhüllten, waren von ähnlich gedeckter Farbe. Doch dieser neue Besucher war viel zierlicher.

»Du bist gekommen.« Ihre Stimme war leise und wurde von dem Mantel fast erstickt, doch es war wirklich eine weibliche Stimme. Kleine weibliche Hände schoben sich durch die bauschigen Mantelärmel, und die Frau hob die Arme, um an die Kapuze zu greifen. Als sie sie langsam zurückzog, floß ihr wallendes Haar über die Schultern, und das Gesicht, das sich vor ihm enthüllte, erregte den Ritter, so wie es ihn gleichzeitig erschreckte: Er kannte dieses Gesicht und hatte sich so oft danach gesehnt.

»Gwyneth!«

Sie lächelte. »Ich dachte schon, du hättest mich vielleicht vergessen.«

»Nie.«

Das Lächeln wurde breiter, dann verschwand es plötzlich. »Ich wußte, daß du es sein würdest. Als ich dich zum ersten Mal sah, wie du – dalagst und mit einer Kopfverletzung kämpftest. Ja, deine Wunde war viel schlimmer, als dir klar war. Es waren keine Knochen gebrochen, aber dein Verstand… Hätten die Heiler sich nicht so schnell deiner angenommen, hättest du für immer den Verstand verloren.«

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