Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
«Festhalten!«schrie Joana, kaum daß Indiana die Tür zugezogen hatte, und gab rücksichtslos Gas. Die Cessna machte einen regelrechten Satz, und die beiden grellbunt bemalten Gestalten, die mit weit ausgestreckten Armen nach den Tragflächen gesprungen waren, fielen daneben und landeten im Wasser.
«Um Gottes willen — laß das!«kreischte Indiana voller Panik, als Joana das Flugzeug immer mehr beschleunigte. Die Cessna bockte und hüpfte wie ein Achterbahnwagen, der jeden Moment aus den Schienen zu springen droht. Und im flackernden Licht der Blitze konnte er erkennen, daß sich der Bach vor ihnen jetzt heftiger wand; und als wäre dies alles noch nicht genug, wurde er auch merklich schmaler.
«Versuch, die Geschwindigkeit zu halten!«schrie Norten.»Der Bach mündet in den Fluß, zwei Kilometer von hier. Dort können wir abheben!«
«Unmöglich!«wiederholte Joana.»Der Sprit reicht nicht!«
Norten zerbiß einen Fluch auf den Lippen und drehte sich herum, um nach den Indios Ausschau zu halten. Die Maya waren ein gutes Stück zurückgefallen, rannten aber mit unvermindertem Tempo hinter ihnen her. Und sie hatten auch allen Grund, das zu tun, dachte Indiana. Nur ein ganz kleines bißchen Pech, und der Treibstoff wäre gleich alle, eine der Schwimmkufen würde sich an einem Stein verfangen, sie würden das Bachbett verlieren, oder Joana würde eine der wilden Kehren und Windungen des Flüßchens einfach zu spät bemerken und die Maschine auf das Ufer setzen oder …
Indiana fielen auf Anhieb ungefähr hundertfünfzig Gründe ein, aus denen ihre wahnwitzige Flucht gar nicht gelingen konnte.
Aber sie gelang.
Obwohl alle Regeln der Wahrscheinlichkeit und der Vernunft dagegen sprachen, schaffte es Joana irgendwie, die Cessna die zwei Kilometer bis zum Fluß hinab durch den seichten Bach zu steuern, und es gelang ihr dabei sogar, noch ein wenig an Geschwindigkeit zuzulegen, so daß die Indios weiter zurückfielen und bald gar nicht mehr zu sehen waren.
«Auf die andere Seite«, sagte Norten hastig.»Versuche, am anderen Ufer anzulegen. Die Strömung ist sehr stark. Bis sie hier durchgeschwommen sind, sind wir in Sicherheit.«
«Vielleicht ertrinken ja ein paar von ihnen«, sagte José hoffnungsvoll.
Joana warf einen nervösen Blick auf den Treibstoffanzeiger — die Nadel stand schon unter der Null —, biß sich auf die Unterlippe und nickte, während Indiana einen Moment lang ernsthaft darüber nachdachte, José am Kragen zu packen und aus der Maschine zu werfen. In schrägem Winkel glitt das Wasserfahrzeug auf den Fluß hinaus und strebte dem gegenüberliegenden Ufer zu.
Als sie die Mitte des Flusses erreicht hatten, ging der Motor aus.
Joana fluchte und hantierte wie wild an den Kontrollen, während Indiana fast erleichtert aufatmete und Norten leichenblaß wurde.
«Keine Angst«, sagte Joana.»Wir schaffen das schon. Zur Not lassen wir uns einfach treiben. Unser Schwung reicht aus, das Ufer zu erreichen.«
«Nein«, sagte Norten leise,»dazu reicht er nicht.«
Indiana sah verwirrt zuerst in Nortens Gesicht und dann aus dem Fenster — und dann verlor auch sein Gesicht jede Farbe.
Obwohl der Motor nicht mehr lief, bewegte sich das Flugzeug weiter — ja, es wurde sogar schneller!
«Was bedeutet das?«flüsterte er.
«Hören Sie es nicht?«gab Norten gepreßt zurück.
Indiana lauschte einen Moment. Und tatsächlich — unter den Grollen des Donners und dem unablässigen Zischen und Krachen der Blitze hörte er ein anderes, dunkleres Geräusch: ein tiefes, vibrierendes Donnern, wie von einer Felslawine oder einer Million Pferdehufe — oder von Wasser, das aus großer Höhe herabstürzt …
«Ein Wasserfall«, murmelte er.
Norten nickte.»Drei Kilometer von hier. Vielleicht jetzt nur noch zwei.«
«Ein Wasserfall?«keuchte José. Erschrocken richtete er sich kerzengerade auf der Sitzbank auf.»Wir … wir müssen raus hier!«schrie er plötzlich. Er versuchte, Anita zur Seite zu stoßen, um zur Tür zu gelangen, aber Norten riß ihn mit einer groben Bewegung zurück.
«Das wäre Selbstmord«, sagte er.»Die Strömung ist viel zu stark. Sie würde dich wegreißen.«
«Und in diesem Ding sterben wir auch!«heulte José.
«Kannst du sie noch einmal starten?«fragte Indiana.»Bitte, Joana — versuch es!«
Joana nickte nervös.»Ich probier ja schon alles«, sagte sie.
«Probieren reicht nicht«, sagte Indiana beschwörend.»Tu es! Du mußt sie irgendwie ankriegen. Wir müssen das Ufer erreichen!«
«Ich versuch es ja schon!«antwortete Joana und fuhr sich nervös mit der Zungenspitze über die Lippen. Ihr Gesicht war schweißnaß.»Es müßte noch ein winziger Rest im Tank sein. Bete, daß er reicht!«
Indiana betete nicht nur, er verpfändete seine Seele in diesen Augenblicken Gott oder dem Teufel oder jedem, der sie haben wollte, wenn er nur ein Wunder geschehen und den Motor noch einmal anspringen ließe.
Aber seine Gebete wurden nicht erhört. Die Cessna, deren Nase sich jetzt genau auf die Flußmitte ausgerichtet hatte, wurde immer schneller und schoß mittlerweile mit dem Tempo eines Schnellbootes über die Wellen. Und wenn Indiana genau hinsah, dann glaubte er, vor ihnen — nicht mehr halb so weit vor ihnen, wie er gehofft hatte — eine dünne, verschwommene Linie aus stiebendem Wasser zu sehen, eine Linie, vor der sich die Wellen des Flusses schäumend brachen — und hinter der nichts mehr war.
Die Cessna wurde schneller und schneller, die Linie aus Staub, Schaum und schwarzer Leere wuchs mit rasender Geschwindigkeit heran, Joana hantierte immer heftiger an ihren Kontrollen und preßte den Daumen so heftig auf den Startknopf, daß das Blut daraus wich, das Grollen des Wasserfalles wurde immer lauter — und dann hatten sie den Wasserfall erreicht, und unter der Cessna war nichts mehr!
Sie alle schrien gellend auf, als das Wasserflugzeug, vom Schwung seiner eigenen Bewegung getragen, noch ein gutes Stück über die Kante des Wasserfalles hinausschoß und sich seine Nase dann ganz langsam zu senken begann. Tief unter ihnen — entsetzlich weit unter ihnen — erkannte Indiana den Hexenkessel aus kochendem Schaum, in dem das Wasser am Fuße der Felswand auseinanderbarst, und er spürte die unsichtbare Hand, die nach dem Flugzeug griff und aus seinem Gleiten binnen weniger Sekundenbruchteile einen unkontrollierten Sturz machen würde.
Und dann sprang der Motor an.
Joana drückte den Gashebel mit einem erleichterten Aufschrei ganz nach vorn, der Propeller drehte sich schneller und schneller, und aus dem Sturz der Cessna wurde wieder ein schnelles, jetzt aber kontrolliertes Gleiten. Im spitzen Winkel und viel zu schnell näherte sich das Wasserflugzeug dem Fluß, fing seinen Sturz im allerletzten Moment ab und gewann für einen winzigen Moment sogar noch einmal an Höhe.
Indiana wollte gerade erleichtert aufatmen, als der Motor wieder ausging. Und der Laut, mit dem er es diesmal tat, verriet ihm, daß er nicht mehr anspringen würde. Die Tanks waren endgültig leer.
Aber das letzte Anspringen des Propellers hatte gereicht. Sehr hart schlug die Cessna auf der Wasseroberfläche auf, tauchte fast bis zum Rumpf im Fluß unter und sprang wie ein flach geworfener Stein noch zwei-, dreimal hintereinander in die Höhe. Aber es gelang Joana, die Maschine unter Kontrolle zu halten.
Mit einem erschöpften Ausatmen ließ sich das Mädchen über dem Steuerknüppel zusammensinken.
«Oh, mein Gott«, stöhnte José auf dem Rücksitz und sank wimmernd in sich zusammen, während Anita mit starrem Gesicht ins Leere blickte. Norten atmete hörbar auf, und Indiana wischte sich unauffällig mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn.