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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin

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Percy Jackson 05 - Die Letzte Gottin
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»Aber es ist trotzdem nicht richtig«, beharrte ich. »Luke war noch ein kleiner Junge. Hermes hat ihm nie geholfen, hat ihn nicht am Weglaufen gehindert.«

Thalia schulterte ihren Bogen. Wieder staunte ich darüber, wie viel stärker sie jetzt aussah, seit sie nicht mehr älter wurde. Man konnte sogar das silbrige Leuchten erahnen, das sie umgab – der Segen der Artemis.

»Percy«, sagte sie. »Du darfst kein Mitleid mit Luke haben. Wir haben alle unsere Probleme, das gilt für alle Halbgötter. Unsere Eltern sind fast nie da. Aber Luke hat sich für die falsche Seite entschieden. Niemand hat ihn dazu gezwungen. Im Gegenteil …«

Sie schaute sich im Hotelfoyer um, um sich davon zu überzeugen, dass wir allein waren. »Ich mache mir Sorgen um Annabeth. Wenn sie Luke im Kampf gegenübertreten muss, dann weiß ich nicht, wie sie das durchstehen soll. Sie hatte immer schon eine Schwäche für ihn.«

Mir stieg das Blut ins Gesicht. »Sie wird das schon schaffen.«

»Ich weiß nicht. Nach dieser Nacht damals, nachdem wir das Haus seiner Mom verlassen hatten – da war Luke nie wieder so wie vorher. Er war waghalsig und launisch, als ob er irgendwem etwas beweisen wollte. Als Grover uns gefunden hatte und uns ins Camp holen wollte … na ja, wir hatten auch deshalb so viel Ärger, weil Luke einfach nicht vorsichtig sein wollte. Er legte sich mit jedem Monster an, das uns über den Weg lief. Annabeth sah das nicht als Problem, Luke war ihr Held. Sie hatte nur begriffen, dass seine Eltern ihn traurig gemacht hatten, und sie wollte ihn beschützen. Das will sie noch immer. Was ich meine, ist … du darfst nicht in dieselbe Falle tappen. Luke ist zu Kronos übergelaufen. Wir können uns kein Mitleid leisten.«

Ich starrte hinaus auf die Feuer von Harlem und fragte mich, wie viele schlafende Sterbliche gerade wegen Lukes Entscheidung in Gefahr schwebten.

»Du hast Recht«, sagte ich.

Thalia streichelte meine Schulter. »Ich seh mal nach den Jägerinnen, dann schlafe ich noch ein wenig, ehe es Abend wird. Du solltest dich auch eine Runde hinhauen.«

»Das Letzte, was ich brauche, sind noch mehr Träume.«

»Ich weiß genau, was du meinst.« Ihre düstere Miene ließ mich überlegen, was sie wohl geträumt haben mochte. Das ist ein bekanntes Problem unter Halbgöttern – je gefährlicher die Situation ist, umso schlimmer und zahlreicher werden unsere Albträume. »Aber Percy, wir haben keine Ahnung, wann du die nächste Ruhepause einlegen kannst. Es wird eine lange Nacht werden – vielleicht unsere letzte.«

Der Gedanke gefiel mir nicht, aber ich wusste, dass sie Recht hatte. Ich nickte müde und reichte ihr das Gefäß der Pandora. »Tu mir einen Gefallen. Schließ es im Hotelsafe ein, ja? Ich glaube, ich bin gegen den pithos allergisch.«

Thalia lächelte. »Gute Entscheidung.«

Ich suchte mir das nächstbeste Bett und war sofort eingeschlafen. Aber natürlich brachte der Schlaf nur weitere Albträume.

Ich sah den unterseeischen Palast meines Vaters. Die feindliche Armee war jetzt näher gerückt, sie lag nur wenige hundert Meter vor dem Palast in ihren Schützengräben. Die Festungsmauern waren restlos zerstört. Der Tempel, den mein Dad als Hauptquartier benutzt hatte, loderte in griechischem Feuer.

Ich sah die Waffenkammer vor mir, wo mein Bruder und einige andere Zyklopen gerade Mittagspause machten, sie aßen aus großen Gläsern extragrobe Erdnussbutter (fragt mich nicht, wie das unter Wasser schmeckt, ich will das gar nicht wissen). Ein bewaffneter Zyklop kam hereingetaumelt und brach auf dem Esstisch zusammen. Tyson kniete nieder, um ihm zu helfen, aber es war zu spät. Der Zyklop löste sich zu Meeresschlamm auf.

Feindliche Riesen rückten auf die Bresche vor und Tyson griff zur Keule des gefallenen Kriegers. Er schrie seinen Schmiedekollegen etwas zu – vermutlich: »Für Poseidon!« –, aber da er den Mund voller Erdnussbutter hatte, klang es wie »Fup teh bun!«. Seine Brüder packten Hammer und Meißel, brüllten »Auf die Nuss!« und stürzten hinter Tyson her in die Schlacht.

Dann wechselte das Bild. Ich war mit Ethan Nakamura im feindlichen Lager. Was ich dort sah, ließ mich zittern, einerseits, weil die Armee so riesig war, andererseits, weil ich wusste, wo wir uns befanden.

Wir waren in den Wäldern von New Jersey, auf einer holprigen Straße, an der heruntergekommene Läden und zerfetzte Plakatwände standen. Ein eingerissener Zaun hatte mal einen großen Hof voller Zementstatuen umgeben. Das Leuchtschild über dem Lagerhaus war schwer zu lesen, da darauf eine rote Kursivschrift flackerte, aber ich wusste, was darauf stand: TANTE EMS GARTENZWERG-EMPORIUM. Ich hatte seit Jahren nicht mehr an diesen Ort gedacht. Er war eindeutig verlassen. Die Statuen waren zerbrochen und mit Graffiti besprüht. Ein Zementsatyr – Grovers Onkel Ferdinand – hatte einen Arm verloren. Das Dach war teilweise eingestürzt. Ein riesiges gelbes Plakat, das auf die Tür geklebt war, verkündete: WIRD ABGERISSEN!

Hunderte von Zelten und Feuern umgaben das Grundstück. Ich sah vor allem Monster, aber es gab auch einige menschliche Söldner in Tarnuniformen und Halbgötter in Rüstung. Ein lila-schwarzes Banner hing vom Emporium herab und wurde von zwei riesigen blauen Hyperboreern bewacht.

Ethan hockte am nächstgelegenen Lagerfeuer. Zwei andere Halbgötter saßen neben ihm und wetzten ihre Schwerter. Die Türen des Lagerhauses waren geöffnet und Prometheus kam heraus.

»Nakamura«, rief er. »Der Meister möchte dich sprechen.«

Ethan erhob sich mit besorgter Miene. »Stimmt was nicht?«

Prometheus lächelte. »Da musst du ihn schon selbst fragen.«

Einer der anderen Halbgötter kicherte. »War nett, dich gekannt zu haben.«

Ethan rückte seinen Schwertgürtel zurecht und ging ins Lagerhaus.

Abgesehen von dem Loch im Dach sah alles noch so aus wie in meiner Erinnerung. Statuen von verängstigten Menschen waren mitten im Schrei erstarrt. Neben der Bar waren vier Picknicktische beiseitegeschoben worden. Zwischen Getränkeautomat und Brezelwärmer stand ein goldener Thron. Darauf saß Kronos in lässiger Haltung, die Sense lag über seinem Schoß. Er trug Jeans und ein T-Shirt, und mit seinem grüblerischen Gesicht kam er mir fast menschlich vor – wie die jüngere Version des Luke, die ich in der Vision gesehen hatte, als er Hermes anflehte, ihm sein Schicksal zu verraten. Dann sah Luke Ethan und sein Gesicht verzerrte sich zu einem unmenschlichen Lächeln. Seine goldenen Augen glühten.

»Na, Nakamura? Was sagst du zu der diplomatischen Mission?«

Ethan zögerte. »Ich glaube, der Herr Prometheus kann das besser …«

»Aber ich frage dich!«

Ethans Auge jagte hin und her und registrierte die Wächter, die Kronos umstanden. »Ich … ich glaube nicht, dass Jackson sich ergeben wird. Niemals.«

Kronos nickte. »Möchtest du mir sonst noch etwas sagen?«

»N-nein, Majestät.«

»Du siehst nervös aus, Ethan.«

»Nein, Majestät. Es ist nur … ich habe gehört, das hier sei das Versteck von …«

»Medusa? Ja, ganz recht. Gemütlich, was? Leider ist Medusa nicht wiedererstanden, seit Jackson sie umgebracht hat, also brauchst du keine Angst zu haben, du könntest ihrer Sammlung einverleibt werden. Außerdem gibt es in diesem Raum sehr viel gefährlichere Kräfte.«

Er schaute hinüber zu einem laistrygonischen Riesen, der lärmend seine Pommes verzehrte. Kronos winkte mit der Hand und der Riese erstarrte. Ein Stück Pommes hing mitten in der Luft, zwischen seiner Hand und seinem Mund.

»Warum sie in Stein verwandeln«, fragte Kronos, »wenn man die Zeit anhalten kann?«

Seine goldenen Augen durchbohrten Ethans Gesicht. »Und jetzt sag mir noch etwas. Was ist vorige Nacht auf der Williamsburg Bridge passiert?«

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