Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]
- Автор: Буджолд Лоис Макмастер
- Серия: Chalion (de) #3
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: Bastei L
- ISBN: 978-3-404-20547-9
- Переводчик: Alexander Lohmann
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:
Lag Lady Ijadas Gemach unter dem seinen? Er maß in Gedanken die Korridore und Räumlichkeiten ab und die Lage der Zimmertür, durch die sich die Zofe zurückgezogen hatte. Vielleicht. Es spielte keine Rolle.
Lange Zeit verharrte er, wie er war; sein Atem ging flach. Er wartete an der Schwelle der Nacht.
Nein.
Sein Blut verzehrte sich nach Ijada, aber nicht auf diese Weise. Er dachte an das kleine Wunder ihres Lächelns. Es war nicht die unaufrichtige Grimasse, mit der Frauen ihn für gewöhnlich bedachten, in einer Mischung aus Furcht und Höflichkeit. Eine bloße Geste, die nie die Augen erreichte — während Ijada allein schon mit den Augen lächeln konnte. Furchtlos. Ohne heimlichen Abscheu. Vielleicht sogar mit einer Spur von Genuss, wie bei einem Anblick, den sie unerklärlich anziehend fand. Und doch war sein Wolf und das, was er tun konnte, für sie nicht weniger gefährlich als für jede andere Frau, die er nie anzufassen oder auch nur anzusehen gewagt hatte. Sie war nicht sicher vor ihm, nein … bei ihr zeigte sich etwas anderes, Unerwartetes: Sie war gleichermaßen gefährlich für ihn!
Dieser Gedanke hatte eine eigenartige Auswirkung auf seine Gefühle. Es ließ sich nicht mit den üblichen poetischen Floskeln beschreiben: Sein Herz überschlug sich nicht und ging ihm auch nicht auf. Und ganz gewiss hüpfte es ihm auch nicht im Leib umher. Es schlug einfach weiter in seiner Brust, wie üblich, vielleicht ein wenig schneller und heftiger. War er sonderbar, weil er dieses eigentümliche Gefühl von Gefahr so genoss? Doch die Dinge, an denen er in der Düsternis seiner Träume Gefallen fand, waren nicht dieselben, von denen andere Männer sprachen, wenn sie derb mit ihren Gelüsten prahlten. Das hatte er schon vor einer ganzen Weile festgestellt.
Er zog die Hand zurück und ballte sie zur Faust.
Wenn ich es also vorziehe, Euch nicht in solcher Röte erwachen zu lassen, Ijada, was dann?
Er war mit seiner Verweigerung so weit gegangen, wie er nur konnte. Wenn er diesem Weg weiter folgte, blieb ihm nur noch der Tod. Ich habe drei Möglichkeiten. In diesen Morast aus Blut zu waten und nie wieder hervorzukommen. Betäubt und reglos zu verharren wie bisher — obwohl man davon ausgehen konnte, dass weder der weitere Verlauf der Dinge noch der schonungslose Wenzel eine solche Tatenlosigkeit viel länger zulassen würden. Oder er könnte sich abwenden und jenen anderen Weg einschlagen.
Und was bedeutet das? Oder hat mein Verstand sich nun vollends in lyrischem Wortgeplänkel verloren? Seine Schlafkammer war so still, dass er das Rauschen des Blutes in den Ohren hören konnte wie das Keuchen eines Tieres.
Konnte er damit aufhören, sich selbst zu verleugnen, und stattdessen andere zurückweisen? Prüfend wog er die Worte auf der Zunge: Nein, ihr täuscht euch, ihr alle, Kirche und Herren und das Volk auf der Straße. Ihr hattet schon immer Unrecht. Ich bin nicht … bin nicht … was? Und ist das alles, was mir einfällt: Nein zu rufen?
Ach, die Macht der Gewohnheit.
Aber wenn ich kehrtmache und dem anderen Weg folge, dann weiß ich nicht, wohin diese Straße führt. Oder wo sie endet.
Oder wem ich unterwegs begegne, und dieser Gedanke verstörte ihn noch mehr als das Messer und der Strick und das verwunschene Blut zusammen.
Obwohl es mich wundern würde, wenn es auf diesem Weg noch dunkler werden könnte.
Er erhob sich, steckte das Messer weg und verstaute das Seil. Entkleidete sich für die Nacht und schlüpfte unter die Bettdecke. Alt und dünn und abgenutzt war sie, aber sauber. Es musste ein wohlhabender Haushalt sein, der für seine Dienstboten einen solchen Luxus bereitstellte.
Ich weiß nicht, wohin ich gehe. Aber ich habe genug von dem, wo ich war.
Nach einer sehr kurzen Begegnung mit Wenzel im Morgengrauen, bei der nur organisatorische Fragen zur Sprache kamen, brach Ingrey mit seiner Gefangenen auf. Hetwars Trupp begleitete sie weiterhin, und die Männer waren froh, einen toten Prinzen mitsamt seinem Dutzend übel gelaunter Gefolgsleute und deren Gepäck los zu sein. Ingrey hatte sogar die letzte Zofe nach Hause geschickt. Ein Kammermädchen mittleren Alters aus dem Gefolge der Rossflutens hatte ihren Platz eingenommen und ritt nun hinter Gesca im Sattel mit. Die kleine Schar stieg aus dem Tal von Ochsauen in den heranbrechenden Tag auf und durchquerte die dicht besiedelten, fruchtbaren Tieflande, die zur Grafschaft Hirschendorn gehörten.
Wie Wenzel am Vortag trieb Ingrey sein Reittier voran und bedeutete Ijada ohne Entschuldigung, mit ihm zu reiten. Er war sich bewusst, dass Gesca argwöhnisch hinter ihnen her blickte. Dennoch ritten sie außer Hörweite des neugierigen Offiziers.
Ijada war an diesem Morgen ungewöhnlich blass und in sich gekehrt. Sie hatte graue Schatten unter den Augen. Auf sein grüßendes Nicken antwortete sie mit einem Lächeln, das kurz und zurückhaltend ausfiel. Erkannte sie endlich, dass sie in eine Falle ritt? Zu spät?
»Wir können nicht länger ziellos umherstolpern, ohne auch nur über einen Plan nachzudenken«, setzte er entschlossen an. »Du hast meinen zurückgewiesen. Hast du einen besseren?«
»Fortlaufen war es nicht, was ich mir unter einem Plan vorstelle.« Sie blickte ihn von der Seite an. »Und seit wann wurde aus dem Ich ein Wir?«
Er verstummte und presste die Lippen zusammen. Bei allen fünf Göttern: Vom ersten Augenblick an, wo ich dich auf Burg Keilerkopf gesehen habe. »In jenem Raum im Obergeschoss des Gasthauses in Rottwall«, erwiderte er stattdessen.
Sie neigte den Kopf zu einem versöhnlichen Nicken.
»Und abgesehen von deiner rechtlichen Verstrickung teilen wir noch ein gewisses anderes Problem«, fuhr er fort. »Katzenfräulein.«
»Oh, diese beiden Probleme liegen nicht so weit auseinander. Hundeherr.«
Unwillkürlich bogen seine Mundwinkel sich nach oben. Lächelte er wirklich so wenig, dass sein Mund sich dabei so merkwürdig anfühlte? »Immerhin hat Graf von Rossfluten etwas zu deinem Schutz unternommen. Heute Morgen ließ er mich wissen, dass du in der Hauptstadt in einem Haus untergebracht werden sollst, das sich in seinem Besitz befindet, mit Dienstboten aus seinem Haushalt. Das ist besser als ein feuchter Kerker unten am Fluss, und ich glaube, es ist auch ein Zeichen dafür, dass dein Verhängnis noch keine beschlossene Sache ist.«
»Er will mich im Auge behalten«, stellte sie nachdenklich fest.
»Auf Wenzels Bitte hin hat Lord Hetwar mir während deines Aufenthalts dort die Aufsicht über dich übertragen.« Er musste jetzt nicht erwähnen, wie sehr dieser unerwartete Glücksfall ihm den Atem verschlagen hatte. »Dem Schreiben nach zu urteilen, das ein Bote mir überbrachte, ist Hetwar ganz froh darüber, wenn du eine Zeit lang außer Sichtweite bleibst.«
Sie blickte auf. »Wenzel will uns also beide in seiner Nähe behalten. Warum?«
»Ich würde sagen …« Er stockte und sprach dann langsamer weiter: »Ich würde sagen, er ist im Augenblick ein wenig verunsichert. So vieles geschieht auf einmal, mit dieser Beerdigung und seiner unglücklichen Frau und all der Unruhe, die die Krankheit des Geheiligten Königs mit sich bringt, und — die Mutter möge es verhüten, doch es scheint sehr wahrscheinlich zu sein — die bevorstehende Wahl. Biast und sein Gefolge werden bald in Ostheim eintreffen, und der Prinz wird gewiss auch seinen Schwager bei den anstehenden politischen Winkelzügen hinzuziehen. Und unter all dem liegen noch die anderen unheimlichen Geheimnisse Wenzels, die alten und die neuen. Wenn Wenzel einen Teil dieses Mosaiks an Ort und Stelle halten kann, bis er die Zeit findet, sich darum zu kümmern, ist es umso besser. Für ihn jedenfalls. Denn ich für meinen Teil habe nicht vor stillzuhalten.«