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Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]

Электронная книга - «Im Schatten des Wolfes [The Hallowed Hunt - de]». Краткое содержание книги:

Lord Ingrey wird in die Ländereien Prinz Bolesos entsandt, in einer delikaten, höchst unangenehmen Mission. Jemand hat den Prinzen umgebracht! Da er der Thronerbe war und der König im Sterben liegt, soll Ingrey die Wogen der Aufregung glätten, die Leiche des Prinzen überführen und die mutmaßliche Mörderin vor Gericht bringen. Damit das Königreich nicht in falsche Hände fällt, muss er dunkle Geheimnisse enthüllen und einen fürchterlichen „Blutpreis“ aus der Vergangenheit. In sich abgeschlossener Roman aus der Reihe „Die magischen Messer“.
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»Was hast du dann vor?«

»Wenn mehr als eine einflussreiche Gruppierung in Ostheim deinen Prozess gerne unterdrückt und diesen Skandal stillschweigend aus der Welt geschafft sehen würde, wie ich vermute, könnte man vielleicht sogar damit durchkommen. Eure Verwandten könnten sich auf das alte Stammesrecht berufen und ein Wergeld für Prinz Boleso anbieten.«

Sie atmete tief ein und hob überrascht die Augenbrauen. »Wird die Kirche es dulden, wenn ihre Justizräte von einem solch bedeutenden Fall ausgeschlossen werden?«

»Wenn die höchsten Herren der Häuser Hirschendorn und Dachswall sich einigen, wird dem Geistlichen der Kirche des Vaters keine andere Wahl bleiben. Doch da liegt schon das erste Problem, denn der König ist nicht in der Lage, auf irgendeinen Vorschlag einzugehen. Als ich Ostheim verlassen habe, hatte Hetwar sogar Zweifel, ob der alte Mann von Bolesos Tod noch viel mitbekommen hat. Biast, wenn er erst einmal ankommt, wird nicht ganz im Bilde sein, aber gänzlich abgelenkt. Deutliche Worte vom Hof in Ostheim sind schon seit Wochen kaum noch zu bekommen, und es wird wohl erst noch schlimmer werden, bevor es wieder besser wird. Aber der Kurgraf von Dachswall besitzt allein schon beträchtlichen Einfluss. Wenn er sich um der Ehre seines Hauses willen überzeugen lässt, dich zu unterstützen, und wir Wenzel dazu bringen können, sich bei ihm für dich einzusetzen, könnte der Plan gelingen.«

»Das Wergeld für einen Prinzen wäre eine gewaltige Summe. Weit außerhalb der Mittel meines armen Stiefvaters.«

»Es müsste aus dem Vermögen derer von Dachswall bezahlt werden. Vielleicht mit einem Zuschuss von Wenzel.«

»Kennt Ihr den Grafen von Dachswall? Ich habe nicht den Eindruck, dass er als freigiebig bekannt ist.«

»Äh …« Ingrey zögerte, dann antwortete er freimütig: »Nein, das ist er nicht.« Er blickte zu ihr hinüber, wie sie in der allmählich kräftigeren Morgensonne neben ihm ritt. »Aber wenn das Geld …«

»Die Bestechungssumme?«, murmelte sie.

»… auf anderem Weg aufgebracht werden kann, ließe er sich vermutlich leichter dazu bewegen, seinen Namen zur Verfügung zu stellen. Deine ererbten Güter … wie groß sind sie?«

Ihre Stimme klang mit einem Mal merkwürdig widerstrebend. »Sie erstrecken sich etwa dreißig Meilen von Ost nach West entlang der Rabenberge und zwanzig Meilen nach Norden bis zur Wasserscheide mit den Kantonen.«

Ingrey blinzelte überrascht. »Das ist um einiges größer, als ich bisher nach deinen Worten geschlossen hätte. Ein so ausgedehntes Waldland ist ein gewaltiger Besitz. Es bietet Wild, Holz, Holzkohle, Weidemöglichkeiten für Schweine, womöglich sogar Erz in den Bergen … Du besitzt beinahe selbst schon genug, um das Wergeld für einen Prinzen aufzubringen, würde ich sagen! Wie viele Dörfer und Weiler gibt es dort, wie viele Herdstellen in den Steuerlisten?«

»Keine. Nicht in dieser Gegend. Niemand jagt dort. Niemand betritt den Wald.«

Die plötzliche Anspannung in ihrer Stimme ließ ihn aufhorchen. »Warum nicht?«

Mit gespielter, doch wenig überzeugender Beiläufigkeit zuckte sie die Achseln. »Das Land ist verflucht. Verwunschene Wälder, wispernd und dunkel. Der Wehe Wald, so nennt man diesen Ort. Jeder, der ihn betritt, wird von Albträumen heimgesucht, so heißt es … von Träumen um Blut und Tod.«

»Das sind doch bloß Geschichten«, meinte Ingrey verächtlich.

»Ich habe den Wald einmal betreten«, erwiderte Ijada unerschütterlich. »Nachdem meine Mutter starb und klar war, dass dieses Gebiet mir zufallen würde. Ich wollte es selbst in Augenschein nehmen, weil ich annahm, ich hätte das Recht dazu. Und die Pflicht. Der Förster wollte mich erst nicht hineinführen, aber ich bestand darauf. Die Knechte meines Stiefvaters und meine Dienstmagd waren entsetzt. Eine ganze Tagesreise weit ritten wir hinein, und dann schlugen wir das Lager auf. Ein Großteil dieses Landes ist wild und zerklüftet, nur Schluchten und Steilhänge, Dornengestrüpp, schroffe Felsen und düstere Senken. In der Mitte liegt ein breites, flaches Tal, von jahrhundertealten Eichen bestanden. Das ist der finsterste Winkel, der angeblich am schlimmsten heimgesucht ist, ein verfluchtes Heiligtum des Alten Weald. Die einheimische Überlieferung weiß zu berichten, dass es das vergessene Blutfeld selbst ist, aber diese zweifelhafte Ehre nehmen auch schon zwei andere Grafschaften entlang der Rabenberge für sich in Anspruch.«

»Schon viele alte Heiligtümer sind im Laufe der Zeit zu Ackerland geworden.«

»Dieses nicht. Wir haben in jener Nacht dort geschlafen, gegen den Willen meiner Begleiter. Und wir haben tatsächlich geträumt. Die Knechte haben geträumt, dass sie von wilden Tieren zerrissen würden, und erwachten schreiend. Meine Magd träumte, in Blut zu ertrinken. Am nächsten Morgen waren alle ganz versessen darauf, diesen Ort so schnell wie möglich zu verlassen.«

Ingrey dachte darüber nach, was sie erzählt hatte. Und dann über das, was sie nicht gesagt hatte. »Aber du warst es nicht?«

Diesmal zögerte sie so lange, dass er seine Frage beinahe wiederholt hätte. Aber er beherrschte sich. Seine Geduld wurde schließlich belohnt, als sie leise erwiderte: »Wir haben alle geträumt. Ich brauchte eine Weile, bis mir klar wurde, dass mein Traum anders gewesen war.«

Wieder wartete er ab. Sie blickte ihn unter gesenkten Wimpern hervor an, als wolle sie abschätzen, wie viele unheimliche Geschichten er sich noch anhören würde.

Doch als sie weitersprach, schien sie nur auf Umwegen zum eigentlichen Thema kommen zu wollen: »Hast du je gesehen, wie ein Almosenspender von einer Schar verhungernder Bettler bedrängt wird? Wie sie ihn einem Strudel gleich umschließen, jeder von ihnen schwach, in ihrer Menge jedoch stark, furchteinflößend und wild? Gebt uns, gebt, denn wir verhungern. Doch wie viel man ihnen auch gibt, selbst wenn man alles gibt, was man besitzt — es wäre nicht genug. Sie könnten den Spender in Stücke reißen und an Ort und Stelle verschlingen und wären doch nicht satt.«

Er nickte bloß, unsicher, wohin das führen sollte.

»In meinem Traum traten Männer zwischen den Bäumen hervor und kamen auf mich zu. Blutverschmierte Männer, viele von ihnen ohne Kopf, in den rostigen Rüstungen des Alten Weald. Einige von ihnen trugen Tierstandarten, die Schädel mit vielfarben glänzenden Steinen geschmückt, oder sie trugen Umhänge aus Leder … Hirsch und Bär, Ross und Wolf, Dachs und Otter, Keiler und Luchs und Ochse und ich weiß nicht was für Tiere sonst. Gesichtslos, verschwommen und grausig zugerichtet. Sie umringten mich in einer brodelnden, bettelnden Masse, als wäre ich ihre Königin, oder ihre Lehnsherrin, die gekommen ist, um wer weiß was für Wohltaten zu verteilen.

Ich verstand ihre Sprache nicht, und ihre Gesten verwirrten mich. Ich hatte keine Angst vor ihnen, obwohl sie mit ihren verwesenden Fingern meine Kleidung berührten, bis sie von kaltem, schwarzem Blut durchtränkt war. Sie wollten etwas von mir. Ich wusste nicht was, aber ich wusste, dass es ihnen zustand

»Ein erschreckender Traum«, sagte Ingrey fest und versuchte, so unbeteiligt wie möglich zu klingen.

»Ich hatte keine Angst vor ihnen. Aber sie haben mir das Herz entzweigeteilt.«

»Waren Sie so bemitleidenswert?«

»Nein, ich meine das wirklich. Oder nicht wirklich, sondern im Traum … Ich habe meine Rippen geteilt und in meine Brust gegriffen, mein pochendes Herz hervorgeholt und es dem Wiedergänger angeboten, den ich für ihren Anführer hielt. Er war einer von den Kopflosen. Sein Haupt steckte noch im Helm und hing an seinem breiten, goldbeschlagenen Gürtel, und er führte eine Standarte mit eingerolltem Banner mit sich. Er verbeugte sich tief und legte mein Herz auf einen Steinblock. Dann durchtrennte er es mit der verbliebenen Klinge seines geborstenen Schwertes. Die eine Hälfte gab er mir zurück, mit einer Geste höchster Ehrerbietung. Die andere Hälfte steckte er auf die Standarte, und sie alle fingen an zu schreien. Ich habe nicht verstanden, ob es eine Bitte war oder ein Opfer oder ein Pfand oder was sonst, bis …« Sie hielt inne und schluckte.

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