Nijura - das Erbe der Elfenkrone
- Автор: Nuyen Jenny-Mai
- Год: 2006
- Язык: немецкий
- Год: cbj Verlag
- ISBN: 978-3-570-13058-2
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
»Setzt euch!« Scapa breitete die Arme aus. »Setzt euch an meine Tafel. Heute Abend werdet ihr erfahren, dass Diebe ausgezeichnete Gastgeber sind.«
Bewegung kam in die Jungen und Mädchen. Man rutschte zusammen und machte Nill, Kaveh und den Elfenrittern Platz.
Die Gefährten zögerten, doch dann ließen sie sich an der Tafel der Diebe nieder. Und sie taten gut daran, sich zu setzen – schließlich türmten sich vor ihnen die herrlichsten Speisen auf! Allein der herrliche Bratenduft zog Nill magisch an. Der Herr der Füchse bemerkte sofort ihre sehnsüchtigen Blicke.
»Greift zu!«, forderte er sie und die Elfen auf.
»Esst und trinkt mit uns. Na los, keine Bange!«
Die Flötenmusik setzte wieder ein. Auch die Gespräche der Füchse wurden wieder aufgenommen, und bald herrschte so ausgelassener Lärm wie zuvor.
Nur die Blicke der Füchse streiften immer wieder halb neugierig, halb misstrauisch die Gefährten.
Nill war die Erste, die nach dem Essen griff. Sie nahm sich ein herrliches, warmes Rosinenbrötchen mit Honigüberzug, biss hinein – und versank völlig im süßen, weichen Geschmack! Hatte sie sich zuvor noch gefürchtet, so wischte das Rosinenbrötchen die letzten Zweifel fort.
Auch die Elfen griffen schließlich zu. Kaveh war ganz fasziniert von all den fremden Speisen, die ihn umgaben, er schnupperte und betrachtete alles sorgfältig, ehe er in etwas hineinbiss. Mareju und Arjas stopften bald Apfelküchlein für eine ganze Meute Verhungerter in sich hinein. Auch Erijel aß mit vollen Backen, während sein Blick forschend durch die Reihe der Füchse strich.
Plötzlich fühlte Kaveh eine leichte Berührung auf seiner Hand.
»Danke«, flüsterte Nill, ohne ihn anzusehen. Ein scheues Lächeln zuckte über ihre Lippen, sie senkte den Kopf und warf ihm einen kurzen Blick zu. »Und ... es tut mir so Leid, dass ich einfach gegangen – ... Danke, dass ihr gekommen seid.« Kaveh räusperte sich und ein roter Hauch stieg in seine Wangen. »Das, das war doch selbstverständlich.«
Nill und Kaveh schielten zum Herrn des Fuchsbaus hinüber. Der wiederum starrte sie unverwandt an. Wann immer Nill nicht mit Essen beschäftigt war, lief es ihr kalt über den Rücken: Bei den meisten Menschen konnte man doch wenigstens eine ganz kleine Regung erkennen – aber bei dem schwarzhaarigen Jungen sah sie nichts. Gar nichts.
Sein Gesicht war eine reglose Maske, und die Augen starrten, als könnten sie in die tiefsten Winkel eines jeden Herzens blicken. Nill wurde ganz nervös.
Nach einer Weile erhob der Herr der Füchse erneut die Stimme. Schlagartig wurde es still in der großen Halle. »Nun, da ihr wisst, wer ich bin –«, er warf Kaveh einen flackernden Blick zu und griff wieder nach seinem Kelch – »und ihr an meinem Tisch gespeist habt, erzählt mir von euch. Wer seid ihr?«
Kaveh reckte sich. »Mein Name ist Kaveh. Ich bin ein Prinz und Gesandter der Freien Elfen. Dies sind meine Begleiter, die Ritter Mareju, Arjas und Erijel. Und unsere Gefährtin Nill kennst du ja.«
»Ein Gesandter also. Und wohin seid ihr gesandt worden?«
Unsichere Blicke wanderten zwischen den Rittern hin und her.
»Nach Korr«, erklärte Kaveh schließlich.
Scapas Augen wurden schmal. »Einfach nur Korr? Wenn ihr die Marschen meint – die sind ziemlich groß.«
Kaveh atmete aus. »Wir sind auf dem Weg zum König von Korr.«
Plötzlich schien sich etwas im Gesicht des Fuchsherrn zu verändern. Ein kaum wahrnehmbares Flackern glitt über seine Augen. »Wieso?«
»Wir sind Kundschafter.« Nill sah unsicher zu Kaveh hinüber. »Wir sind Kundschafter und wollen die Lage in Korr ergründen.«
»Die Lage ist herrlich«, sagte Scapa und kippte sich den Inhalt des Kelches in den Mund. Der Wein schien so zu brennen, dass ihm Tränen in die Augen stiegen. »Keine Macht der Welt könnte mich je zum König bringen.«
Nill beobachtete Scapa argwöhnisch. Wieso war er plötzlich so hasserfüllt?
»Es heißt«, sagte Erijel, »der König sei unverwundbar. Trägt er nicht die Krone Elrysjar der Moorelfen? Man erzählt sich, dass nur ein magisches Messer ihn töten kann.«
Seine Worte trafen Nill wie Faustschläge. Sie wagte nicht zu schlucken, geschweige denn Erijels Blick zu erwidern, der einen schrecklich langen Moment auf ihr ruhte. Ihre rechte Hand fühlte nach dem Steindorn in ihrer Rocktasche ...
Scapa schien es zu bemerken. Obwohl er Nills Hand unter dem Tisch nicht sehen konnte, starrte er sie an, als wüsste er etwas. Nill spürte, dass diese instinktive Geste ein Fehler gewesen war. »Mag sein.« Scapa deutete ein Schulterzucken an.
»Mir ist es gleich.« Er ergriff einen Weinkrug und goss sich nach. Dann nahm er erneut einen Schluck, ohne Nill aus den Augen zu lassen.
Der Herr der Füchse fragte sie noch eine Weile über dies und jenes aus, woher sie kämen, wer sie ausgesandt habe, wie lange sie schon auf ihrer Reise waren. Auf alles gaben die Elfen vage Antworten, und Nill fiel auf, dass sie dem Fuchsherrn genauso viel anvertrauten wie ihr damals ... Was hatten sie ihr überhaupt anvertraut? Nur dieselben ungenauen Ausreden, die sie selbst benutzt hatte.
Nun fragten die Elfen Scapa, ob er den Weg in die Marschen kenne. Das tat er nicht. Seine Diebe überlegten mit, wie man den besten Weg fand, und man kam zu dem Schluss, dass wohl nur der zweite, unbeschriftete Pfad in die Sümpfe führen konnte. Eine andere Straße war den Füchsen nicht bekannt. Und auch eine Landkarte, bedauerte Scapa ziemlich halbherzig, besäße er nicht.
Das Gespräch zog sich noch eine Weile hin, aber der Fuchsherr schien jetzt seltsam nachdenklich und abwesend. Seit Erijel das magische Messer erwähnt hatte, lag etwas Unruhiges in seinen Zügen.
Schließlich stellte Scapa den Kelch ab und ließ sich mit einem Seufzen zurücksinken. So saß er einige Augenblicke auf seinem throngleichen Stuhl, die Hände auf den Armlehnen ruhend und in sich zusammengesunken wie ein alter König. Er zog ein Knie an und stützte sich mit dem Fuß gegen die Tischkante. »Ich nehme an, dass ihr müde seid, wenn ihr den ganzen Tag auf Reise wart. Ich will euch für die Nacht im Fuchsbau beherbergen.«
»Das ist sehr großzügig von dir«, sagte Kaveh zögernd.
»Flipp – Mola: Bringt meine Gäste in den Ostflügel. Sie sollen in dem Zimmer mit den Kleeblattfenstern schlafen. Und wenn ihr noch irgendwelche Wünsche habt«, fuhr Scapa an die Gefährten gewandt fort, »dann zögert nicht, sie mir anzuvertrauen.«
Nill und die Elfen erhoben sich dankend. Auch ein Junge, kaum älter als Nill, der aber schon so stämmig wie ein Bär war, und ein flinkes Mädchen mit kurzen Haaren standen auf. Sie führten die Gefährten aus der Halle.
Noch einmal drehte Nill sich zu Scapa um. Und wie erwartet – sein Blick haftete auf ihr! Das heißt, nicht auf ihr – auf ihrem Rock! Genau dort, wo ihre Hand auf dem magischen Messer lag.
Sie erschrak so sehr, dass sie über ihren eigenen Umhang stolperte und den Mund zu einem verblüfften Laut aufriss. Dann fielen die hohen Türflügel mit einem Ächzen hinter ihr ins Schloss.
Das Zimmer, in das sie geführt wurden, war umsäumt von Türbögen und kleinen Säulen, die die sandgelben Steinwände verzierten. Obgleich sich ein Dutzend Türen in dieses Zimmer zu öffnen schienen, war nur noch die passierbar, durch die Nill, die Elfen und Bruno gebracht wurden; die anderen waren durch Gesteinsbrocken und zerfallene Mauern verschlossen.