Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Huma ging zurück und blieb verwirrt stehen. Alles deutete darauf hin, daß er anfangs dem richtigen Pfad gefolgt war. Doch die Felswand sah aus, als stünde sie schon immer dort. Die Oberfläche war moosbewachsen, und die Formation war unten ziemlich verwittert, während sie der Regen oben rundgewaschen hatte.
Schließlich gab Huma es auf und kehrte zu dem anderen Wegstück zurück, das er entdeckt hatte. Obwohl er glaubte, daß es der falsche Weg war, begann er ihm zu folgen. Beim Weitergehen wuchs seine Zuversicht, denn der Pfad schien dorthin zu führen, wo er hin wollte. Bald folgte Huma einer Reihe von Biegungen und Kehren, die ihn fast schwindelig werden ließen. Der Ritter blieb stehen. Dieser Pfad führte eindeutig weiter weg. Er fluchte in sich hinein und kehrte um, um den Weg zurückzuverfolgen.
Der Pfad, auf dem er gekommen war und der eindeutig nach rechts abbiegen mußte, bog nach links ab.
Alles hier war verkehrt. Huma wußte, daß er anfangs einen Fehler gemacht haben konnte, aber nicht dieses Mal. Er hatte sich den Weg sehr genau eingeprägt. Buoron und die anderen hatten gesagt, daß viele Reisende aus diesen Bergen nicht mehr zurückkamen; jetzt kannte er den Grund. Es war, als würden sich die Berge selbst gegen den Unvorsichtigen verschwören, doch Huma wußte, daß es in Wahrheit das Werk eines Sterblichen sein mußte. Seine Gedanken gingen zu Galan Drakos, aber das hier paßte nicht zum Stil des Abtrünnigen. Er erkannte, daß er geführt wurde. Drakos hätte ihn inzwischen schon gefangen. Nein, diese Magie verfolgte einen anderen Zweck.
Mit gezogenem Schwert begann Huma, dem einzigen möglichen Pfad zu folgen.
Es gab nichts Ungewöhnliches, nur Felsen, struppige Büsche und hin und wieder weit oben einen Vogel.
Plötzlich teilte sich der Pfad. Huma hielt inne, doch er vermutete, daß er in Wirklichkeit keine Wahl hatte. Aber wo lang? Er überlegte eine Weile, bis er ein Tock-Tock hinter sich hörte. Huma wirbelte mit gezogenem Schwert herum. Er hatte einen Oger oder vielleicht einen Zauberer aus der Schwarzen Garde erwartet. Statt dessen sah er sich einer Gestalt mit Kapuze gegenüber, die auf einem großen, flachen Felsen saß.
Das Tock-Tock kam von einem Stab, der Magus’ Stab sehr ähnlich war. Er wurde von einer Hand in einem grauen Handschuh gehalten, die teilweise von einem Mantelärmel bedeckt war. Der graue Mantel wiederum verhüllte größtenteils die Gestalt eines – Huma trat näher heran, um sicherzugehen – graugesichtigen Mannes.
Der graue Mann streichelte seinen langen, grauen Bart und lächelte den Ritter kaum wahrnehmbar an.
Huma senkte seine Klinge ein Stück weit. »Wer bist du?« fragte er.
»Wer bist du?« gab der graue Mann zurück.
Der Ritter runzelte die Stirn, entschloß sich aber, das Spiel zunächst mitzuspielen. »Ich bin Huma, Ritter vom Orden der Krone.«
»Ein Ritter von Solamnia.« Die farblose Gestalt sprach, als hätte sie das die ganze Zeit gewußt. Der Stab klopfte weiter auf den Felsen.
»Ich habe deine Frage beantwortet; nun beantworte meine.«
»Ich?« Der graue Mann lächelte, wobei sich graue Zähne zeigten. »Ich bin auch nur ein Reisender.«
Huma zeigte auf die Gegend um sie herum. »Das ist nicht dein Werk?«
»Die Berge? Oh, nein. Soweit ich weiß, sind sie schon lange hier.«
»Ich meine die Wege, die verschwinden.« Die exzentrische Haltung des anderen verärgerte Huma.
»Ich bewege keine Berge. Es ist gut möglich, daß du mit deinen Augen einfach nicht gut genug siehst.« Die Gestalt auf dem Felsen schien regelrecht mit dem Hintergrund zu verschmelzen. Huma bemerkte, daß er selbst nach nur kurzem Wegschauen genau hinsehen mußte, um den Mann wiederzufinden. Zweifellos hatte der Mann schon auf dem Felsen gesessen, als Huma eben daran vorbeigelaufen war. Der Ritter hatte ihn nicht wahrgenommen.
»Bist du ein Zauberkundiger?« wollte Huma wissen.
Das Tock-Tock des Stabs hörte kurz auf. »Also das ist jetzt wirklich eine interessante Frage.«
Das Pochen hörte nicht auf.
»Und?« Huma kämpfte um seine Beherrschung.
Der graue Mann schien einen Moment nachzudenken. Dann zeigte er mit dem Stab auf die zwei Pfade hinter Huma und fragte: »Wolltest du nicht gerade einen Pfad auswählen? Du solltest weitermachen, weißt du. Du könntest zu einem wichtigen Ort gelangen.«
»Na schön. Welchen Weg würdest du wählen?« Huma hielt den Atem an, während er überlegte, ob er wohl eine verständliche Antwort bekommen würde.
Nach weiterem Beratschlagen mit sich selbst zeigte der steinfarbene Mann mit dem Stab auf den linken Pfad. »Der da hat sich als sehr beliebt erwiesen.«
»Danke.« Huma marschierte auf den gezeigten Pfad zu. Mit grauen Männern und Wegen, die kamen und gingen, wollte er nichts mehr zu tun haben. Je eher er fort war –
»Allerdings«, fügte die seltsame Gestalt hinzu, »haben andere festgestellt, daß der rechte Pfad der rechte ist.«
Huma blieb stehen. Er drehte sich um und starrte den grauen Mann kalt an. »Welchen würdest du wählen?«
»Ich gehe nirgends hin.«
Der Ritter betrachtete die beiden Wege. Von seinem Standpunkt aus sahen beide gleich aus. Er konnte nicht nach der Erscheinung urteilen. Er mußte seinem Instinkt vertrauen.
Gezielt ging Huma zu dem rechten Pfad und wanderte los. Er sah sich nicht um, nicht einmal, als das Tock-Tock wieder losging-
Der Abschiedskommentar jedoch ließ ihn kurz innehalten.
»Interessante Wahl.«
Das Tock-Tock hörte auf. Huma drehte sich wütend um. Der Pfad und der graue Mann – waren verschwunden. An ihrer Stelle stand ein hoher, zerklüfteter Berg.
Huma schleppte sich stundenlang über den gewundenen Weg. Er merkte, daß die Sonne schon tief stand. Das bedeutete, daß er bereits den größten Teil des Tages von den anderen getrennt war. Sein lautes Rufen hatte sich als nutzlos erwiesen.
Der Wind hatte aufgefrischt. Huma wagte es, sein Schwert in die Scheide zu stecken, damit er den Umhang fester zuziehen konnte. Er überlegte, wie kalt es wohl in diesen Bergen werden konnte und beschloß dann, lieber nicht daran zu denken.
Wo waren Magus und Kaz? Er hoffte, der Minotaurus und der Zauberer würden einander nicht umbringen, jetzt wo Huma nicht da war, um sie im Zaum zu halten.
Sein Magen knurrte wieder vor Hunger, was sofort ein unbestimmtes Schuldgefühl hervorrief. Fasten war für die Ritter ein Reinigungsritus. Die paar Stunden sollten ihm nichts ausmachen.
An den Büschen am Weg hingen ein paar Beeren, doch die hatten sich als ungenießbar und möglicherweise auch giftig erwiesen. Von Tieren hatte er keine Spur gesehen und nichts gehört wie auf den gelegentlichen Schrei des Wesens, das da draußen lauerte. Ein großer Vogel vielleicht. Wovon lebte er wohl? Von dummen, unvorsichtigen Reisenden?
Schließlich wurde es Abend. Huma wartete auf ein Zeichen von Magus, doch weder Licht noch Geräusch durchdrangen die Dunkelheit. Als die Nacht hereinbrach, war Huma immer noch allein.
Die Nacht war zur Abwechslung einmal hell. Irgendwie schienen die Sterne die Wolkendecke immer zu durchdringen, auch wenn es der Sonne nicht gelang. Besonders ermutigend war, daß endlich Solinari aufging. Jetzt wachte der Gott der Weißen Roben über die Welt, und obwohl Magus die karmesinroten Roben trug, hoffte Huma, daß Solinari auch über seinen Freund wachen würde.
Irgendwann machte Huma dann müde und verwirrt halt für die Nacht. Er war fest entschlossen, bei Tagesanbruch weiterzugehen. Er kroch unter einen Felsvorsprung an einem ziemlich ebenen Platz und wickelte sich in seinen Mantel. Ein Feuer kam nicht in Frage. Huma hatte Schlimmeres überlebt, doch sein Magenknurren irritierte ihn weiterhin, selbst als er schon in Schlaf sank.