Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Allgemeiner Beifall folgte. Die Meinungen über Huma hatten sich wieder ins Gegenteil verkehrt, so daß er für seine Kameraden schon jetzt fast genauso ein Held war wie für die Ergodianer.
»Nehmt dem Minotaurus die Fesseln ab.«
Ritter Caleb gehorchte widerstrebend. Kaz grinste ihn zähnefletschend an, als der Ritter die letzten Schnüre löste. Im nächsten Moment brach der Minotaurus bereits durch die Menge. Kaz schnappte sich seinen alten Gefährten und hob ihn mit einem Freudenschrei in die Luft.
»Ich dachte, ich sehe dich nie wieder, Freund Huma! Du mußt wissen, daß ich mich aus Respekt vor dir während meiner Suche sehr zurückgehalten habe. Bin ich froh, daß ich mich entschlossen habe, gleich nach Süden zu ziehen! Ich hatte überlegt, daß du womöglich nach Norden gehst, um mich zu suchen.«
Huma wurde rot. »Ich konnte nur hoffen, daß du in Sicherheit warst. Mein Weg führte mich nach Süden, sogar gegen meinen Willen. Magus – «
Kaz verstand ihn falsch. »Ja, ich habe gesehen, wie dein Freund, dieser zauberkräftige Drachensohn, mich anstarrte. Er war wohl ohne weiteres bereit, mich aus Zweckdenken zu opfern. Sein befriedigter Gesichtsausdruck machte mich so wütend, daß ich über einen selbstmörderischen Fluchtversuch nachgedacht habe.« Der Minotaurus brüllte vor Lachen, obwohl Huma nicht wußte, weshalb.
Taggin räusperte sich. Rasch schob Huma den Minotaurus zu ihm hin. »Fürst Taggin, Ritter der Rose. Ich möchte Euch Kaz, den Minotaurus, vorstellen.«
»Aus einem Geschlecht, das mehr als ein Dutzend Sieger meiner Rasse hervorgebracht hat.« Im Land der Minotauren zählte Blut nicht ganz so viel wie bei den aristokratisch gesonnenen Rittern von Solamnia, doch eine Familie von Siegern war bei anderen Minotauren hoch angesehen. Für die Ritter war es, als würde Kaz sich als Edelmann seines Volkes vorstellen.
Taggin begrüßte den Minotaurus und wurde dann ernst. »Wir unterhalten uns, wenn die anderen fort sind. Ich habe auch den Magier rufen lassen.«
Der Raum leerte sich schnell. Ein Blick seines Kommandanten schickte auch Buoron vor die Tür. Kaz wirkte verwirrt, doch Fürst Taggin weigerte sich zu reden, bevor Magus anwesend war.
Mit offensichtlichem Widerstreben trat der Zauberer ein. Kaz mußte sich zusammenreißen, seine Augen waren blutunterlaufen. Huma befürchtete einen Angriff, doch Kaz hielt sich im Zaum. Magus tat so, als wäre die massige Gestalt gar nicht vorhanden.
»Ich habe beschlossen, deinem Wunsch Folge zu leisten, Fürst Taggin.«
»Wie überaus freundlich von dir.« Der betagte Ritter war ebensowenig bereit, seine Feindseligkeit dem Magier gegenüber zu verbergen wie Buoron. »Ich habe beschlossen, euch eure Reise fortsetzen zu lassen und werde sogar eine Eskorte stellen.«
Magus rümpfte die Nase. »Wie überaus freundlich von dir, Fürst Taggin, aber wir brauchen keine Eskorte. Huma und ich schaffen es allein.«
»Ihr werdet aber nicht allein sein, du Sohn einer Wölfin«, zischte Kaz. »Ich komme mit, ob Eskorte oder nicht.«
Taggin gebot mit erhobener Hand Schweigen. »Du hast keine Wahl. Ich gebe euch auf jeden Fall eine Eskorte mit. Und zwar nicht aus Höflichkeit. Es ist einfach notwendig, wenn ihr beabsichtigt, diese – Mission – weiter zu befolgen.«
Magus blitzte Huma offen an. »Ich wollte, du hättest ein Schweigegelübde abgelegt. Du hast anscheinend eine lose Zunge.«
Huma wurde zornig, wollte seinem Gefährten jedoch nicht die Genugtuung einer kindischen Erwiderung verschaffen.
Der Fürst näherte sich Magus, bis kaum noch mehr als eine Handbreit zwischen ihren Gesichtern lag. »Ihr reitet morgen früh bei Tagesanbruch. Nicht früher, nicht später. Solltest du erwägen, dich fortzustehlen, dann spar dir die Mühe. Wir werden dich finden, und dann sperre ich dich ein. Wir können einen Zauberer durchaus festhalten. Darauf kannst du dich verlassen.«
Es befriedigte Huma einigermaßen, daß Magus als erster den Blick senkte. »Na schön. Da wir offenbar keine andere Wahl haben.«
»Habt ihr nicht.«
An Huma gewandt, zeigte der Zauberer auf den Minotaurus und fragte: »Der da muß auch mitkommen?«
»Allerdings.« Kaz ergänzte Humas Antwort durch ein drohendes Grollen, bei dem er seine Zähne entblößte.
»Morgen früh also.« Magus wandte sich wieder an Fürst Taggin. »Ist das alles?«
»Nein. Verstehe ich richtig, daß all das auf einem Traum beruht?«
Der Magier lächelte irgendwie traurig. »Die Prüfung ist kein Traum. Alptraum wäre das passendere Wort. Ein Alptraum, den ich zu ändern hoffe.«
Taggin starrte ihm in die Augen. »Du hast ihm nicht alles erzählt, Magus, nicht wahr?«
Humas Augen wurden größer, dann noch größer, als der Zauberer noch immer mit der Antwort zögerte.
Magus schaute die anderen an und ging dann abrupt zur Tür. »Nein. Wenn es an der Zeit ist, werde ich es tun.«
Sie sahen ihm nach, während er den Raum verließ.
»Paß auf ihn auf, Huma«, flüsterte Taggin schließlich. »Nicht nur um euretwillen, sondern auch um seinetwillen.«
Der jüngere Ritter nickte. Wieder fragte er sich, ob er Magus überhaupt noch vertrauen konnte.
Ein Ritter stand wartend auf dem Gipfel des höchsten Berges. Sein Visier war heruntergelassen, so daß er nicht zu identifizieren war. Er trug das Zeichen der Ritter der Rose, und in der linken Hand hielt er ein hinreißendes Schwert. Er schien Huma die Waffe anzubieten.
Huma zog sich über Felsen und Spalten weiter hoch. Mehr als ein dutzendmal verlor er den Halt, doch jedesmal konnte er sich rechtzeitig wieder fangen. Obwohl Huma fast oben war, half der andere Ritter ihm nicht. Statt dessen hielt die seltsame Gestalt ihm weiter das Schwert hin.
Huma stolperte vor und nahm die angebotene Waffe entgegen. Es war ein schönes, sehr altes Schwert. Huma zerteilte damit dreimal die Luft. Der andere Ritter sah zu.
Der junge Mann dankte ihm für die Waffe und fragte ihn nach seinem Namen. Der Ritter hinter dem Visier sagte kein Wort. In plötzlichem Zorn griff Huma nach vorn und hob das Visier hoch.
Er würde nie erfahren, was dahinter war, denn irgend etwas heulte, und Huma saß aufrecht im Bett, während sich der Traum verflüchtigte.
Taggin war persönlich anwesend, um sich zu überzeugen, daß alles nach Plan lief. Besonders Magus sah er auf die Finger, doch der Zauberkundige riß sich an diesem Morgen zusammen.
Die Eskorte marschierte auf. Zehn Mann hatten sich freiwillige gemeldet. Huma war erleichtert, daß Buoron unter ihnen war.
Als der ganze Trupp startbereit zu Pferd saß, gab Buoron das Signal, die Tore zu öffnen. Beim Hinausreiten salutierten alle vor dem Kommandanten, mit Ausnahme von Kaz und Magus. Fürst Taggin hatte nichts mehr zu Huma gesagt, doch er gab dessen Gruß mit einer leicht beruhigenden Handbewegung zurück.
Ihr Weg führte die ganze Zeit durch offenes Gelände, so daß sie das langsam größer werdende Gebirge immer im Blick hatten. Sie waren mehrere Tagesreisen von ihrem Ziel entfernt. Huma überlegte, welchen Gipfel Magus wohl suchte, und was er dort zu finden hoffte. Der Magier war ausgesprochen schweigsam. Seine Augen hatten die hohen Gipfel jedoch von dem Moment an fixiert, wo die Gefährten das Fort verlassen hatten. Magus starrte die gewaltigen Felsriesen an, als hinge sein Leben von ihnen ab – was möglicherweise auch stimmte.
Hätte Huma jetzt zurückgeblickt, so hätte er vielleicht den Schatten gesehen, der hinter ihnen von einem Versteck zum anderen flitzte. Er kümmerte sich nicht darum, daß heller Tag war, was seine Rasse nicht ertragen konnte. Er empfand sich eigentlich nur noch als Teil seines Herrn. So hatte das Wesen die weite Reise gemacht, um dem einen, der seine Existenz beherrschte, als Auge und Ohr zu dienen. Für ihn würde es den brennenden Schmerz des Tageslichts ertragen, Tageslicht, das es selbst durch die immerwährende Wolkendecke hindurch versengte.