Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern
- Автор: Кнаак Ричард А.
- Серия: Das Heldenlied der Drachenlanze #1
- Год: 1994
- Язык: немецкий
- Переводчик: Imke Brodersen
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Das Ehrenwort. Verrat unter Rittern». Краткое содержание книги:
Kaz schnaubte wütend. »Ich hatte die Ritter für eine ehrenhafte Gemeinschaft gehalten, aber ich sehe schon, daß nur sehr wenige von ihnen Ehre besitzen!« Er streckte einen langen, muskulösen Arm durch die Gitterstäbe, die Hand wie flehend geöffnet. »Huma! Hol mich aus diesem Käfig raus!«
Die Ritter starrten Huma mit zusammengekniffenen Augen an. »Er scheint dich gut zu kennen. Wie kommt das?«
»Wir haben uns kennengelernt und sind zusammen gereist. Er ist kein Sklave der Drachenkönigin. Er ist sein eigener Herr. Er ist ein Freund.«
»Ein Freund?« Die Wachen sahen Huma erstaunt – und sehr ungläubig an. Andere Ritter gesellten sich zu ihnen, um zu erfahren, was das Geschrei zu bedeuten hatte.
Schließlich sagte die andere Wache: »Vielleicht sollten wir Taggin holen, Caleb.«
»Ich will ihn jetzt nicht stören.« Caleb, ein großer, schwerer Mann mit räuberischem Blick, zeigte auf Huma. »Wenn ich es nicht besser wüßte, würde ich dich für einen Spion halten, weil du mit Magiern und Minotauren gemeinsame Sache machst. So aber halte ich dich einfach für dumm. Wenn du mit diesem Vieh sprechen willst, frag Taggin. Ich würde dich bis zum Verhör einsperren, wenn es nach mir ginge.«
Es gab zustimmendes Gemurmel, und Huma war überrascht. Innerhalb von Sekunden war er vom gefeierten Besucher offenbar zum Ausgestoßenen geworden.
»Was geht hier vor?« Jeder, sogar Kaz, gefror beim Klang dieser Stimme. Es war Fürst Taggin in seiner Prachtrüstung. Mindestens zwanzig Jahre waren von seinem Gesicht abgefallen. Jetzt war er der Inbegriff von Autorität.
»Männer, ihr benehmt euch in letzter Zeit immer pöbelhafter. Ich sehe schon, daß ich die Zügel etwas straffer ziehen muß.« Taggin wandte sich an Huma. »Mir wurde mitgeteilt, daß du etwas über diesen Minotaurus weißt.« Hinter dem Kommandanten studierte Buoron den Boden. »Wir fangen in einer halben Stunde mit dem Verhör an. Ich erwarte, daß du anwesend bist und sagst, was du zu sagen hast. Verstanden?«
»Ja, Herr.«
Taggin drehte sich zu den Posten um. »Was euch angeht, so gibt es Grundsätze der Ritterschaft, die ihr offensichtlich verletzt. Ich erwarte, daß ihr beide aus diesem Vorfall lernt.«
Der Ritter der Rose wartete keine Antwort ab. Statt dessen ging er an ihnen vorbei zum Käfig. Kaz funkelte ihn an, doch Taggin wirkte unbeeindruckt.
»Wisse, Minotaurus: Die Grundsätze der Ritterschaft werden eingehalten. Deine Verhandlung wird unvoreingenommen stattfinden. Du wirst Gelegenheit bekommen, dich zu verteidigen und zu beweisen, was dieser Ritter hier über dich sagt. Das verspreche ich.«
Kaz gab nur die Andeutung eines Nickens zur Antwort.
Taggin machte auf dem Absatz kehrt und marschierte in sein Quartier.
»Huma, du erstaunst mich unablässig mit deiner Fähigkeit, dich zum Mittelpunkt zu machen.«
Huma und Buoron sahen auf, als sie die Aufenthaltsräume der Ritter betraten. Magus starrte sie von der anderen Seite aus in der vollen Pracht seiner roten Robe an. Wieder wunderte sich Huma über die Veränderung. War Magus wirklich zum Orden von Lunitari zurückgekehrt, oder war das nur eine weitere seiner Launen?
»Der Zauberer kehrt zu den Lebenden zurück«, bemerkte Buoron trocken.
Der Magier rührte sich. »Wirklich, Huma, das einzige an dir, was noch dümmer ist als dieses Herumlaufen in Blech, ist deine Gesellschaft. Abgesehen von mir natürlich.«
»Wenn du nichts Wichtigeres zu sagen hast, Magus, dann halt besser den Mund.« Huma war über die Schärfe dieser Erwiderung selbst überrascht.
Magus beachtete die Rüge nicht weiter. »Ich sehe, daß es dem Minotaurus gelungen ist, in Schwierigkeiten zu geraten. Wir haben wirklich keine Zeit für so etwas. Hätte ich nicht die Pause gebraucht, dann hätten wir gestern abend schon aufbrechen können.«
Buoron lächelte grimmig. »Ohne Fürst Taggins Erlaubnis gehst du nirgends hin.«
»Wirklich nicht?«
»Nicht mit mir, Magus. Nicht bevor Kaz frei ist«, fügte Huma hinzu.
Der Zauberer seufzte. »Na schön. Ich hoffe, es dauert nicht lange. Ich weiß, wie lang und wie langweilig Verhöre sein können.«
»Huma, ist dieser Abschaum wirklich dein Freund?« warf Buoron ein.
»Glaub, was du willst. Ich hoffe immer noch, den alten Magus dahinter zu entdecken.«
Wenigstens dieses eine Mal hatte der Zauberer keine Widerrede parat. Er sah Huma nur an, um dann mit Interesse etwas an seinem Stab zu untersuchen.
»Kommst du mit, Magus?«
Sein Jugendfreund blickte auf. »Zu einem Verhör? Kaum. Sie könnten beschließen, mich auf die Anklagebank zu setzen. Ich erwarte den Ausgang hier.«
Huma stieß einen Seufzer aus, hätte jedoch nicht sagen können, ob vor Erleichterung oder aus Sorge.
Im Gegensatz zu den förmlichen Verhören in Burg Vingaard verlief die Sitzung im Außenposten kurz, direkt und ohne Umschweife. Kaz wurde befragt, wo er im letzten halben Jahr überall gewesen war. Sein Verbrechen gegen seine einstigen Herren und das nachfolgende Treffen mit Huma mußte er minutiös schildern, wobei Fürst Taggin auf einen Ausrutscher lauerte, der die Vertrauenswürdigkeit des Minotaurus in Frage stellen würde.
Im Laufe der Befragung kamen viele Einzelheiten der Geschichte des Minotaurus ans Licht. Er entstammte einer alten Familie von Siegern seines Clans. Er trug sogar den Namen eines lange verstorbenen Ahnherrn, eines mächtigen Kämpfers, der die Rasse dreiundzwanzig Jahre regiert hatte, bis er schließlich doch besiegt wurde.
Kaz jedoch war in einer Zeit aufgewachsen, in der kein wirklich starker Herrscher die Minotauren befehligte. Wie Huma erfahren hatte, waren ihre Befehlshaber jetzt ihrerseits Marionetten der Befehlshaber der Drachenkönigin. Jeder Minotaurus, Männer wie Frauen, wurde in die wachsenden Heere der Dunklen Herrin eingezogen, sobald er das entsprechende Alter erreicht hatte. In keiner Einheit gab es genug von ihrer Rasse, um eine Rebellion zu schüren. Kaz’ Volk wurde schon für das kleinste Vergehen streng bestraft.
Der große Krieger gab zu, daß er seinen Teil zu den Kämpfen beigetragen hatte. Das war ihm angeboren. Doch das sinnlose Gemetzel um ihn herum hatte ihn allmählich krank gemacht. Es lag keine Ehre in dem, wozu er gezwungen war. Den Ogern war es gleichgültig, ob sie ein Heer oder ein Dorf vor sich hatten. Alles, was sie auf ihrem Weg trafen, mußte ausgelöscht werden.
Dann beschrieb Kaz detailliert den letzten Vorfall, bei dem er den Ogerhauptmann umgebracht hatte. Einen Augenblick lang waren die anwesenden Ritter alle auf seiner Seite.
Die Nachricht vom Zusammenbruch der solamnischen Linien und dem darauffolgenden Chaos entfachte den Zorn der Ritter von neuem. Danach beschrieb Kaz den Angriff auf die Zitadelle von Magus und die Flucht, bei der Huma und Kaz sich schließlich getrennt hatten.
Der Höhepunkt der Befragung war wahrscheinlich Kaz’ Beschreibung von Humas kurzer, aber blutiger Begegnung mit dem Kriegsherrn. Die, die ihn wegen seiner seltsamen Freundschaft mit Mißtrauen angesehen hatten, begannen, ihn daraufhin mit noch gewachsenem Respekt zu betrachten.
Nach Kaz sprach Huma. Er bat die Ritter um nichts, sondern erzählte ihnen von den tapferen und gerechten Taten des Minotaurus. Er betonte auch, daß Ehre für Kaz einen genauso hohen Stellenwert hatte wie für die Ritterschaft.
Fürst Taggin sah furchtbar müde aus, als alles gesagt war. Er stand dem gefesselten und bewachten Minotaurus gegenüber, holte tief Luft und sagte: »Der Minotaurus Kaz war in jeder Hinsicht kooperativ. Er hat uns einen guten Einblick in das Vorgehen der Streitkräfte der Drachenkönigin gegeben, und seine Worte werden von Huma, Ritter der Krone, bestätigt. Von Rechts wegen hat er einen ehrenhaften Tod verdient.«
Kaz schnaubte wütend und begann, an seinen Fesseln zu reißen. Taggin fuhr fort.
»Es gibt jedoch eine weitere Möglichkeit. Paladin ist der Gott der Gerechtigkeit und der Weisheit. Den Minotaurus hinzurichten, wäre ein einziger Hohn. Deshalb liefere ich ihn dem bewährten Gewahrsam von Ritter Huma aus, dem wir wohl vertrauen können, daß er ihn unter Kontrolle halten kann.«