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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]

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Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
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»Das hier ist wahrscheinlich der sicherste Ort, an dem wir uns unterhalten können, wenn wir nicht gestört oder belauscht werden wollen«, sagte sie. »Denn niemand wird freiwillig zur Kochstelle kommen — aus Angst, er müsse sofort eine Arbeit übernehmen.«

Zdorab kicherte. »Ich werde immer froh über deine Gesellschaft sein, während ich hier arbeite, solange du berücksichtigst, daß das Kochen eine Kunst ist und ich mich manchmal tatsächlich darauf konzentrieren muß.«

»Ich hoffe, ich kann dir so interessante und anregende Dinge erzählen, daß dir die Suppe manchmal mißlingt.«

»Wenn du das zu oft machst, werden sie uns bitten, uns wieder scheiden zu lassen.«

Sie lachten, und dann klang ihr Gelächter erneut in Schweigen aus.

»Warum erzähle ich es nicht Tante Rasa?« fragte Schedemei. »Sie wird bestimmt noch heute abend die Hochzeitsfeier ausrichten wollen. Sie wird noch erleichterter sein, als Nafai es war.«

»Und wir wollen es so öffentlich wie möglich machen«, sagte Zdorab.

Sie begriff. »Alle sollen sehen, daß wir eindeutig Mann und Frau sind.« Und das unausgesprochene Versprechen: Ich werde niemandem sagen, daß wir keineswegs Mann und Frau sind.

Schedemei wandte sich um, doch Zdorabs Stimme hielt sie zurück. »Schedja«, sagte er.

»Ja?«

»Bitte nenne mich Zodja.«

»Natürlich«, sagte sie, obwohl sie seinen Kosenamen noch nie gehört hatte. Niemand benutzte ihn.

»Und noch etwas«, sagte er.

»Der Artikel, den du als Studentin veröffentlicht hast – du hast dich geirrt. Bezüglich des genetischen Ausschusses.«

»Ich habe doch ausdrücklich erklärt, daß es nur eine Spekulation ist …«

»Nein, ich meine, ich weiß, du hast dich geirrt, denn ich weiß jetzt, was wir sind. Die uralte Wissenschaft, die Wissenschaft der Erde, die ich mit Hilfe des Index studiert habe, hat es herausgefunden. Es ist kein interner Mechanismus des menschlichen Körpers. Keine genetische Sache. Entscheidend ist die Höhe des männlichen Hormonspiegels im Blutkreislauf der Mutter zu dem Zeitpunkt, da der Hypothalamus zu wachsen beginnt und aktiv ausgeprägt wird.«

»Aber das wäre doch rein zufällig«, sagte Schedemei. »Es hätte gar nichts zu bedeuten, wäre einfach ein unglücklicher Umstand, daß für diese paar Tage der Hormonspiegel niedrig ist …«

»Eine Laune der Natur«, sagte Zdorab. »Ein Zufall. Es hat nichts zu bedeuten, bis auf die Tatsache, daß wir verkrüppelt geboren werden.«

»Wie Issib.«

»Wenn Issib sieht, wie ich gehe, was ich mit meinen Händen bewerkstellige, würde er vielleicht gern mit mir tauschen«, sagte Zdorab. »Aber wenn ich ihn mit Huschidh sehe, und wenn ich sehe, daß sie schwanger ist und die anderen ihm deshalb wirklich Respekt zollen, daß sie ihn als einen der ihren anerkennen, dann gibt es Augenblicke — aber wirklich nur einige —, da ich gern mit ihm tauschen würde.«

Obwohl ihr solche leidenschaftlichen Gesten eigentlich fremd waren, drückte Schedemei impulsiv seine Hände. Doch nun kam es ihr angemessen vor. Freundlich. Und so ließ sie sich hinreißen, und er erwiderte die Geste, also war es in Ordnung. Dann ging sie schnell davon, um Herrin Rasa zu suchen.

Wer hätte sich vorstellen können, dachte sie, daß die Enthüllung, daß mein zukünftiger Mann ein Zhop ist, sich als so wunderbare Nachricht erweist und er dadurch für mich erhöht wird. Die Welt steht dieser Tage wirklich auf dem Kopf.

Als Schedemei und Zdorab gegangen waren und Nafai allein im Indexzelt war, zögerte er nicht. Er nahm den Index — der von ihren Händen noch warm war —, hielt ihn sich vors Gesicht und sprach fast wütend zur Überseele. »Die ganze Zeit über hast du mir gesagt, Vaters Traum vom Baum wäre nicht von dir gekommen, aber du hast nie erwähnt, daß sich seine ganze Erfahrung in deinen Speichern befindet.«

»Das stimmt«, sagte der Index. »Es wäre nachlässig von mir, ein so wichtiges Ereignis nicht aufzuzeichnen.«

»Und du hast gewußt, wie gern ich einen Traum vom Hüter der Erde gehabt hätte. Du hast es gewußt]«

»Ja«, sagte der Index.

»Warum hast du mir dann nicht den Traum meines Vaters gegeben?«

»Weil es der deines Vaters war«, sagte der Index.

»Er hat ihn erzählt — er ist kein Geheimnis mehr! Ich will sehen, was er gesehen hat!«

»Das ist keine gute Idee.«

»Ich bin es leid, daß du ständig entscheidest, was eine gute Idee ist und was nicht. Du warst der Ansicht, es sei eine ausgezeichnete Idee, Gaballufix zu töten.«

»Das war es auch.«

»Für dich. Du hast kein Blut an deinen Händen.«

»Ich habe deine Erinnerung daran. Und ich habe dir in der Wüste geholfen, als Elemak dich töten wollte.«

»Du … du hast mein Leben gerettet, weil du meine Gene in unserem kleinen Genpool haben willst.«

»Ich bin ein Computer, Nafai. Erwartest du, daß ich dein Leben rette, weil ich dich mag? Meine Motive sind wesentlich verläßlicher als menschliche Gefühle.«

»Ich will nichts davon hören! Ich will einen Traum vom Hüter.«

»Genau. Und wenn ich den Traum deines Vaters in deinen Verstand eingebe, bekommst du damit noch lange nicht einen Traum vom Hüter, sondern lediglich einen Speicherbericht von mir.«

»Ich will diese Erdgeschöpfe sehen, die die anderen gesehen haben. Die Ratten und Engel.«

»Die sie für Erdgeschöpfe halten.«

»Ich will den Geschmack der Frucht des Baumes in meinem Mund haben!«

Noch während Nafai dies sagte — während seine Lippen stumm die Wörter bildeten und in seinem Verstand ein Wutschrei erklang —, wußte er, daß er sich kindisch benahm. Aber er wollte es so sehr, wollte unbedingt wissen, was sein Vater wußte, wollte sehen, was Luet sah, was Huschidh sah, sogar, was General Muuzh und Luets seltsame Mutter, Durstig, sahen. Er wollte es wissen, nicht nur hören, was sie erzählten, sondern wirklich wissen, wie es aussah, wie es sich anfühlte, wie es klang, roch und schmeckte. Und er wollte es so sehr, daß er es forderte, obwohl er wußte, daß er sich kindisch benahm.

Und da die Überseele es nicht für wünschenswert hielt, daß der Mann, den sie als späteren Führer der Gruppe bezeichnet hatte, so wütend war und damit unvorhersagbar reagieren könnte, gab sie ihm, was er verlangte.

Es brach ganz plötzlich über ihn herein, während er noch den Index hielt. Die Dunkelheit, die Vater beschrieben hatte, der Mann, der ihn aufgefordert hatte, ihm zu folgen, der endlose Marsch. Aber da war noch etwas, etwas, das Vater nicht erwähnt hatte — ein schrecklich störendes Gefühl, daß etwas nicht in Ordnung war, daß etwas ungewollt war. Mit einer mächtigen Unterströmung durchflossen ihn undenkbare Gedanken. Dies war nicht nur eine Wildnis, sondern eine geistige Hölle, und er konnte es nicht ertragen, in ihr zu verweilen.

»Überspringe diesen Teil«, sagte er zum Index. »Bringe mich weiter, hole mich hier heraus.«

Augenblicklich hörte der Traum auf.

»Nicht aus dem Traum«, sagte Nafai ungeduldig. »Überspringe einfach den langweiligen Teil.«

»Der Hüter hat den langweiligen Teil nicht grundlos geschickt. Er gehört genauso zu dem Traum wie alles andere.«

»Springe zum Ende weiter, wo wirklich etwas passiert.«

»Das ist Betrug, aber ich werde es tun.« Nafai konnte es nicht ausstehen, wenn der Index so sprach. Er hatte gelernt, daß die Menschen Widerstand, dem dann Einverständnis folgte, als Hänselei interpretierten, und daher hänselte er sie nun, indem er natürliches Verhalten simulierte. Da Nafai jedoch wußte, daß er von einem Computer und nicht von einem Menschen gehänselt wurde, kam ihm dieses Verhalten keineswegs lustig, sondern nur langweilig vor. Doch als er sich darüber beschwerte, erwiderte der Index lediglich, daß alle anderen ihren Spaß daran hatten und Nafai kein Spielverderber sein solle.

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