Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Der Traum kehrte zurück, und augenblicklich stürzte er in die Dunkelheit. Der Marsch, der Rücken des ihn führenden Mannes und diese schreckliche geistige Unterströmung, die so schmerzhaft und ablenkend war. Aber dann hörte er die Stimme seines Vaters, die den Mann bat, ihm etwas zu erklären, ihn aus der Dunkelheit zu führen. Nur — es war nicht die Stimme seines Vaters. Es war eine fremde Stimme, die Nafai noch nie gehört hatte, obwohl er sie im Geiste als die seine wahrnahm, während Vater dachte, es sei seine Stimme, obwohl sie eigentlich ganz anders klang. Es dauerte eine Weile, bis Nafai begriff, daß für seinen Vater die eigene Stimme so und nicht anders klang. In einem Traum hörte Vater natürlich nicht die Stimme, die alle anderen hörten. Er hörte die Stimme, die er auch sonst hörte, wenn er sprach. Aber es war nicht einmal diese Stimme, sie war viel jünger, es war die Stimme, die er für die seine hielt, als sich seine Identität als Mann ausprägte. Tiefer als seine wirkliche Stimme, männlicher und jünger.
Aber Nafai konnte einfach nicht die starke Überzeugung abschütteln, daß es sich um seine eigene Stimme zu handeln schien und nicht die Vaters, obwohl seine eigene Stimme auch etwas anders klang. Und dann wurde Nafai klar, daß der Index ihm natürlich seine Aufzeichnung von Volemaks Erlebnissen in diesem Traum abspielte; daher waren sämtliche Sinneswahrnehmungen bereits von Volemaks Bewußtsein gefiltert worden und nun unentwirrbar mit seinen Auslegungen verbunden.
Und das war auch die Erklärung für diese Unterströmung, diese ablenkenden, bedeutungslosen, verwirrenden, erschreckenden Gedanken. Es handelte sich um Vaters Bewußtsein, das sich ständig entwickelte und begriff und interpretierte und auf den Traum reagierte. Gedanken, die Vater nicht einmal bewußt wahrgenommen hatte, weil sie noch nicht an die Oberfläche gekommen waren — darunter auch Gedankenfetzen wie: ›Das ist ein Traum‹, und ›Das kommt von der Überseele‹, und ›Ich bin in Wirklichkeit tot‹, und ›Das ist kein Traum‹. Alle möglichen gegensätzlichen Gedanken wirbelten durcheinander und legten sich aufeinander. Als Vater diese Gedanken gehabt hatte, stiegen sie aus seinem Unterbewußtsein empor, und sein Wille sortierte sie aus, und die Gedanken gehorchten seinem Willen und wurden beendet, sobald er zu einem anderen Gedanken übergehen wollte. Doch in Nafais Verstand, der ja nur eine Wiedergabe des Geschehens sah, reagierten die Gedanken nicht auf seinen Willen und überlagerten sein eigenes Bewußtsein.
Vater hatte es aufgegeben, sich an den Mann zu wenden, und schrie nun der Überseele etwas zu, bettelte sie an. Es war erniedrigend, die Furcht, die Beklemmung, das Winseln in Vaters Stimme zu hören. Er hatte erzählt, daß er die Überseele gebeten hätte, aber Nafai hatte noch nie gehört, daß sein Vater so demütig zu jemandem sprach, und es war, als würde er beobachten, wie sein Vater auf die Toilette ging oder etwas anderes Widerwärtiges tat. Er konnte es nicht ertragen, seinen Vater so zu sehen. Ich bespitzle ihn. Ich sehe ihn, wie er sich in seinen schlimmsten Augenblicken sieht, aber ich sehe nicht den Mann, den er der Welt präsentiert, seinen Söhnen. Ich stehle ihm sein Ich, und das ist falsch, das ist eine ganz schreckliche Tat. Andererseits jedoch … vielleicht sollte ich wissen, wie mein Vater wirklich ist, wie schwach er ist. Ich kann mich nicht auf ihn verlassen, er jammert der Überseele etwas vor, er bettelt wie ein kleines Kind um Hilfe …
Und dann fiel ihm ein, wie er selbst den Index angebettelt hatte, ihm Vaters Traum zu zeigen, und ihm wurde klar, daß selbst die tapfersten und stärksten Männer im Geiste solche Augenblicke erleben mußten. Aber niemand wußte von ihnen, weil sie nur in ihren Träumen und Alpträumen vorkamen. Ich habe dies nur erfahren, weil ich Vater bespitzle.
Er wollte den Index gerade bitten, den Traum zu beenden, doch just in diesem Augenblick veränderte dieser sich, und plötzlich befand Nafai sich auf der Wiese, die Vater beschrieben hatte. Er wollte sofort den Baum suchen, doch er konnte natürlich erst zu ihm hinübersehen, als Vater in dem Traum zu ihm hinübersah, und machte ihn erst aus, als Vater ihn ausmachte.
Nun sah Vater ihn, und er war wunderschön und eine große Erleichterung nach all der Dunkelheit und Öde. Doch Nafai verspürte nicht nur seine eigene Erleichterung, sondern die seines Vaters legte sich darüber, und daher war es gar keine Erleichterung, sondern nur eine noch größere Anspannung, zu der sich Verwirrung und Orientierungslosigkeit gesellten. Und noch verschlimmert wurde alles, weil Vater nicht ganz normal zu dem Baum ging, sondern plötzlich vor ihm stand. Er dachte, er würde zu dem Baum gehen, aber er war von einem Augenblick zum anderen einfach dort.
Nafai spürte Vaters Begierde auf die Frucht, und seine Freude über ihren Geruch, doch da ihm wegen der plötzlichen Bewegung hin zum Baum schon etwas übel war und er wegen der ständigen Unterströmung von Vaters Gedanken leichte Kopfschmerzen hatte, löste der Geruch in ihm keine Begierde aus. Statt dessen wurde ihm schlecht davon. Vater hob den Arm, pflückte eine Frucht und kostete sie. Nafai fühlte, daß Vater sie köstlich fand, und einen Augenblick lang, als der Geschmack in Nafais Verstand drang, war sie auch köstlich, überwältigend köstlich auf eine Art und Weise, die Nafai sich nicht hätte vorstellen können. Doch sofort wurde die Erfahrung von Vaters Reaktion darauf überlagert, von dessen Assoziationen bezüglich des Geschmacks und Geruchs; seine Reaktionen waren so stark, Vater wurde von dem Geschmack dermaßen überwältigt, daß seine Gefühle außer Kontrolle gerieten und Nafai sie nicht mehr verkraften konnte. Es war körperlich schmerzhaft. Er hatte entsetzliche Angst. Er rief dem Index zu, mit dem Traum aufzuhören.
Er hörte auf, und Nafai ließ sich einfach seitlich auf den Teppich fallen, keuchte und schluchzte und versuchte, den Wahnsinn aus seinem Verstand zu drängen.
Und nach einer Weile war er wieder in Ordnung, denn der Wahnsinn war verschwunden.
»Siehst du nun, wie problematisch es für mich ist, klar und deutlich mit Menschen zu kommunizieren?« sagte die Stimme in seinem Kopf, »Ich muß meine Gedanken sehr klar und deutlich bilden, und selbst dann glauben die meisten Menschen noch, sie hörten lediglich ihre eigenen Gedanken. Nur der Index ermöglicht mir eine wirklich klare Kommunikation mit den meisten Menschen. Abgesehen von dir und Luet — mit euch beiden kann ich besser als mit allen anderen sprechen.« Die Stimme des Index verstummte einen Augenblick lang. »Ich dachte eine Zeitlang, du würdest verrückt werden. In deinem Kopf hat sich nichts Angenehmes ereignet.«
»Du hast mich gewarnt.«
»Nun ja, ich habe dich nicht vor allem gewarnt, weil ich nicht wußte, daß es passieren würde. Ich habe noch nie einem Menschen den Traum eines anderen eingegeben. Ich glaube, ich werde es auch nie wieder tun, selbst wenn sich jemand sehr aufregt, weil ich nein sage.«
»Ich stimme mit deiner Entscheidung überein.«
»Und es war sehr unfreundlich von dir, deinen Vater auf diese Art und Weise zu beurteilen. Er ist ein sehr starker und mutiger Mann.«
»Ich weiß. Hättest du zugehört, wüßtest du, daß ich von selbst darauf gekommen bin.«
»Ich war mir nicht sicher, ob du dich daran erinnerst. Das menschliche Gedächtnis ist sehr unzuverlässig.«
»Laß mich in Ruhe!« sagte Nafai. »Ich will im Augenblick weder mir dir noch mit sonst jemandem sprechen.«
»Dann lasse den Index los. Du kannst jederzeit gehen.«
Nafai nahm die Hände vom Index, rollte sich auf den Bauch, erhob sich auf die Knie und dann auf die Füße. In seinem Kopf drehte sich alles. Ihm war schwindlig und schlecht.