Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Der Schmerz und die Trauer, die er zeigte, schienen tiefer als alles andere zu sein, was Schedemei je wahrgenommen hatte. Zum erstenmal wurde ihr klar, wie behütet ihr Leben als Wissenschaftlerin gewesen war. Sie hatte nie eine so enge Beziehung zu jemandem gehabt, daß sie wegen seines Todes so starke Gefühle gehabt hätte, und das nach so langer Zeit. Falls es schon so lange her war. , »Wie lange ist es her?«
»Ich war zwanzig. Vor neun Jahren. Nein, vor zehn. Ich hatte ganz vergessen, ich bin ja jetzt dreißig.«
»Und der andere?«
»Ein paar Monate, bevor ich … die Stadt verließ.«
»Er war auch dein Liebhaber?«
»O nein, er war in dieser Hinsicht nicht wie ich. Er hatte ein Mädchen in der Stadt, aber er wollte es geheimhalten, und deshalb hat er nicht darüber gesprochen — sie führte eine schlechte Ehe und zählte die Tage bis zu ihrem Ende, und deshalb sprach er nie über sie. So kam es überhaupt erst zu den Gerüchten, er sei ein Zhop. Er starb, ohne es ihnen zu verraten.«
»Das ist wohl … tapfer und galant.«
»Es war unglaublich dumm«, sagte Zdorab. »Er hat mir nie geglaubt, als ich ihm erzählte, wie schrecklich es in Basilika für Männer wie mich war.«
»Du hast ihm erzählt, was du bist?«
»Ich hielt ihn für einen Mann, der ein Geheimnis für sich behalten konnte. Es hat sich herausgestellt, daß dem so war. Ich glaube irgendwie … daß er an meiner Stelle gestorben ist. Damit ich noch lebte, als Nafai kam, um den Index aus der Stadt zu bringen.«
Das ging so weit über alles hinaus, was sie je erlebt hatte — über alles, was sie sich je hatte vorstellen können! »Warum bist du denn dort geblieben? Warum bist du nicht an einen Ort gezogen, der nicht so … schrecklich ist?«
»Zuerst einmal … es mag zwar Orte geben, die nicht so schlecht sind, aber ich kenne keinen, in dem jemand wie ich wirklich sicher wäre. Und zweitens war der Index in Basilika. Nun, da der Index hier draußen ist, hoffe ich, daß die Stadt bis auf die Grundmauern niederbrennt. Ich wünschte, Muuzh hätte jeden einzelnen der herumstolzierenden Männer aus der Hundestadt getötet.«
»Der Index war so wichtig für dich, daß du bei ihm bleiben wolltest?«
»Ich erfuhr von seiner Existenz, als ich noch ein kleiner Junge war. Nur eine Geschichte, es gäbe da eine Zauberkugel, und wenn man die in der Hand hielt, könnte man mit Gott sprechen, und er mußte einem jede Frage beantworten, die man stellte. Wie schön, dachte ich. Und dann sah ich ein Bild des Index der Palwaschantu, und er sah genauso aus, wie ich mir diese Zauberkugel vorgestellt hatte.«
»Aber das ist kein Beweis«, sagte Schedemei. »Das ist der Traum eines Kindes.«
»Das weiß ich. Das wußte ich auch damals schon«, sagte Zdorab. »Doch stellte ich fest, ohne es zu wollen, begann ich mich vorzubereiten, und zwar auf den Tag, da ich die Zauberkugel haben würde. Ich dachte darüber nach, welche Fragen es wert sind, daß man Gott um ihre Beantwortung bittet. Und noch immer, ohne es zu wollen, traf ich Entscheidungen, die mich näher und näher zu Basilika führten, zu dem Ort, in dem die Palwaschantu ihren heiligen Index aufbewahrten. Gleichzeitig half mir die Tatsache, ein fleißiger junger Mann zu sein, meinen … Defekt zu verbergen. Mein Vater hat immer gesagt: ›Du mußt die Bücher jetzt mal beiseite legen, losziehen und dir Freunde suchen! Such dir eine Freundin! Wie willst du je heiraten, wenn du keine Mädchen kennenlernst?‹ Als ich nach Basilika kam, schrieb ich ihm immer über meine Freundinnen, und er fühlte sich gleich viel besser, wenngleich er mir immer wieder sagte, daß die Ehegebräuche in Basilika schrecklich und gegen die Natur wären. Er konnte wirklich nichts ausstehen, das gegen die Natur war.«
»Das muß weh getan haben«, sagte Schedemei.
»Eigentlich nicht«, sagte Zdorab. »Es ist gegen die Natur. Ich bin von diesem Baum des Lebens abgeschnitten, den Volemak gesehen hat, ich gehöre nicht zu der Kette — ich bin eine genetische Sackgasse. Ich glaube, ich habe einmal in der Arbeit einer Genetikstudentin gelesen, die Vermutung sei nicht unvernünftig, Homosexualität könne ein Mechanismus sein, mit dem die Natur schadhafte Gene ausmerzt. Der Organismus könne eine ansonsten nicht feststellbare genetische Schwäche erkennen, und dadurch werde ein Mechanismus ausgelöst, der das Wachstum des Hypothalamus hemmt, so daß Wesen mit starkem Sexualtrieb, aber der Unfähigkeit entstehen, sich auf das andere Geschlecht zu fixieren. Eine Art selbstschließende Wunde im Genpool. Wir seien, so stand es in dem Artikel, der Ausschuß der Menschheit.«
Schedemei errötete zutiefst — ein Gefühl, das sie nur selten hatte und gar nicht mochte. »Das war eine Studentenarbeit. Ich habe sie nie außerhalb der wissenschaftlichen Gemeinde veröffentlicht. Es war eine Spekulation.«
»Ich weiß«, sagte er.
»Wie hast du sie überhaupt gefunden?«
»Als mir klar wurde, daß man von mir erwartete, dich zu heiraten, habe ich alles gelesen, was du veröffentlicht hast. Ich wollte herausfinden, was ich dir sagen kann und was nicht.«
»Und zu welchem Schluß bist du gekommen?«
»Daß ich meine Geheimnisse lieber für mich behalte. Deshalb habe ich nie mit dir gesprochen, und deshalb war ich so erleichtert, daß du mich nicht haben wolltest.«
»Aber jetzt hast du es mir gesagt.«
»Weil ich sah, es hat dich verletzt, daß ich dich nicht haben wollte. Damit hatte ich nicht gerechnet. Du bist mir nicht wie jemand vorgekommen, der die Liebe eines verachtenswerten Wurms wie mich haben will.«
Es wurde immer schlimmer. »War meine Einstellung so offensichtlich?«
»Überhaupt nicht«, sagte er. »Ich habe mein Wurmdasein absichtlich kultiviert. Ich habe schwer daran gearbeitet, das unauffälligste, verachtenswerteste, rückgratloseste Wesen zu werden, das die Mitglieder dieser Gruppe jemals kennen werden.«
Als sie nun daran dachte, was mit seinen beiden Freunden geschehen war, begriff sie. »Tarnung«, sagte sie. »Wenn du alleinstehend bleiben wolltest, ohne daß jemand ahnt, was du bist, mußtest du geschlechtslos sein.«
»Rückgratlos.«
»Aber Zdorab, wir sind nicht mehr in Basilika.«
»Wir tragen Basilika in uns. Sieh dir die Männer hier an. Sieh dir zum Beispiel Obring und Meb an: Ihr außerordentlicher Mangel an irgendwelchen Talenten verdammt sie dazu, in jeder Hackordnung, die man sich vorstellen kann, ganz unten zu stehen. Beide sind aggressiv und doch feige — sie sehnen sich danach, oben zu stehen, haben aber nicht den gesunden Menschenverstand, die großen Männer anzugreifen und von ihrem Podest zu holen. Deshalb sind sie dazu verdammt, Männern wie Elemak und Volemak und sogar Nafai zu folgen, obwohl er der jüngste ist, denn sie können keine Risiken eingehen. Stell dir nur vor, welche Wut sich in ihnen aufgestaut haben muß. Und dann stell dir vor, was sie tun würden, würden sie erfahren, daß ich das gräßliche Ding bin; das Verbrechen gegen die Natur; der unmännliche Mann; das perfekte Abbild von dem, was zu sein sie befürchten.«
»Volemak würde nicht zulassen, daß sie dir etwas tun.«
»Volemak wird nicht ewig leben«, sagte Zdorab. »Und ich vertraue mein Geheimnis nicht jenen an, die es nicht bewahren können.«
»Bist du dir bei mir ganz sicher?« fragte Schedemei.
»Ich habe mein Leben in deine Hände gelegt«, sagte Zdorab. »Aber nein, ich bin mir deiner gar nicht so sicher. Aber ob es dir nun gefällt oder nicht, wir wurden zusammengefügt. Also bin ich ein kalkuliertes Risiko eingegangen. Ich habe es dir gesagt, damit ich eine Person hier habe, die ich nicht belügen muß. Damit eine Person weiß, daß das, was ich zu sein scheine, nur ein Vorwand ist.«