Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
»Ich werde dafür sorgen, daß sie dich nicht mehr so … so achtlos behandeln.«
»Nein!« rief Zdorab. »Nein, das darfst du nicht. Die Dinge werden für uns beide besser sein, sobald wir erst verheiratet sind — in dieser Hinsicht hast du recht. Aber du mußt dich damit abfinden, daß ich unsichtbar bleibe — so unsichtbar wie möglich. Glaube mir, ich weiß am besten, wie man damit umgeht — du hast es dir nicht vorstellen können, das hast du selbst gesagt, also mische dich nicht in meine Überlebensstrategie ein und versuche nicht, alles in Ordnung zu bringen, weil du mich damit letztlich nur töten würdest. Verstehst du das? Du bist brillant, einer der klügsten Geister unserer Zeit, aber über diese Situation weißt du überhaupt nichts, du bist hoffnungslos unwissend, du wirst alles zerstören, was du berührst, also laß die Hände davon.«
Er sprach mit unglaublicher Vehemenz und Kraft. Sie hätte nicht gedacht, daß er dazu imstande war. Sie verabscheute es, so heftig zurechtgewiesen zu werden. Aber als sie darüber nachdachte, statt aus dem Bauch heraus zu reagieren, wurde ihr klar, daß er recht hatte. Daß sie, zumindest im Augenblick, wirklich keine Ahnung hatte und es am besten war, ihn die Dinge so handhaben zu lassen, wie er es für das beste hielt.
»Na schön«, sagte sie. »Ich werde nichts sagen, ich werde nichts unternehmen.«
»Niemand erwartet, daß du stolz darauf bist, meine Ehefrau zu sein«, sagte Zdorab. »Im Gegenteil, sie alle werden es für ein edles Opfer halten. Wenn du meine Frau wirst, verlierst du also nicht an Status. Sie werden sich sogar für eine Art Heldin halten.«
Sie lachte verbittert. »Zdorab, dafür habe auch ich mich gehalten.«
»Ich weiß«, sagte er. »Aber so habe ich es nicht gesehen. Ich habe sogar darauf gehofft … Stell dir vor, ich habe das Recht, jede Nacht mit dem schärfsten wissenschaftlichen Verstand auf dem Planeten Harmonie allein in einem Zelt zu sein … jede Nacht … und wir können uns die ganze Zeit über unterhalten!«
Es war so bezaubernd schmeichelnd und gleichzeitig, aus Gründen, die sie noch nicht ganz erfassen konnte, irgendwie tragisch.
»Das ist in gewisser Hinsicht auch eine Ehe, meinst du nicht auch? Wir werden zwar keine Kinder haben, wie die anderen, aber wir werden Gedanken haben. Du kannst mich unterrichten, du kannst mit mir über deine Arbeit sprechen, und wenn ich etwas nicht verstehe, werde ich mich mit Hilfe des Index weiterbilden, bis ich dir folgen kann. Das verspreche ich dir. Und vielleicht kann ich dir einiges über die Dinge erzählen, die ich im Index gefunden habe.«
»Das wäre sehr nett.«
»Wir können also Freunde sein«, sagte er. »Und damit wäre unsere Ehe besser als die der meisten anderen. Kannst du dir vorstellen, worüber Obring und Kokor sprechen?«
Sie lachte. »Glaubst du, sie sprechen überhaupt miteinander?«
»Und Mebbekew und Dol, die beide schauspielern und insgeheim einander zutiefst verabscheuen?«
»Nein, ich glaube nicht, daß Dol Mebbekew haßt. Ich vermute, sie glaubt wirklich an die Rolle, die sie spielt.«
»Wahrscheinlich hast du recht. Aber sie sind doch einfach schrecklich, meinst du nicht auch? Und sie werden Kinder bekommen!«
»Entsetzlich.«
Sie lachten lange und laut, bis Tränen über ihre Wangen liefen.
Die Tür wurde geöffnet. Es war Nafai.
»Ich habe in die Hände geklatscht«, sagte er, »aber ihr habt mich nicht gehört. Dann habe ich gehört, daß ihr lacht, und ich dachte, ich dürfte hereinkommen.«
Beide wurden augenblicklich wieder ernst. »Natürlich«, sagte Zdorab.
»Wir haben nur über unsere Ehe gesprochen«, sagte Schedernei.
Schedemei sah, daß die Erleichterung sich auf Nafais Gesicht ausbreitete, als wäre gerade der Schatten einer Wolke vorbeigezogen. »Ihr wollt also tatsächlich heiraten.«
»Wir waren nur so stur, zu warten, bis es unser eigener Wille war«, sagte Zdorab.
»Das glaube ich euch gern«, sagte Nafai.
»Eigentlich«, sagte Zdorab, »sollten wir jetzt zu Rasa und Volemak gehen, und außerdem willst du ja den Index benutzen.«
»Ja, aber erst, wenn ihr fertig seid.«
»Er wird ja noch hier sein«, sagte Schedemei, »wenn wir ihn wieder benutzen wollen.« Und sie hatten das Zelt schon verlassen und gingen — ja, wohin?
Zdorab nahm sie bei der Hand und führte sie zum Kochfeuer. »Dol sollte auf das Essen aufpassen«, sagte er, »aber sie läßt es immer wieder unbeaufsichtigt. Sie braucht eben ihr kleines Nickerchen. Aber das spielt keine Rolle — ich ließ Jobar einmal den Kochtopf berühren, und er muß den anderen erklärt haben, wie es sich anfühlte, denn die Paviane wagen sich nicht mehr in seine Nähe, selbst wenn es so gut riecht wie jetzt.«
Es roch wirklich gut.
»Wo hast du das Kochen gelernt?«
»Mein Vater war Koch«, sagte Zdorab. »Damit hat er die Familie ernährt. Er hat so viel verdient, daß er es sich leisten konnte, mich zum Studium nach Basilika zu schicken, und ich habe viel von ihm gelernt. Er wäre stolz auf das, was ich unter diesen erbärmlichen Umständen zustande bringe.«
»Bis auf den Kamelkäse.«
»Ich glaube, ich habe Kräuter gefunden, mit denen ich ihn verbessern kann«, sagte Zdorab und hob den Deckel des Kochtopfs hoch. »Ich probiere es heute abend aus — es ist doppelt so viel Käse darin wie üblich, aber niemand wird wohl etwas dagegen haben.« Er zog den großen Kochlöffel heraus, und sie sah, wie dickflüssig und zäh die Masse davon hinabtropfte.
»Hm«, machte sie. »Ich kann es kaum erwarten.«
Er hörte die Ironie in ihrer Stimme. »Na ja, ich kann ja verstehen, daß du allen Speisen gegenüber mißtrauisch bist, die so aussehen, als wäre Käse darin, aber wir haben Käse jahrelang gern gegessen und verabscheuen ihn erst seit ein paar Monaten, und daher müßte ich euch wieder für den Käse einnehmen können, wenn ich es richtig anstelle. Und wir werden den Käse brauchen — die stillenden Mütter, die wir bald haben werden, können auf so gutes tierisches Protein einfach nicht verzichten.«
»Du hast alles genau durchdacht«, sagte sie.
»Ich habe eben viel Zeit zum Nachdenken«, sagte er.
»Gewissermaßen«, sagte sie, »bist du der Anführer dieser Gruppe.«
»Gewissermaßen«, sagte er, »wiederholst du das lieber nicht vor den anderen, oder sie werden glauben, du hättest den Verstand verloren.«
»Aber du entscheidest doch, was und wann wir essen, wo wir uns erleichtern, was wir im Garten anpflanzen, und du führst uns durch den Index …«
»Aber wenn ich es richtig anstelle, fällt es niemandem auf«, sagte er.
»Du übernimmst die Verantwortung für uns alle. Und du wartest nicht einmal darauf, daß man dir sagt, was zu tun ist.«
»Das machen alle guten Menschen«, sagte er. »Das macht es aus, ein guter Mensch zu sein. Und ich bin ein guter Mensch, Schedja.«
»Das weiß ich mittlerweile«, sagte sie. »Und ich hätte es auch schon vorher wissen müssen. Ich habe alles, was du getan hast, für Schwäche gehalten — aber ich hätte wissen müssen, daß es Klugheit und Stärke war, die du freigebig mit uns allen teilst — sogar mit denen, die es nicht verdient haben.«
Und nun traten endlich Tränen in seine Augen. Nur ein leichtes Schimmern, aber sie sah es und wußte, auch er wußte, daß sie es sah. Ihr kam in den Sinn, daß ihre Ehe viel mehr sein würde als Heuchelei. Sie konnte eine echte Freundschaft sein, und zwar eine zwischen den beiden Personen, die am wenigsten erwartet hatten, auf dieser Reise Freunde und Gefährten zu finden.
Er rührte den Eintopf um, setzte den Deckel wieder darauf und hing den Löffel an die Seite des Topfes.