Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Ojkib und Protschnu, Schveja und Dza, Krasata, Vasnja und Sjelsika — an einem kühlen Morgen gut ein Jahr, nachdem ihre Eltern in Mebbekews Tal zusammengekommen waren, wurden die Babies locker in kühle Reisetücher gewickelt, die dann um die Schultern ihrer Mütter gewickelt wurden, so daß die Kiemen tagsüber, wenn sie hungrig wurden, trinken konnten. Die Frauen, von der kindlosen Schedemei abgesehen, halfen beim Auf- und Abbau der Zelte nicht mit, wenngleich man davon ausging, daß sie ihre Pflichten wieder aufnehmen würden, sobald die Kinder größer waren. Und die Männer, die nun von einem Jahr des Lebens in der Wüste kräftig, gebräunt und abgehärtet waren, schritten vor ihren Frauen auf und ab. Sie waren stolz auf die Babies und sich ihrer erhabenen Verantwortung bewußt, für Frauen und Kinder sorgen zu müssen.
Alle bis auf Zdorab natürlich, der so still und unauffällig wie immer war, und dessen Frau noch kinderlos war; die beiden schienen manchmal fast zu verschwinden. Sie waren die einzigen der Gruppe, die weder durch Blut oder Ehe mit Rasa und Volemak verwandt waren; sie waren die einzigen kinderlosen; sie waren beträchtlich älter als die anderen ihrer Generation, von Elemak einmal abgesehen; niemand hätte gesagt, daß sie nicht mit dem Rest der Gruppe gleichberechtigt wären, andererseits jedoch glaubte auch niemand, daß sie wirklich gleichberechtig waren.
Als die Gruppe sich zum Aufbruch vorbereitete, ging Luet mit der schlafenden Schveja in der Schlinge vor der Brust und einer überreifen Melone auf der Schulter zu der Herde der Paviane hinab, die ihren üblichen Beschäftigungen nachgingen. Die Affen schienen aufgeregt und nervös zu sein, was kaum verwunderte, wenn man den Tumult im Lager der Menschen berücksichtigte. Als Luet die Grenze ihres Reviers überschritt, sahen sie zu ihr hoch und beobachteten sie genau. Einige Weibchen kamen näher, um ihr Baby zu betrachten — sie hatte geduldet, daß sie Schveja berührten, wenngleich sie natürlich nicht zulassen konnte, daß sie mit ihr spielten, wie sie mit ihren eigenen Kindern spielten; Schveja war viel zu zerbrechlich für ihre groben Liebkosungen.
Aber Luet suchte ein Männchen und kein Weibchen, und sie hatte sich kaum von den neugierigen Weibchen entfernt, als er auch schon auftauchte — Jobar, der vor kaum einem Jahr ein Ausgestoßener gewesen und nun der beste Freund der ältesten Tochter der Matriarchin des Stammes war; er hatte soviel Prestige, wie ein Männchen in dieser Stadt der Frauen es bekommen konnte. Luet hielt die Melone so, daß Jobar sie sehen konnte. Dann wandte sie sich etwas ab, damit er sich nicht allzu sehr erschreckte, und warf sie auf einen Felsbrocken, und die Melone platzte auf.
Wie erwartet sprang Jobar erschrocken zurück. Als er jedoch sah, daß Luet keine Angst hatte, kam er neugierig näher. Nun konnte sie ihm zeigen, was er sehen sollte — das Geheimnis, das sie in dem Jahr, das sie hier verbracht hatten, so sorgfältig vor allen Pavianen verborgen hatten. Sie bückte sich, hob ein Stück Rinde mit genug Fruchtfleisch daran auf und aß geräuschvoll.
Ihr Schmatzen lockte auch die anderen herbei, doch es war Jobar — wie sie es erwartet hatte —, der ihrem Beispiel folgte und zu essen anfing. Er machte natürlich keinen Unterschied zwischen Fruchtfleisch und Rinde, und ihm schien beides gleich gut zu schmecken. Als er satt war, sprang er heulend und kreischend herum, bis andere – besonders junge Männchen — es ebenfalls wagten, die Frucht zu essen.
Luet trat langsam zurück, drehte sich dann um und ging davon.
Sie hörte leise Schritte hinter sich. Sie schaute zurück; Jobar folgte ihr. Damit hatte sie nicht gerechnet, aber andererseits hatte Jobar sie immer überrascht. Er war in der Tat intelligent und neugierig, und die Intelligenz der Paviane war überhaupt nur ein wenig geringer als die der Menschen, und ihre Neugier und ihr Eifer, etwas zu lernen, waren manchmal sogar größer.
»Komm mit, wenn du willst«, sagte Luet. Sie führte ihn bachaufwärts zum Garten, den die Paviane schon lange nicht mehr betreten durften. Dort befanden sich die letzten Melonen der dritten Ernte; einige waren schon reif, andere noch nicht. Jobar zögerte am Rand des Gartens, denn die Paviane hatten schon lange gelernt, diese unsichtbare Grenze zu respektieren. Sie lockte ihn jedoch weiter, und er betrat den Garten vorsichtig. Sie führte ihn zu einer reifen Melone. »Eßt sie, wenn sie so aussehen«, sagte sie. »Wenn sie so riechen.« Sie hielt ihm die noch an der Staude hängende Melone hin. Er schnüffelte daran, schüttelte sie und warf sie dann zu Boden. Nach einigen Versuchen brach sie auf. Dann nahm er einen Bissen und heulte sie glücklich an.
»Ich bin noch nicht fertig«, sagte Luet. »Du mußt die ganze Lektion über aufpassen.« Sie hielt ihm eine andere Melone hin, eine unreife, und obwohl Jobar daran roch, durfte er sie nicht berühren. »Nein«, sagte sie. »Diese eßt ihr nicht. Der Samen ist noch nicht reif, und wenn ihr sie eßt, wenn sie so aussehen, werdet ihr nächstes Jahr keine Melonen haben.« Sie legte die unreife Melone hinter sich zu Boden und deutete auf die geplatzte reife, die in Stücken um Jobars Füße lag. »Eßt die reifen. Schedemei sagt, die Samen werden unbeschädigt durch euer Verdauungssystem rutschen und in euren Kothaufen gedeihen und sehr gut wachsen . Ihr könnt immer Melonen haben, wenn du den anderen beibringst, daß ihr nur die reifen essen dürft. Du mußt ihnen beibringen, daß sie warten müssen.«
Jobar betrachtete sie ruhig.
»Du verstehst kein einziges meiner Worte«, sagte sie. »Aber das heißt nicht, daß du die Lektion nicht verstehst, nicht wahr? Du bist ein kluger Kerl. Du kommst schon dahinter. Du bringst es den anderen bei, bevor du zu einem anderen Stamm weiterziehst, ja? Es ist das einzige Geschenk, das wir euch machen können, unser Mietzins dafür, daß wir euer Tal im vergangenen Jahr benutzen durften. Bitte nehmt es an und nutzt es gut.«
Er heulte einmal.
Sie erhob sich und ging davon. Die Reitkamele waren zum Aufsteigen bereit; die anderen warteten nur auf sie. »Ich habe Jobar nur den Garten gezeigt«, sagte sie. Natürlich verdrehte Kokor daraufhin die Augen, doch Luet achtete kaum darauf — wichtig waren Nafais Lächeln, Huschidhs Nicken und Volemaks »Gut gemacht!«.
Auf einen Befehl sprangen die Kamele auf. Sie waren mit Zelten und Vorräten beladen, mit Trockenbehältern und Kältetruhen voller Samen und Embryos, und mit — und das war am wichtigsten — nicht mehr sechzehn, sondern dreiundzwanzig Menschen. Wie Elemak erst gestern abend gesagt hatte, führte die Überseele sie besser zu ihrem Bestimmungsort, bevor die Kinder zu groß wurden, um zusammen mit ihrer jeweiligen Mutter auf einem Tier zu reiten, oder sie mußte unterwegs weitere Kamele für sie auftreiben.
Die ersten beiden Tage der Reise führten sie in nordöstliche Richtung, dieselbe Strecke entlang, die sie von Basilika aus genommen hatten. Doch es war schon ein Jahr her, daß sie hier vorbeigekommen waren, und fast nichts sah noch vertraut aus — oder zumindest nicht vertrauter als alles andere, da alle graubraunen Felsen und der gelbgraue Sand nach der ersten Stunde schon vertraut aussahen.