Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
»Dieser Luxus war uns nicht vergönnt, als sie die Brandbomben auf 12 abgeworfen haben. Aber das Kapitol fassen wir doch lieber mit Samthandschuhen an«, sagt Gale. Lyme sieht so aus, als würde sie ihn am liebsten erschießen oder ihm zumindest eine reinhauen. Wahrscheinlich wäre sie mit ihrer Ausbildung sogar im Vorteil. Aber ihre Reaktion macht Gale nur wütend, er schreit: »Wir haben gesehen, wie Kinder verbrannt sind, und wir konnten nichts tun!«
Die Erinnerung durchfährt mich und ich muss die Augen einen Moment schließen. Der gewünschte Effekt bleibt nicht aus. Ich will alle im Berg tot sehen. Bin kurz davor, es auszusprechen. Aber … Ich bin nicht Präsident Snow, sondern ein Mädchen aus Distrikt 12. Ich kann nicht aus meiner Haut. Ich kann niemanden so sterben lassen, wie Gale es vorschlägt. »Gale«, sage ich möglichst ruhig und fasse ihn am Arm. »Die Nuss ist ein altes Bergwerk. Das wäre so, als würdest du ein riesiges Minenunglück auslösen.« Diese Worte würden jeden aus Distrikt 12 nachdenklich stimmen.
»Nur nicht so plötzlich wie das Unglück, bei dem unsere Väter umgekommen sind«, kontert er. »Ist das etwa euer Problem? Dass unsere Feinde vielleicht noch ein paar Stunden Zeit haben, über ihren bevorstehenden Tod nachzudenken, anstatt einfach begraben zu werden?«
Als wir noch Kinder waren, die jenseits des Zauns von Distrikt 12 auf die Jagd gingen, hat Gale auch schon solche und schlimmere Sachen gesagt. Aber damals waren es nur Worte. Hier werden sie zu Taten, die nie wieder rückgängig gemacht werden können.
»Du weißt doch gar nicht, wie diese Leute aus Distrikt 2 in der Nuss gelandet sind«, sage ich. »Vielleicht hat man sie gezwungen. Vielleicht werden sie gegen ihren Willen dort festgehalten. Unsere eigenen Spione sind auch darunter. Willst du die auch umbringen?«
»Ich würde ein paar opfern, ja. Um die anderen zu erledigen«, antwortet er. »Und wenn ich ein Spion da drin wäre, würde ich sagen: Los, setzt die Lawinen in Gang!«
Ich weiß, dass er die Wahrheit sagt. Dass er sein Leben für die Sache opfern würde - niemand zweifelt daran. Vielleicht würden wir das alle tun, wenn wir Spione wären und vor der Wahl stünden. Ich wahrscheinlich schon. Aber eine solche Entscheidung für andere und ihre Angehörigen zu treffen, ist hartherzig.
»Du hast gesagt, wir haben zwei Möglichkeiten«, sagt Boggs. »Sie einzusperren oder rauszutreiben. Ich schlage vor, wir lösen die Lawinen aus, tasten den Eisenbahntunnel jedoch nicht an.
Dann können die Menschen auf den Platz flüchten und da nehmen wir sie in Empfang.«
»Schwer bewaffnet, will ich doch hoffen«, sagt Gale. »Denn sie werden es sein, darauf kannst du wetten.«
»Schwer bewaffnet. Wir nehmen sie gefangen«, stimmt Boggs zu.
»Gut, dann weihen wir jetzt Distrikt 13 ein«, schlägt Beetee vor. »Präsidentin Coin soll sagen, was sie dazu meint.«
»Garantiert will sie den Tunnel blockieren«, sagt Gale zuversichtlich.
»Ja, wahrscheinlich. Aber in einem hatte Peeta recht mit dem, was er in seinen Propos gesagt hat. Über die Gefahr, dass wir uns womöglich selbst zerstören. Ich habe mal ein bisschen mit Zahlen herumgespielt. Wenn man die Verluste einbezieht und die Verwundeten und … Ich finde, man sollte wenigstens darüber reden«, sagt Beetee.
Nur eine Handvoll Leute dürfen bei dieser Unterredung dabei sein. Gale und ich werden mit den anderen hinausgeschickt. Ich nehme ihn mit auf die Jagd, damit er ein bisschen Dampf ablassen kann, doch er redet nicht viel. Ist wohl zu sauer auf mich, weil ich ihm widersprochen habe.
Schließlich fällt die Entscheidung, und am Abend stehe ich bereit - in meinem Spotttölpelkostüm, den Bogen über der Schulter. Über ein Headset bin ich mit Haymitch in Distrikt 13 verbunden, für den Fall, dass sich die Gelegenheit für einen guten Propo ergibt. Wir warten auf dem Dach des Justizgebäudes. Von dort aus haben wir unser Ziel im Visier.
Anfangs werden unsere Hoverplanes von den Kommandanten in der Nuss ignoriert, denn in der Vergangenheit konnten sie kaum mehr ausrichten als Fliegen, die einen Honigtopf umschwirren. Doch nach den ersten beiden Angriffswellen gegen die höheren Lagen des Berges ist ihre Aufmerksamkeit geweckt. Und als die Flugabwehrkanonen des Kapitols in Aktion treten, ist es bereits zu spät.
Die Auswirkung der Lawinen übertrifft alle Erwartungen. Beetee hatte recht damit, dass sie, einmal in Gang gesetzt, nicht mehr aufzuhalten sein würden. Die Bergwände sind an sich schon instabil, doch jetzt, durch die Detonationen geschwächt, scheinen sie sich fast zu verflüssigen. Ganze Teile der Nuss brechen vor unseren Augen zusammen, alle Spuren, die darauf hinweisen, dass dieser Ort je von Menschen betreten wurde, sind ausgelöscht. Sprachlos stehen wir da, klein und unbedeutend, während das Gestein in Wellen den Berg hinunterdonnert. Unter Tonnen von Fels werden die Zugänge begraben. Eine Wolke aus Dreck und Geröll wirbelt auf und verdunkelt den Himmel. Die Nuss hat sich in ein Grab verwandelt.
Ich stelle mir das Inferno im Innern des Berges vor. Heulende Sirenen. Lichter, die erst flackern, dann verlöschen. Erstickender Staub in der Luft. Die Schreie der Eingeschlossenen, die panisch nach einem Ausgang suchen und feststellen, dass die Zugänge, die Abschussrampe, die Lüftungsschächte mit Erde und Steinen verstopft sind, die ins Innere drängen. Frei schwingende Stromleitungen, Feuer. Vertraute Wege werden durch Trümmer zum Labyrinth. Schubsende, drängelnde Menschen, die aufgescheucht umherkrabbeln wie Ameisen, wenn der Haufen einsinkt und ihren fragilen Panzer zu zerdrücken droht.
»Katniss?« Ich habe Haymitchs Stimme im Ohr. Ich versuche, ihm zu antworten, aber ich habe beide Hände fest auf den Mund gepresst. »Katniss!«
An dem Tag, als mein Vater starb, gingen die Sirenen während der Mittagspause in der Schule los. Niemand wartete die Erlaubnis ab zu gehen, und das wurde auch nicht erwartet. Nicht einmal das Kapitol konnte uns vorschreiben, wie wir uns bei einem Minenunglück zu verhalten hatten. Ich rannte zu Prims Klasse. Ich weiß noch, wie sie dasaß, sieben Jahre alt und winzig, ganz blass, die Hände brav auf dem Tisch gefaltet. So wartete sie darauf, dass ich sie abholte, wie ich es versprochen hatte, für den Fall, dass die Sirenen je losgehen sollten. Sie sprang auf, hielt sich am Ärmel meines Mantels fest, und dann zwängten wir uns durch die Menge der Leute, die auf die Straßen strömten und sich am Haupteingang des Bergwerks versammelten. Wir fanden unsere Mutter, die das Seil umklammerte, das schnell als Absperrung gespannt worden war. Im Nachhinein denke ich, dass ich schon in diesem Moment hätte wissen müssen, dass mit ihr etwas nicht stimmte, denn wieso sonst mussten wir sie suchen, wo es doch umgekehrt hätte sein sollen?
Die Förderkörbe quietschten, sausten die Kabel hoch und runter, als sie die verrußten Bergarbeiter ans Tageslicht beförderten. Bei jeder Gruppe gab es Schreie der Erleichterung, Angehörige tauchten unter der Absperrung hindurch, um ihre Ehemänner, Frauen, Kinder, Eltern, Geschwister in Empfang zu nehmen. Wir standen in der Kälte des Nachmittags, während sich der Himmel zuzog, staubfeiner Schnee bedeckte die Erde. Die Förderkörbe bewegten sich jetzt langsamer und spuckten nicht mehr so viele Leute aus. Ich kniete mich hin und grub die Hände in die Schlacke, wie gern hätte ich meinen Vater heraufgezogen. Hilfloser kann man sich wohl nicht fühlen, als wenn man jemanden erreichen will, der unter der Erde eingesperrt ist. Die Verletzten. Die Toten. Das Warten die ganze Nacht hindurch. Decken, die Fremde einem um die Schultern legen. Ein Becher mit einem heißen Getränk, das man nicht trinkt. Und dann schließlich, bei Tagesanbruch, der bekümmerte Ausdruck auf dem Gesicht des Bergwerkleiters, der nur eines bedeuten kann.
Was haben wir da gerade getan?
»Katniss! Bist du da?« Haymitch lässt mir jetzt in Gedanken wahrscheinlich schon eine Kopffessel anpassen. Ich lasse die Hände sinken. »Ja.«
»Geh rein. Nur für den Fall, dass das Kapitol mit seiner verbliebenen Luftwaffe einen Gegenangriff startet.«