Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Snow hat ihn mir weggenommen, bis zur Unkenntlichkeit verbogen und mir dann zum Geschenk gemacht. Boggs, der mit mir nach Distrikt 2 gekommen ist, meint, dass unser Plan zwar gut war, dass es aber doch auch verdächtig einfach gewesen sei, Peeta zu befreien. Er glaubt, sie hätten ihn mir so oder so geliefert. Hätten ihn in einem Kriegsgebiet ausgesetzt oder vielleicht in Distrikt 13 selbst. Mit Schleifen verschnürt, ein Schild mit meinem Namen daran. Programmiert, mich zu töten.
Erst jetzt, da sie ihn zerstört haben, weiß ich den echten Peeta richtig zu schätzen. Mehr noch, als wenn er gestorben wäre. Seine Güte, seine Zuverlässigkeit, die Wärme, hinter der sich ein ungeahntes Feuer verbarg. Wie viele Menschen auf der Welt, abgesehen von Prim, meiner Mutter und Gale, könnten mich bedingungslos lieben? Jetzt wohl keiner mehr. Wenn ich allein bin, hole ich manchmal die Perle aus der Tasche und versuche mich an den Jungen mit dem Brot zu erinnern, an seine starken Arme, mit denen er mich im Zug vor den Albträumen beschützte, an die Küsse in der Arena. Damit ich einen Namen für das finde, was ich verloren habe. Aber wozu? Es ist weg. Er ist weg. Was immer da zwischen uns war, es ist verloren. Mir ist nur die Aussicht geblieben, Snow zu töten. Das sage ich mir zehn Mal am Tag.
In Distrikt 13 machen sie mit Peetas Behandlung weiter. Ohne dass ich nachfrage, hält Plutarch mich am Telefon auf dem Laufenden. »Gute Neuigkeiten, Katniss!«, sagt er zum Beispiel. »Ich glaube, wir haben ihn bald davon überzeugt, dass du keine Mutation bist!« Oder: »Heute durfte er schon selbst Pudding essen!«
Wenn ich danach mit Haymitch spreche, gibt er zu, dass es Peeta kein bisschen besser geht. Der einzige vage Hoffnungsschimmer kommt von meiner Schwester. »Prim hatte die Idee, das Einweben rückgängig zu machen«, erzählt Haymitch. »Die verzerrten Erinnerungen an dich heraufzubeschwören und ihm dann eine hohe Dosis Beruhigungsmittel zu verabreichen, Morfix oder so was. Wir haben es erst an einer Erinnerung ausprobiert. Die Aufnahme von euch beiden in der Höhle, als du ihm erzählt hast, wie Prim die Ziege bekam.«
»Irgendeine Verbesserung?«, frage ich.
»Na ja, wenn extreme Verwirrung gegenüber extremer Panik eine Verbesserung darstellt, dann schon«, sagt Haymitch. »Aber ich bin mir nicht so sicher. Er konnte mehrere Stunden lang nicht mehr sprechen. Ist in eine Art Starre verfallen. Als sie sich legte, war das Einzige, wonach er fragte, die Ziege.«
»Aha«, sage ich.
»Wie läuft es bei dir?«, fragt er.
»Bis jetzt geht es nicht vorwärts«, sage ich.
»Wir schicken für den Berg eine Mannschaft zu Hilfe, Beetee und ein paar von den anderen«, sagt er. »Du weißt schon, die Experten.«
Es wundert mich nicht, dass Gale darunter ist. Ich dachte mir schon, dass Beetee ihn mitnehmen würde, nicht wegen seines technologischen Fachwissens, sondern in der Hoffnung, ihm würde etwas einfallen, wie man einem Berg eine Falle stellt. Gale hatte ursprünglich angeboten, mich nach Distrikt 2 zu begleiten, aber ich wollte ihn nicht aus seiner Arbeit mit Beetee herausreißen. Ich sagte ihm, er solle sich gedulden und dort bleiben, wo er am dringendsten gebraucht wurde. Was ich nicht sagte, war, dass es mir in seiner Gegenwart noch schwerer gefallen wäre, um Peeta zu trauern.
Wir treffen uns an einem Spätnachmittag direkt nach ihrer Ankunft. Am Rand des Dorfes, in dem ich gerade wohne, sitze ich auf einem Holzklotz und rupfe eine Gans. Zu meinen Füßen liegen ungefähr ein Dutzend weiterer Gänse. Große Schwärme sind seit meiner Ankunft hier durchgezogen und sie sind leicht zu erlegen. Wortlos lässt Gale sich neben mir nieder und nimmt sich auch eine Gans. Wir sind fast fertig, als er fragt: »Kriegen wir was davon ab?«
»Ja. Die meisten gehen in die Feldküche, aber ein paar muss ich den Leuten abgeben, bei denen ich heute übernachte«, sage ich. »Zum Dank.«
»Ist die Ehre nicht genug?«, fragt er.
»Sollte man meinen. Aber es hat sich herumgesprochen, dass Spotttölpel gesundheitsschädlich sein können.«
Eine Weile rupfen wir schweigend weiter. Dann sagt er: »Gestern hab ich Peeta gesehen. Durch die Glasscheibe.«
»Und?«, frage ich.
»Ich hatte einen egoistischen Gedanken«, sagt Gale.
»Dass du jetzt nicht mehr eifersüchtig auf ihn sein musst?« Ich mache eine heftige Handbewegung und die Federn fliegen in einer Wolke um uns herum.
»Nein. Genau das Gegenteil.« Gale pflückt eine Feder aus meinem Haar. »Ich dachte … dass ich dagegen niemals ankommen werde. Und wenn ich noch so leide.« Er dreht die Feder zwischen Daumen und Zeigefinger. »Wenn er nicht wieder gesund wird, habe ich keine Chance. Du wirst ihn nie loslassen können. Es würde dir immer verkehrt vorkommen, mit mir zusammen zu sein.«
»Genau so, wie es sich immer verkehrt angefühlt hat, ihn zu küssen, weil es dich gibt«, sage ich.
Gale schaut mir fest in die Augen. »Wenn das wahr wäre, könnte ich das andere fast ertragen.«
»Es ist wahr«, sage ich. »Aber ebenso wahr ist das, was du über Peeta gesagt hast.«
Gale stößt einen Laut der Verzweiflung aus. Doch als wir mit den Gänsen fertig sind und in den Wald gehen wollen, um Reisig für das Abendfeuer zu sammeln, finde ich mich in seiner Umarmung wieder. Seine Lippen streifen die verblassten Blutergüsse an meinem Hals, wandern hoch zu meinem Mund. Trotz meiner Gefühle für Peeta akzeptiere ich in diesem Moment tief im Innern, dass er nie zu mir zurückkommen wird. Und dass ich nie zu ihm zurückkehren werde. Ich bleibe hier, bis wir Distrikt 2 erobert haben, dann gehe ich ins Kapitol, töte Snow und das war es dann mit mir. Peeta wird geistig verwirrt und voller Hass auf mich sterben. Und so schließe ich im Zwielicht die Augen und küsse Gale, um alle Küsse wiedergutzumachen, die ich ihm vorenthalten habe, und weil es keine Rolle mehr spielt und weil ich so unerträglich einsam bin.
Gales Berührungen, sein Geschmack und seine Wärme erinnern mich daran, dass wenigstens mein Körper noch lebendig ist, und für den Augenblick ist das ein willkommenes Gefühl. Ich denke nichts mehr und lasse die Empfindung durch meinen Körper strömen, genieße es, mich ganz zu verlieren. Als Gale leicht zurückweicht, dränge ich mich an ihn, um die Lücke zu schließen, doch da spüre ich seine Hand unter meinem Kinn. »Katniss«, sagt er. In dem Moment, als ich die Augen öffne, scheint die Welt aus den Fugen geraten zu sein. Das hier sind nicht unsere Bäume, nicht unsere Berge, das ist nicht unser Weg. Automatisch berühre ich die Narbe an meiner linken Schläfe, die ich mit Verwirrung assoziiere. »Jetzt küss mich.«
Verunsichert, mit unverwandtem Blick stehe ich da, während er sich vorbeugt und seine Lippen kurz auf meine drückt. Er schaut mich prüfend an. »Was geht in dir vor?«
»Ich weiß nicht«, flüstere ich.
»Dann ist es, als würde ich eine Betrunkene küssen. Das gilt nicht«, sagt er mit einem schwachen Versuch zu lachen. Er hebt ein Bündel Reisig hoch und legt es mir in die Arme. Jetzt bin ich wieder bei mir.
»Woher weißt du das?«, frage ich, hauptsächlich, um meine Verlegenheit zu überspielen. »Hast du schon mal eine Betrunkene geküsst?« Ich glaube, damals in Distrikt 12 hätte Gale jede küssen können. Interessentinnen gab es jedenfalls genug. Bisher habe ich mir darüber keine großen Gedanken gemacht.
Er schüttelt nur den Kopf. »Nein. Aber es ist nicht schwer, sich das vorzustellen.«