Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn
- Автор: Коллинз Сьюзен
- Язык: немецкий
- Жанр: Любовно-фантастические романы
Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:
Ein junger Mann kommt taumelnd aus dem Bahnhof, mit einer Hand hält er sich ein blutiges Tuch an die Wange, mit der anderen schleppt er ein Gewehr. Als er stolpert und auf das Gesicht fällt, sehe ich die Brandstellen an der Rückseite seines Hemdes und das rote Fleisch darunter. Und plötzlich ist er nur noch ein Brandopfer bei einem Minenunglück.
Ich fliege die Treppe hinunter und renne zu dem Mann hin. »Halt!«, rufe ich den Rebellen zu. »Nicht schießen!« Die Worte hallen über den Platz und darüber hinaus, das Mikrofon verstärkt meine Stimme. »Halt!« Ich bücke mich, um dem Mann zu helfen, als er sich plötzlich auf die Knie stützt und mit dem Gewehr auf meinen Kopf zielt.
Instinktiv gehe ich ein paar Schritte zurück und halte den Bogen in die Höhe, um zu zeigen, dass ich in friedlicher Absicht gekommen bin. Jetzt, da er beide Hände am Gewehr hat, sehe ich das klaffende Loch in seiner Wange, wo etwas - ein herabgefallener Stein vielleicht - das Fleisch durchdrungen hat. Er riecht nach verbrannten Haaren und verbranntem Fleisch. Sein Blick ist irre vor Schmerz und Angst.
»Nicht bewegen«, flüstert Haymitchs Stimme in meinem Ohr. Ich befolge seine Anweisung, und mir wird schlagartig klar, dass uns der gesamte Distrikt 2 zuschaut, vielleicht sogar ganz Panem. Der Spotttölpel in der Gewalt eines Mannes, der nichts zu verlieren hat.
Ich kann ihn kaum verstehen. »Gib mir einen Grund, weshalb ich dich nicht erschießen sollte.«
Der Rest der Welt rückt in den Hintergrund. Nur ich bin noch da, wie ich in das unglückliche Gesicht des Mannes schaue, der mich nach einem Grund fragt. Mir sollten tausend Gründe einfallen. Doch ich sage: »Das kann ich nicht.«
Logischerweise müsste der Mann jetzt auf den Abzug drücken. Aber er ist verwirrt, versucht meine Worte zu begreifen. Als mir klar wird, wie wahr das ist, was ich gerade gesagt habe, bin ich selbst durcheinander, und Verzweiflung tritt an die Stelle des noblen Impulses, der mich auf den Platz getrieben hat. »Ich kann es nicht. Das ist das Problem, nicht wahr?« Ich lasse den Bogen sinken. »Wir haben euer Bergwerk in die Luft gesprengt. Ihr habt meinen Distrikt abgebrannt. Wir haben allen Grund, einander zu töten. Also tu es. Mach das Kapitol glücklich. Ich habe genug davon, ihre Sklaven für sie zu töten.« Ich lasse den Bogen fallen und trete ihn mit dem Stiefel weg. Er schlittert über den Steinboden und bleibt vor den Knien des Mannes liegen.
»Ich bin nicht ihr Sklave«, murmelt er.
»Ich schon«, sage ich. »Deshalb habe ich Cato getötet… und deshalb hat er Thresh getötet … und der wiederum Clove … die versucht hat, mich zu töten. So geht es immer weiter und wer gewinnt? Nicht wir. Nicht die Distrikte. Immer das Kapitol. Aber ich habe es satt, eine Figur in ihren Spielen zu sein.«
Peeta. Auf dem Dach in der Nacht vor unseren ersten Hungerspielen. Ihm war das alles schon klar, ehe wir auch nur einen Fuß in die Arena gesetzt hatten. Ich hoffe, dass er jetzt zuschaut und sich an jene Nacht erinnert und mir vielleicht vergibt, wenn ich sterbe.
»Sprich weiter. Erzähl ihnen davon, wie es war, zuzuschauen, als der Berg eingestürzt ist«, sagt Haymitch.
»Als ich heute Abend den Berg einstürzen sah, da dachte ich … dass sie es schon wieder geschafft haben. Schon wieder haben sie mich dazu gebracht, euch zu töten - die Menschen in den Distrikten. Aber warum habe ich es getan? Distrikt 12 und Distrikt 2 haben keinen Streit miteinander - außer dem, den das Kapitol uns aufgezwungen hat.« Der junge Mann blinzelt mich verständnislos an. Ich lasse mich vor ihm auf die Knie sinken und spreche leise und eindringlich. »Und warum kämpft ihr gegen die Rebellen auf den Dächern? Gegen Lyme, die euer Sieger war? Gegen Leute, die eure Nachbarn, vielleicht sogar Verwandte waren?«
»Ich weiß nicht«, sagt der Mann. Aber das Gewehr hält er noch immer auf mich gerichtet.
Ich stehe auf und drehe mich langsam herum, wende mich zu den Maschinengewehren. »Und ihr da oben? Ich komme aus einer Bergarbeiterstadt. Seit wann verurteilen Bergarbeiter andere Bergarbeiter zu einem solchen Tod und halten sich dann bereit, diejenigen zu töten, die sich aus den Trümmern befreien können?«
»Wer ist der Feind?«, flüstert Haymitch.
»Diese Leute«, ich zeige auf die Verwundeten auf dem Platz, »sind nicht euer Feind!« Schnell drehe ich mich zurück zum Bahnhof. »Die Rebellen sind nicht euer Feind! Wir alle haben nur einen Feind, und das ist das Kapitol! Jetzt haben wir die einmalige Chance, seiner Macht ein Ende zu bereiten, aber dafür brauchen wir jeden Einzelnen in den Distrikten!«
Die Kameras sind fest auf mich gerichtet, als ich die Hände zu dem Mann ausstrecke, zu dem Verwundeten, zu den zögernden Rebellen in ganz Panem. »Bitte! Schließt euch uns an!«
Meine Worte bleiben in der Luft hängen. Ich schaue zum Bildschirm und hoffe, mit anzusehen, wie eine Welle der Versöhnung durch die Menge geht.
Stattdessen sehe ich live im Fernsehen, wie ich erschossen werde.
16
»Immer.«
Peeta flüstert das Wort im Dämmerzustand des Morfix und ich begebe mich auf die Suche nach ihm. Es ist eine verschwommene Welt in Violetttönen, ohne scharfe Konturen und mit vielen möglichen Verstecken. Ich bahne mir einen Weg durch Wolkenwände, folge den schwachen Fährten, schnappe einen Hauch Zimt auf, dann Dill. Einmal spüre ich seine Hand an meiner Wange und versuche sie festzuhalten, doch sie gleitet mir wie Nebel durch die Finger.
Als ich langsam in einem sterilen Krankenzimmer in 13 wieder auftauche, kommt die Erinnerung. Ich stand unter dem Einfluss von Schlafsirup. Ich war auf einen Ast geklettert und über den Elektrozaun zurück in Distrikt 12 gesprungen und dabei hatte ich mir die Ferse verletzt. Peeta brachte mich ins Bett, und als ich wegdämmerte, bat ich ihn, bei mir zu bleiben. Er flüsterte etwas, das ich nicht richtig verstand. Aber irgendein Teil meines Gehirns hatte dieses eine Wort, seine Antwort auf eine Frage von mir, festgehalten und ließ es jetzt durch meine Träume geistern und mich verspotten. »Immer.«
Morfix nimmt allen Gefühlen die Spitze, deshalb spüre ich jetzt keinen stechenden Schmerz, sondern nur Leere. Eine Mulde mit welkem Gestrüpp, wo zuvor Blumen geblüht haben. Leider habe ich nicht mehr genug von der Droge im Blut, um den Schmerz auf der linken Seite meines Körpers zu ignorieren.
Dort hat die Kugel mich getroffen. Meine Hände betasten den dicken Verband um meine Rippen, und ich frage mich, was ich hier überhaupt noch mache.
Er war es nicht, der Mann, der vor mir auf dem Platz kniete, der Verbrannte aus dem Berg. Er hat nicht auf den Abzug gedrückt. Es war jemand weiter hinten in der Menge. Das Eindringen der Kugel habe ich kaum gespürt, nur einen Schlag wie mit dem Vorschlaghammer. Alles nach diesem Moment ist wirr, von Schüssen durchlöchert. Ich versuche mich aufzusetzen, bringe jedoch nur ein Stöhnen zustande.
Der weiße Vorhang, der mein Bett vom Nachbarbett trennt, wird zur Seite gezogen, und Johanna Mason starrt mich an. Im ersten Moment fühle ich mich bedroht, weil sie mich in der Arena angegriffen hat. Ich muss mir erst sagen, dass sie mir damit das Leben gerettet hat. Es gehörte zum Komplott der Rebellen. Aber das heißt noch lange nicht, dass sie mich nicht verachtet. Vielleicht war ihr Verhalten mir gegenüber ja nur Theater für das Kapitol?
»Ich lebe«, sage ich mit rauer Stimme.
»Was du nicht sagst, du Dummchen.« Johanna kommt zu mir und lässt sich so heftig auf mein Bett plumpsen, dass es schmerzhaft in meiner Brust sticht. Sie grinst nur, und da weiß ich, dass wir hier kein freudiges Wiedersehen feiern. »Immer noch ein bisschen empfindlich?« Mit einer geschickten Bewegung zieht sie die Morfix-Infusion aus meinem Arm und steckt sie in den Venenkatheter in ihrer Armbeuge. »Seit ein paar Tagen fahren sie meine Dosis runter. Damit ich nicht so werde wie diese beiden Irren aus 6 seinerzeit. Da dachte ich mir, sobald die Luft rein ist, schnorre ich mal bei dir. Hast ja hoffentlich nichts dagegen.«