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Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn

Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:

Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol! Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss' Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt.
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Auch Gale ist offenbar heute Morgen entlassen worden, ich treffe ihn mit Beetee in einem der Forschungsräume. Die beiden sind ganz vertieft in eine Zeichnung, sie haben die Köpfe darübergebeugt und messen etwas ab. Mehrere Versionen der Zeichnung liegen auf Tisch und Fußboden verstreut. An den Pinnwänden und auf den Computerbildschirmen sind weitere Zeichnungen. Eine erkenne ich als Rohskizze von Gales Schwippgalgenfalle. »Was ist das denn?«, frage ich heiser, und sie schauen von dem Blatt auf.

»Ah, Katniss, jetzt bist du uns auf die Schliche gekommen«, sagt Beetee fröhlich.

»Wieso? Ist das ein Geheimnis?« Ich weiß, dass Gale hier oft mit Beetee arbeitet, aber ich dachte immer, sie wären mit Bogen und Pistolen zugange.

»Eigentlich nicht. Aber ich hatte schon ein schlechtes Gewissen. Weil ich dir Gale andauernd entführe«, sagt Beetee.

Da ich die meiste Zeit in Distrikt 13 entweder desorientiert, besorgt oder wütend war und mich hauptsächlich zurechtmachen oder in der Krankenstation behandeln lassen musste, kann ich nicht sagen, dass ich Gale sonderlich vermisst hätte. Unser Verhältnis war ja auch nicht gerade harmonisch. Aber ich lasse Beetee in dem Glauben, er wäre mir etwas schuldig. »Ich hoffe, du hast seine Zeit gut genutzt.«

»Komm und sieh es dir an«, sagt er und winkt mich zu einem Computerbildschirm herüber.

Jetzt sehe ich, was sie machen. Sie nutzen die Ideen, die in Gales Fallen stecken, und bauen daraus Waffen, die man gegen Menschen einsetzen kann. Vor allem Bomben. Es geht weniger um die Mechanik der Fallen als um die Psychologie dahinter. Einen Sprengsatz an einem Ort zu verstecken, der für den Gegner etwas Lebenswichtiges bereithält. Wasser oder Nahrung. Die Opfer so zu erschrecken, dass sie fliehen und sich selbst ins Verderben stürzen. Sprösslinge in Gefahr zu bringen, um an das eigentliche Ziel des Angriffs, die Eltern, heranzukommen. Das Opfer in einen vermeintlich sicheren Hafen zu locken - wo der Tod wartet. Irgendwann haben Gale und Beetee sich von der Wildnis verabschiedet und sich auf menschliche Impulse konzentriert. Wie zum Beispiel Mitleid. Eine Bombe geht hoch. Man lässt den Menschen Zeit, den Verwundeten zu Hilfe zu eilen. Und dann werden sie von einer zweiten, noch stärkeren Bombe getötet.

»Dass ihr damit eine gewisse Grenze überschreitet, wisst ihr, oder?«, sage ich. »Dann ist jetzt also alles erlaubt?« Die beiden starren mich an - Beetee zweifelnd, Gale feindselig. »Offenbar gibt es keine Vorschriften dafür, was man einem anderen Menschen auf keinen Fall antun darf.«

»Natürlich gibt es die. Beetee und ich halten uns an dieselben Vorschriften wie Präsident Snow, als er Peeta eingewebt hat«, erklärt Gale.

So hart es ist, es stimmt. Ohne ein weiteres Wort mache ich auf dem Absatz kehrt. Ich muss sofort hier raus, sonst raste ich aus, aber ich bin immer noch in der Waffenabteilung, als Haymitch mich abfängt. »Komm mit«, sagt er. »Wir brauchen dich oben in der Krankenstation.«

»Wofür?«, frage ich.

»Sie wollen bei Peeta was ausprobieren«, sagt er. »Wollen ihm die harmloseste Person aus Distrikt 12 schicken, die sie auftreiben können. Jemanden, mit dem Peeta möglicherweise Kindheitserinnerungen teilt, der jedoch nicht zu eng mit dir in Verbindung steht. Sie gehen jetzt die einzelnen Leute durch.«

Das dürfte gar nicht so einfach sein, denn wer Peetas Kindheitserinnerungen teilt, kommt sehr wahrscheinlich aus der Stadt, und fast niemand dort hat die Flammen überlebt. Doch sie haben jemanden gefunden. Sie sitzt in dem Raum, der in ein Arbeitszimmer für Peetas Genesungsteam verwandelt wurde, und plaudert mit Plutarch. Delly Cartwright. Wie immer lächelt sie mich an, als wäre ich ihre allerbeste Freundin. So lächelt sie jeden an. »Katniss!«, ruft sie.

»Hi, Delly«, sage ich. Ich hatte schon gehört, dass sie und ihr jüngerer Bruder überlebt haben. Ihre Eltern, die das Schuhgeschäft in der Stadt besaßen, haben es nicht geschafft. Sie sieht älter aus, sie hat die eintönigen Klamotten aus Distrikt 13 an, die niemandem stehen, und die langen blonden Locken trägt sie nicht offen, sondern in einem praktischen Zopf. Sie ist etwas dünner, als ich sie in Erinnerung hatte. Sie war eine der wenigen in Distrikt 12, die ganz gut genährt waren. Das Essen hier, der Stress, die Trauer um ihre Eltern, all das hat seine Spuren hinterlassen. »Wie geht es dir?«, frage ich sie.

»Ach, das waren ein bisschen zu viele Veränderungen auf einmal.« Ihre Augen füllen sich mit Tränen. »Aber hier in 13 sind alle wirklich nett, findest du nicht auch?«

Delly meint es ernst. Sie ist ein richtiger Menschenfreund. Sie mag alle Menschen, nicht nur ein paar Auserwählte, für die man sich nach jahrelanger Überlegung entschieden hat.

»Sie geben sich Mühe, damit wir uns willkommen fühlen«, sage ich. Ich glaube, so kann man das ausdrücken, ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen. »Haben sie dich ausgesucht, damit du Peeta triffst?«

»Ich glaub schon. Armer Peeta. Und du Arme. Ich werde das Kapitol nie verstehen«, sagt sie.

»Vielleicht auch besser so«, sage ich.

»Delly kennt Peeta schon lange«, sagt Plutarch.

»Oh ja!« Dellys Gesicht leuchtet auf. »Wir haben von klein auf zusammen gespielt. Ich hab immer allen erzählt, er wäre mein Bruder.«

»Was meinst du?«, fragt Haymitch mich. »Gibt es da irgendwas, das Erinnerungen an dich wachrufen könnte?«

»Wir sind alle in dieselbe Klasse gegangen. Aber wir hatten nicht besonders viel miteinander zu tun«, erkläre ich.

»Katniss war immer so toll. Nicht im Traum dachte ich, dass sie mich bemerken würde«, sagt Delly. »Wie sie jagte und auf den Hob ging und so. Alle haben sie bewundert.«

Haymitch und ich schauen sie skeptisch an. Soll das ein Witz sein? Delly stellt es so dar, als hätte ich nur deshalb kaum Freunde gehabt, weil ich so außergewöhnlich war und die anderen damit eingeschüchtert habe. Stimmt aber nicht. Es lag daran, dass ich unfreundlich war. Aber soll Delly mich doch in den Himmel heben, wenn sie will.

»Delly denkt immer nur das Beste von den Menschen«, erkläre ich. »Ich glaube nicht, dass Peeta im Zusammenhang mit ihr irgendwelche negativen Erinnerungen haben kann.« Da fällt mir etwas ein. »Moment mal. Im Kapitol. Als ich geleugnet habe, das rothaarige Avox-Mädchen zu kennen. Da ist Peeta mir zur Seite gesprungen und hat gesagt, sie sähe Delly ähnlich.«

»Ja, ich erinnere mich«, sagt Haymitch. »Aber es stimmte ja nicht und Delly war nicht dabei. Ich glaube nicht, dass das gegen jahrelange Kindheitserinnerungen ankommt.«

»Schon gar nicht mit einer so netten Spielkameradin wie Delly«, fügt Plutarch hinzu. »Los, wir wagen mal einen Versuch.«

Plutarch, Haymitch und ich gehen in den Beobachtungsraum neben dem Zimmer, in dem Peeta eingesperrt ist. Darin sitzen schon zehn Mitglieder seines Genesungsteams, alle mit Klemmbrett und Stift bewaffnet. Durch den Einwegspiegel können wir Peeta unbemerkt beobachten, und ein Mikrofon überträgt alles, was gesprochen wird. Er liegt auf dem Bett, seine Arme sind angeschnallt. Zwar versucht er nicht, sich zu befreien, doch seine Hände sind die ganze Zeit in Bewegung. Sein Gesichtsausdruck ist nicht mehr so wirr wie in dem Moment, als er mich angegriffen hat, aber er ist immer noch fremd.

Als die Tür leise aufgeht, weiten sich seine Augen vor Schreck, dann sieht er verstört aus. Delly geht auf ihn zu, zögernd zunächst, doch als sie bei ihm ist, lächelt sie ganz selbstverständlich. »Peeta? Ich bin’s, Delly, von zu Hause.«

»Delly?« Der Nebel scheint sich ein wenig zu lichten. »Delly. Du bist es.«

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