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Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn

Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:

Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol! Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss' Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt.
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»Ja«, sage ich wieder. Bis auf die Soldaten, die an die Maschinengewehre gehen, begeben sich alle auf dem Dach nach drinnen. Auf dem Weg die Treppe hinunter lasse ich die Finger an der makellosen weißen Marmorwand entlanggleiten. So kalt und so schön. Selbst im Kapitol haben sie nichts, was es mit der Pracht dieses alten Gebäudes aufnehmen könnte. Doch die Oberfläche gibt nicht nach - meine Haut dagegen ist weich, kühlt ab. Stein siegt immer über Menschen.

Ich sitze am Fuß einer riesigen Säule in der großen Eingangshalle. Durch die Tür sehe ich den weißen Marmor der Treppe, die zum Platz führt. Ich weiß noch, wie schlecht es mir an dem Tag ging, als Peeta und ich hier die Gratulationen zum Sieg bei den Spielen entgegennahmen. Erschöpft von der Tour der Sieger, gescheitert bei dem Versuch, die Distrikte zu beschwichtigen, den Erinnerungen an Clove und Cato ausgesetzt, vor allem an Catos langsamen, grausamen Tod durch die Mutationen.

Boggs kauert sich neben mich, hier im Schatten sieht er blass aus. »Den Eisenbahntunnel haben wir nicht bombardiert. Einige werden wahrscheinlich herauskommen.«

»Und sobald sie sich blicken lassen, erschießen wir sie?«, frage ich.

»Nur wenn es sein muss«, antwortet er. »Wir könnten Züge reinschicken. Die Verletzten evakuieren«, sage ich.

»Nein. Es wurde beschlossen, ihnen den Tunnel zu überlassen. Auf diese Weise können sie die Leute rausschaffen«, sagt Boggs. »Außerdem gewinnen wir dadurch Zeit, unsere übrigen Soldaten auf dem Platz zu versammeln.«

Noch vor wenigen Stunden war der Platz Niemandsland, hier verlief die Front zwischen den Rebellen und den Friedenswächtern. Als Coin ihre Zustimmung zu Gales Plan gab, griffen die Rebellen erbittert an und trieben die Truppen des Kapitols einige Straßenzüge zurück, damit wir während des Untergangs der Nuss den Bahnhof kontrollieren konnten. Und jetzt ist sie untergegangen. Langsam haben es alle begriffen. Die Überlebenden werden auf den Platz flüchten. Ich höre wieder das Flakfeuer, sicher versuchen die Friedenswächter, sich hineinzukämpfen, um ihre Kameraden zu retten. Und unsere Soldaten sollen das verhindern.

»Du frierst«, sagt Boggs. »Ich schau mal, ob ich eine Decke finde.« Bevor ich widersprechen kann, ist er schon weg. Ich will keine Decke, obwohl der Marmor mir die Wärme aus dem Körper saugt.

»Katniss«, höre ich Haymitch in meinem Ohr.

»Bin immer noch da«, sage ich.

»Interessante Wendung mit Peeta heute. Dachte mir, das willst du bestimmt wissen«, sagt er. Interessant ist nicht gut. Nicht besser. Aber mir bleibt nichts anderes übrig, als zuzuhören. »Wir haben ihm das Band gezeigt, auf dem du das Lied vom Henkersbaum singst. Das wurde nie ausgestrahlt, deshalb konnte das Kapital es nicht benutzen, als er eingewebt wurde. Er hat gesagt, er kennt das Lied.«

Mein Herz macht einen Hüpfer. Doch dann wird mir klar, dass das bestimmt wieder nur auf die Verwirrung durch das Jägerwespengift zurückzuführen ist. »Unmöglich, Haymitch. Er hat nie gehört, wie ich das Lied gesungen habe.«

»Nicht du. Dein Vater. Peeta hat es ihn einmal singen hören, als er in die Bäckerei kam, um etwas zu tauschen. Da war Peeta noch klein, vielleicht sechs oder sieben, aber er weiß es noch, weil er genau gelauscht hat, um zu hören, ob die Vögel aufhörten zu singen«, sagt Haymitch. »Wahrscheinlich haben sie aufgehört.«

Sechs oder sieben. Das muss gewesen sein, bevor meine Mutter das Lied verboten hat. Vielleicht sogar zu der Zeit, als ich es gerade lernte. »War ich auch dabei?«

»Ich glaube nicht. Jedenfalls hat er dich nicht erwähnt. Aber es ist die erste Verbindung zu dir, die keinen Zusammenbruch ausgelöst hat«, sagt Haymitch. »Besser als nichts, Katniss.«

Mein Vater. Er scheint heute überall zu sein. Wie er im Bergwerk gestorben ist. Wie er sich in Peetas wirres Bewusstsein gesungen hat. Und jetzt erkenne ich ihn in Boggs’ Blick, als der mir fürsorglich die Decke um die Schultern legt. Ich vermisse ihn so sehr, dass es wehtut.

Das Artilleriefeuer draußen wird lauter. Gale läuft mit einer Gruppe von Rebellen vorbei, die es nicht abwarten können zu kämpfen. Ich frage nicht, ob ich dabei sein darf. Sie würden es sowieso nicht erlauben, vor allem aber ist mir nicht danach, ich brenne nicht dafür. Ich sehne Peeta herbei, den alten Peeta, denn er könnte in Worte fassen, weshalb es verkehrt ist, aufeinander zu schießen, während Menschen, egal welche, sich aus dem Berg zu kämpfen versuchen. Oder bin ich überempfindlich wegen meiner eigenen Geschichte? Sind wir nicht im Krieg? Ist das nicht nur eine von vielen Methoden, unsere Feinde zu töten?

Die Nacht kommt schnell. Riesige Scheinwerfer werden eingeschaltet und tauchen den Platz in grelles Licht. Bestimmt brennen auch im Bahnhof alle Lichter mit voller Kraft. Obwohl ich mich auf der anderen Seite des Platzes befinde, kann ich ihn durch die Scheibe des langen, flachen Gebäudes gut einsehen. Die Ankunft eines Zuges, selbst einer einzelnen Person wäre unübersehbar. Doch Stunden vergehen und niemand kommt. Mit jeder Minute wird es unwahrscheinlicher, dass jemand den Angriff auf die Nuss überlebt hat.

Es ist schon nach Mitternacht, als Cressida auftaucht und mir ein Mikrofon an mein Kostüm klemmt. »Wozu soll das gut sein?«, frage ich.

Haymitch meldet sich, um es zu erklären. »Ich weiß, es wird dir nicht gefallen, aber du musst eine Rede halten.«

»Eine Rede?«, sage ich, und sofort wird mir mulmig.

»Ich flüstere es dir ein, Satz für Satz«, versichert er. »Du musst mir nur nachsprechen. Aus dem Berg kommt kein Lebenszeichen. Wir haben gewonnen, doch der Kampf geht weiter. Deshalb dachten wir uns, wenn du dich auf die Treppe des Justizgebäudes stellst und es verkündest - allen sagst, dass die Nuss besiegt ist und dass das Kapitol in Distrikt 2 keine Macht mehr hat -, dann kannst du vielleicht ihre restlichen Truppen dazu bringen, sich zu ergeben.«

Ich schaue angestrengt in die Dunkelheit hinter dem Platz. »Ich kann ihre Truppen nicht mal sehen.«

»Dafür hast du ja das Mikro«, sagt er. »Deine Stimme wird durch ihre Notfunkanlage übertragen und dein Bild wird auf allen Bildschirmen zu sehen sein.«

Ich weiß, dass es auf dem Platz ein paar riesige Bildschirme gibt. Während der Tour der Sieger habe ich sie gesehen. Es könnte funktionieren, wenn ich in so etwas gut wäre. Aber das bin ich nicht. Bei den ersten Versuchen mit den Propos haben sie mir meinen Text auch vorgesagt und es war ein Reinfall.

»Du könntest damit viele Leben retten, Katniss«, sagt Haymitch.

»Na gut. Ich versuche es«, sage ich.

Es ist merkwürdig, so im Scheinwerferlicht auf der Treppe zu stehen, ohne sichtbares Publikum, an das ich meine Rede richten könnte. Als würde ich eine Vorstellung für den Mond geben.

»Bringen wir es schnell hinter uns«, sagt Haymitch. »Du hast keine Deckung.«

Mein Fernsehteam, das mit Spezialkameras auf dem Platz steht, gibt mir ein Zeichen, dass es losgehen kann. Ich sage Haymitch, er soll anfangen, dann schalte ich das Mikrofon ein und höre genau zu, während er mir den ersten Satz meiner Rede vorsagt. Ich erscheine in Großaufnahme auf einem der Bildschirme auf dem Platz. »An alle Menschen in Distrikt 2, hier spricht Katniss Everdeen. Ich spreche zu euch von der Treppe eures Justizgebäudes aus, wo …«

In diesem Moment fahren zwei Züge gleichzeitig in den Bahnhof ein. Als die Türen aufgehen, stolpern die Menschen in einer Rauchwolke heraus, die sie aus der Nuss mitgebracht haben. Sie müssen zumindest eine Ahnung haben, was sie hier erwarten würde, denn sie suchen sofort Deckung. Die meisten legen sich flach auf den Boden und ein Kugelhagel im Bahnhof lässt alle Lichter erlöschen. Wie Gale prophezeit hat, sind sie bewaffnet, aber sie sind auch verwundet. In der Stille der Nacht ist ihr Stöhnen zu hören.

Irgendjemand schießt das Licht auf der Treppe aus, sodass die Dunkelheit mir Schutz bietet. Im Bahnhof lodert eine Flamme auf - einer der Züge scheint zu brennen -, und dichter schwarzer Rauch quillt gegen die Glaswand. Jetzt bleibt den Leuten nichts anderes übrig, als auf den Platz hinauszudrängen, sie husten, schwenken jedoch herausfordernd die Gewehre. Schnell schaue ich zu den Dächern der Häuser, die den Platz umgeben. Auf jedem befindet sich ein MG-Nest der Rebellen. Das Mondlicht spiegelt sich in den polierten Gewehrläufen.

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